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07Aug12

Schlagwörter: Rassismus – Derailing – unsere Gesellschaft – Abwehrverhalten
Inhaltswarnung für die Links: Beschreibung von rassistischen Erfahrungen und verbaler Gewalt

Anlässlich dieses Artikels (via @Naekubi) möchte ich zwei Aussagen behandeln, die regelmäßig getroffen werden. Eine wird von Kwesi aufgegriffen

…und der Typ sagte mir, es gebe keinen Rassismus! Er relativierte und entwertete meine Meinung mit Verweis darauf, dass es in anderen Ländern wie den USA viel schlimmer sei.

Die andere ist im gesamten Artikel präsent: wenn du Weißen erklärst, dass ihre Aussage oder Handlung rassistisch war, bezeichnest du sie als Nazi, was schnell mal zu “die Nazi-Keule schwingen” wird.
Beides sind Argumente, die eine Auseinandersetzung mit der Thematik verhindern sollen. “Guck mal da drüben, die <rassistisches Stereotyp> ihre Frauen*/Kinder!”
WHO THE FUCK CARES?
Okay, I care wenn irgendwo Menschenrechte verletzt werden, aber diese Aussagen sind meist grobe Vereinfachungen oder gar völlige Falschinformationen. Sie dienen dazu Missstände in Deutschland im gleichen Atemzug wie sie sie anerkennen als unbedeutend erscheinen zu lassen. Ironischerweise geschieht das meist durch Menschen, die “die Rechte der Frauen*” oder von Homosexuellen nicht weniger interessieren könnten, allen voran im dem Land, in dem sie leben.
Gleiches beobachtet man, wenn von der “unterdrückten Muslima” (weil kopftuchtragend), die Tanja erwähnt, die Rede ist: diesen Leuten ist es sonst auch scheißegal, in welcher Form Frauen* in dieser Gesellschaft Unrecht widerfährt, aber wenn ihre angebliche Sorge um die muslimische Frau™ als Sprungbrett für rassistische Höhenflüge genutzt werden kann, steigt man gerne mal auf.

Und kommt mir nicht mit den Nazis. Ich habe bereits darüber geschrieben, wie der Hinweis auf eine rassistische Tat als Beleidigung aufgefasst wird, statt als Tatsachenbehauptung, die er ist.

Um es zusammenzufassen: es gibt uns und es gibt “die Nazis”. “Die Nazis” sind eindeutig definiert: im Zweifelsfall immer die anderen. “Die Nazis” sind rassistisch und die einzigen, die rassistische Gewalt ausüben … außer dass wir das in unseren Zeitungen nie so nennen. Bestenfalls noch “ausländerfeindlich”. Aber ich schweife ab und rege mich nur auf.
Jedenfalls gehört “den Nazis” quasi Rassismus. Das bedeutet, wenn ich etwas rassistisch nenne, nenne ich die Person einen Nazi. Die ist aber kein Nazi, weil siehe oben und voilà: kein Rassismus vorhanden! q.e.d. Himmelherrgottnochmal.
Wenn dir jemand sagt “Das war rassistisch” geht es nicht um dich. Dann ist es nicht an der Zeit zu erklären, wie du das eigentlich gemeint hast. Es nicht Zeit mit dem Finger auf die “richtigen Rassist*innen” zu zeigen oder zu erklären, warum deine dunklen Haare, deine asiatische Freundin* oder deine Vorliebe für indisches Essen dich zur*m Guten Weißen™ machen, di:er Rassismus nicht ausüben kann.
Ganz ruhig, niemand hat gesagt “Du bist scheiße.”, sondern dir wurde die einmalige Möglichkeit geliefert zu lernen, was du tun kannst, um dich weniger ignorant zu verhalten. Wenn du drei mal durchatmest, dir Zeit nimmst und dann versuchst zu verstehen, wird dir das keine*r übel nehmen. Wenn du anerkennst, dass das, was du getan hast, relativ uncool war und dich entschuldigst, wird niemand herausplatzen: “Aha! Also doch ein*e Rassist*in!” (Oder vielleicht doch, aber das ist doch völlig egal. Wenn wir ehrlich sind, wir in dieser Gesellschaft niemand dafür verurteilt, rassistisch zu sein. Nichts könnte die Mehrheit weniger interessieren.)

Also lasst einfach “die Nazis” und “die Rassist*innen” stecken, wenn das immer nur die anderen sein sollen.

Crossposted auf takeover.beta

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