Suchbegriffe 83 – Können Männer* ohne Sex leben?

Schlagworte: Sex – Beziehung – Manipulation – Abuse

Gestern fand eine*r mit dem Suchbegriff „mann kein sex gleich traurig und schlecht gelaunt?“ auf meinen Blog. Ich interepretiere die Frage so: Ist ein Mann*/sind Männer* generell schlecht gelaunt, wenn sie keinen Sex haben/“kriegen“. Antwort: Nope. Während Menschen generell sicher enttäuscht sein können, wenn sie gerade Lust auf Sex haben und dann nichts passiert, heißt das nicht, dass es sie so stark mitnimmt. (Ich rede von „Menschen“, weil Männer* tatsächlich nicht wesentlich anders fühlen als andere Geschlechter.) Wonach die Frage für mich klingt, ist ehrlich gesagt eine manipulative Person, die mit ihrer Enttäuschung nicht verantwortungsbewusst umgeht. Denn es gibt eine Grenze zwischen verständlicherweise enttäuscht sein und auf solch eine Art schlechte Laune usw. demonstrieren, dass die andere Person sich schlecht dafür fühlt, keine Lust auf Sex zu haben. Und letzteres ist nicht okay. Einer Person solch ein schlechtes Gewissen zu machen, dass sie daran zweifelt, ob sie keine Lust auf Sex haben darf, ist vollkommen daneben. Siehe auch einen meiner älteren Artikel dazu.

Warum f***en Leute sich nicht selbst?

Trigger Warnung emotionale Gewalt, sexualisierte Gewalt. Gilt auch besonders für den Link
Thema: Manipulation in (sexuellen) Beziehungen.

Diese Frage stelle ich mir immer wieder: Warum gibt es Menschen, die ihre*n Partner*in anbetteln, bedrängen, umgarnen, beknien, traurig ansehen, anschweigen, anschmollen oder beschimpfen, weil diese*r momentanes Desinteresse an Sex bekundet hat, statt es sich einfach selbst zu machen? (Nun gibt es einige, die das aus körperlichen Gründen nicht können, aber eine*n zu sexuellen Handlungen zu zwingen, wird dadurch nicht besser. Sie sind lediglich vom zweiten Teil meiner Frage ausgeschlossen.)
Warum erscheint es diesen Menschen als vorteilhaft, mit einem*r zu schlafen, di:er es folgerichtig nicht genießen wird? Es kann unmöglich daran liegen, dass der „Sex“ besser wird, denn die andere Person hat keine Lust. Das Einzige, was hier Sinn macht, ist eine [edit] nicht Einverständnis-basierte[/edit] sadistische Motivation und the hell, da kann ich nur sagen: Lauf so schnell du kannst. (Gut, das tue ich generell, wenn deine Partner*in/nen ein Nein, auch und vor allem im Bett, nicht anstandslos akzeptieren.)

Die einfache Antwort lautet natürlich: sie glauben, ein Recht darauf zu haben. Dieser Thread zeigt ganz gut, mit welchen Ausreden, die Aggressor*innen das rechtfertigen: ungleicher Sexdrive, „früher haben wir doch so viel“, „ich will aber“ … in Realität ist es immer das gleiche: meine Bedürfnisse > dein Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Und wenn das mal nicht abgefuckte sexistische Scheiße ist (wie ihr wahrscheinlich erraten habt, handelt es sich oft um eine Hetero-Beziehung, in der der Mann* Stress macht. Es stehen unzählige traurige Beispiele in dem Thread).
Wie hinter dem Link diskutiert wird, kommen noch einige andere Aspekte unserer patriarchalen rape culture hinzu: „Frauen* wollen ja eh nie“, „Frauen* haben ja generell eine geringere Libido“ (was für ein abgefuckter Grund, um sie gegen ihren Willen zu zwingen) oder einfach der Fakt, dass uns Nein sagen und die Relevanz der eigenen Bedürfnisse vs. der anderer nicht im gleichen Maße beigebracht wird.

Eine Beobachtung aus dem Thread, die auch nicht vergessen werden sollte, lautet: wer ein Nein ignoriert, diskutiert, in Frage stellt, tut das nicht nur im Bett. Das Missachten der*s Partner*in erstreckt sich meist auch auf den Rest der Beziehung, in kleinen oder großen Formen. Oft geht dies einher mit gaslighting. Dieser Begriff bedeutet etwa, dass man einer Person so häufig die Realität und Legitimität ihrer Wahrnehmung/Gefühle abspricht, dass sie zunehmend an ihnen zweifelt und sich immer mehr an die Wünsche der*s Partner*in anpasst – meist um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Oft wird dies auch davon begleitet, dass di:er Täter*in versucht, sire Partner*in von desren Freund*innen/Familie/unterstützendem Netzwerk zu entfremden.

Wie Gavin de Becker in seinem (victim-blamenden) Buch The Gift of Fear sagt: Nein, ist ein vollständiger Satz. („No is a complete sentence.“) Dies bedeutet, dass eine Person, die ein Nein nicht respektiert, versucht dich zu manipulieren. „Nein“ ist nicht missverständlich. Ablehnung ist, auch in Körpersprache, eindeutig.¹ (Mit der Ausnahme von Menschen, die Körpersprache schlecht lesen können.) Menschen, die eine Absage nicht stehen lassen, tun dies mit voller Absicht, weil sie dein Recht auf Selbstbestimmung nicht respektieren. This way lies doom.

1 (Übersetzung auf Anfrage)

Especially since nine times out of ten, the creepers I’ve seen can readily identify social cues from the other men, but flat out ignore them from women because it’s more fun to watch us get uncomfortable.

katyisbutthurt

I used to react to unwanted attention from a guy at a social event by going all small and uncomfortable and nonresponsive and “please just go away”, and that this left me with the impression that only about 40% of all guys are any good at reading social cues — and then I changed my body language to “go away now or I will reject you loudly and embarrassingly in front of everyone” and, hey, wow, what do you know, there are practically NO boys out there who can’t read body language, after all.

gemmaem

[Editiert am 26.09.2012 wegen triggerendem Potenzial der Überschrift und Klarheit. Zweisatz]

Open Thread: Erklärt ihr, warum ihr weg seid?

Schlagwörter: Freundschaft – Beziehung – Open Thread

Zunächst einmal eine kurze Erklärung zum Begriff „Open Thread“ für die, die damit nicht vertraut sind: im Großen und Ganzen geht es darum, dass ich keinen Artikel mit ausgeformten Gedanken poste, der dann kommentiert werden kann. Stattdessen stelle ich ein Thema zur Diskussion, zu dem ihr eure Gedanken, Erfahrungen und spontanen Einfälle loswerden könnt.
Der Thread ist also „open“ (offen) für alle, hat aber auch ein „offenes“ Ende, denn die ULTIMATIVE Antwort oder den Tenor der Kommentare kann ich nicht voraussagen.

Nun zu meiner Frage: Irgendwann im Leben trennt sich wohl jede*r von alten Freund*innen oder auch Partner*innen. Wie Captain Awkward meiner Meinung nach richtig anmerkt, macht es bei entsprechenden Gesprächen aber wenig Sinn zu sagen: „Ich gehe, weil du an dem Tag diese Sache gemacht hast und dich generell nicht um das gekümmert hast“. Sie empfiehlt hingegen, sich nur auf die eigenen Motive zu berufen („Diese Freundschaft/Beziehung funktioniert nicht mehr für mich.“ z.B.).

Meine Frage lautet: Gebt ihr Fragen nach den Gründen nach?

Ich persönlich habe den Eindruck, dass es größeres Verletzungspotenzial bietet, als dass es nutzt (wenn die Person manipulativ war – was leider auch vorkommt – bietet eine Liste der Gründe ihr auch noch Diskussionsstoff, wo es nichts mehr zu diskutieren gibt.)

Was sind eure Gedanken dazu oder auch Erfahrungen damit?

Edit: Dieser Artikel war die Inspiration für meine Frage. (Trigger Warnung wegen Schilderung von abusive relationships in ein paar Kommentaren)