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Schalgwörter: racial profiling – Rassismus – Frauen* – Gesundheit – Italien – Österreich – N-Wort – Muttertag – Vatertag – Klassismus – Ableismus

Zunächst einmal: ihr könnt eine Petition unterzeichnen, die zum Ziel hat, racial profiling (also dass die Polizei die Hautfarbe von Menschen als Anfangsverdacht nutzen darf) zu stoppen. Es kann anonym unterzeichnet werden (= ohne dass der eigene Name auf der Website gelistet wird).


Mutterkreuz-Trägerinnen-Tag und Kanonefuttertag

Das Neue Theater Halle hat sich mit guten Chancen ins Rennen ums rassistischste Theater Deutschlands begeben

Sinkende Wahlbeteiligung: junge, arme und und schlecht Gebildete bleiben fern

Berliner Kriminalstatistik machte Deutsche zu Ausländer*innen

Seit Jahren zunehmende Zahl von Frauen*morden in Italien

Frauen* wird in Deutschland nutzlose Ultraschalluntersuchung zur Krebsfrüherkennung nahegelegt

“Die Sache mit Sarah Kuttner”

Warum Moral im Gesundheitssystem nicht von Nutzen ist

Österreich: offensichtlich klassistische Regelung zur Vergabe der Staatsbürgerschaft trifft auch Behinderte

Wie verhalte ich mich möglichst nicht wie ein Arsch?

Schlagwörter: feministische Grundlagen – street harassment – Don’t be that asshole – Frauen*

[Triggernde Worte und Beschreibung von street harassment und anderen Formen der (sexuellen) Belästigung folgend]
Im Folgenden geht es aufgrund des Themas um Interaktionen zwischen Personen, die männlich wirken und Personen, die sich als weiblich identifizieren.


Street harassment ist unglaublich anstrengend, nervtötend und einschüchternd für Betroffene, also was tun, wenn Mann* doch mal eine Frau* ansprechen will?

Dieses Thema wurde in mindestens einem [Trigger Warnung für Titel des verlinkten Posts] englischsprachigen Artikel, der inzwischen recht bekannt ist, behandelt, aber ich werde dennoch im Geiste meines letzten Artikels zu street harassment darauf eingehen.

Man stelle sich vor, man ist unterwegs. In der Bahn oder zu Fuß, vielleicht mit dem Fahrrad oder dem Auto. Man hat ein Ziel, denn man muss zur Arbeit, einkaufen, möchte Freund*innen treffen oder endlich nach Hause, um sich entspannen zu können. Vielleicht ist man auch unterwegs, um sich dabei zu entspannen. Sehr unwahrscheinlich ist, dass man sich im öffentlichen Raum bewegt, um Menschen kennen zu lernen.
Nun wird man unterbrochen. Eine hoffentlich freundlich wirkende Person spricht eine* an.
Bereits in diesem Moment gibt es viele Umgebungsbedingungen, die beeinflussen, wie die Interaktion auf die Angesprochene wirken wird.

Aber gehen wir einen Moment zurück in der Zeit.

Die angesprochene Person ist in einer rape culture aufgewachsen. Ihr wurde von klein auf vermittelt, dass sie zu bestimmten Tageszeiten, in bestimmten Umgebungen, mit bestimmter Kleidung und in bestimmten Situationen vorsichtig sein muss, “damit ihr nichts geschieht”. Ihr wurde vermittelt, dass fremde Männer* eine Gefahrenquelle sind.
Leider wird sie aber nahezu unausweichlich nicht nur dieses theoretische Training erhalten haben, sondern auch ein praktisches. Sie wird erlebt haben, wie sie anzüglich oder mit Abscheu im Blick angestarrt wird, ihr hinterhergerufen oder sie angehupt wurde. Oft auch Einschneidenderes.
Wenn man bereits erlebt hat, wie die körperliche oder sexuelle Selbstbestimmung auf die eine oder andere Art verletzt wurde, wird man eine natürliche Reaktion darauf zeigen: man versucht zu verhindern, dass es noch einmal geschieht und befindet sich in einer Situation, die als gefährlich wahrgenommen wird, in Alarmbereitschaft.

Das klingt jetzt alles sehr negativ und deprimierend, aber wenn dich das überraschend trifft, kann ich nur sagen: Grüß dich, Privileg.

Also kommen wir dazu, welche Faktoren, die du beeinflussen kannst, bestimmen wie du während eines Gesprächs wahrgenommen wirst.

-> Umgebung
Vorzugsweise befindet ihr euch in der Hörweite von einigen anderen Menschen (die nicht unter dem Einfluss von Rauschmitteln stehen oder ein “Frauen sind scheiße”-Plakat herumtragen), je mehr desto besser. Öffentliche Verkehrsmittel, offene Plätze oder überfüllte Einkaufspassagen sind in der Hinsicht positiv.

-> Fluchtweg
Das klingt wieder sehr bedrohlich, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Niemand möchte sich fühlen, als wäre hän in einer ausweglosen Situation. Fang also kein Gespräch mit einer Frau* an, die an einem Fensterplatz sitzt, während du den Weg zum Gang versperrst.

-> Körperhaltung
Abstand ist zentral. Je mehr Platz zwischen dir und ihr ist, umso besser. Menschen variieren im Empfinden, was für sie im Gespräch die beste Entfernung zueinander ist. Im Zweifelsfall wird sie auf dich zukommen.
Das gilt übrigens generell in öffentlichen Verkehrsmitteln, denn wenn ich kuscheln will, gehe ich damit zu Personen, die ich mag und die Lust drauf haben, nicht zu meinem Sitznachbarn.

-> Easy out
Da davon auszugehen ist, dass “Dich unterwegs kennelernen” nicht auf ihrer heutigen ToDo-Liste stand, halte das Gespräch kurz und biete ihr eine einfache Möglichkeit, es zu beenden. Wenn du nur nach dem Weg/der Uhrzeit fragen möchtest, belass’ es auch dabei und verwickel’ sie nicht in ein Gespräch, weil sie so freundlich wirkte.
Wenn du sie gerne treffen möchtest, biete ihr deine Nummer/E-Mail-Adresse/Twitternamen an. (Wenn sie Nein dazu sagt, ist das in Ordnung und du beendest das Gespräch höflich.)

-> Enthusiasmus ist key
Achte darauf, wie sie reagiert und wie viel sie von sich aus sagt. Freundlichkeit allein ist kein Zeichen von Interesse oder Freude am Gespräch, es ist mehr oder weniger der weiblich sozialisierte Default-Wert. Eine rege enthusiastische Beteiligung am Gespräch (das heißt nicht, nur auf Fragen zu antworten!) ist z.B. ein klareres Zeichen von Interesse.
Wenn sie allerdings schon zu Begin des Gesprächs bedrückt, ängstlich, aggressiv oder abweisend wirkt, beende es so schnell wie möglich. Zu versuchen sie von deiner Nettigkeit zu überzeugen wirkt nur aufdringlich (und stellt deine Nettigkeit ernstlich in Frage, schließlich hat sie nicht um das Gespräch gebeten).

-> Muss das wirklich sein?
Zu Beginn einer Interaktion, sollte immer die Frage stehen: ist das wirklich wichtig? Frauen*, an denen du vorbeigehst, müssen überhaupt nicht wissen, wie attraktiv du sie findest.

Tatsache ist: keine Frau* schuldet dir ihre Freundlichkeit oder Interesse und nicht einmal ihre Aufmerksamkeit. Wenn du Frauen* kennenlernen möchtest, tust du das am besten in Kontexten, die dafür geschaffen sind, wie Partys, Clubs¹ oder noch besser: Dating-Webseiten. Aber auch wenn du ehrlich nur nach der Uhrzeit oder dem Weg fragen möchtest, hat die Angesprochene jedes Recht nicht mit dir sprechen zu wollen. Du weißt nicht, was sie schon erlebt hat und sie muss sich nicht rechtfertigen.

1 Editiert am 25.05.2012, Wie ich mehrfach korrekt daraufhingewiesen wurde, sind Partys und Clubs (oder während des Urlaubs oder im Park) eben keine Orte, um Frauen* bedenkenlos anzumachen, weil es die Orte sind, an denen es am häufigsten und vor allem aufdringlichsten geschieht. Sie sind zur Entspannung geschaffen und daher sollte im Blick behalten werden, dass es nicht für jede Frau* “Entspannung” ist, angemacht zu werden – erst recht nicht, wenn es in einer übergriffigen Weise geschieht, wie ich in meinem Artikel zu street harassment beschrieb oder auch oben (bedrängen, isolieren, zulabern).

Crossposted auf takeover.beta

Pick-up Tips einer Feministin*

Die hier vorgestellten Ratschläge richten sich natürlich an heterosexuelle Männer* (ich traue mich kaum, das Sternchen zu setzen, so unglaublich männlich sind sie), denn wie allseits bekannt ist, gibt es kein anderes Geschlecht, das Menschen jemals ins Bett kriegen wollte und Männer* statt Frauen* aufreißen zu wollen, ist ja schon mal voll komisch.

Nun denn, let’s go.

1 – For the love of god, sprich eine Frau* nie direkt an! “Hättest du Lust, dich mal mit mir zu treffen?” könnte dazu führen, dass sie* erfährt, dass du Interesse an ihr* hast und sie* in die Lage versetzen, eine an der Realität orientierte Entscheidung zu treffen. Das möchten wir eindeutig nicht.

2 – Wenn du ein Kompliment machst, dann verbinde es mit einer kleinen Beleidigung: “Normalerweise würde so eine Nase mich abschrecken, aber dafür steht sie dir erstaunlich gut.” Beleidigt zu werden wird ihr* den Tag versüßen. Sie* wird sich denken: ‘Wer so offen mit Worten umgeht und weiß, meine Gefühle zu verletzen, wird sicher ein fürsorglicher Partner sein und mich im Bett vollkommen befriedigen.’, nicht etwa: ‘Was für ein Arschloch. Das ist doch nicht einer von diesen Typen, die peinliche Sprüche auswendig lernen, weil sie einfach nur ficken wollen?’ und eine brüske Kehrtwende machen.

3 – Steh’ zu nah oder berühre sie* beim Reden, obwohl sie* keinerlei Interesse zeigt. Sie* wird sich das Unwohlsein, das hiervon bei ihr* ausgelöst wird, dadurch erklären, dass sie* zu lange keinen Sex mehr hatte und dich unmittelbar auf die Toilette schleppen, um dir das Hirn ‘rauszuvögeln.

4 – Tappe nicht in die Falle, Frauen* als Menschen zu betrachten. Sobald man anfängt zu glauben, dass sie* ebensolche Gefühle, Sorgen und Wünsche haben, wie andere Geschlechter auch, verliert man die Fähigkeit, sie* zu verstehen, die man sich durch Bücher wie “Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus” mühsam erarbeitet hatte.

5 – Beleidige sie* und rede abwertend über sie* vor deinen Freund*innen. Ihre Reaktion ist die altbekannte Reaktion von Leuten, die man beleidigt hat: sie finden dich automatisch sympathisch und wollen dir an die Wäsche. Je schlimmer die Beleidigung, desto stärker die Anziehung natürlich.

6 – Umgib dich nicht mit Freundinnen*, mit denen du nicht ins Bett willst. Du könntest den falschen Glauben entwickeln, dass Frauen* nur Menschen sind (vgl. 4) und du könntest bemerken, wie du anfängst, dich in der Umgebung von Frauen* entspannt und wohl zu fühlen und dadurch einen positiven Eindruck auf sie* zu machen. Vorsicht!

7 – Wenn eine Frau* ihr Desinteresse bekundet hat, nerv’ sie* weiter. Dies wird ihr eindeutig zeigen, dass deine Fähigkeiten, Grenzen zu respektieren voll entwickelt sind und es das sicherste der Welt wäre, mit dir nach Hause zu gehen.

8 – Begib dich auf Veranstaltungen, nur um Frauen* aufzureißen. Das ständige Starren auf Ausschnitte und Hintern und der von dir ausgehende Gestank nach Verzweiflung, sowie der daraus resultierende Creep¹-Faktor wirken wie ein Aphrodisiakum² auf Frauen*. Die mögen nichts lieber, als mit hohlen Phrasen angequatscht zu werden, die unterm Strich nur eines bedeuten: “Willste ficken?”

9 – Schlechte Anmachsprüche. Frauen* erkennen, wenn sie* kreative Menschen vor sich haben und freuen sich auch über das 10. und 15. Mal “Erinnerst du dich an das letzte Mal, als wir uns getroffen haben?”, “Hast du dir weh getan, als du vom Himmel gefallen bist?” und der elliptische³ Klassiker: “Geile Titten”.

10 – Verarbeite Fehlschläge durch Beleidigungen. Wenn du erfährst, dass die Frau*, die du gerade angemacht hast, eher auf Frauen* steht, zeig dein Entsetzen oder frag’ sie* nach ’nem Dreier. Den Abend wirst du auf jeden Fall nicht alleine verbringen und sie* wird dich ihren hetero- und bisexuellen Freundinnen* weiterempfehlen!

11 – Und natürlich: Such dir nie ’ne Feministin*. Wenn du Pech hast, macht es dich zu einem besseren Menschen.

1 creepy, engl.: gruselig
2 Mittel zur Anregung des Geschlechtstriebs (for real, Duden?)
3 Ellipse: Satz ohne Verb

Frauen* – Eine Erklärung

Da ich mich heute entschieden habe, euch Frauen* zu erklären, werde ich mit den Grundlagen beginnen: Frauen* sind Menschen. Sie mögen angenehme Dinge und sie vermeiden unangenehme Dinge. Sie sind am glücklichsten, wenn sie ihr Leben nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestalten können. Sie werden unglücklich, wenn man sie in ihrer Entfaltung einschränkt, sie bedroht, bevormundet, ausgrenzt oder auf sie herabblickt. So viel dazu.
Kommen wir nun zu einigen konkreten Eigenschaften von Frauen*:

Sie furzen. Auch in Körpern, die als weiblich gelesen werden und/oder sich als weiblich identifizieren, suchen Verdauungsgase ihren Weg nach draußen. Erstaunlicherweise kommen dabei keine Schmetterlinge zum Vorschein. Es ist also völlig unrealistisch anzunehmen, dass Frauen* nie pupsen und daher irrational, in Schockstarre zu verfallen, wenn man es doch einmal erlebt. Get over it.

Viele Frauen menstruieren. Oder “haben ihre Tage” oder “bluten wie sonstwas”. Dies ist natürlich. Wenn frau* möchte, kann sie Binden, Tampons, Diva Cups, … oder auch nichts verwenden. Viele haben dabei auch leichte bis unerträgliche Krämpfe, die von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen andauern. Hier gilt, wie bei allen Dingen, die mit Schmerzen zu tun haben: die Person, die gerade leidet, wird am besten wissen, wie stark die Schmerzen sind. Also kein “Das muss doch gehen.” oder “Stell dich nicht so an.” (bei letzterem würde man in meinem Falle ‘rausfliegen).
Zu beachten ist hier: die Methoden, Blut aufzufangen, sind nicht unfehlbar und der Beginn der Periode ist nicht immer vorhersagbar, also wird es Blut geben. Die richtige Etikette für diesen Fall heißt nie “Igitt, omg, wie kannst du mir das antun *faint*” sondern die Person unauffällig beiseite zu nehmen, auf den Fleck aufmerksam machen, ohne herumzudrucksen oder zu transportieren, dass das jetzt total peinlich/eklig sei und Hilfe in Form von entsprechenden Produkten oder Kleidungsstücken zum Umbinden anbieten.
Wenn ihr damit klar kommt, dass andere Leute Spucke produzieren, dann sollte euch Periodenblut nicht umhauen. Niemand zwingt euch dazu, es als Körperschmuck zu verwenden.

Sie rülpsen. Luft, Verdauung, blabla. Manchen macht das sogar Spaß. Es ist natürlich, get over it.

Sie gehen aufs Klo. (Ich habe mich nur knapp gegen das k-Wort entschieden.) Ja, viele mögen sich dies nicht vorstellen, aber Körper müssen Abfallprodukte allgemein ausscheiden. Es sollte zu denken geben, wenn man nicht fähig ist, sich geistig mit dieser Tatsache zu konfrontieren.

Sie sind behaart. Mit dem Rasieren kann man es halten, wie man will, aber auch Frauen* sind mehr oder weniger stark von oben bis unten behaart. Im unrasierten Zustand haben die meisten Haare u.a. an den Beinen, an den Armen, um die Vulva und sogar im Gesicht (hier natürlich eher Flaum, aber manchmal auch mehr).

Sie haben Poren. Ich sage dies nur als kleine Erinnerung, weil viele Werbeplakate inzwischen Gegenteiliges suggerieren¹. Daher: Gesichter lassen üblicherweise Poren erkennen.

Schön, dass ihr meinem kleinen Exkurs² so weit gefolgt seid. Ich hoffe, er hat zu eurer Bildung und zum Verstehen der Frau* an sich beigetragen.
Was ich eigentlich sagen will: es ist kein Zeichen von Respekt oder Wertschätzung, eine Person(engruppe) aufs Podest zu stellen, sondern respektlos und einengend. Denn Menschen werden zwangsläufig anfangen zu kippeln und herunterzukippen, weil sie Menschen sind. Mit allem, was dazu gehört. Die Stilisierung³ von Frauen als “rein”(licher) oder “sanft” oder “sinnlich” wirkt wie ein Korsett, dass ihnen wenig Ausdrucksmöglichkeiten lässt. Und nebenbei bietet es einen offensichtlichen Grund, die zu bestrafen, die sich gar nicht erst einschnüren lassen. Lasst euch von den schönen Worten nicht täuschen.
Frauen* sind Menschen, behandelt sie auch so.

1 weismachen wollen
2 Ausflug
3 beschönigende Darstellung