45 Zitat der Woche 45

Schlagwörter: Freund*innenschaft – Diskriminierung – abuse – Armut

I think the thing with most people not seeming to be aware of or disturbed by the transactional/safety-net element of friendships is friendship-prosperity. If your safety net is big and there are enough resources floating around in your friend-network that any help you are likely to need is not likely to be a significant burden to any of your friends, then you don’t have to think about it. If you have few friends, if their lives are also precarious, and if you have a realistic chance of needing major help, then you do have reason to worry about troubles so heavy they would break the safety net. It’s harder to climb up from poverty than it is to remain in prosperity.

[Ich denke die Sache mit den meisten Leuten, die des Transaktions-/Sicherheitsnetz-Elements von Freund*innenschaften¹ nicht Gewahr zu sein scheinen oder deswegen beunruhigt sind, ist Freundschafts-Reichtum. Wenn dein Sicherheitsnetz groß ist und es in deinem Freund*innen-Netzwerk genug Mittel/Ressourcen gibt, so dass jede Hilfe, die du möglicherweise brauchen wirst, wahrscheinlich keine große Last für irgendeinen deiner Freund*innen darstellt, dann musst du darüber nicht nachdenken. Wenn du wenig Freund*innen hast, wenn ihr Leben auch prekär ist und wenn es realistisch ist anzunehmen, dass du viel Hilfe brauchen könntest, dann hast du einen Grund dir über Probleme Gedanken zu machen, die so schwerwiegend sind, dass sie dein Sicherheitsnetz reißen lassen könnten. Es ist schwieriger aus Armut aufzusteigen als wohlhabend zu bleiben.]

Kathmandu auf Fugitivus

1 Gemeint ist der Fakt, dass in Freund*innenschaften ein Geben und Nehmen herrscht, dass kleine und manchmal größere Gefallen ausgetauscht werden, ohne dass eins festhält, wer wie viel gegeben hat, aber die Gefallen sich (meist) etwa die Waage halten (Redewendung).

Du hast die Wahl den Mund zu halten – Diskriminierung zur Bundestagswahl 2013

Schlagwörter: Politik – Wahlen – Diskriminierung

Euch mag vielleicht aufgefallen sein, dass Bundestagswahlen anstehen. – Ja, ich weiß! Bei dem Thema steht Haare raufen und lamentieren an, denn so ziemlich jede*r kann es nicht mehr hören. Ich zumindest nicht. Wo Menschen sich viel und gerne empören, geht aber einiges oft schief und darüber möchte ich kurz sprechen.

Die Kandidat*innen für die Bundestagswahl und Kanzleranwärter*innen mögen selten Mehrfachdiskriminierung aufweisen, aber tatsächlich gibt es einige unter ihnen, die nicht weiß, hetero und männlich gleichzeitig sind. Merkel ist trotz Status und Geld immer noch ein Ziel von Sexismus, Rösler von Rassismus und Westerwelle von Heterosexismus. In the grand scheme of things¹ geht es diesen (und einigen anderen) Politiker*innen natürlich ziemlich gut. Das ist es, was z.B. Geld tut. Aber sie können, trotz Status, immer noch Ziel von diskriminierenden Angriffen sein.
Ich möchte hier weniger darauf hinaus, was das für sie persönlich bedeutet (es macht einen Unterschied, ob eine Person auf politischer Ebene kritisiert wird oder unter der Gürtellinie (RW = Redewendung)). Ich möchte darauf hinaus, dass Diskriminierung nicht lustig wird, nur weil sie gegen „die Starken und Mächtigen“ gerichtet ist.
Wenn Merkel auf ihr Äußeres reduziert wird, schreibt das den Gedanken fort, dass es okay ist, Frauen* nach ihrem Äußeren zu bewerten. Sexistische Aussagen über Merkel zementieren immer noch herkömmlichen Sexismus, weil es diskriminierenden Strukturen egal ist, wer heute das Ziel ist – was hängenbleibt und fortgeschrieben wird, ist der niedere Status der Gruppe, über die da gewitzelt wird. Das gleiche gilt für Rösler oder Westerwelle. Es ist keine Kritik an der Person, wenn man ihr den falschen Umgang mit ihrer eigenen Herkunft unterstellt. Das ist ganz blanker Rassismus, der ein „Wir“ gegen „die anderen“ herstellt. Wenn eine Zeitung wie die taz sich erdreistet, ur-rassistische Fragen zu stellen, bleibt nicht nur „Ach das darf man Rösler fragen.“ hängen. Man „darf“ das Rösler fragen, weil er nicht zum Uns gehört. Man darf das folgerichtig alle fragen, die nicht zum Uns gehören. Das ist Fortschreibung von Rassismus. Und jeder müde heterosexistische Witz über Westerwelle ist so schon über 1000 andere gemacht worden, die aufgrund ihrer Sexualität oder als mangelhaft eingeschätzter gender-performance als Schwächere eingeordnet wurden. Da muss mir keine*r erzählen, das hätte noch irgendwas mit der Person zu tun.

Mein Punkt ist: Es ist mir scheißegal, was du über Merkels Körperbau, Röslers Reisgewohnheiten oder Westerwelles Partnerschaft denkst. Halt einfach den Mund, wenn dir außer diskriminierenden Angriffen nichts einfällt. Wir leben in diskriminierenden Strukturen, wo eine Handlung nie nur für sich steht. Sie steht für ein ganzes diskriminierendes System, das auf diese Art weiterhin am Leben erhalten wird. Bring entweder eine sachliche Kritik an oder lass es ganz.

1 Im Großen und Ganzen

PS: Es tut mir so leid, dass ich ein Wortspiel auf die Wahl in den Titel eingebaut habe.

Gefühle und Diskriminierung – Diskriminierende Gefühle? (Teil 3)

Schlagwörter: Diskriminierung – Gefühle – Grenzüberschreitung – Consent – Oppression Olympics

Inhaltswarnung: Beispiele von rassistischen und klassistischen Vorurteilen, Ableismus, Antisemitismus, Selbstbeschimpfung, übergriffige Situationen, street harassment

Vor allem in Teil 1 habe ich behauptet, dass es keine bösen Gefühle gibt – gemeint waren solche wie Neid, Eifersucht, Missgunst. Das passt allerdings nicht ganz damit zusammen, dass ich gegen Diskriminierung bin, schließlich entstehen Gefühle auch aufgrund von Vorurteilen, die man gelernt hat.
Die Angst vor „kriminellen Ausländer*innen“ oder Menschen, die als psychisch krank eingeschätzt werden, die Abscheu gegenüber „faulen“ Hartz IV-Bezieher*innen, das Gefühl der Überlegenheit gegenüber Menschen, die „nicht mit ihrem Geld umgehen können“. All dies sind keine Gefühle, die durch eigene Erfahrung gerechtfertigt sind. Sie entstehen, weil Menschen mit verbreiteten Vorurteilen umgehen als wären sie Erfahrung.

Wenn ich gegen eine Glastür laufe, werde ich die nächsten Male vorsichtiger sein. Ich meide sie aus Erfahrung. Bei Stereotypen erzählt sich eine privilegierte Gruppe Menschen eine Geschichte so lange, bis sie wahr scheint. Mitunter erzählen die negativ Betroffenen sogar mit (z.B. bei internalisiertem Sexismus), um sich gegen „die anderen“ abzugrenzen. „Andere Frauen sind so xy, aber ich bin das nicht.“ Weil alle davon sprechen, kann es keinen Zweifel geben, dass man hier auf eine wichtige Sache gestoßen ist und *poof* ist es völlig in Ordnung, zu diskriminieren.
Manchmal hat die Geschichte auch wahre Inhalte, aber Ursache und Wirkung werden verzerrt. Das kann man z.B. bei Rassismus bzw. Antisemitismus beobachten: Erst enthält man einer Gruppe die Möglichkeit vor, Arbeit zu finden, weil man sie strukturell benachteiligt – Diskriminierung in Schule, Ausbildung, dem Arbeitsmarkt. Dann sucht man die Schuld für eingebildete oder reale Joblosigkeit bei ihnen – alles, um nicht die strukturelle Gewalt anerkennen zu müssen. Schon im Mittelalter hatte man das drauf: Erst Jüd*innen verbieten in fast allen Berufen zu arbeiten und sie dann für ihre „Geldgier“ beschimpfen, wenn sie die einzig bleibende Einnahmequelle nutzen.

Wir erzählen uns als Gesellschaft also Geschichten darüber, warum Diskriminierung gerechtfertigt sein soll und behandeln sie wie einen Film, an dessen Ende „Basierend auf wahren Ereignissen“ steht. Jede Person, die „stereotypes“ Verhalten an den Tag legt, ist dann ein „Beweis“ für die Vorurteile. Jede Person, die es nicht tut, wird vernachlässigt. Eine Frau*, die rosa mag: BEWEIS!!! Eine Frau*, die grün mag: gleich vergessen.

Es ist also nicht von der Hand zu weisen, was Lundy Bancroft in Teil 1 sagte: Unsere Gefühle werden (auch) von unseren Einstellungen und Gewohnheiten und damit Vorurteilen beeinflusst.

Wie mit solchen Gefühlen umgehen?

Meine Antwort darauf leitet sich durchaus aus den vorhergehenden Teilen ab: Ich sehe keinen Sinn darin, sich selbst für diskriminierende Gefühle zu beschimpfen.

Kennt ihr das, wenn andere sich oder ihr euch selbst so hart verurteilt, dass es nur noch darum geht, wie scheiße sie/ihr seid und irgendwie gar nicht mehr um die Sache?
Wenn eine Person dies bei sich tut, führt es zu einer unendlichen Spirale der Schuld und Scham, in der die Person sich beschimpft bis sie erschöpft genug ist, um sich in den Schlaf zu weinen. Problem gelöst? Nein.
Ich steh nicht so auf den Ansatz der katholischen Kirche, wo man sich einfach selbst schlägt (im übertragenen Sinne oder wörtlich) und dann ist das Thema gegessen. Lerneffekt: null. Grausamkeit: 100%
Wenn man eine Person in einem Gespräch kritisiert und sie sagt: „OMG das war mir nicht klar. Das tut mir so Leid! Wie kann ich nur so dumm sein? Oh Gott, scheiße. Ich geh jetzt besser. Oh Gott, das kann ich gar nicht wieder gut machen.“ geht es auch nicht um das Thema. Ich weiß, dass es sich für Menschen, die dazu neigen sich fertig zu machen so wirkt als wäre das die richtige Reaktion. Paradoxerweise übernehmen sie auf diese Art aber weniger Verantwortung für das Gesagte. Die unausgesprochenen Regeln unserer Gesellschaft verlangen nämlich, dass man eine Person beruhigen und ihr gut zureden soll, wenn sie sich fertig macht. Möglichkeit auf das ursprüngliche Problem einzugehen: null.

Was aber dann?

  • Schritt 1: Keine Selbstbeschimpfung.
  • Schritt 2: Sich vorsichtig sagen, dass man gerade wahrscheinlich Scheiße gebaut hat.
  • Schritt 3: Erst mal Zeit nehmen, um die Scham, die Selbstzweifel, die Wut und Abwehrreaktionen zu verdauen.
  • Schritt 4: Darüber nachdenken, was man falsch gemacht hat.
  • Schritt 5: Sh. Schritt 3.
  • Schritt 6: Überlegen, ob und bei wem man sich entschuldigen muss.
  • Schritt 7: Sh. Schritt 3.
  • Schritt 8: Entschuldigung und oder Wiedergutmachung angehen.

Wiedergutmachung kann dabei auch bedeuten, dass man sich zum Thema informiert, z.B. wenn niemand von der Handlung direkt betroffen war.

You see, es geht mir nicht darum sich in Selbstkasteiung zu sagen, dass man ein lebensunwertes Nichts ist, weil es nichts bringt und grausam ist (aus Sicht von Selbstpflege).
Aber, wie ich schon in Teil 2 sagte: Man trägt Verantwortung für das eigene Handeln. Wenn du eine Person verletzt/diskriminiert/unfair behandelt hast, hat die ein Recht auf eine Entschuldigung und Wiedergutmachung. Genau so darf diese Person wütend sein. Diese Person darf dir sogar berechtigte Vorwürfe machen (Ich meine mit „berechtigt“: „Du hast gerade total abgefuckt und das macht mich wütend.“ Unberechtigt: „Du -istisches Schimpfwort.“)
Ich empfehle, mit sich persönlich vorsichtig umzugehen und natürlich schadet es nicht, nett zu anderen zu sein (Kraft dafür und Lust darauf vorausgesetzt). Aber „Du hast Scheiße gebaut.“, von einer Person zur anderen gesagt, ist keine Beschimpfung. Es ist eine notwendige Aussage, wenn wir das mit Diskriminierung abschaffen mal durchziehen wollen.

Darf ich Grenzüberschreitungen nicht mögen?

Als letztes möchte ich noch auf eine Frage von serialmel eingehen:

Welchen Unterschied macht es, wenn ein Mann(TM) immer wieder absichtlich Körperkontakt herstellt im Verhältnis zu einem Kleinkind. Welche Unterstellungen existieren (unbewusst?) bevor jemand eine Reaktion auslöst?

Ich trenne das von dem vorherigen Thema ab, weil hier eine gute intuitive Reaktion auf eine Grenzüberschreitung vorliegt.
Es ist gar nicht wichtig, welche Hintergedanken der Mann konkret hat. Es ist nicht einmal wichtig, ob das nur ein fehlgeleitetes Zeichen der Freundlichkeit sein soll (Tipp: Das ist eine gängige Entschuldigung, aber wesentlich seltener der Fall). Denn jede Person darf darüber bestimmen, wo ihre Grenzen sind. Sie darf bestimmen, wie oft, wie und von wem sie (nicht) angefasst werden will, (nicht) angesprochen werden will, wer sich ihr wie weit (nicht) nähern darf und so weiter. Dass unsere Gesellschaft das bestenfalls in Ansätzen beachtet, ist uninteressant. Jede Person hat dieses Recht. Es gibt keine Pflicht, mit anderen Menschen auf eine Art zu interagieren, die man unangenehm findet. Es muss kein beweisbares Fehlverhalten vorliegen. Es muss überhaupt kein Fehlverhalten vorliegen. Jede*r. Entscheidet. Selbst.

Manchmal liegt auch ein schwer zu durchblickende Kombination aus Privilegiertheit und Diskriminiertheit vor.
Darf ein lesbische Frau* einer heterosexuellen Frau* gegen ihren Willen einen Kuss geben? Darf ein Mann* of Color einer weißen Frau* auf der Straße hinterherrufen? Darf ein autistischer Mann* gegen ihren Willen zu nah an einer neurotypischen Frau* stehen? Die Antwort lautet nein. Das ist alles nicht in Ordnung, weil es die Grenzen der Frauen* verletzt. Die Definitionsmacht besagt, dass sie die Situation als übergriffig bezeichnen dürfen. Die Definitionsmacht besagt ebenfalls, dass die jeweiligen anderen das als heterosexistisch, rassistisch bzw. ableistisch bezeichnen dürfen. (Danke an die takeover.beta-Redaktion für diesen Lernfortschritt.)
Es besteht definitiv die Möglichkeit, dass ein Teil der Ablehnung durch Vorurteile bestimmt ist. Wenn Schwarze Frauen* mit Profilbild im Online-Dating wesentlich seltener angeschrieben werden (oder geantwortet wird) als weiße Frauen* ist das ein Zeichen dafür, dass hier etwas nicht stimmt. Jedoch hat man keine Möglichkeit zu sagen, wie sehr die Ablehnung durch Vorurteile bedingt ist. Vor allem kann man keine individuellen privilegierten Menschen dazu zwingen mit konkreten anderen nicht privilegierten Menschen zu reden/sie zu daten. Das verträgt sich einfach mit dem Prinzip der Selbstbestimmung nicht. Was hingegen notwendig ist, ist rassistische (ableistische, sexistische, …) Vorurteile in der Gesellschaft zu bekämpfen, bis solche Ungleichheiten nicht mehr bestehen (dies bezogen auf das Online-Dating, die Beispiele oben sind Grenzverletzungen – ich gehe zumindest davon aus, dass die Reaktionen sich mit anderen Machtverhältnissen nicht groß ändern würden).

Was ist dieses ‚Grenzüberschreitung‘ und wo kann ich es abonnieren?

Weil der Unterschied zwischen Grenzüberschreitung-nicht-mögen und Diskriminierung manchen nicht klar ist, ein sehr offensichtliches Beispiel zum Schluss: Wenn du Essen nicht bei People of Color kaufst, aber bei Weißen, ist das rassistisch. „Wenn People of Color Essen zubereiten, finde ich das grenzüberschreitend.“ Bullshit. Go home.
Wenn du dich für Matheaufgaben nur an Männer* wendest, statt auch mal eine Frau* um Hilfe zu fragen, ist das sexistisch. „Frauen*, die Mathe machen, lösen in mir Angstgefühle aus.“ Nope. Go home.
„Wenn ich eine Person nicht auf eine Art, die mir gefällt kontaktieren/anfassen/ansprechen darf, finde ich das grenzüberschreitend.“ Drei mal MEEEP. Go home.
Sowohl offensichtliche Diskriminierung als auch selbst grenzüberschreitend zu sein zählt nicht.

[TW] You can stop r**e: Schritt 6 – Diskriminierung bekämpfen

Auch erschienen auf takeover.beta

<< Schritt 5

Schlagwörter: r**e culture – sexualisierte Gewalt – Diskriminierung – Intersektionalität

Wie ich damals in Teil 1 recht planlos schrieb, kann man sexualisierte Gewalt bekämpfen, indem man sexistische Schimpfwörter nicht mehr nutzt. Ich möchte auf diesem Punkt aufbauen und ihn erweitern:

Wenn du sexualisierte Gewalt bekämpfen willst, ist der Kampf gegen Diskriminierung an sich unumgänglich.

Sexismus

Sexismus ist hier vielleicht das offensichtlichste Beispiel: wenn die Meinung und Selbstbestimmung von Frauen* als zu vernachlässigen wahrgenommen wird, wenn Menschen mit Gebärmutter nicht alleine über ihren Körper verfügen dürfen, wenn man durch Werbung glauben könnte, Brüste existieren als eigenständige Lebensform, weil so selten ein zugehöriger Kopf gezeigt wird, hat das einen Effekt darauf, wie wir weiblich gelesene Menschen wahrnehmen und behandeln.
Die daraus entstehende herablassende Haltung wird nicht vor der Wohnungstür abgestreift, sondern in Beziehungen und Familien hineingetragen. (Wir erinnern uns: sexualisierte Gewalt wird zu einem großen Prozentsatz von Menschen verübt, die den Betroffenen bekannt sind.)
Genauso werden sexistische Haltungen zementiert und in die nächste Generationen getragen, indem sie von der Werbung, den Medien, Institutionen und auf der Straße (Stichwort Street Harassment) wieder und wieder abgespult werden.
Dieser für weiblich gelesene Menschen bedrohliche Gesamtzustand lässt sich nicht (nur) dadurch auflösen, dass wir alle fleißig Consent praktizieren, denn nur ein kleiner Prozentsatz aller Menschen weiß überhaupt um das Konzept. Wir brauchen stattdessen ein entschlossenes Vorgehen gegen jede Form von Sexismus, vor allem auch mit Unterstützung der Menschen, die nicht täglich davon betroffen sind.

Aber da hört es nicht auf

Es reicht nicht, sich nur gegen Sexismus stark zu machen.
Sexualisierte Gewalt wird immer dort begünstigt, wo Menschen Menschenrechte vorenthalten werden. Das ist bei jeder Form von Diskriminierung der Fall.

Sehen wir uns an, was passiert, wenn Rassismus Sexismus trifft: wer hat nicht von den rassistischen Stereotypen der feurigen Südländerin, exotischen Asiatin oder osteuropäischen Sexarbeiterin* gehört? Frauen* werden dabei schon schlicht durch die (vermutete) Herkunft ihrer Vorfahr*innen in einen sexualisierten Kontext gerückt. Aber nicht nur die damit verbundenen Anfeindungen und Übergriffe sind ein gefährlicher Faktor, vor allem auch rassistische Mechanismen in der Gesellschaft selbst.
Frauen* of Color werden häufiger als weiße Frauen* in Ausbildungsstätten, Ämtern und bei der Arbeit diskriminiert, wodurch sie es u.a. schwerer haben, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Finanzielle Unabhängigkeit ist jedoch wichtig, um sich z.B. von einer*m gewalttätigen Partner*in zu trennen. Für einige Frauen* sind Sprachbarrieren und der Aufenthaltsstatus selbst ein Hindernis dabei Hilfe oder rechtlichen Beistand zu erhalten; Entsprechend hoch (sh. PDF) ist der Anteil von Migrantinnen* und Frauen* of Color in Frauen*häusern.
Nicht zuletzt die Absurdität sich an einen rassistischen Polizeiapparat wenden zu müssen, der bei sexualisierter Gewalt ohnehin unzuverlässig arbeitet, verschlechtert die Lage weiter.

Diese Gedanken lassen sich aber, wie gesagt, für jede Form von Diskriminierung durchspielen.
Menschen mit Behinderung sind wesentlich gefährdeter, als Menschen ohne Behinderung. QUILT*BAG-Menschen sind Belästigung auf der Straße und menschenrechts-verletztendem Verhalten der Polizei ausgesetzt. Es fehlt selbst das grundlegende gesellschaftliche Verständnis, dass sexualisierte Gewalt nicht einfach aus der Formel „Cis-Mann greift Cis-Frau an“ besteht.
Kinder und Jugendliche stehen häufig in einer Abhängigkeits-Beziehung zu den Täter*innen. Dazu kommt noch einiges: Sie gelten als wenig glaubwürdig, oft haben sie keinen Vergleich für die Behandlung, die ihnen widerfährt. Woran eine (emotional, körperliche, sexualisiert) gewalttätige Behandlung erkennen, wenn die Hauptbezugsperson erklärt, dass alles seine Richtigkeit hat?

Am Ende ist es so, dass jede Form von Diskriminierung die Betroffenen angreifbarer für sexualisierte Gewalt macht. Willst du sexualisierte Gewalt bekämpfen, dann lerne diskriminierendes Verhalten zu erkennen und greife ein – bei dir selbst und bei anderen.

What About Teh Menz, Esme!?

Auch erschienen auf takeover.beta

Schlagwörter: Patriarchat – Diskriminierung – Sexismus – what about teh menz – Umsturz – Aktivismus

Ich habe wiederholt angesetzt. Ich habe immer wieder versucht, über die Situation von Männern* zu schreiben. Ich fand es interessant zu durchdenken, inwiefern sie ebenfalls vom Patriarchat eingeschränkt werden. Ich wollte Geschlechter-Rollen betrachten, Begriffen wie „Weichei“ auf den Grund gehen. Ich wollte laut drüber nachdenken, welche Gefühle Männer* überhaupt zeigen dürfen. Aber all das wird nicht sein.

Also tue ich, was ich in diesem Tweet schon andeutete:

Ich kann über das Thema nicht schreiben. Ich habe nicht umsonst immer wieder ansetzen müssen: Ich habe eben auch immer wieder aufgehört. Woher das ganze Gequäle?

Jedes Mal wenn ich ansetze einen solchen Artikel zu schreiben, fällt mir jeder Scheiß wieder ein. Meist der von vor ein paar Tagen. Vielleicht ein Kommentar auf dem Blog: „Männlichen Privilegien existieren nicht.“ Vielleicht, wie ein Typ sich meine Antwort auf seine Frage von einem anderen bestätigen lässt, bevor er ihr Glauben schenkt. Vielleicht erinnere ich mich an das letzte Mal, als ich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzte. Als ich die Wahl hatte mich einer Flunder gleich in meinen Sitz zu falten oder gegen fremde weit gespreizte Beine zu stoßen.
Aber allen voran beherrscht mich das Gefühl, dass man als Feministin die ganze Hand verliert, wenn man Leuten den kleinen Finger reicht (RW = Redewendung).
Wie ich letztens von Samia und kiturak gelernt habe, heißt das, ich habe Angst vor „Anschlussfähigkeit“. Eine Aussage wird meist als anschlussfähig kritisiert, wenn die „Falschen“ sich ihrer bedienen könnten. Beispiel:
Ich so: Männer werden vom Patriarchat auch benachteiligt.
Jemand so: OH MY GAWWWWWD, sag ich ja: Feminismus, voll der Scheiß!!
Ich so: Äh…

In diesem Fall ist meine Aussage also anschlussfähig für Anti-Feminist*innen.
Ich habe aber keine Lust, dass meine Aussagen von denen benutzt werden. Ich will nicht, dass Leute meinen Text gebrauchen, um für das genaue Gegenteil zu argumentieren. (Wenn sie mich als Negativbeispiel nutzen, ist das natürlich in Ordnung.)
Ich habe sicher nur begrenzt Kontrolle drüber, ob und wie meine Aussagen weitergetragen werden, aber ich würde es dennoch gerne vermeiden.

Aber das ist nur der eine Punkt. Der andere Punkt ist: ich will nicht. Ja, ich weigere mich schlechthin diese Themen zu bearbeiten. Ich hab keinen Bock. Ich hab keinen Bock als Feministin vorzukauen, warum Männer* diese ganze Patriarchats-Scheiße vielleicht auch kacke finden sollten. Ich will nicht erst ein Beispiel suchen müssen, von dem Männer* sich endlich zum Handeln animiert fühlen … weil es sie betrifft. Wenn Leute einen Missssstand erst dann ernst nehmen, wenn sie selbst betroffen sind, haben sie ein echtes Problem mit ihrem Mitgefühl. Das kann ich auch nicht lösen, indem ich ihnen ganz umständlich erkläre: Hey, wenn du dieser diskriminierten Gruppe hilfst, springt was für dich bei raus!
Wo mir Stephanie mal die Augen geöffnet hat (RW): Warum sollen Feministinnen denn jetzt auch noch für die Männer* mitdenken? Also so ganz prinzipiell, warum sollen sie die Denkarbeit machen? Warum sollen sie die Kampagnen organisieren, die Artikel schreiben, die Projekte ins Leben rufen? Irgendwoher schreit es „Aber auch Männern* widerfährt xy.“ Die gleichen Personen, die das schreien, scheinen aber irgendwie drauf zu warten, dass die Welt, das Karma oder sonstwer ihnen Für Die Gerechtigkeit (TM) Männerhäuser vom Himmel wirft oder Workshops oder was weiß ich.
Newsflash: das Wahlrecht der Frau* oder das Ende der Sklaverei in den USA wurde nicht von Männern* bzw. Weißen herbeigeführt. Sondern gegen ihren erbitterten Widerstand.

Wie Eingangs erwähnt, finde ich die Themen spannend. Aber täglich von Sexismus betroffen zu sein, senkt die Motivation erstaunlicherweise ENORM, dich mit den Problemen derer zu beschäftigen, die einen Gewinn aus sexistischen Strukturen ziehen. Ich bin lieber mit mir selbst solidarisch.

(Samia, kiturak und Stephanie sind Redakteurinnen* auf takeover.beta, falls ihr nicht mit ihnen bekannt seid.)

Serien-Ver- oder Empfehlung: My Name Is Earl

Auch erschienen auf takeober.beta

Schlagwörter: My Name is Earl – Diskriminierung – Rassismus – Sexismus – Klassismus

My Name is Earl (MNIE) ist eine Comedy-Serie, die in den USA spielt, genauer in einem unwichtigen Ort namens Camden. Dort lebt Earl J. Hickey mit seinem kleinen Bruder Randy Hickey, Earls Ex Joy mit ihrem neuen Freund/Mann/was-weiß-ich Darnell und die Reinigungskraft/Stripperin Catalina.

An dieser Stelle sollte ich wahrscheinlich erwähnen, dass keine Lachkonserven verwendet werden, was mir bis zur Lektüre des Wikipedia-Artikels gar nicht aufgefallen war (warum auch). Und wo ich schon dabei bin eine zweite interessante Beobachtung: ich finde die deutsche Synchronisation gut. Ich weiß nicht, wie sie sich im Vergleich mit dem amerikanischen Original schlägt, aber die einzelnen Stimmen passen charakterlich zu den Schauspieler*innen.

Zur Story: Earl ist ein Kleinkrimineller, klaut viel und bringt Leute anderweitig um ihr Geld, bis er im Lotto gewinnt. Er wird allerdings prompt von einem Auto angefahren und verliert das Los, was ihn glauben lässt, das Karma wolle von ihm, dass er all seine schlechten Taten wieder richte. Als er seine erste Tat wieder gutmacht, fliegt ihm sein Los zu. Dies überzeugt ihn gänzlich. Mit Hilfe des Geldes macht er sich im weiteren Verlauf der Serie an die Wiedergutmachung der gesamten Liste von schlechten Taten.

Nun habe ich nur einen Teil der Folgen gesehen und die wiederum wild durcheinander. Ich hoffe, dass meine Annahme über ihre Reihenfolge korrekt ist, werde mich aber zur Orientierung teils auf die Handlung beziehen. Fest steht, dass ein Großteil der mir bekannten Folgen aus der dritten Staffel stammt.

Eine Vielzahl der Witze lebt davon, dass Joy, Randy und Earl der ungebildeten Bevölkerung angehören sollen. Also genauer von inhaltlich falschen Aussagen, falscher Benutzung von Begriffen etc. Dieses Konzept hat eine deutlich klassistische Komponente, wurde aber in den ersten Folgen, die ich gesehen habe, gut umgesetzt. Ich habe mich ausreichend mit den Protagonist*innen identifiziert, um nicht das Gefühl zu haben, über sie zu lachen. Ich schreibe „in den ersten Folgen“, weil es einen Moment gab, an dem dies zu kippen drohte.
Die Darstellung dieser Figuren als Angehörige der Unterschicht hat noch ein größeres Problem zur Folge: Randy und Earl fallen durch mehrheitsgesellschaftlich übliche heterosexistische Bemerkungen auf, Joy wird zudem als stark rassistisch charakterisiert. Auch Cis-Sexismus und Ableismus kommen vor. Bei entsprechenden Aussagen, besonders bei Joy zu bemerken, fehlt der Serie das Gegengewicht. Es gibt bei solchen Szenen durch die Handlung selbst keinen Hinweis an die Zuschauer*innen, dass die Aussagen schlicht nicht in Ordnung sind. Bzw. ist man dazu genötigt, entweder über die (rass)-istische Aussage zu lachen, also selbst Kompliz*in zu werden, oder sitzt in hilflosem Schweigen da. Vor allem dieser Fuck-up verleidet mir die Serie.

Dies ist aber leider nicht mein einziger Kritikpunkt. Der Bechdel-Test wird zwar bestanden, aber manchmal gewinnt man den Eindruck, dass dies nur durch Konversationen geschieht, in denen sich Catalina und Joy darüber streiten, wer besser aussieht. Hmpf. Diese Konversationen stellen dann ihre Beziehung zueinander auch gut dar: sie sind die einzigen Frauen*, die konsequent in der Serie auftauchen und sie können sich nicht leiden … weil sie ihr Aussehen miteinander vergleichen. Wow. Das macht auch deswegen besonders wenig Sinn, weil es sonst zwischen Randy, Earl, Joy, Catalina und Darnell keine besonderen Feindschaften gibt. Nur die beiden Frauen…

Diiiie Rolle von People of Color: Catalina und Darnell haben definitiv eine Persönlichkeit, bei Catalina ist sie allerdings schon ein bisschen dünn. Sie bekommt wenig Hintergrundstory, die ihre eigenen Beweggründe und Wünsche ernsthaft darstellt. Häufiger dient die Story als Grundlage für eine Pointe. Die meisten Witze, die mit ihr zu tun haben, stellen Mexiko als vollkommenes Armenhaus dar (zugegeben, der Großteil der Handlung von MNIE spielt in einem Trailerpark also steht dem weniger eine Darstellung des „American Dream“-Amerikas gegenüber), beruhen darauf, dass sie rassistisch beleidigt wird oder gar auf sexueller Belästigung – die zum Glück „nur“ einmal verharmlost wird, in den anderen Fällen wird sie innerhalb der Serie adressiert und kritisiert. Abgesehen davon natürlich, dass ausgerechnet sie auch als Stripperin arbeitet, nicht etwa die weiße Joy.

Und das bringt mich zur Erklärung, warum ich die letzten Folgen, die ich gesehen habe, weniger mochte.
Ich weiß nicht, was der Grund ist – ob die Produzent*innen gewechselt haben oder ihnen einfach die Witze ausgegangen sind – aber in den letzten Folgen, werden vermehrt Practical Jokes benutzt, also Witze, die auf der körperlichen Beschaffenheit von Figuren beruhten. Konkreter gibt es eine Latina mit grotesk großem Hintern (Fatsuit-mäßig ausgestopft), die sich als Politesse wiederholt zwischen sehr eng beieinander parkenden Autos durchquetschen muss und Dharma (okay, die Schauspielerin von Dharma in Dharma und Greg), die eine Kratzwunde im Gesicht und ein davon verletztes Auge hatte, das ebenfalls wiederholt Gegenstand von Witzen ist. All diese Witze waren nicht nur extrem flach und unlustig, sondern mitunter auch stark sexistisch bzw. ableistisch. Urg.
Und wo wir bei Sexismus sind? Eine von den Charmed-Hexen (ich erkenne Schauspieler*innen nur an früheren Rollen, it’s a fact) hat als „Billy“ in einigen Folgen einen Auftritt. Der ganze Plot ist furchtbar furchtbar furchtbar. Entweder ist sie zuckersüß und die Superfrau oder sie ist die ganze Zeit gereizt und die Furchtbare Ehefrau™. So weit ich mich erinnere bekommt sie auch keine logische oder stimmige Charakterentwicklung. Ja, ihr Charakter ändert sich, aber immer von jetzt auf gleich, damit Earl den Eindruck bekommen kann, dass das Karma will, dass er weiter an seiner Liste arbeitet.

Was Frauenrollen angeht, hat die Serie also noch einiges zu lernen. Und andere von Diskriminierung negativ Betroffene werden sich vielleicht die ständigen Witze, die irgendwie zur Charakterisierung von Angehörigen der Unterschicht dienen sollen, auch nicht ununterbrochen anhören wollen. Alles in Allem sehr schade, weil ich den Humor – vom Genannten abgesehen – mag und auch die Charaktere.

Warum Noten an der Uni ein Hohn sind

Auch erschienen auf takeover.beta

Schlagwörter: unsere Gesellschaft – Universität – Studium – Noten – Klassismus – Ableismus – Diskriminierung

Dieses Thema lässt sich auf vielfältige Weise in jede Richtung ausdehnen (Vielleicht sind Noten an der Schule auch scheiße? Diskriminierung gibt’s nicht nur an der Uni! Das trifft auch aufs Arbeitsleben zu, usw.), ich beschränke mich aber auf dieses, denn irgendwo muss ich anfangen.

Noten reflektieren deine Fähigkeit auf bestimmte Art von Prüfungsfragen zu einer bestimmten Uhrzeit auf eine bestimmte Art zu antworten, nachdem du dich in einem festgesetzten Zeitraum mit einer bestimmten Art von Ressourcen (von der Uni, dem Schicksal und der Gesellschaft im Allgemeinen bestimmt) auf die Prüfung vorbereitet hast.

Dabei soll bereits Schüler*innen nahegebracht werden, dass ihr Wert als Mensch an ihren Notenschnitt geknüpft ist. Und noch mehr: dass es tatsächlich eine realistische Repräsentation ihres Wissens und Könnens in einem bestimmten Fachgebiet darstellt. Back to uni.

Den Noten ist es egal, ob du dich aufgrund deiner Wohnsituation mit dem verbundenen Zeitaufwand ganz alleine um den Abwasch, einkaufen, saubermachen, Sachen stopfen, die Wäsche, das Treppenhaus, den Rasen oder Hof kümmern musst, ob du die Aufgaben teilst, sie gar nicht oder für mehrere Personen mit erledigst.

Den Noten ist es egal, ob du einen Rückzugsraum hast, der es dir ermöglicht, in Ruhe für die Uni zu arbeiten.

Den Noten ist es egal, ob du dir eine teure Wohnung in annehmbarer Distanz zur Uni leisten kannst oder mehrere Stunden mit Bus und Bahn pendelst. Ob du ein Auto hast oder deine Energie in den öffentlichen Verkehrsmitteln täglich dadurch gefressen wird, dass du introvertiert bist, Angststörungen hast, Geräusch- oder lichtempfindlich bist oder regelmäßig von Diskriminierung betroffen und deswegen Angst davor hast, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und völlig geschafft in der Uni/zu Hause ankommst und zu keiner geistigen Arbeit mehr fähig bist.

Den Noten ist es egal, ob du dich um Freund*innen, Kinder, Eltern oder andere Menschen kümmerst. Ob du Zeit brauchst, sie durch den Tag zu begleiten, um mit Angst um sie oder eure gemeinsame Zukunft klarzukommen.

Den Noten ist es egal, ob du gar nicht vorkommst im gesellschaftlichen Verständnis deines Studiengangs. Ob du dich nicht wiederfindest in den Karrierepostern, auf denen weiße, (anscheinend) physiotypische junge Männer abgebildet sind. Ob du täglich mit den Botschaften zu kämpfen hast, dass Leute wie du das Thema eh nicht verstehen, langsam sind, alles falsch machen. Ob du persönlicher Diskriminierung durch Kommiliton*innen oder Professor*innen ausgesetzt bist.

Den Noten ist es egal, wo dein Geld herkommt. Ob du neben der Universität mehrere Stunden arbeiten musst, obwohl das Studium auf 40 Uni-Arbeitsstunden die Woche ausgelegt ist. Oder ob das Geld halt einfach da ist. Ob du Bafög beziehen kannst. Ob du Bafög zurückzahlen kannst, weil du tatsächlich eine Zukunft siehst. Ob du dich mit einem Bankdarlehen verschulden musst. Ob du überhaupt arbeitsfähig bist.

Den Noten ist es egal, ob deine körperliche Verfassung und dein finanzieller Haushalt es zulassen, alle Studienmaterialen zu erlangen, zu konsumieren und nach Notwendigkeit zu verändern und Arbeiten abzugeben. Ob du überhaupt einen Computer und Internet hast. Ob du zu einer Bibliothek gelangen und ihr Angebot nutzen kannst.

Den Noten ist es egal, wie viel Zeit du dafür aufbringen musst den Campus zu navigieren, weil du maximal zu einem zwangzigstel mitgedacht wurdest.

Den Noten ist es egal, ob du mit der Art wie die Informationen präsentiert werden, umgehen kannst. Ob dies deinem Lerntyp entspricht oder ihm völlig reingrätscht. Ob du mehr Praxis brauchst aber nur Theorie kriegst. Ob du mehr Theorie brauchst, aber nur Praxis kriegst. Ob du mehr Zeit brauchst, um alles zu verarbeiten, weil dein Tag nur 24 h hat.

Den Noten ist es egal, ob du den organisatorischen Anforderungen gewachsen bist. Ob du Hilfsangebote findest und sie dir zugänglich sind. Ob du Anträge drucken und sie inhaltlich verstehen kannst, um rechtzeitig alles auszufüllen.

Den Noten ist es egal, ob deine innere Uhr schon auf „wach“ steht, wenn die Prüfung stattfindet. Ob du Prüfungsangst hast. Ob du mit der*m Prüfer*in befreundet bist oder Angst vor sim hast. Ob du die Materialien besitzt, die für die Prüfung zugelassen und notwendig sind. Ob du die Wahl hast auf „Fühlen Sie sich gesundheitlich in der Lage an dieser Prüfung teilzunehmen?“ Nein zu antworten.

Den Noten ist all das und noch viel mehr völlig egal. Aber wenn man genau hinschaut, wird klar, inwiefern sie deinen Wert in dieser Gesellschaft repräsentieren sollen.

[Editiert für Klarheit und um Link einzufügen. 02.10.2012 Zweisatz]

35 Zitat der Woche 36

Schlagwörter: Diskriminierung – Atheismus – Christentum – Bigotterie

Which very much stems from the idea that bigotry is one worldview and anti-bigotry is another. But a “point of view” ceases to be a protected intellectual exercise when it formulates actions that actually harm people. It’s like how it’s fine for one person to be a Christian and another to be an atheist… until one group or the other starts trying to make it impossible for the other one to operate. And then THAT assessment gets distorted by the fact that people who aren’t used to being annoyed annoy very easily, so you get the privileged group (Christians, in this example) thinking that the atheists merely being atheists in public like they have nothing to be ashamed of is an attack on their worldview.

[Was sich sehr stark von der Idee ableitet, dass Bigotterie eine Weltsicht sei und Anti-Bigotterie eine andere. Aber eine „Sichtweise“ hört auf eine geschützte intellektuelle Anstrengung zu sein, wenn sie Taten formuliert, die Menschen tatsächlich schadet. Das ist wie dass es in Ordnung für eine Person ist christlich zu sein und eine andere ein*e Atheist*in… bis eine Gruppe oder die andere beginnt zu versuchen es für die andere unmöglich zu machen zu agieren. Und DIESE Einschätzung wird dann durch den Fakt verzerrt, dass Menschen, die nicht dran gewöhnt sind verärgert zu werden, sehr leicht ärgerlich werden, so dass die privilegierte Gruppe (Christ*innen, in diesem Beispiel) denkt, dass die Atheist*innen einfach durchs Atheistisch-Sein in der Öffentlichkeit sein, als gäbe es nichts, wofür sie sich schämen müssten eine Attacke auf ihre Weltsicht seien.]

Jennifer Kesler auf The hathor legacy

Christian Müller wurde noch nie bedroht

Schlagwörter: Diskriminierung – Klarnamen – Klarnamenplflicht – Sicherheit – Privileg

(Dieser Artikel wird witzig, denn di:er Autor*in des zitierten Artikels lautet Ich. Ich werde jedoch etwas entgegenkommen sein und den Nicknamen kursiv schreiben, um Verwechslungen zu vermeiden.)

Ich spricht auf freitag.de viele gute Punkte an, warum die Forderung nach Klarnamen im Netz unsinnig ist. Einen der genannten Punkte möchte ich noch einmal näher beleuchten.

Gerade hier im Forum einer Zeitung die sich oft mit Fagestellungen der Identitätszuweisung an ein Individuum aufgrund Geschlechts, sozialen Zugehörigkeit usw. und den daraus entstehenden Zwängen beschäftigt, für Klarnamen einzutreten, zeugt etwas von einem Mangel an Sensibilität.

Ich hätte es drastischer formuliert, aber nun gut.

Wie schon häufig gesagt wurde, sind Klarnamen für einige Teile der Bevölkerung schlicht ein Sicherheitsrisiko. Wenn ich z.B. von Stalker*innen spreche scheint das jedoch nicht greifbar, schließlich hört man selten von solchen Fällen (meiner Meinung nach mehr aus mangelnder Sensibilität der Bevölkerung für das Thema und weniger wegen tatsächlicher Seltenheit der Fälle).

Ein für die meisten Leser*innen sehr greifbares Thema wird aber die Ermittlung der Klarnamen von feministischen Blogger*innen sein. Auch Neo-Nazis und Antifa kommen immer wieder gegenseitig an entsprechende Listen.
Wenn sich Menschen also die Mühe machen, Klarnamen zu ermitteln, müssen sie auch einen Wert besitzen und der ist ganz klar: wie Ich schrieb, ist der vom Staat zugeteilte Name oft ein identifizierender (jedoch nicht immer). „Zweisatz“ wird euch nicht viel sagen, der Name auf meinem Personalausweis lässt euch mit Hilfe Googles jedoch ermitteln, wo ich zur Schule gegangen bin.

(Trigger-Warnung für nächsten Link wegen Erwähnung von Drohungen verschiedener Art, auch sexualisierter Gewalt)

Die Ermittlung des Namens beinhaltet also die implizite Drohung: ich kann dich ausfindig machen. Ich kann Informationen über deinen Wohnort erlangen und diese nutzen. Was heißt Drohung; In diesem älteren Artikel habe ich Fälle verlinkt, in denen Klarnamen, aber auch andere Kontaktmöglichkeiten, massiv ausgenutzt wurden, um Feministinnen* zu bedrohen.

Wenn man einen Klarnamen zur Hand hat, kann es auch sein, dass man mit dessen Hilfe Fakten über ein Person aufdecken kann, wegen derer sie diskriminiert wird. Zuweilen ist es der Name selbst, der als Anlass für z.B. rassistische oder sexistische Beschimpfungen genommen wird.

Alles in Allem stimme ich Ich also zu: die Forderung nach Klarnamen ist Unsinn. Gefährlicher Unsinn.

Thema via @KapuzenAuf

Ja, ich kann Männer* nicht leiden.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mir wiederholt ins Wort fallen, ohne sich zu entschuldigen.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mir Dinge erklären, ohne auf meine Einwände zu hören, dass ich sehr gut mit der Materie vertraut bin.

Ich kann Männer* nicht leiden, die meinem Vorschlag nur mit einem Ohr zuhören und begeistert sind, wenn sie oder ein anderer Mann* diesen Vorschlag wiederholt.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mich auf der Straße anglotzen, mir sinnlose Dinge zurufen oder mich nicht alleine lassen.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mich zwingen mich auf ein Drittel eines Zweiersitzes zu quetschen oder auf dem Fußweg immer drei mal mehr wie sie auszuweichen.

Ich kann Männer* nicht leiden, die meine Sicherheitsbedenken abtun.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mir erklären, dass Sexismus nicht existiert.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mir erklären, was Sexismus wirklich ist.

Ich kann Männer* nicht leiden, die sich weigern zu verstehen, dass sie in ihrem Leben positiv diskriminiert werden.

Ich kann Männer* nicht leiden, die diskriminierende Witze reißen und sich aufregen, wenn ich sie drauf hinweise.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mir nahelegen ich könne Dinge oder könne Dinge nicht, weil ich ja eine Frau* bin.

Ich kann Männer* nicht leiden, die nicht drauf achten, wie sie mit ihrem Körper und ihrer Stimme den Raum dominieren.

Ich kann Männer* nicht leiden, die ihre Freunde nicht zurechtweisen, wenn diese sich daneben benehmen.

Ich kann Männer* nicht leiden, die mich herablassender behandeln als sie andere Männer* behandeln.

Ich kann Männer* nicht leiden, die eine Tat anders bewerten, wenn sie von einer Frau* statt einem Mann* ausgeführt wird.

Ich kann Männer* nicht leiden, die Männern* vorwerfen, sich „verweichlicht“, „weibisch“ oder „wie ’ne Pussy“ aufzuführen.

Ich kann Männer* nicht leiden, die ihren Söhnen* verbieten zu weinen.

Ich kann Männer* nicht leiden, die ihren Töchtern* verbieten auf Bäume zu klettern.

Ich kann Männer* nicht leiden, die meinen die Betreuung von Kindern sei ein Wochenendjob ohne Verpflichtungen und das helfen in einem Haushalt eine generöse Tat.

Ich kann Männer* nicht leiden, die anderen Männern* drohen.

Ich kann Männer* nicht leiden, die Menschen drohen.

Ja, all diese Männer* kann ich nicht leiden. Aber vielleicht ist das Wort „Mann*“ hier gar nicht zentral¹.

1 https://highoncliches.wordpress.com/2012/08/23/ja-ich-kann-manner-nicht-leiden/#comment-649