Links 34

Schlagwörter: Kapitalismus – Abtreibung – Sexismus – sexualisierte Gewalt – Rassismus – Polizeigewalt – Sexarbeit – Essstörung – white men’s tears – Armut – Griechenland

Heute ist DER TAG DER LINKSAMMLUNGEN! Wird auch Zeit, einiges hiervon staubt schon ewig vor sich hin (RW=Redewendung).

„Afrika für Norwegen“ war schon lustig … oder nicht?
via @Samiaalthar [Englisch]

„Miete eine Gebärmutter“
von @antiprodukt via @baum_glueck [Deutsch]

V. ist kein [Englisch]
Verständnisproblem [Englisch]
(nach der Trigger-Warnung im Text kommen üble Zitate!)

„Von Körperlichkeiten, Selbshass und Eigenliebe.“ Thema: Essstörungen
via @Chwesta [Deutsch]

EU ignoriert das Menschenrecht auf Trinkwasser und beginnt die lokalen Netze zu privatisieren, bei den Ärmsten zuerst
von @JottEs via @KapuzenAuf [Deutsch]

Die Oury Jalloh-Initiative bittet um Spenden, um ein unabhängiges Brandgutachten zu finanzieren. Die Devise lautet 700 mal 50€, aber Beträge jeder Größe sind willkommen.
[Deutsch]

Ein ungeschönter Armutsbericht
[Deutsch]

„Griechenland sagt: Danke Deutschland“
von @ennomane @planetinspace via @KapuzeNews [Deutsch]

Auch in Europa werden zunehmend Mädchen abgetrieben
von @kegelklub via @maedchenblog [Deutsch]

Amerika erkennt, wer in der heutigen Zeit die wahren Opfer sind: Weiße Männer*
von @whattamisaid via @hanhaiwen [Englisch]

Der Unterschied zwischen Street Harassment und einem Kunden, der fragt wie viel eine Sexarbeiterin* verlangt – Wie geht sexarbeits-positiver Feminismus? [Englisch]

Und in der neu eingeführten „Ich gebe mir Mühe, nicht nur Depri-Zeug zu verlinken“-Rubrik:

Eine sehr lustige Review eines sehr schlechten Buches. (Vorsicht, Lesestoff für mehrere Monate garantiert.)
[Englisch]

Links 33

Schlagwörter: Armut – Ableismus – Klassismus – Feminismus – Facebook – Hartz IV – Sanktionen – Klein-Sein – Zusammenarbeit – Aggressionen – Gender – Ölkatastrophe – Humor

Hartz IV-Mahnbescheide gehen auch an Kinder. Illegal? Scheißegal!
[Deutsch]

Wie ein kalabrisches Dorf (Italien) und Geflüchtete zusammenarbeiten und einen Ort retten
via @kiturak [Deutsch]

Übers Klein-Sein
via @baum_glueck [Deutsch]

Inhaltswarnung: Zitat von sexistischen Kommentaren und Bildern, die sexualisierte Gewalt unterstützen
Facebook zensiert feministische Inhalte, während frauen*feindliches Material ungenügend bis gar nicht entfernt oder bestraft wird
via @kiturak [Englisch]

Auf welche Art Gewalt und Aggressionen abhängig vom Geschlecht interpretiert werden
[Englisch]

„The assumption that disability is isolating approaches the problem from the wrong direction. People are isolating, and they isolate other people on the basis of their disability status.“
Weiterlesen
[Englisch]

Ein*e Ally für Leute mit Behinderung zu sein heißt: sich an ihre Behinderung erinnern
[Englisch]

Die unbeachtete Ölkatastrophe im Nigerdelta
[Deutsch]

The rule of reciprocity: Menschen geben, auch gegen ihren Willen
[Englisch]

Bundesregierung gefällt aktueller deutscher Armutsbericht nicht, weil er die ungerechte Lage zu deutlich widergibt
[Deutsch]

Erstes afro-deutsches Malbuch!
@hakantee via @fasel [Deutsch]

Zum ersten Mal: Links, mit denen ihr über die vorherigen Links hinwegkommen könnt
Xena [Englisch]
Die beste Katzengif, wo gibt (via @ekelias)
Auch die Basics zu trans* können lustig sein [Englisch]

Weitere Linksammlungen

24 Zitat der Woche 10

Schlagwörter: Zitate – Durchsetzungsvermögen – Humor – Don’t be that asshole

I *HATE* this “smile!” thing, for all the reasons outlined so eloquently above. When I lived in the United States, especially during my early twenties, I got it on average once a week. I used to be extremely unassertive, and would give a sickly half-smile and hate myself for the rest of the day. But the day I went back to work after my mother died, some a**hat told me to “SMILE!” as I walked past him in the street, and, instead of my usual, I snapped. I whirled around, clenched my fists, froze my face in a frightening rictus, fixed him with a death glare, and snarled, “MAKE ME!” in a Darth Vader-esque voice (the voice just kind of came out–it wasn’t planned). He blanched and recoiled. This made me so happy that I not only smiled but laughed, and said “Thanks! It worked!” and went on my way. I snuck one last look at him over my shoulder and he was still standing there, bewildered, scratching his head.

I’m not going to pretend that this is a solution to this pervasive and disgusting problem, but it was SO satisfying that time.

[Ich *HASSE* diese „Lächel mal!“-Sache aus allen oben bereits sehr eloquent erläuterten Gründen. Als ich in den Vereinigten Staaten lebte, hörte ich das, vor allem in meinen frühen Zwanzigern, im Durchschnitt einmal pro Woche. Ich konnte mich damals sehr schlecht durchsetzen und zeigte üblicherweise ein kränkliches halbes Lächeln und hasste mich für den Rest des Tages. Aber an dem Tag, als ich das erste mal wieder zur Arbeit ging nachdem meine Mutter gestorben war, forderte irgendein Arschloch mich als ich an ihm vorbei ging auf zu „LÄCHELN!“ und statt der üblichen Reaktion rastete ich aus. Ich wirbelte herum, ballte meine Fäuste, mein Gesicht fror in einer beängstigenden Grimasse ein, ich fixierte ihn mit einem Todesblick und knurrte „BRING MICH DAZU!“ in einer Darth Vader ähnlichen Stimme (die Stimme kam einfach irgendwie heraus – es war nicht geplant). Er erbleichte und schreckte zurück. Das machte mich so glücklich, dass ich nicht nur lächelte, sondern lachte und sagte „Danke! Es hat funktioniert!“ und meines Weges ging. Ich warf heimlich noch einen letzten Blick über meine Schulter und er stand immer noch da, verwundert, und kratzte sich am Kopf.

Ich werde nicht so tun als wäre das eine Lösung zu diesem weit verbreiteten und widerlichen Problem, aber dieses eine Mal war es SO befriedigend.]

Anka auf The hathor legacy

Pick-up Tips einer Feministin*

Die hier vorgestellten Ratschläge richten sich natürlich an heterosexuelle Männer* (ich traue mich kaum, das Sternchen zu setzen, so unglaublich männlich sind sie), denn wie allseits bekannt ist, gibt es kein anderes Geschlecht, das Menschen jemals ins Bett kriegen wollte und Männer* statt Frauen* aufreißen zu wollen, ist ja schon mal voll komisch.

Nun denn, let’s go.

1 – For the love of god, sprich eine Frau* nie direkt an! „Hättest du Lust, dich mal mit mir zu treffen?“ könnte dazu führen, dass sie* erfährt, dass du Interesse an ihr* hast und sie* in die Lage versetzen, eine an der Realität orientierte Entscheidung zu treffen. Das möchten wir eindeutig nicht.

2 – Wenn du ein Kompliment machst, dann verbinde es mit einer kleinen Beleidigung: „Normalerweise würde so eine Nase mich abschrecken, aber dafür steht sie dir erstaunlich gut.“ Beleidigt zu werden wird ihr* den Tag versüßen. Sie* wird sich denken: ‚Wer so offen mit Worten umgeht und weiß, meine Gefühle zu verletzen, wird sicher ein fürsorglicher Partner sein und mich im Bett vollkommen befriedigen.‘, nicht etwa: ‚Was für ein Arschloch. Das ist doch nicht einer von diesen Typen, die peinliche Sprüche auswendig lernen, weil sie einfach nur ficken wollen?‘ und eine brüske Kehrtwende machen.

3 – Steh‘ zu nah oder berühre sie* beim Reden, obwohl sie* keinerlei Interesse zeigt. Sie* wird sich das Unwohlsein, das hiervon bei ihr* ausgelöst wird, dadurch erklären, dass sie* zu lange keinen Sex mehr hatte und dich unmittelbar auf die Toilette schleppen, um dir das Hirn ‚rauszuvögeln.

4 – Tappe nicht in die Falle, Frauen* als Menschen zu betrachten. Sobald man anfängt zu glauben, dass sie* ebensolche Gefühle, Sorgen und Wünsche haben, wie andere Geschlechter auch, verliert man die Fähigkeit, sie* zu verstehen, die man sich durch Bücher wie „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ mühsam erarbeitet hatte.

5 – Beleidige sie* und rede abwertend über sie* vor deinen Freund*innen. Ihre Reaktion ist die altbekannte Reaktion von Leuten, die man beleidigt hat: sie finden dich automatisch sympathisch und wollen dir an die Wäsche. Je schlimmer die Beleidigung, desto stärker die Anziehung natürlich.

6 – Umgib dich nicht mit Freundinnen*, mit denen du nicht ins Bett willst. Du könntest den falschen Glauben entwickeln, dass Frauen* nur Menschen sind (vgl. 4) und du könntest bemerken, wie du anfängst, dich in der Umgebung von Frauen* entspannt und wohl zu fühlen und dadurch einen positiven Eindruck auf sie* zu machen. Vorsicht!

7 – Wenn eine Frau* ihr Desinteresse bekundet hat, nerv‘ sie* weiter. Dies wird ihr eindeutig zeigen, dass deine Fähigkeiten, Grenzen zu respektieren voll entwickelt sind und es das sicherste der Welt wäre, mit dir nach Hause zu gehen.

8 – Begib dich auf Veranstaltungen, nur um Frauen* aufzureißen. Das ständige Starren auf Ausschnitte und Hintern und der von dir ausgehende Gestank nach Verzweiflung, sowie der daraus resultierende Creep¹-Faktor wirken wie ein Aphrodisiakum² auf Frauen*. Die mögen nichts lieber, als mit hohlen Phrasen angequatscht zu werden, die unterm Strich nur eines bedeuten: „Willste ficken?“

9 – Schlechte Anmachsprüche. Frauen* erkennen, wenn sie* kreative Menschen vor sich haben und freuen sich auch über das 10. und 15. Mal „Erinnerst du dich an das letzte Mal, als wir uns getroffen haben?“, „Hast du dir weh getan, als du vom Himmel gefallen bist?“ und der elliptische³ Klassiker: „Geile Titten“.

10 – Verarbeite Fehlschläge durch Beleidigungen. Wenn du erfährst, dass die Frau*, die du gerade angemacht hast, eher auf Frauen* steht, zeig dein Entsetzen oder frag‘ sie* nach ’nem Dreier. Den Abend wirst du auf jeden Fall nicht alleine verbringen und sie* wird dich ihren hetero- und bisexuellen Freundinnen* weiterempfehlen!

11 – Und natürlich: Such dir nie ’ne Feministin*. Wenn du Pech hast, macht es dich zu einem besseren Menschen.

1 creepy, engl.: gruselig
2 Mittel zur Anregung des Geschlechtstriebs (for real, Duden?)
3 Ellipse: Satz ohne Verb

Trolltisch

Da es ja immer schwierig ist, zu verstehen, was meine Kommentarrichtlinien bedeuten (anscheinend), paraphrasiere¹ ich hier einige Kommentare, die nicht veröffentlicht wurden. Dass diese Paraphrase nicht wortgetreu sein wird, in jedem Falle überspitzt, versteht sich hoffentlich von selbst.
Ich werde den Artikel von Zeit zu Zeit erweitern.

„Sexismus? Ich als Mann* kann dir Geschichten erzählen…“

„Männerhasser.“

„Männliche Privilegien? Lass mich mal eben den weitläufigen Katalog mit weiblichen Privilegien aus meinem Hintern ziehen.“

„Ich habe deinen Artikel nicht korrekt gelesen und werfe dir jetzt vollkommen erbost vor, was du alles nicht geschrieben hast – du Unmensch!“

„*schwurbel* *feministisches Vokabular* *schwurbel* *Mansplain* See, you are wrong. Silly womenz. *pats head*“

„Ey, ich habe das Konzept von Privilegien nicht verstanden und trotz meiner Homosexualität musste ich zum Bund. ICH KLAGE AN.“

„*Spam*“

„Lass mich dir Privilegientheorie mansplainen und, hallo, ich kann doch nicht hellsehen, was Leute mit Behinderung brauchen! Das kann man mir nicht vorwerfen.“


„Titten, hehe.“

„Oh, es wurde gesagt, ich soll nicht derailen? Ich glaube, ich werde mal diesen tiefgründigen derailenden Gedanken aufwerfen, der sicherlich total relevant für die Diskussion ist.“


„Lassen wir mal eben außen vor, dass Weiße im Westen gegenüber People of Color privielgiert sind – dann können PoC sehr wohl voll rassistisch sein! Und du sagst, sie sind es nicht! Weil du ihnen damit eine Eigenschaft zuschreibst, nur aufgrund ihrer Hautfarbe, bist du selbst rassistisch!“

To be continued.

1 Sinngemäß wiedergeben

Frauen* – Eine Erklärung

Da ich mich heute entschieden habe, euch Frauen* zu erklären, werde ich mit den Grundlagen beginnen: Frauen* sind Menschen. Sie mögen angenehme Dinge und sie vermeiden unangenehme Dinge. Sie sind am glücklichsten, wenn sie ihr Leben nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestalten können. Sie werden unglücklich, wenn man sie in ihrer Entfaltung einschränkt, sie bedroht, bevormundet, ausgrenzt oder auf sie herabblickt. So viel dazu.
Kommen wir nun zu einigen konkreten Eigenschaften von Frauen*:

Sie furzen. Auch in Körpern, die als weiblich gelesen werden und/oder sich als weiblich identifizieren, suchen Verdauungsgase ihren Weg nach draußen. Erstaunlicherweise kommen dabei keine Schmetterlinge zum Vorschein. Es ist also völlig unrealistisch anzunehmen, dass Frauen* nie pupsen und daher irrational, in Schockstarre zu verfallen, wenn man es doch einmal erlebt. Get over it.

Viele Frauen menstruieren. Oder „haben ihre Tage“ oder „bluten wie sonstwas“. Dies ist natürlich. Wenn frau* möchte, kann sie Binden, Tampons, Diva Cups, … oder auch nichts verwenden. Viele haben dabei auch leichte bis unerträgliche Krämpfe, die von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen andauern. Hier gilt, wie bei allen Dingen, die mit Schmerzen zu tun haben: die Person, die gerade leidet, wird am besten wissen, wie stark die Schmerzen sind. Also kein „Das muss doch gehen.“ oder „Stell dich nicht so an.“ (bei letzterem würde man in meinem Falle ‚rausfliegen).
Zu beachten ist hier: die Methoden, Blut aufzufangen, sind nicht unfehlbar und der Beginn der Periode ist nicht immer vorhersagbar, also wird es Blut geben. Die richtige Etikette für diesen Fall heißt nie „Igitt, omg, wie kannst du mir das antun *faint*“ sondern die Person unauffällig beiseite zu nehmen, auf den Fleck aufmerksam machen, ohne herumzudrucksen oder zu transportieren, dass das jetzt total peinlich/eklig sei und Hilfe in Form von entsprechenden Produkten oder Kleidungsstücken zum Umbinden anbieten.
Wenn ihr damit klar kommt, dass andere Leute Spucke produzieren, dann sollte euch Periodenblut nicht umhauen. Niemand zwingt euch dazu, es als Körperschmuck zu verwenden.

Sie rülpsen. Luft, Verdauung, blabla. Manchen macht das sogar Spaß. Es ist natürlich, get over it.

Sie gehen aufs Klo. (Ich habe mich nur knapp gegen das k-Wort entschieden.) Ja, viele mögen sich dies nicht vorstellen, aber Körper müssen Abfallprodukte allgemein ausscheiden. Es sollte zu denken geben, wenn man nicht fähig ist, sich geistig mit dieser Tatsache zu konfrontieren.

Sie sind behaart. Mit dem Rasieren kann man es halten, wie man will, aber auch Frauen* sind mehr oder weniger stark von oben bis unten behaart. Im unrasierten Zustand haben die meisten Haare u.a. an den Beinen, an den Armen, um die Vulva und sogar im Gesicht (hier natürlich eher Flaum, aber manchmal auch mehr).

Sie haben Poren. Ich sage dies nur als kleine Erinnerung, weil viele Werbeplakate inzwischen Gegenteiliges suggerieren¹. Daher: Gesichter lassen üblicherweise Poren erkennen.

Schön, dass ihr meinem kleinen Exkurs² so weit gefolgt seid. Ich hoffe, er hat zu eurer Bildung und zum Verstehen der Frau* an sich beigetragen.
Was ich eigentlich sagen will: es ist kein Zeichen von Respekt oder Wertschätzung, eine Person(engruppe) aufs Podest zu stellen, sondern respektlos und einengend. Denn Menschen werden zwangsläufig anfangen zu kippeln und herunterzukippen, weil sie Menschen sind. Mit allem, was dazu gehört. Die Stilisierung³ von Frauen als „rein“(licher) oder „sanft“ oder „sinnlich“ wirkt wie ein Korsett, dass ihnen wenig Ausdrucksmöglichkeiten lässt. Und nebenbei bietet es einen offensichtlichen Grund, die zu bestrafen, die sich gar nicht erst einschnüren lassen. Lasst euch von den schönen Worten nicht täuschen.
Frauen* sind Menschen, behandelt sie auch so.

1 weismachen wollen
2 Ausflug
3 beschönigende Darstellung

FBB – „Can’t you take a joke?“ bzw. „Das war doch nur ein Witz“

Im heutigen Beitrag zum Feministischen Bullshit-Bingo soll es also darum gehen, warum Feminist_innen so unglaublich wenig Humor haben.

[Trigger-Warnung für fluchen meinerseits, beginnend hinter den Caps]

Eigentlich das einzige und daher zentrale Argument, was man zu diesem Thema verstehen muss, lautet: du machst keinen Witz über eine abstrakte Entität (wie zum Beispiel das Spaghetti-Monster) sondern über echte Menschen. Menschen mit Gefühlen. Menschen mit Problemen, die größtenteils durch Menschen wie dich fortbestehen. Die Probleme bestehen durch Menschen fort, die etwas gegen bestimmte Eigenschaften haben und das mehr oder weniger „lustig“ verpacken. Manchmal auch einfach in einer humorvollen Tracht Prügel.

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht Witze per se schlimm sind. Auch nicht Witze über bestimmte Menschen. Sondern ganz konkret Witze, die sich über einen Teil der Identität eines Menschen lustig machen, aufgrund deren dieser Mensch gesellschaftsweit diskriminiert wird, weil die Gesellschaft keine Abweichler_innen mag.

Verwirrend aber wahr: oft habe ich den Eindruck, dass den Witze-Reißenden gar nicht bewusst ist, dass es echte Menschen gibt, denen die Eigenschaft zu eigen ist, aufgrund der sie sich gerade schlapp lachen. Oder sie sehen diese Menschen als Abziehbilder, wandelnde Klischees, aber nicht Wesen wie sie, mit komplexen Bedürfnissen, Gefühlen und Wertegefügen.
Wie z.B. die Person, die es witzig fand, als jemand auf einer Internetseite zu bedenken gab, Blinde könnten das lesen, was diese Person schrieb. „Blinde im Internet – haha.“

WIE KANN MAN SO IGNORANT SEIN!

Wenn man sie mit Fakten konfrontiert, stehen solche Menschen logischerweise auch immer schlecht da. Weil sie keine Ahnung haben von Screenreadern. Weil sie sich nie informiert haben, wie „lesbischer Sex“* funktioniert. Weil sie nicht wissen, dass nahezu dreiviertel der Vergewaltigungsopfer ihre_n Täter_in vorher kannten. Weil sie nicht begreifen, was der Unterschied zwischen Transsexuellen und Drag Queens ist. Weil sie nicht verstehen, dass man hart arbeiten und gleichzeitig bettelarm sein kann. – Weil es sie einen Scheißdreck interessiert.
Es geht ihnen nicht darum, ernsthaft herauszufinden, warum sie solche Witze nicht mehr machen sollen. Es geht ihnen darum, dass man sie endlich mit dem anstrengenden Generve in Ruhe lässt, damit sie weiter Hass verbreiten können.

Oh stimmt, das war nicht „böse“ gemeint. Dann erklärt mir mal, wie ein_e Rassist_in wissen soll, aus welchem Grund du eine beschissene Afro-Perücke trägst? Gar nicht. Diese Person wird einfach nur glauben, dass deine Ansichten genau so abgefuckt sind wie ihre eigenen, sich bestätigt fühlen und exakt so weiter machen wie vorher. Und das heißt, dass du Diskriminierung mit jedem miesen Flachwitz verschlimmerst, weil du dafür sorgst, dass sie gesellschaftsfähig bleibt.

Man tut nichts gegen Diskriminierung, indem man „weniger schlimme“ Witze macht oder die Leute wenigstens nicht anpöbelt[\Sarkasmus]. Man tut nur etwas gegen Diskriminierung, indem man sich endlich zusammenreißt und Leuten aktiv sagt, dass man ihre Aussagen und Witze nicht okay findet, weil xyz. Und Konsequenzen folgen lässt, wenn sie ihr Verhalten um dich her nicht ändern.
Wenigstens solltest du diese abartig penetrante Nerv-Person werden, in deren Gegenwart sich niemand mehr was „nicht politisch Korrektes“ zu sagen traut, weil du voll hän Stimmungskiller_in bist.

Nein … um genau zu sein spreche ich dir meinen ernst gemeinten herzlichen Glückwunsch aus, wenn du es so weit geschafft hast.

*Anführungszeichen, weil „Sex“ schon allumfassend ist, aber ich die Erweiterung für mein Argument benötige.