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Schlagwörter: Woody Allen – Verhütung – abuse – Life-hacking – gender presentation – One Billion Rising – Eve Ensler – Aktivismus – fat hate

Wenn Partner Verhütungsmittel sabotieren
Via @IrisLemon [Englisch]

„On Toxicity & Abuse in Online Activism“
Via @goldfish [Englisch]

Wer darf entscheiden, was abuse davon unterscheidet für die eigenen Taten geradestehen zu müssen?
Via @baum_glueck [Englisch]

Es ist einfacher, jetzt wo ich männlich aussehe“ – Über Genderpräsentation in einem Technikberuf
Via @goldfish [Englisch]

„Wenn ‚Life-Hacking‘ in Wirklichkeit weiße Privilegien sind“
Via @karenjeynes [Englisch]

Über dicke Frauen*-Charaktere in Filmen: Really Funny
Via @IrisLemon [Englisch]

Ist es in Ordnung noch Woody Allen zu mögen?
[Englisch]

Wie der V-Day von One Billion Rising/Eve Ensler die Geschichte der Kolonialisierung durch Weiße ignoriert und weiter vorantreibt
[Englisch]

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Aktivismus vs. Self-care

Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr gebloggt und weiß nicht, wie das geht – aber ich werde es nun mutig versuchen.
Heute soll es um die Wechselwirkung oder auch die Widersprüche zwischen aktivistischer Arbeit und Selbstfürsorge (nenne ich kurz „self care“, gesprochen etwa self käh) gehen. Unter aktivistische Arbeit fällt dabei nicht nur vor die Tür zu gehen und Flyer zu verteilen/Demos zu organisieren/Werbung kreativ zu bemalen, sondern auch online zu diskutieren, einen Blog zu betreiben (versteht ihr??) oder sich einfach nur damit auseinanderzusetzen, was eins selbst an falschen Feindbildern und Vorurteilen eingetrichtert bekommen hat.
Ich würde euch nun clever auf meinen Self Care-Artikel verlinken, wenn ich den mal fertig gestellt hätte. Habe ich aber nicht, darum eine kurze Zusammenfassung zu Self Care: Selbstfürsorge kann auf sehr viele Arten betrieben werden, hat aber immer zum Inhalt, auf sich zu achten und sich zu pflegen. Grundlegende Arten der Self Care sind regelmäßig ausreichend essen, trinken und schlafen. Vor allem geht es weiterhin darum zu erkennen, wann man eine Grenze erreicht hat und weitere Aufgaben auf später verschieben sollte. Diese Überlegung ist auch für Aktivismus sehr wichtig.

Drin oder Draußen

Aber bevor ich näher darauf eingehe, welche Konflikte es zwischen Self Care und Aktivismus geben kann, möchte ich kurz betrachten, ob dieser Konflikt für uns alle gleich aussieht. Ihr habt es vielleicht erraten, jedenfalls: Nein, tut er nicht.
Überhaupt die Entscheidung zu treffen, ob man sich nun um Aktivismus kümmern möchte oder lieber ein Wochenende frei nehmen, das ist nur einer bestimmten Gruppe von Leuten möglich. Wenn mein Aktivismus darin besteht jeden Tag verteidigen zu müssen, dass ich auch als Angehörige*r von Minderheiten die gleichen Dinge in der Öffentlichkeit tun darf wie andere, gibt es nur bedingt mal Pausen. Wenn ich hingegen Aktivismus hauptsächlich in meiner Organisation mache, das Thema aber für mich gelaufen ist, sobald ich nach Hause gehe – dann habe ich ganz andere Möglichkeiten mich auszuruhen. „Aktivismus oder Selbstfürsorge“ kann man sich also nur wirklich fragen, wenn man ausreichend privilegiert ist. Ich schreibe aus einer weißen und ausreichend privilegierten Perspektive, um mir die Frage tatsächlich meist stellen zu können.

Arbeiten, ausruhen oder keine Wahl?

Diesen Artikel schreibe ich natürlich nicht einfach so, sondern weil ich diesen Konflikt regelmäßig bei mir selbst spüre. All die Dinge, die ich „in der Freizeit“ im Netz mache, sind angefüllt mit aktivistischen Themen. Auf Twitter, auf Tumblr, in meinem Feedreader – überall folge ich Leuten, die sich mit ähnlichen Themen wie ich auseinandersetzen. Da sind zwischen den Katzenbildern dann halt Meldungen über die in Kauf genommenen Tode von Geflüchteten oder neuer Forschung zu sexistisch motivierter Gewalt.
Wenn es immer etwas zu tun gibt, auf neue Fälle von Diskriminierung aufmerksam zu machen ist, ist es schwer zu beantworten, wann man einen Schluss-Strich ziehen sollte. Wann wird „mir ist gerade etwas flau im Magen“ zu „wenn ich die Seite nicht bald zumache, ist meine Woche gelaufen“? Und vor allem: Wie kann ich die Seite zumachen, wenn das Problem davon nicht weggeht?
Wenn man bemerkt, dass unsere Welt scheiße läuft und man die Entscheidung trifft etwas dagegen zu tun, dann übernimmt man auch eine Verantwortung. Nicht zwingend eine Verantwortung für eine konkrete Person, aber eine Verantwortung vor sich selbst sich zu kümmern. Die Frage ist, wann man diese für den Tag oder die Woche oder gar längere Zeit ablegt. Wenn man Kopfschmerzen bekommt? Wenn die Motivation irgendetwas zu tun schwindet? Wenn man Probleme hat, ausreichend Schlaf zu finden und Essen zu essen? Wann wird Aktivismus zur Selbstschädigung?
Wie oben angesprochen sieht „die Verantwortung abgeben“ nicht für alle gleich aus. Viele, vielleicht sogar die meisten, finden ja zum Aktivismus, weil sie persönlich betroffen sind – sei es von Rassismus und/oder Cis-Sexismus und/oder Ableismus usw. D.h. selbst wenn sie sich entscheiden nicht mehr im Großen zu kämpfen, landen sie nicht in einer diskriminierungsfreien Hängematte, sondern müssen weiterhin mit den kleinen Stichen und Anfeindungen umgehen, die ihnen die Gesellschaft schon immer aufgetischt hat. Wie viel Pause ist also wirklich drin?

Ich habe zu all dem natürlich keine Antwort. Bzw. keine Antwort, die für wesentlich mehr Leute als mich selber funktionieren würde. Aber ich denke es ist wichtig, dass wir auf uns achten, sowohl auf uns selbst als auch gegenseitig aufeinander. Wo Anstrengung ist, da muss auch Ruhe sein, anderenfalls sind die Kraftreserven irgendwann leer.

Viele Gedanken zum Thema Feminismus und Erschöpfung hat Melanie auch schon bei den Femgeeks veröffentlicht, gesammelt und diskutiert.

(Weitere Artikel zum Thema können gerne in den Kommentaren verlinkt werden – aber wenigstens mit einer kurzen Erklärung zum Inhalt.)

Links 36

Schlagwörter: Aktivismus – Selfies – Muttertag – White supremacy – self care – Selbstpflege – Kopftuch – Muslimas – Femen – Rassismus – Queerulant_in – Pille danach – Advice Kolumne – Cis-Sexismus – Ableismus – Hilfe

Femen und die „Befreiung“ der muslimischen Frau*
[Deutsch]

Selbstpflege-Tips für Aktivist*innen
via @hanhaiwen [Englisch]

Die_der neue Queerulant_in ist draußen, als PDF-Download verfügbar oder kostenlos in eurer Nähe ausliegend – hier geht’s zur Karte – und auf S. 32 ein Text von mir! Er verrät euch, wie ihr mit scheiß Menschen umgehen könnt, die ihr regelmäßig sehen müsst. *Freude*
[Deutsch]

Warum Selfies? (Bilder von sich selbst schießen)
[Englisch]

How to write about Africa
via cosas que no se rompen [Englisch]

Eine Karte über Erfahrungen mit der Pille danach in und um Deutschland Ihr könnt eigene Erfahrungen beitragen.
[Deutsch]

„How to Muttertag innerhalb deutscher rassistischer Gesamtscheiße.“
[Deutsch]

Bisher weltweit mindestens 78 Morde von trans* Personen im Jahre 2013
via @dressedasahuman @hrstl [Englisch]

Petitionen

Aufforderung an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Transsexualität nicht mehr als Krankheit zu listen
[Deutsch]
Für eine Aufhebung des Verbots der Vermögensbildung für Menschen mit Behinderung
[Deutsch]

Hilfe

Es gibt nun auch die Möglichkeit für syrische Flüchtlinge zu spenden (via @antonierosa)
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
Spenden-Telefon: 0137-36 36 36 (14 ct/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk mglw. abweichend)

Weiterführende Informationen und Spendenkonten Danke @KhaosKobold.

News

Ich habe einige neue Blogs in der rechten Spalte verlinkt. Schaut euch an, was ihr noch nicht kennt, es lohnt sich :3

Bis zum männlichen* Horizont und nicht weiter

Auch erschienen auf takeover.beta

Schlagwörter: Privileg – Sexismus – Silencing – Aktivismus

Vielleicht hat Magda recht und die #Aufschrei-Debatte ist für mich deswegen so schwer zu beobachten, weil ihr Ziel es ist

Frauen und Männer näher zueinander zu bringen

(Was, um die Verwirrung zu erhöhen, eigentlich ein Zitat von @fraeulein_tessa ist.)

Wenn die Kampagne dahin strebt, Männern* klar zu machen, welcher Gewalt sie jeden Tag qua Privileg entgehen, macht es Sinn.
Sie hat auf jeden Fall dazu geführt, dass ich von Typen gelesen habe, die „Scham“ empfinden, weil sie damals nicht eingegriffen haben, die bis jetzt nicht wussten, wie schlimm das alles ist und so fort.

Schon beim ersten Lesen eines solchen Statements fragte ich mich: Was hat deine Manpain in diesem Hashtag verloren? Frauen* geht es scheiße und du legst gleich mal deine Betroffenheit dar, dafuq?
Warum das falsch ist? Weil es die Aufmerksamkeit verschiebt. Es geht nicht mehr um grausames sexistisches Ereignis X, es geht darum, wie grausames Ereignis X einen Mann* emotional mitnimmt. Dadurch wird es legitimer. Ja, auch das ist Sexismus. Nein, das ist KEINE HILFE.
Eine Hilfe ist es, die Stimmen von Frauen* (PoC, Homosexuellen, Menschen mit Behinderung usf.) zu verstärken. (Denk-Anstoß von kiturak. Gerade zu sauer, um den richtigen Artikel zu finden.) Was nicht darunter fällt, ist die Stimme von Dudes, die sich endlich (oder meinetwegen auch wiederholt) mal zum Thema äußern, in den Himmel zu loben.
Versteht ihr nicht, was passiert? Die Debatte wird legitimisiert dadurch, dass auch Männer* Sexismus schlimm finden. Das. Ist. Sexismus. Ja, ich freue mich ehrlich drüber, wenn ich sehe, dass ein paar Typen es geschnallt haben. Ja, ich freue mich auch drüber, dass sie ihre Position nutzen, um die Ideen einer breiteren Leser*innenschaft zuzutragen. Nein, ich werde sie deswegen nicht retweeten. Denn das, was sie da sagen, wird gerade von mindestens 5 Frauen* woanders auch gesagt und steht, viel besser (von Frauen*) beschrieben, schon seit 10 Jahren im Netz. Geschrieben von Leuten, die tatsächlich wissen wie es ist so zu leben. For realz.

Es gibt einen Tumblr-Post darüber, dass die Friend-Zone scheiße ist. Trotz einiger problematischer Aussage und dessen, dass er nicht sehr tief geht, wird er hoch und runter verlinkt. Ratet das Geschlecht und die Perspektive des Autors.
Es gibt einen Tumblr-Post von einem Typen, der ein soziales Experiment gemacht hat. (Ob bezüglich Sexismus oder Cis-Sexismus weiß ich nicht mehr). Er trug „weibliche“ Klamotten (Bluse, Rock, …) und beobachtete die Reaktionen. Als er einen Tag lang den Rock trug, machten ihn die Reaktionen richtig fertig. Text über das Experiment? Rauf und runter verlinkt.
Wisst ihr wie viele (englischsprachige) Artikel es zu Cis-Sexismus und Sexismus im Netz gibt, die aus einer Betroffenen-Perspektive geschrieben sind? Ihr könnt sie in eurer Lebzeit nicht einmal lesen. Und dieser weiße Cis-Dude kommt daher und bringt alle zum Weinen. SO fühlt sich das also an. Das ist ja echt schmerzhaft. Da sollten wir Mitleid mit den anderen haben.

Ich weiß, wie gut es sich anfühlt, wenn eine Person, von der man es nicht erwartet hat Es Versteht(tm). Dennoch ist das kein Grund für Belohnung, wenn ein Mann* endlich akzeptiert, dass es Sexismus und sexuelle Belästigung gibt. Die Belohnung für ein privilegierten Person die diskriminierende Struktur anzuerkennen, von der sie profitiert, ist Kein-Arschloch-sein. Hier ist deine „Herzlichen Glückwunsch, Du bist kein Arschloch“-Marke. Ich hoffe, das reicht.

(Tut mir Leid, dass die Lesbarkeit heute darunter gelitten haben könnte, dass ich das mehr oder weniger runtergerantet habe.)

Links 31

Schlagwörter: Blackface – Femen – Feminismus – Klassismus – Sexismus – Rassismus – antimuslimischer Rassismus – Aktivismus – Gewalt – trans*

Lächelpflicht für Einzelhandes-Verkäufer*innen, die Gefühle tötet
via @NurGedanken [Deutsch]

(Trigger-Warnung: Thema Gewalt gegen Frauen*) Großartige Kommentare. Großartiger Thread.
“Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them.” – Margaret Atwood
[Englisch]

(Trigger-Warnung: Bildliche Darstellung von Blackface) Diese Links sollen darauf aufmerksam machen, dass auch in Freiburg, Breisgau rassistisches Theater mit Blackface veranstaltet wird. Es befindet sich keine kritische Analyse in den Artikeln!
Bild 1
Bild 2
[Deutsch]

Das I-Wort
[Deutsch]

Wenn die Leute auf dem Dorf dich weniger anstarren als die hippen Aktivist*innen in der Stadt
[Englisch]

Das Problem von Femen
Auszug: „Feminism has the potential to be greatly emancipatory by adopting an anti-racist, anti-homophobic, anti-transphobic and anti-Islamophobic rhetoric, instead of often actively being racist, homophobic, transphobic and Islamophobic.“
via @samiaalthar [Englisch]

Zombie thoughts eating my brain

Auch erschienen auf takeover.beta

Schlagwörter: Feminismus – Aktivismus – gaslighting – selfcare

Wenn man sich für bestimmte Fortschritte in der Gesellschaft einsetzt, hat man meist etwas gegen einen aktuellen Zustand einzuwenden, sagen wir z.B. gegen die Existenz von Hartz IV. Sobald man nun seine Meinung darüber kundtut, warum Hartz IV menschenunwürdig und diskriminierend ist, werden sich Menschen finden, die ganz anderer Meinung sind. Und die dir auch lang und breit erklären müssen, warum.
Erkenntnis: Solche Diskussionen wirken sich wie gaslighting (gesprochen „gäsleiting“) auf mich aus. Ich hatte den Begriff letztens wie folgt erklärt

[Gaslighting] bedeutet etwa, dass man einer Person so häufig die Realität und Legitimität [Berechtigung] ihrer Wahrnehmung/Gefühle abspricht, dass sie zunehmend an ihnen zweifelt und sich immer mehr an die Wünsche der*s Partner*in anpasst – meist um Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Natürlich meine ich den Begriff in diesem Artikel ein wenig anders. Ich rede nicht von Menschen in einer Beziehung, die versuchen ihre jeweilige Meinung durchzusetzen, sondern von politischen Gegner*innen. Ich finde jedoch, der Effekt kann ein ähnlicher sein, wenn man sich andauernd mit einem Thema auseinandersetzt. Man lernt die Argumente der Gegenseite sehr gut kennen. Wenn man sich die Mühe macht, versucht man sie zu entkräften und muss sich dafür noch tiefer hineindenken. Unfreiwillig beschäftigt man sich mit einer Menge Ideen, die man eigentlich für völlig falsch hält.

Was nach einer Weile auch verloren geht, ist der Schock-Effekt. Von den ersten hasserfüllten Aussagen ist man noch vor den Kopf gestoßen (RW = Redewendung) und regt sich auf, fühlt sich vielleicht sogar zum Handeln angespornt. Aber irgendwann hat man alles schon gelesen und alles schon gehört. Sicher, man teilt die Links weiterhin, man macht andere darauf aufmerksam. Aber tief drin hat man solche Einstellungen als normal akzeptiert. Nicht dass man sie auch nur ansatzweise in Ordnung findet, aber solche Menschen gibt es halt. Kennt man. Meine Abstumpfung bereitet mir Sorgen … Ich bin mir einfach nicht sicher, wie viele absurde Ideen bei eine*r hängen bleiben, di:er Artikel über Mitt Romney liest (den aktuellen Gegner Barack Obamas im Präsidentschafts-Kampf). Ich weiß nicht, was es mit einer*m macht, ständig neue sexistische Äußerungen zu lesen. Ich glaube, irgendetwas davon nistet sich bei dir ein.

Zum Teil schirme ich mich dagegen ab, indem ich einschränke, wie viel deprimierende Sachen ich pro Tag lese. Ich bin auch schneller beim Blocken auf Twitter oder Kommentare-Löschen auf meinem Blog. Schon durch die Themen, die ich behandele, habe ich ausreichend schlechte Laune. Da habe ich keine Lust, zusätzlich von Leuten vollgequatscht zu werden, die mir unbedingt ihre Meinung näher bringen müssen. Aber hin und wieder frage ich mich, um wie viel schöner mein Tag wär‘, wenn ich den Strom an schlechten Nachrichten häufiger hinter mit lassen würde.
(Mit der Fußnote: manche können das beinahe vollständig, andere haben die Möglichkeit gar nicht.)

What About Teh Menz, Esme!?

Auch erschienen auf takeover.beta

Schlagwörter: Patriarchat – Diskriminierung – Sexismus – what about teh menz – Umsturz – Aktivismus

Ich habe wiederholt angesetzt. Ich habe immer wieder versucht, über die Situation von Männern* zu schreiben. Ich fand es interessant zu durchdenken, inwiefern sie ebenfalls vom Patriarchat eingeschränkt werden. Ich wollte Geschlechter-Rollen betrachten, Begriffen wie „Weichei“ auf den Grund gehen. Ich wollte laut drüber nachdenken, welche Gefühle Männer* überhaupt zeigen dürfen. Aber all das wird nicht sein.

Also tue ich, was ich in diesem Tweet schon andeutete:

Ich kann über das Thema nicht schreiben. Ich habe nicht umsonst immer wieder ansetzen müssen: Ich habe eben auch immer wieder aufgehört. Woher das ganze Gequäle?

Jedes Mal wenn ich ansetze einen solchen Artikel zu schreiben, fällt mir jeder Scheiß wieder ein. Meist der von vor ein paar Tagen. Vielleicht ein Kommentar auf dem Blog: „Männlichen Privilegien existieren nicht.“ Vielleicht, wie ein Typ sich meine Antwort auf seine Frage von einem anderen bestätigen lässt, bevor er ihr Glauben schenkt. Vielleicht erinnere ich mich an das letzte Mal, als ich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzte. Als ich die Wahl hatte mich einer Flunder gleich in meinen Sitz zu falten oder gegen fremde weit gespreizte Beine zu stoßen.
Aber allen voran beherrscht mich das Gefühl, dass man als Feministin die ganze Hand verliert, wenn man Leuten den kleinen Finger reicht (RW = Redewendung).
Wie ich letztens von Samia und kiturak gelernt habe, heißt das, ich habe Angst vor „Anschlussfähigkeit“. Eine Aussage wird meist als anschlussfähig kritisiert, wenn die „Falschen“ sich ihrer bedienen könnten. Beispiel:
Ich so: Männer werden vom Patriarchat auch benachteiligt.
Jemand so: OH MY GAWWWWWD, sag ich ja: Feminismus, voll der Scheiß!!
Ich so: Äh…

In diesem Fall ist meine Aussage also anschlussfähig für Anti-Feminist*innen.
Ich habe aber keine Lust, dass meine Aussagen von denen benutzt werden. Ich will nicht, dass Leute meinen Text gebrauchen, um für das genaue Gegenteil zu argumentieren. (Wenn sie mich als Negativbeispiel nutzen, ist das natürlich in Ordnung.)
Ich habe sicher nur begrenzt Kontrolle drüber, ob und wie meine Aussagen weitergetragen werden, aber ich würde es dennoch gerne vermeiden.

Aber das ist nur der eine Punkt. Der andere Punkt ist: ich will nicht. Ja, ich weigere mich schlechthin diese Themen zu bearbeiten. Ich hab keinen Bock. Ich hab keinen Bock als Feministin vorzukauen, warum Männer* diese ganze Patriarchats-Scheiße vielleicht auch kacke finden sollten. Ich will nicht erst ein Beispiel suchen müssen, von dem Männer* sich endlich zum Handeln animiert fühlen … weil es sie betrifft. Wenn Leute einen Missssstand erst dann ernst nehmen, wenn sie selbst betroffen sind, haben sie ein echtes Problem mit ihrem Mitgefühl. Das kann ich auch nicht lösen, indem ich ihnen ganz umständlich erkläre: Hey, wenn du dieser diskriminierten Gruppe hilfst, springt was für dich bei raus!
Wo mir Stephanie mal die Augen geöffnet hat (RW): Warum sollen Feministinnen denn jetzt auch noch für die Männer* mitdenken? Also so ganz prinzipiell, warum sollen sie die Denkarbeit machen? Warum sollen sie die Kampagnen organisieren, die Artikel schreiben, die Projekte ins Leben rufen? Irgendwoher schreit es „Aber auch Männern* widerfährt xy.“ Die gleichen Personen, die das schreien, scheinen aber irgendwie drauf zu warten, dass die Welt, das Karma oder sonstwer ihnen Für Die Gerechtigkeit (TM) Männerhäuser vom Himmel wirft oder Workshops oder was weiß ich.
Newsflash: das Wahlrecht der Frau* oder das Ende der Sklaverei in den USA wurde nicht von Männern* bzw. Weißen herbeigeführt. Sondern gegen ihren erbitterten Widerstand.

Wie Eingangs erwähnt, finde ich die Themen spannend. Aber täglich von Sexismus betroffen zu sein, senkt die Motivation erstaunlicherweise ENORM, dich mit den Problemen derer zu beschäftigen, die einen Gewinn aus sexistischen Strukturen ziehen. Ich bin lieber mit mir selbst solidarisch.

(Samia, kiturak und Stephanie sind Redakteurinnen* auf takeover.beta, falls ihr nicht mit ihnen bekannt seid.)