„Warum so traurig/grimmig/schlecht gelaunt?“

Schlagwörter: street harassment – Sexismus – Lächelpflicht – körperliche Selbstbestimmung

„Lächel doch mal.“

Stop it right there! Guten Tag liebe Arschlöcher und Zuschauer*innen, was wir hier haben, ist ein Beispiel für Street Harassment. Es tritt am häufigsten im Sommer auf, ist aber auch zu anderen Jahreszeiten, in denen Frauen* das Haus verlassen, nicht ungesehen. Das Ereignis findet üblicherweise wie folgt statt:
Ein Mann* trifft eine Frau*, die nicht ausreichend lieb lächelt. In einem Versuch diesen Fehler zu korrigieren, teilt er* ihr heroisch (heldenhaft) mit, dass sie* ihre Gesichtsmuskeln anders anordnen solle. PROBLEM GELÖST UND DER WELTFRIEDEN BRACH HEREIN. ENDLICH MUSSTE KEIN MANN* SICH MEHR SCHLECHT FÜHLEN, WEIL EINE FRAU* EIGENE EMOTIONEN ZUR SCHAU STELLTE. Cue Blumenregen.

Ja, bei diesem Thema überwältigt mich ein wenig der Sarkasmus, weil es einer* immer und immer wieder begegnet. Wie ich auch letztens auf einem Spaziergang erfahren durfte. Als ich anschließend, wieder auf dem Fahrrad sitzend, registrierte, was gerade passiert war, zeigte ich ihm um ihn an meiner Meinung teilhaben zu lassen den Mittelfinger. Ob es noch ankam, vermag ich nicht zu sagen.

Das Beispiel ist schon ein Gutes.
Ich war in der örtlichen Grünanlage unterwegs, wo es nur eine begrenzte Anzahl an Wegen gibt. Den gleichen Weg zu nehmen wie ich vorgehabt hatte, kam dann schon nicht mehr in Frage; Einerseits wollte ich diesem Menschen nicht wieder begegnen, andererseits ist das eine Sicherheitsüberlegung. Denn – ich weiß nicht, ob das allen Menschen bewusst ist: Wenn ich den Typen nur ignoriert hätte oder gar auf seinen Scheiß reagiert, hätte mir „nichts Schlimmeres“ passieren können, als dass er mich nochmal vollabert, weil wir ausreichend etabliert hätten, dass es sein Recht ist zu bestimmen, welche Emotionen ich fake, während ich in der Öffentlichkeit unterwegs bin. Weltordnung wieder hergestellt. Dadurch, dass ich ein Zeichen des Widerspruches gezeigt habe, ist das schwerer abzuschätzen. Einige grenzüberschreitende Menschen lassen sich durch Widerstand von ihrem Weg abbringen. Sie ziehen dann weiter, um sich ein einfacheres Ziel zu suchen. Andere jedoch tun dies nur bei sehr starkem Widerstand (der so ein bisschen nach oben offen ist. Ist „mit einem Messer drohen“ schon ausreichend stark für Frauen*hasser? Mensch weiß es nicht.) Das bedeutet, eine weitere oder anhaltende Begegnung mit diesem Menschen könnte eskalieren (sich verschärfen). Über meine körperliche Sicherheit dachte ich also nach, als ich meinen „Entspannungsspaziergang“ machte. Oh ich vergaß, der Typ hatte einen mittelgroßen Hund bei sich. Die Möglichkeit „alle Wut rausbrüllen“ war damit ebenfalls gelaufen.

Jetzt frage ich mich: Wie kann es passieren, dass ein wildfremder Mann* (oder auch mein Mitstudent, den ich seit diesem Tag eher meide), es für angemessen hält mich dazu aufzufordern, mir eine andere Emotion aufs Gesicht zu pflastern? Wie kann man so völlig selbstzentriert sein, dass man anderen Menschen vorschreibt, welche Gefühle sie zeigen dürfen? Gehe ich bald auf den Rummel und sag dem Verkäufer am Riesenrad, dass er mehr Enthusiasmus (Begeisterung) zeigen soll? Sage ich meinem Zahnarzt, nicht immer so verbissen dreinzusehen, wenn er die Geräte auswählt? (Klar, die Beispiele sind nicht einmal weit hergeholt, weil exakt das im Kapitalismus von Service-Personal gefordert wird. Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens wird uns aber auffallen, dass das a) Jobs mit größtenteils Frauen* sind und b) diese Regeln anscheinend weniger für männliches Servicepersonal gelten bzw. bei ihnen weniger durchgesetzt werden. Zumindest meine Erfahrung.)
Abgesehen davon, dass Kapitalismus scheiße ist, wirken meine Beispiele einfach lächerlich. Natürlich sage ich keinem Typen, dass er nicht fröhlich aussieht. Einerseits haben Männer* ernsthafte Gefühle gepachtete (RW = Redewendung) und andererseits einen Guten Grund ™ für ihr Gemütslage. Ich hingegen könnte ruhig mehr Positivität an den Tag legen, wenn ich erfahren habe, dass ich vielleicht [man ersetze durch persönliche Krise]. Schließlich gibt es Männer* da draußen, denen heute schon mal das Eis heruntergefallen ist.

Ich weiß, ich weiß, viele Männer* möchten das nicht wahr haben, aber die Zeiten ändern sich; Vielleicht wird Frauen* mal so etwas wie Herrschaft über ihren Körper, inklusive ihrem Gesichtsausdruck, zugesprochen. Ich kämpfe auf jeden Fall dafür. Und ich weiß, dass man an den alten Zeiten festhalten möchte, wo alles viel einfacher war, weil die Frauen* da halt in der Küche waren, ohne dass man sie in sexistischen Horden dahin zurücktreiben musste. Man wusste einfach, wer wohin gehörte und es gab noch Ordnung und warum ich wie die Nazis kling, weiß ich auch nicht. (War das schon ein Godwin?)

Jedenfalls: I don’t fucking care about your feefees, random guy, and I’ll do my best to make your day worse if you fucking talk to me like that. Cheers.

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„Gucken, aber nicht anfassen“

Schlagwörter: street harassment – Blicke – Selbstbestimmung

Ein gerne benutzter Satz von Menschen, die ich scheiße finde, weltweit.

Das Ding ist: Selbst ohne den Sexismus-Kontext kann man leicht sehen (haha), dass gucken oft scheiße ist. Menschen, die in irgendeiner Form von der Norm abweichen, sind vielen Blicken ausgesetzt;
Menschen mit Behinderungen oder außergewöhnlichen Verletzungen – etwa am Kopf, Menschen of Color, je weißer die Umgebung ist, augenscheinlich gleichgeschlechtliche Pärchen, Menschen mit außergewöhnlicher Kleidung usw.

Während die Blicke nicht alle stören mögen (ich denke gerade an meine Tage in einem Gothic-Forum zurück), sind sie dennoch unhöflich. Es macht tatsächlich ein Unterschied, ob ich mich mehr oder weniger unbeachtet in der Öffentlichkeit bewegen kann oder immer von Blicken verfolgt werde. Blicke können z.B. ein Alarmsignal sein: Die Person könnte mich als Gefahr betrachten, mich angreifen oder beschimpfen, ohne Einwilligung ein Foto von mir machen (und es im Internet verbreiten). Ein Blick kann Ekel, Abscheu, Entsetzen, Missbilligung ausdrücken. Oder Überraschung, dass man „solche Menschen“ hier sieht.

Natürlich ist das nicht die vollständige Auswahl an Bedeutungen. Blicke können auch ehrliche, unvoreingenommene Neugier bedeuten, Wertschätzung, Freude über die Anwesenheit, Bewunderung für die Kleidung. Aber da der öffentliche Raum meist durchquert wird, um etwas zu erledigen, sollte es keine großen Hürden geben, ihn zu betreten. Und wenn Menschen aus irgendwelchen Gründen sehr eindrücklich auf eine*n reagieren, kann das durchaus ein Hürde darstellen. Denn auch wenn eine Person Interesse an meiner Person oder Aufmerksamkeit hat, heißt das nicht, dass ich mich mit ihnen beschäftigen möchte. Wenn ich viele lange Blicke auffange (RW = Redewendung), kann das störend wirken.

Wann oder wie man sich Menschen nähern können/darf/sollte, wurde schon x mal beschrieben und diskutiert, auch in feministischen Blogs. Ich habe nicht vor, da noch einmal drauf einzugehen. („Buhu, darf ich jetzt niemandem mehr anlächeln?!“ wird auch in den Kommentaren gelöscht.)

Ich möchte schlicht darauf hinaus, dass eine gehäufte Aufmerksamkeit eine Form von Belästigung sein kann. Und so wie Menschen, die weiblich präsentieren, nicht zur Freude der Zuschauer*innen vor die Tür gehen, sondern weil sie ein Ziel im Sinn haben, sollte man ihnen respektvoll begegnen. (Was natürlich auch für alle anderen Menschen gilt, die in irgendeiner Form die Blicke auf sich ziehen (RW).)

Was sich hinter „Gucken, aber nicht anfassen“ auch verbirgt, ist richtig ekliger, gruseliger Sexismus. Es bedeutet nicht nur, dass man es völlig in Ordnung findet, Frauen* anzustarren, weil man kann. „Aber nicht anfassen“ beinhaltet das Schulterklopfen, dass man nicht übergriffig wird. – Wow, Sternchen fürs Erfüllen der niedrigsten Bedingung der „Kein scheiß Mensch sein“-Liste. 1 a. Applaus. Menschen, die so einen Satz benutzen, sind nicht nur sexistisch, sondern könnten auch übergriffig sein. (Well, sind es wahrscheinlich, denn Glotzen ist ja okay.)
Das ist Rape Culture in einem Satz. Nicht etwa ein Verständnis dafür zu haben, dass alle Menschen gleich unbehelligt durchs Leben gehen können müssen. Sondern die Einstellung, dass man wenigstens irgendeine Form von Zugriff auf den weiblich gelesenen Körper hat und dass nichts dabei ist. Beschwerden von Frauen* sind dann nur „übersensibel“ oder „eingebildet“ (weil sie* Vertrauen in ihr* Äußeres hat) oder peinlich (weil der Betrachter sie* nicht sexy genug findet und wer würde ihr* schon hinterherschauen?). Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung wird wieder einmal zur Diskussion gestellt, wo es keiner Diskussion bedarf: Your body, your rules.

Open Thread: Street Harassment – Mit Gewalt wehren?

Schlagworte: Street Harassment – sich wehren – körperliche Gewalt

Leider jedes Jahr wieder ist Street Harassment ein Thema. Letztes Jahr habe ich gefragt, wie ihr auf Situationen von Street Harassment reagiert. Dieses Jahr möchte ich, angestoßen von @samiaalthar, diskutieren, welchen Platz körperliche Gewalt in der Reaktion hat.

Findet ihr es richtig, euch auch körperlich zu wehren? Hat es euch vielleicht schon geholfen? Oder würdet ihr es nicht wieder tun, weil sie euch gerade nicht geholfen hat? Habt ihr moralische Bedenken einer Person weh zu tun, auch wenn sie euch vorher (mit Worten) angegriffen hat?

Achtet bei euren Antworten bitte darauf, die Reaktionen von anderen nicht als falsch hinzustellen. Das entscheidet jede*r für sich.

Wie immer im Open Thread gibt es keinen Artikel von mir, sondern es wird in den Kommentaren diskutiert und jede*r kann etwas besteuern. Ich würde mich freuen eure Meinung zum Thema zu erfahren.

Edit: Ich habe der Klarheit nochmal einige Stellen geändert. Wie richtig in den Kommentaren angemerkt wurde, ist Street Harassment in Worten auch eine Form von Gewalt.

Müde

Schlagwörter: Sexualisierte Gewalt und Drumrum

Update: 2 Links korrigiert.

Will ich über sexualisierte Gewalt schreiben oder über Consent-Culture? Will ich über Anspruchsdenken (entitlement) schreiben oder über Victim-Blaming? Street-Harassment oder den Umgang der Medien mit sexualisierter Gewalt?
Die nicht so geheime Antwort lautet: es hängt alles miteinander zusammen.

Erst einmal zwei Artikel. Cliff Pervocracy schrieb über liebevolle? Witze, die nicht von Zeichen für eine gewaltvolle Beziehung zu unterscheiden sind. [Englisch]

Viruletta wies auf der Mädchenmannschaft daraufhin, dass sexualisierte Gewalt kein Fall von „Da drüben ist es viel schlimmer“ ist oder werden darf.[Deutsch]

Ach Quatsch, nun bin ich einmal dabei, ich hab noch welche. Misandrica erklärt, warum es so unglaublich stört, wenn Männer sich in eine Diskussion über sexualisierte Gewalt einklinken, um ihre Unschuld zu beteuern. [Englisch]

formschub denkt über seinen Männerschatten nach und wie er verhindern kann, dass er einschüchternd auf Frauen* wirkt. via @NurGedanken [Deutsch]

Tatsache ist, ich will, dass sexualisierte Gewalt aufhört. Ich will, dass Menschen andere nicht so lange vollquatschen, bis die irgendwas tun (und sei es so banal wie einkaufen gehen). Ich will das Leute Konsequenzen für scheiß Verhalten spüren. Und ich will ’nen epischen Artikel darüber schreiben. Irgendwann,

33 Zitat der Woche 33

Schlagwörter: awesome – sexuelle Belästigung – street harassment – empowerment

Squee, favourite quote ever. Trigger Warnung für alles hinterm Link.

At my (women’s) college, we had a tradition called the Loser Dance. If you were being creeped on at a party or a club or whatever, you kept dancing but made the L/Loser sign with your hands as you danced. Any Smithies who saw you were then morally obligated to join the Loser Dance and surround you in a protective group of dancin’ ladies. The older students in our dorm seriously taught us that our first week of college, and it was The Best.

[An meinem (Frauen*-) College hatten wir eine Tradition, die „Loser-Tanz“ genannt wurde. Wenn du auf einer Party oder im Club oder was auch immer von ’nem gruseligen Typen belagert wurdest, hast du weitergetanzt, aber beim Tanzen mit deinen Händen das L/Loserzeichen gemacht. Alle Smithies¹, die dich sahen, waren dann moralisch verpflichtet, am Losertanz teilzunehmen und dich in einer schützenden Gruppe tanzender Frauen* zu umringen. Die älteren Schülerinnen unseres Studentinnenwohnheims brachten uns das ernsthaft in unserer ersten Woche am College bei, es war so cool.]

Sweet Machine bei Captain Awkward

1 Studentinnen des Frauen*colleges

[TW] You can stop r***: Schritt 4 – Warum seid ihr Freunde?

<< Schritt 3

Schritt 5 >>

Wie für die ganze Serie gilt eine Trigger-Warnung.

Schlagwörter: r**e culture – Grenzüberschreitung – street harassment – allies – you can stop r**e

fluffy bunny in front of a grass
Quelle: Emergency Cute von playboy-seobaby

Es gibt eine US-amerikanische Studie, die besagt, dass auf einen Vergewaltiger¹ im Schnitt 6 Betroffene kommen.
Das ist eine ganz schön hohe Zahl. In einer Welt, in der Vergewaltigungen tatsächlich als das Verbrechen behandelt und verfolgt werden, dass sie sind, sollte das unmöglich sein. Ich möchte hier nicht völlig sarkastisch werden, aber: Überraschung! Ist es bei uns nicht!

Einer der Gründe, warum Vergewaltiger offensichtlich lange genug frei herumlaufen können, um mehrere Menschen zu vergewaltigen, ist, dass unsere Gesellschaft sie lässt. In vielen Staaten wacht man gerade erst auf und denkt: ‚Oh, sexuelle Belästigung auf der Straße sollte vielleicht mal strafrechtlich verfolgt werden.‘ Deutschland gehört nicht dazu.

Sexuelle Belästigung ist jedoch der Vorläufer von weiteren Grenzüberschreitungen und muss deswegen entsprechend behandelt werden. Und hier kommst du ins Spiel:

Es darf in deinem Freund*innen- und Bekanntenkreis keine Person geben, die ohne Konsequenzen anderer Leute Grenzen verletzt.

Nicht „nur wenn er betrunken ist“. Nicht „er verteilt halt gerne ungefragt Massagen. Hört ja auch auf, wenn man es ihm sagt“. Nicht „er weiß halt nicht wie man flirtet und steht deswegen zu nah oder versucht es zu lang“. Nicht „sexuelle Bemerkungen gehören einfach dazu, auch wenn die Angesprochene unangenehm berührt ist“.
Für die, die bereits protestieren „Aber, aber – ich weiß doch nicht, wie ich vermeiden soll, anderer Leute Grenzen zu überschreiten“, werfe ich diesen Artikel hier ein und lege, für die, die mit Körpersprache nicht viel anfangen können, diesen Kommentar drauf.

Grenzüberschreitendes Verhalten hält nicht nur an, weil es Menschen gibt, die Grenzen überschreiten. Es hält an, weil eben diese Menschen keine Sanktionen zu erwarten haben. Wenn ich nach dem zweiten sexuellen Kommentar auf Arbeit gefeuert werden kann, wenn ich fürs „Netter Hintern“-Hinterherrufen auf der Straße ’ne saftige Geldstrafe zahlen muss, wenn die Anwesenden auf einer Party mir geschlossen die Tür zeigen, wenn ich eine Frau* beim Tanzen bedrängt habe, werde ich es mir überlegen.
Ich werde es mir nicht überlegen, wenn alle Bekannten beschämt oder desinteressiert wegsehen statt der Frau* zu helfen, auf die ich’s abgesehen habe. Ich werde es mir nicht überlegen, wenn ich weiß, dass eine Tiefenanalyse ihrer Klamotten, ihres Trinkverhaltens und allgemein ihrer Glaubwürdigkeit aufgrund ihres Charakters, ihrer sexuellen Vorlieben und ihres Beziehungsstatusses erfolgen wird, wenn sie mir eine Grenzüberschreitung vorwerfen sollte. Stattdessen mache ich eine formvollendete Verbeugung und bedanke mich fürs Entgegenkommen meiner Bekannten.

Also merke: Menschen, die Grenzen verletzen, sind nicht deine Freunde. Oder du bist mitschuld.
Ich wüsste nicht, wie ich den Ernst der Lage besser ausdrücken kann, als mit den folgenden Links.

Für die folgenden beiden: in dem Kommentaren sind auch Schilderungen von Überlebenden! Weder in den Artikeln noch den Kommentaren sind verlässliche Trigger-Warnungen gepostet, also Vorsicht.
Zwei Beispiele eines Freundeskreises, der grenzüberschreitendes Verhalten möglich macht, sexuelle Belästigung entschuldigt und die betroffenen Frauen* nicht unterstützt.
Wenn sich wirklich wer die Frage stellen sollte: „Kann ich mit einem Vergewaltiger befreundet sein.“ Lies die Antwort. Lies die Kommentare.

Zu diesem Themenbereich gibt es zu viele gute Artikel. Ich lege sie euch alle ans Herz.
Cliff erklärt auf Pervocracy wie es einen Damm brechen kann, wenn man es wagt auszusprechen, was man gerade gesehen hat. Schweigen schützt die Täter*innen.

Thomas erläutert auf Yes Means Yes anhand verschiedener Studien, wie Sexualstraftäter vorgehen und was das für unser Vorgehen bedeuten sollte. (Be warned, depressing statements)

Hier die detaillierte Auswertung von Ich habe nicht angezeigt.

Und als relativ aktuelles und deutliches Beispiel, wie Täter sich in unserer Gesellschaft verteidigen können, selbst wenn alle Karten schon auf dem Tisch liegen: accalmie auf Stop! Talking. über den Fall Assange.

Edit: Und thematisch hunder prozentig passend fugitivus dazu, fast alle Freund*innen an den Vergewaltiger zu verlieren.

1 Ich benutze aufgrund der Statistiken gegenderte Sprache. Wer darauf hinweisen möchte, „Frauen* vergewaltigen auch“, der*m sage ich: ja, generisches Maskulinum.

Open Thread: auf Street Harassment reagieren, aber wie?

Schlagwörter: street harassment – Diskriminierung – zurück schlagen

Im Zuge meines Artikels Schlag halt zurück, Mädchen! antwortete Samia u.a.

Ich muss sagen, dass für mich der Austausch mit Frauen* über street harassment unglaublich wichtig ist. Was fühlen wir in welcher Situation? Wie können wir das beeinflussen? Welche Art der Reaktion ermöglicht uns, uns hinterher gut zu fühlen? Wovon hängt es ab, ob die Reaktionen umsetzbar sind?

Mir geht es ebenso, weswegen ich mich entschieden habe, zu dem Thema einen zweiten Open Thread zu machen. Zur Inspiration ein paar Tweets, die ich, auf die Ankündigung dieses Threads hin, auf Twitter bekam.

Genau so geht es nach eigener Aussage @spelunkenjenny. Die hat allerdings noch eine Geschichte auf Lager.

Natürlich nur für Cis-Frauen möglich, die tatsächlich ihre Tage haben … und gut vorbereitet sind!
Und noch zwei weitere Inspirationen:

Danke schon einmal für eure Wortmeldungen, gerne könnt ihr das im Thread noch einmal näher darlegen. Vorher allerdings noch einige grundlegende Anmerkungen:

– Viele sind nicht nur von einer Form der Diskriminierung betroffen und werden daher nicht nur angemacht, weil ihr Geschlecht als weiblich wahrgenommen wird. Wenn ihr Erlebnisse habt, wie ihr wegen Rassismus, Hetero-Sexismus o.a. beschimpft wurdet, immer her damit! Auch in dem Falle würde ich gerne hören, wie ihr die Situation erlebt, wie ihr euch wehrt oder euch nicht dazu in der Lage fühlt usw.

– Dieser Thread richtet sich an weiblich Sozialisierte, weil diesen seltener nahegelegt wird, dass es in Ordnung ist, wütend zu sein und diese Wut auch zum Ausdruck zu bringen. Transsexuelle gleich welchen Geschlechts können aber gerne von ihren Erlebnissen berichten.
Sollten sich Männer* (dies gilt auch für transsexuelle Männer* und Genderqueere, wenn ihnen eine Äußerung dort lieber wäre) finden, die gerne von ihren Erlebnissen mit Diskriminierung aufgrund von Cis- oder Heterosexismus, Ableismus usf. auf der Straße berichten möchten, kein Problem. Dann bitte ich euch, den zweiten Thread zu nutzen, damit die jeweiligen Diskussionen einen größeren gemeinsamen Nenner haben.
(Wenn ein Teil dieses Vorgehens völliger Scheiß ist, lasst es mich wissen.)

– Ich möchte die Diskussion des Themas so sicher wie möglich gestalten, daher werde ich möglicherweise keine Antworten zulassen, die von Außenstehenden kommen („Ich als Mann hab mal die Frage, wie das so ist, abends allein unterwegs zu sein.“ „Ja aber Lesben blabla…“ Da kann man auch einfach mal still sein und zuhören.). Ich werde auf keinen Fall „hätteste…/du solltest…/aber warum machst du nicht…“ Victim-Blaming durchlassen.

– Und zuguterletzt: Bitte setzt eine Trigger-Warnung über eure Kommentare, wenn nötig. Wenn das Erlebnis irgendwie scheiße war, aber auch nicht voooll schlimm, dann nehmt eine Inhaltswarnung. (Also „Inhalt: feindselige Äußerung, allein auf der Straße“ o.ä.) Sollte eine solche fehlen, aber meiner Meinung nach nötig sein, setze ich sie auch nachträglich in eure Kommentare.

NUN würde ich gerne wissen, wie ihr auf street harassment reagiert. Nutzt ihr Äußerungen oder Gesten, die für euch befreiend sind? Stellt ihr euch eine Erwiderung cool vor, habt sie aber noch nicht umgesetzt? GO!

Schlag halt zurück, Mädchen!

Schlagwörter: street harassment – please do have a piece of my mind – victim blaming – empowerment
Auch wenn es die Schlagwörter nicht vermuten lassen, folgt keine triggerende Sprache. Die Lektüre sollte eher angenehm sein.

che2001 schreibt hier

[…] Offensive Gegenwehr von Frauen scheint da kein Thema zu sein, auch Zweisatz appeliert an die Anständigkeit von Männern, argumentiert aber eigentlich nicht mit Gegenmaßnahmen. Frauen erscheinen zwar als Subjekte mit eigenen, der heteromännlichen Suprematie entgegenstehenden Interessen, zugleich aber als tendenziell ausgelieferte Opfer. Da waren wir schon mal weiter.

https://highoncliches.wordpress.com/2012/05/17/wie-verhalte-ich-mich-moglichst-nicht-wie-ein-arsch/

[…]

Es ist kein Zufall, dass ich Frauen* nicht thematisiere. Den Grund erkläre ich gerne.

Zunächst einmal: ich habe den Text nur überflogen und weiß deswegen a) nicht, ob es eine schlechte Idee ist, den Blog zu verlinken. Nach den Brocken, die ich las, sieht es aber unbedenklich aus. b) Ist dieses Zitat wirklich aus dem Zusammenhang gerissen, da ich den Text nicht vollständig gelesen habe. Deswegen besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich mit meiner Argumentation, was che2001 angeht, offene Türen einrenne, aber das ist mir egal. Ich würde meine Motivation gerne allen erklären, da mir die Gründe wichtig sind.

Daraus, dass der Text sich an heterosexuelle Männer* richtet, abzuleiten, dass ich Frauen* hauptsächlich die Opferrolle zugedenke, ist logisch nicht haltbar. Dass mein Text Männer* fokussiert, ist ein Statement: ich sehe das Problem nicht bei den Frauen* (respektive anderen Menschen, die auf der Straße belästigt werden).

Ich sehe das Problem immer bei denen, die Grenzen überschreiten, nicht bei denen, die auf eine Grenzüberschreitung reagieren müssen. Ich richte mich absichtlich an die Aggressoren*, weil ich mich weigere, die Schuld bei den Falschen zu suchen. Und ich richte mich an die Täter*, weil es immer noch viel zu selten geschieht.
Ich will, dass es normal wird, sich an die Täter*innen zu richten. Ich will, dass es als unlogisch empfunden wird, sich mit etwas anderem an Betroffene und Überlebende zu wenden als: „Geht es dir gut? Wie kann ich dir helfen?“. Ich möchte, dass anerkannt wird, wen die Schuld trifft.

„Schuld“ klingt sehr pompös. Tatsächlich fällt es Menschen sehr schwer anzuerkennen, dass sie etwas falsch gemacht haben, wenn sie keine bösen Absichten hatten. Deswegen kann ich es auch gerne „Verantwortung“ nennen: wenn man Menschen eingeschüchtert, geängstigt oder verletzt hat, trägt man die Verantwortung für die ursächliche Handlung. Intention egal.
Ich möchte betonen: einzugestehen, dass man etwas falsch gemacht hat, ist nicht das Gleiche wie einzugestehen, dass man ein schlechter Mensch ist. Eine verletzende Handlung macht keinen schlechten Menschen. Nicht die Verantwortung zu übernehmen, das macht einen schlechten Menschen aus.

Ja mag sein, ich bin ein bisschen abgeschweift.
Was denke ich nun davon, dass Frauen* (oder von Diskriminierung Betroffene allgemein) sich wehren, ja sogar selber angreifen, zurückschlagen?
Na ja, ich denke: ‚Not my business, aber wenn ich kann, helfe ich gerne dabei.‘ You see, ich fühle mich nicht in einer Position Menschen vorzuschreiben, wie sie auf persönliche Angriffe reagieren. Denn selbst nett gemeinte Aufforderungen, die bestärkend (aka empowerend) wirken sollen, werden irgendwann immer gegen die Betroffenen verwendet. Schon mal von victim blaming gehört? Ach was, das hat jede*r schon mal erlebt!
Selbst bei alltäglichkeiten Unglücken wie einer Schürfwunde oder einem verlorenen Schlüssel werden einige Menschen kommen und sagen: „Aber hast du schon mal dran gedacht, Armschützer zu tragen?“ – „Du hättest ein Schlüsselband benutzen sollen. Ich benutze immer ein Schlüsselband.“ Woraufhin ich denke: ‚What the everloving fuck?! Ich habe eine Verletzung, die tut weh. Ich komme nicht in meine verdammte Wohnung und du gibst mir „Tips“, auf die ich schon vorgestern gekommen bin?‘

Ernsthaft, ich muss Frauen* nicht erzählen, was sie tun sollen. Jede*r kennt sir Leben am besten, weiß ob hän Probleme mit Panikattacken hat oder schon so lange im Theater spielt, dass hän sich in der Lage fühlt, jeden Klappspaten auf der Straße zur Schnecke zu machen. Und was unweigerlich passieren wird, wenn ich beginne, Menschen „Ratschläge“ zu geben, ist dass die mit den Panikattacken sich schlechter fühlen werden. Und dass es für ihre Umgebung noch akzeptabler wird, sie zu bedrängen, warum sie sich „nie wehren“. Das möchte ich in hundert Jahren nicht.

Dennoch will ich Betroffenen gerne helfen. Und deswegen versuche ich, wann ich kann, Menschen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie sich wehren können. Wie diese Artikelserie. Wenn ich tatsächlich Ideen habe, wie ich helfen kann, versuche ich sie z.B. auf diese Art mitzuteilen or hell, mit diesem ganzen Blog! Aber mir ist es wichtig, sie nur im Schaufenster auszustellen und zum Verschenken anzubieten. Ich will keinen High-Pressure-Verkauf¹ auf der Straße machen, bei dem ich Leute belabere, bis sie sich überzeugen lassen. Das erzeugt Druck. Das erzeugt Schuldgefühle und eine „hättest du mal“-Mentalität. Der direkte Vorgänger der „selber Schuld“-Mentalität, die ich wie die Pest meide.

Die andere Art, wie ich versuche Betroffenen zu helfen? Indem ich die Leute anspreche, die Scheiße bauen. Wo keine Ursache, da keine Wirkung und was ist denn effektiver, als gegen die Ursache vorzugehen?

Versteht mich nicht falsch. Sich verteidigen zu können ist toll und kann sehr befreiend sein. Weil unsere Welt scheiße ist, ist das oft sogar die einzige Hilfe, die man bekommt. Aber was die Welt nicht braucht, ist noch eine Person, die Menschen die Pflicht auferlegt, nicht bedroht zu werden. Glaubt mir, auch ohne mich wird Frauen* unaufhörlich nahegelegt, sich Pfefferspray zu besorgen oder eine Trillerpfeife. Ich verschaffe ihnen lieber die Freiheit, weder das eine noch das andere zu kaufen.

1 Es gibt einen Begriff für diese Methoden – und der hier ist definitiv falsch

Crossposted auf takover.beta

26 Zitat der Woche 21

Schlagwörter: Sexismus – street harassment – Zitate

Many men who harass women say their intent is to compliment them, but why do they usually not “compliment” women who are accompanied by other men and often only do it when a woman is alone? Why do they tend to object to other men “complimenting” their female significant other (if applicable), female friends, or female family members? Why do some men grow hostile and violent when women do not thank them and act flattered? Why do they feel compelled to compliment women at all? Rarely are they expecting a date. Many times they do not even wait to see a woman’s reaction as they fly by in their car or as they turn to start harassing the next woman. They are doing it to exert their power, to entertain their friends, to relieve boredom, or do demonstrate that they can evaluate a complete stranger to her face, just because she is a woman.

[Viele Männer*, die Frauen* belästigen (=harass), sagen sie wöllten ihnen komplimentieren, aber warum „komplimentieren“ sie üblicherweise keinen Frauen*, die von anderen Männern* begleitet werden und tun es oft nur, wenn eine Frau* alleine ist? Warum neigen sie dazu zu protestieren, wenn andere Männer* ihrer Lebensgefährtin (falls zutreffend), Freundinnen oder weiblichen Familienmitgliedern „komplimentieren“? Warum werden manche Männer* feindselig und gewalttätig, wenn Frauen* ihnen nicht danken und nicht geschmeichelt wirken? Warum sehen sie sich genötigt, Frauen* überhaupt zu komplimentieren? Selten erwarten sie ein Date. Oft warten sie nicht einmal auf die Reaktion der Frau*, während sie in ihrem Auto vorbeifliegen oder sich umdrehen, um die nächste zu belästigen. Sie tun es, um ihre Macht auszuüben, um ihre Freund*innen zu unterhalten, um Langeweile loszuwerden oder um zu demonstrieren, dass sie eine vollkommen Fremde ihr gegenüber bewerten können, nur weil sie eine Frau* ist.]

Von glitterfarm.tumblr.com