Links 47

Schlagwörter: gelüchtete – rassismus – endometriose – abuse – atomkraft – social media – bundesteilhabegesetz

Suprise-Linksammlung! Man verzeihe mir, dass ich zunächst einmal die wichtigen Links von Anfang des Jahres aufarbeiten muss.

So lange gelegen, dass es schon wieder fast aktuell ist: Weihnachten überleben
via @goldfish [Englisch]

Was tun, wenn man eine gewaltvolle Beziehung noch nicht verlassen kann? Einige Tips
[Englisch]

Meldung aus dem Januar 2016: 10.000 Flüchtlingskinder sind in Europa verschwunden via @nightlibrarian [Deutsch]

Belgische Atomkraftwerke in fragilem Zustand – zu marode für kaltes Kühlwasser via @JollySea [Deutsch]

Unverzichtbar, um Gerüchte gegen Geflüchtete zu widerlegen: Die Hoaxmap [Deutsch]

Analyse: Welche Menschen verüben rassistische Attacken in Deutschland? [Deutsch]

Kleine Anfrage ergibt: Im Februar diesen Jahres lebten 12 Kinder ohne Geschlechtseintrag [Deutsch]

Verschlechterung der Situation behinderter Menschen mit Assistenz durch das Bundesteilhabegesetz (inzwischen keine Zukunftsmusik mehr) [Deutsch]

Essen bei den Tafeln wird knapper und die Geflüchteten sollen Schuld sein [Deutsch]

Was Kindern sich von ihren Eltern über den Umgang mit Social Media wünschen via @baum_glueck [Englisch]

Weit verbreitet und doch selten diagnostiziert: Über Endometriose [Deutsch]

Links 46

Schlagwörter: antisemitismus – rassismus – monosexismus – depression – transsexualität – generationenkonflikt – klasse – sexualisierte gewalt – lena dunham – samariter – samaritans radar – nbforum – nonbinary trans – geflüchtete – essen – suizid

Die folgenden Links sind teils mehr als 2 Monate alt, deswegen kann ich nicht versprechen immer passende Inhaltswarnungen zu posten. Lesen nach eigenem Ermessen usw.
Außerdem haben sich so viele Artikel angesammelt, dass ich in wenigen Tagen eine weitere Sammlung veröffentlichen werde.

Zum Thema Essen und Depression
von @nightlibrarian [Englisch]

3 Jahre Class Matters – Mit welchen Argumenten Clara Rosa in der Zeit zu kämpfen hatte
via @kopfrechner_in [Deutsch]

Wort des Tages: Sappophobia
von @stavvers via @baum_glueck [Englisch]

Das Geschäft mit den Geflüchteten – Wie gewinnorientierte Unternehmen sich in den Bereich einschalten
via @luna_le [Deutsch]

„Wir dürfen die Gewaltbereitschaft junger Männer aus der Mittelschicht nicht unterschätzen.“ Über Männlichkeit, Abstiegsangst und Klasse
via @AnnaHegerComics [Deutsch]

Ein Interview mit cis Partner*innen von trans Menschen
von @cnlester via @goldfish [Englisch]

Neu eröffnet: ein deutsprachiges Forum für Leute mit nicht-binärem Geschlecht
von @NBForum_net [Deutsch]

„Ich wünschte, du hättest nur einen Hauptschulabschluss!“ – Über den Generationenkonflikt von Kindern türkischer Eltern, die in Deutschland geboren sind
von @hakantee via @eine_charlotte [Deutsch]

Der Samaritans Radar ist Geschichte, dennoch hier die Gründe, warum es nicht in Ordnung ist, suizidale Menschen zu überwachen
von @adrianshort [Englisch]

[TW sexualisierte Gewalt ggü. Kindern/Kleinkindern] Lena Dunham hält sich für ein „komisches Kind“, erzählt, wie sie ihrer Schwester Gewalt angetan hat
via @baum_glueck [Englisch]

Die Rechte in Dortmund möchte für mehr Bekanntheit die Zahl von Jüd*innen in der Stadt aufgelistet bekommen
[Deutsch]

Links 45

Schlagwörter: wolfsbühne – hartz iv – fat positivity – behinderung – fettsein – orgasmen – raumeinnahme – rassismus – frauenhäuser – männliches privileg

„6 Dinge, die ich über meine Orgasmen lernte“
von @stavvers via @baum_glueck [Englisch]

„On Being Fat, Brown, Femme, Ugly, and Unloveable“
via @baum_glueck [Englisch]

Access intimacy als eine Form der Intimität in Verbindung mit Behinderung
von @miamingus via @baum_glueck [Englisch]

Der Aufenthalt in Frauenhäusern ist in Deutschland teils mit erheblichen Kosten verbunden
via @antiprodukt [Deutsch]

Über pseudo Pro-Fettsein – „All about that bass“
[Englisch]

Weitere Einschränkungen für Hartz IV-Bezieher*innen geplant
via @annalist [Deutsch]

Über selbstverständliche männliche Raumeinnahme
von @lightsneeze [Deutsch]

Die Berliner Theatergruppe Wolfsbühne und Publikum haben eine Gruppe von People of Color rassistisch beschimpft und teils körperlich angegriffen
via @fluxusx [Deutsch]

Links 42

Schlagworte: sex positivity – Adultismus – Rassismus – Antisemitismus – Ableismus – Geflüchtete – antimuslimischer Rassismus – creepers – trans – Solidarität

Der jüngste Link ist 27 Tage alt, deswegen poste ich mir die jetzt von der Brust. Inhaltswarnungen kann ich heute keine einfügen, weil ich durch das Alter der Texte nicht mehr viel vom Inhalt weiß. Ihr seid gewarnt.

„On feeling, acting or being a creep“
[Englisch] von @goldfish

„Are you being too sex positive?“
[Englisch]

10 einfache Dinge, die cis Leute tun können
[Englisch] via @cnlester

„Warum ich die Frage nicht beantworte“ – Wenn Menschen ihre Behinderung erklären sollen
[Englisch] von @goldfish

„Das diskriminierte Kind“ – Zum Thema Adultismus
[Deutsch] von @co_g via @ponypost

Studierende sind auch islamfeindlich und antisemitisch – Schockierende Neuigkeiten (ja, ich bin sarkastisch)
[Deutsch] via @grautoene

Die Anzahl der Angriffe auf Asylsuchenden-Unterkünfte nimmt drastisch zu
[Deutsch] via @diana_of_t

Bioshock Infinite für PS3 oder Rassismus ist nicht artsy

Dieser Artikel enthält Spoiler. Dieser Artikel ist ragey und negativ und wer Bioshock Infinite liebt, soll sich am Ende nicht bei mir beschweren.
Ich habe leider nur einen anderen Artikel zum Thema finden können, aber ich weiß mit Sicherheit, dass das Spiel vielfältig von Blogger*innen of Color kritisiert wurde. Wenn mich eins in die Richtung weiterverlinken könnte, wäre ich sehr dankbar. (Edit: Es gibt jetzt unten weiterführende Links.) Fangen wir an.

Ich fand den ersten und zweiten Bioshock Teil sehr hübsch (womit ich die Stimmung des Spieles, aber auch den Rest meine) und freute mich auf den dritten Teil. Dass wir uns nicht mehr unterm Meer befinden sondern über den Wolken schreckte mich nicht ab, obwohl es eine neue Stimmung hervorruft.

Rassismus, my old friend

Wir sind also mal wieder ein weißer Typ (ich dachte in den 40ern, scheint aber er sollte wesentlich jünger sein), der in die Himmelsstadt Columbia geschickt wird, um eine Schuld zu begleichen. Er bringt seinen Auftraggeber*innen ein Mädchen, sie tilgen seine Schuld, so der Deal.
Schon unmittelbar nach der Ankunft in Columbia wird klar, dass hier alles recht religiös zugeht – und weiß. Alle Leute in der betenden Menschengruppe, der wir begegnen, sind weiß. Das hätte eine erste unauffällige Kritik von Bioshock Infinite an der Gesellschaft in Columbia bzw. Videospielen allgemein sein können … wenn die vorherigen Teile nicht absolut unkritisch schneeweiß gewesen wären. Also kein Sternchen für dich, Infinite.

Während wir versuchen uns in der Stadt zurechtzufinden und die Mission voranzutreiben, wird ein erster Blick darauf gewährt, wie es hier läuft: Du gewinnst in einer Lotterie und dein Preis ist der erste Wurf. Auf was oder wen? Auf der Bühne vor dir werden eine Schwarze Frau und einer weißer Typ gefesselt zum Bühnenrand gefahren. Um sie herum gibt es kolonialrassistische Requisiten, die das Thema „jungle fever“ tragen. Die beiden scheinen demnach gegen die gesellschaftlichen Regeln verstoßen zu haben, indem sie sich miteinander einließen. Nun musst du dich entscheiden, ob du tatsächlich den Ball auf die beiden wirfst oder auf den Ansager.
Ich kann nicht für die Schwarzen Spieler*innen sprechen, aber ich würde mich an der Stelle schon mal nicht eingeladen fühlen. Mit rassistischen Bildern konfrontiert werden, nur um einen Aussage über die rassistische weiße Gesellschaft der Stadt zu machen – das hätte man auch anders bewerkstelligen können. Warum es an sich daneben ist, zur Wahl zu stellen, ob man das Pärchen oder den Ansager bewirft, erklärt Daniel Golding hier (allgemein ein lesenswerter Artikel zum Spiel und seinen Ansprüchen).

Aber diese Szene ist nur der Beginn rassistischer Sprüche und Darstellungen. Im weiteren Verlauf des Spieles fällt ca. 4 Mal das N-Wort, ebenso „Schl***augen“ und die rassistische Beleidigung amerikanischer Ureinwohner (in Worten, zu den Bildern komme ich gleich noch). Dies geschieht entweder, wenn über die nicht-weißen Aufständischen Vox Populi (latein. für „Stimme des Volkes“) gesprochen wird oder im Rahmen von geschichtsverzerrenden Darstellungen des Massakers bei Wounded Knee und des Boxeraufstandes (beides um die Wende zum 20. Jh. geschehen). Denn in diesem Spiel hagelt es nur so weiße religiöse rassistische Propaganda – die Propaganda an sich nichts Neues in den Bioshock-Spielen – und u.a. wird das deutlich gemacht in einer Ausstellung, die mit raumfassenden Installationen verzerrt, was damals wirklich geschehen ist. (Es handelt sich um reale Ereignisse der US-amerikanischen Geschichte.) Da gibt es rassistische Karikaturen von sowohl Chines*innen als auch amerik. Ureinwohner*innen – und die waren einfach nicht nötig. Ja, Propaganda funktioniert über, auch, rassistische Verzerrung der Gegner*innen, aber wenn du den Anspruch hast so etwas zu kritisieren, solltest du das auch tun. Die rassistischen Bilder noch einmal, aber schon ins Komisch-Groteske verzerrt, darzustellen, ist keine kritische Auseinandersetzung!
Das Spiel gibt dir nicht einmal eine Möglichkeit zu erfahren, was bei den Ereignissen wirklich geschehen ist, bietet also kein korrigierendes Gegengewicht zur Propaganda. Es wird lediglich enthüllt, dass andere weiße Typen da gekämpft haben, als die weißen Typen, die angeblich da gekämpft haben. Spannend. Aber das ist halt das Einzige, was dem Spiel wirklich wichtig ist, auch ’ne Aussage.

Revolutionäre, die auf Comstock starren¹

Nun könnte man noch hoffen: Vielleicht hält die Vox Populi ja was sie verspricht. Vielleicht räumt sie mit dem weißen Establishment auf und klagt es seiner Sünden an. *lacht erschöpft* Ja, nein.
Als ich die Anführerin der Vox Populi kennenlernte, war ich freudig überrascht. Eine Schwarze junge Frau, die eine anti-kapitalistische, anti-rassistische Arbeiterrevolution anführt, das ist doch erstmal geil, oder? Tja. Je näher die Revolution rückt, desto mehr zweifeln die beiden weißen (!) Hauptfiguren, dass es die richtige Entscheidung war zeitweise mit der Vox Populi zu kooperieren (oder zumindest ähnlich vorzugehen – Polizisten abknallen). Die weibliche Hauptfigur ist zwar schockiert, wie schlecht es den armen Schwarzen im Armenviertel geht (*Augenrollen*), das man auch besucht, aber das mit der gewaltvollen Revolution, das ist doch dann auch irgendwie … übertrieben? Und schließlich kommen die beiden zu dem Ergebnis, dass die Vox Populi nicht besser ist als der vorherige weiße, kapitalistische Herrscher, der Rassentrennung aufrecht erhielt. Japp, absolut vergleichbar. Keine Frage.
Das Ganze gipfelt mehr oder weniger darin, dass die Anführerin (ist euch schon aufgefallen, dass ich mir schlecht Namen merke?) ein Kind umbringen will. Wow. Ich mein, WOW. Jetzt ist sie nicht nur „genauso schlimm“ wie Comstock, sie ist auch noch eine gewissenlose Kindermörderin. Gefolgt wird das später von einer tränenreichen Nebenstory, wo ein weißer Typ aus der Armee, der ein Kind of Color für Informationen gefoltert hat, es dann bei sich aufnimmt. Can you spell w t f.
Als es dann übrigens dazu kommt, dass man nicht mehr nur weiße Polizisten, sondern auch Vox Populi abknallt, sind die auch mind. zur Hälfte weiß. Diesen Leuten sind Weiße so wichtig, dass sie überall sein müssen, AUCH IN DER NICHT-WEIẞEN REVOLUTIONSTRUPPE.
Und als Sahnehäubchen: Durch einen geschichtlichen Twist wird die weiße männliche Hauptfigur dann zu einem Held der Vox Populi. I just can’t.

Einschätzung

Was, noch mehr? Ja noch mehr Einschätzung.

Nun ist das eine Spielreview, ich möchte aber nicht davon ablenken, dass es sich um einen rassistischen Scheißhaufen handelt, darum nur kurz die restlichen Fakten: Plasmide heißen jetzt anders, machen aber immer noch Spaß. Man kann nur noch 2 andere Waffen tragen (plus eine extra Waffe für den Nahkampf), Waffen liegen aber überall herum, also keine Knappheit (auf Schwierigkeit normal). Ich mag die besonders starken Gegner, leider keine Hintergrundstory zu ihnen. Die Szenerie ist einfach nur amazing animiert. Ich liebe den Songbird. Zum Finale hin gab es 3 sehr nervige Bugs. Die Hintergrundstory war nicht mehr so gut erzählt wie in den vorherigen Teilen, die Auflösung war mir zu new-age-mäßig, obwohl sie andern gefallen hat.

Ein großes Verständnis-Problem im Spiel an sich war für mich noch, dass ich nicht mit US-amerikanischer Geschichte (und der US-amerikanischen Kultur) erzogen wurde, sondern der deutschen. Wir werden zwar in US-amerikanischen Sendungen und Themen nur so mariniert (RW = Redewendung), aber dieses Spiel ist einfach zu sehr auf ein US-amerikanisches Publikum zugeschnitten, um für mich in der ganzen Storyline zu funktionieren. Der wiederholte Bezug auf die Gründerväter z.B. hat für mich keine emotionale Bedeutung.

Fazit: Nicht die gleiche coole Stimmung wie in den vorherigen Teilen. Eine Story, die ich weniger packend fand. 1000% mehr PoC als in den Vorgängern und es trotzdem verkackt. Ultra-rassistische „anti-rassistische“ Storyline. 3/10.

Weiterführende Links:
Bioshock Infinite Privilege
Booker DeWitt and the Case of the Young White Lady Feels: a Bioshock Infinite review
Errant Signal – Bioshock Infinite (Spoilers) [Video] via @AranJaeger, TW rassistische Bilder

1 Schlechter Witz. Tut mir Leid. Comstock ist der oberböse Anführer der Stadt.

Links 39

Schlagwörter: Rassismus – Deutschland – Oury Jalloh – fat shaming – ableismus – Trans*feindlichkeit – selbstverletzendes Verhalten – Heilung – Negativität – Armut – Klassismus – Hartz IV – Arge – Cathy Brennan – Lily Allen – Outing – Knorkator – Männlichkeit – gender

Der Nutzen von Negativität – Warum soll man immer fröhlich sein, wenn man eine schmerzhafte Zeit durchmacht?
[Englisch]

Über die „Schuld“, die selbstverletzendes Verhalten hervorzurufen scheint
[Deutsch] von @lightsneeze

Klassismus

Warum arme Menschen Geld für Luxusgüter ausgeben und was Markenkleidung mit einer erfolgreichen Bewerbung zu tun hat
[Englisch] via @goldfish

Arbeitsamt versucht mit aller Macht zu verhindern, dass Kinder in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft Abitur machen
[Deutsch] via @inuido @antiprodukt

Wenn Träume mit Klassismus zusammentreffen
[Deutsch] via @_fluoreszent

Hate

Trans*feindliche „Feministin“ Cathy Brennan outet trans* Sexarbeiter*innen – Was bedeutet ein Outing?
[Englisch] via @goldfish

Musikerin Lily Allen als weitere weiße Frau, die Schwarze Frauen als Requisiten benutzt
[Englisch] via @_accalmie

Deutscher Rassismus

Die „linke“ Band Knorkator hat sich ein kolonial-rassistisches Motiv für die neue Kampagne ausgesucht. Nochmal ganz langsam, warum das nicht ok ist.
[Deutsch] von @atif_nour via @_accalmie

Neues Gutachten bestätigt: Oury Jalloh wurde in einer dessauer Zelle ermordet. Der deutsche Staat tut weiter nichts.
[Deutsch]

Körper, Geist, Gender

Gehen Dicke zum*r Árzt*in, kommen sie selten mit einer hilfreichen Diagnose hinaus
[Deutsch] via @halfjill_2010

Schlechte Menschen als psycho- oder soziopathisch zu bezeichnen, ist Ableismus
[Englisch]

Männlichkeiten* gehen auch ohne Raumeinnehmen und Gewalt
[Deutsch] von @baum_glueck

Nichts Neues und trotzdem kein Ende in Sicht: Rassistischer deutscher Gesamtzustand

Schlagwörter: Rassismus – Gewalt – Non-Citizens – Refugees – rechte Gewalt

Ich weiß nicht, was man noch groß dazu sagen soll. Deutschland ist gefährlich, wenn man nicht weiß ist. Auf Twitter rauschen immer wieder alarmierende Meldungen an mir vorbei, die alle schockieren und ungläubig stimmen – in meinem Falle begleitet von dem Luxus, dass ich nicht darüber nachdenken muss, was passiert, wenn ich mal an diesen Schauplätzen vorbei muss.

Berlin Marzahn-Hellersdorf steht nicht als einzige Meldung da.

Am 30.06.13 wurde das Protestcamp der Non-Citizens am Rindermarkt in München brutal geräumt. Vorgeschobener Grund war die angeblich medizinisch unzureichende Versorgung der Non-Citizens, die im Hunger- und Durststreik waren. Die Medical Group, die sich in Absprache mit den Non-Citizens um die gesundheitliche Versorgung gekümmert hatte, erklärt in einer Stellungnahme, dass die Versorgung – stadtbekannt– rund um die Uhr sichergestellt war.
Die Räumung des Camps war politisch motiviert, um die Gesundheit der Non-Citizens geht es hier kein Stück. Ich habe hingegen gehört, dass es der Gesundheit hilft, nicht abgeschieden im Nirgendwo drauf zu warten, ob man in diesem ungastlichen Scheißland bleiben darf.

In der Holstenstraße in Hamburg gab es Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und 15 Jugendlichen. Zumindest sagt die Polizei das. So richtig ist nicht klar, welche Verbrechen hier begangen worden sein sollen und was genau die verstärkte Polizei-Präsenz rechtfertigt. Ist es am Ende unser alter Freund, das Racial Profiling?

Auf einem Volksfest im bayerischen Kaufbeuren wurde ein in Bayern lebender Kasache¹ von einem Neonazi getötet. Er kam zu einer Schlägerei hinzu, in der 7 Rechte 3 Spätaussiedler (?) rassistisch beleidigten. Die Polizei hatte wie immer enorme Schwierigkeiten einen rechten Hintergrund festzustellen, geschweigedenn in den Vordergrund zu rücken.

In Berlin-Reinickendorf will eine Wohneigentümergemeinschaft verhindern, dass Flüchtlingskinder ihren meist unbenutzten Spielplatz nutzen. Kein rassistisches Bullshit-Argument („Seuchengefahr“) ist Anwohnenden zu absurd, um es zur Hetze gegen Refugees zu nutzen.

Zwei rechte Zeitsoldaten der Bundeswehr haben heute, am 22.07.13, kurz vor 3 Uhr im südthüringischen Arnstadt ein Asylbewerbendenheim mit Feuerwerkskörpern attackiert und die Bewohner*innen mit rassistischen Parolen beschimpft.

All diese rechte Hetze, die bei weitem nicht nur vom „rechten Rand“, sondern aus der Mitte der Bevölkerung kommt, gefährdet deutsche oder in Deutschland lebende People of Color, Non-Citizens und Refugees. Weiße Deutsche müssen sich zu mehr als „Toleranz“ und „buntem“ Zusammenleben bekennen, sondern sich aktiv solidarisch zeigen, zuhören, lernen, mit an Safe Spaces arbeiten und Rechte Gewalttaten nach Möglichkeit verhindern².

1 Ich vertrau der Presse nicht wirklich festzustellen, ob er tatsächlich ein in Deutschland lebender Kasache ist oder einen deutschen Pass oder doppelte Staatsbürgerschaft hat because you know, Presse. Ich kann hier nur übernehmen, was dort steht.
2 Editiert, siehe Comments.

Links 37

Schlagwörter: Ableismus – Respekt – Nice Guys – Pille danach – Notfallverhütung – Roma – Essstörungen – Solidarität – Rassismus – Abtreibung – trans* – Umfrage – queer* – Comics

„How to talk to people who are in wheelchairs“
[Englisch]

Über „Beta-Males“ und Nettigkeit
via @baum_blueck [Englisch]

Wie Roma in Berlin daran arbeiten, das Bild, das von ihnen gezeichnet wird (RW), selbst zu bestimmen
(teils fragwürdige Formulierungen)
via @dROMaBlog [Deutsch]

„inside outside. über innen- und außenwahrnehmung von essstörungen in feministischen diskursen.“
[Deutsch]

Weiße Frauen* und das Privileg der Solidarität
via cosas que no se rompen [Englisch]

Ein umfassender und lehrreicher Kommentar zu Abtreibungen in Deutschland
(Cissexismus as usual ¬.¬)
via @fraeulein_tessa @maedchenblog [Deutsch]

[Trigger Warning: r**e] für nächsten Artikel
12 Things No One Told Me About Sex After R**e
via @hypatiadotca [Englisch]

Infos, Umfragen, Aufrufe

Wie Notfallverhütung mit einigen Präparaten der „normalen“ Pille funktioniert
via @accalmie @avocado_baby [Deutsch]

Umfrage zur Lebenssituation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und intersexuellen Menschen in Rheinland-Pfalz

Menschen aus anderen Bundesländern können auch teilnehmen (steht auf der 2. Seite oder so). Bevorzugt Menschen aus Rheinland-Pfalz und den umliegenden Ländern, aber lasst euch davon nicht abhalten, so lang ihr in Deutschland seid.
Leider ist der Fragebogen nicht wirklich drauf eingestellt, dass man gleichzeitig trans* und nicht-hetero ist o.ô Intersektionell Betroffene müssen ihre Identitäten aufschlüsseln. No comment.
via @Menschwesen [Deutsch]

„ein zine queerer* comicmacher_innen für queere* comicmacher_innen und alle anderen“ ist in der Planung/Mache und sucht Teilnehmer*innen. Juhu.
via @AnnaHegerComics [Deutsch/Englisch]

Facebook ist nicht tragbar

Schlagwörter: Facebook – Monsanto – Rassismus – Sexismus – Moderation – Scheiße

Trigger-Warnung: Kinderpornographie (Im 3. Abschnitt der Aufzählung unten. Überspringbar.)

Ich bin gerade wirklich stark am Überlegen, ob ich mich von Facebook abmelde. Wenn ich meine Artikel ankündige, erreiche ich dort teils andere Menschen als auf Twitter. Jedoch ist diese Seite so eine eklige Ansammlung an *-istischer Kack-Doppelmoral, dass ich es langsam nicht mehr ertrage.

  • Gestern wurde ich, wann immer ich auf Facebook war, den ganzen Tag mit einem gesponsorten Post des Labels(?) „Schl***en-Musik“ beglückt. Ich habe die Seite gemeldet, was offensichtlich keinen Mechanismus auslöst, der eine* vorm Anblick dieses Posts errettet.
  • In diesem Artikel (Trigger Warnung frauen*feindliche Sprache, Sexismus, via @Milenskaya @hanhaiwen) wird davon berichtet wie 6 Frauen* eine frauen*feindliche Facebook-Seite übernahmen. Sie hatten sie zuvor erfolglos gemeldet. Als sie den Männern, die die Seite geliked hatten, einen Spiegel vorhielten (RW =Redewendung) und deren Beschwerden als Screenshots posteten, wurden sie als Moderatorinnen* prompt für 24 h von Facebook gebannt.
  • @redlightvoices hat gestern wiederholt darauf hingewiesen, dass sie eine Seite auf Facebook gefunden hat, die angab Nacktbilder von 13-jährigen Mädchen (Kindern?) zu zeigen. Trotz ihrer und der Bemühungen anderer Facebook-Nutzer*innen, die Seite zu melden und entfernen zu lassen, passierte von Seiten Facebooks nichts.
  • Im Rahmen der weltweiten Monsanto-Proteste bemerkten einige Facebook-User*innen, dass ihre Bilder der Proteste auf „privat“ gestellt waren und somit nur für sie sichtbar waren, obwohl sie sie nicht derart gekennzeichnet hatten.

Das alles sind Ereignisse die sich innerhalb der letzten Woche abgespielt haben. Aber auch zuvor war Facebook keineswegs für seine gute Löschpraxis bekannt. Vielmehr dafür, frauen*feindliche, rassistische und anderweitige Hass-Seiten nur mangelhaft oder gar nicht zu löschen. Während Bilder oft online bleiben, die gegen den Willen der Aufgenommenen veröffentlicht wurden, wurden andere Bilder entfernt, weil sie zu sexuell seien – wie etwa Bilder von Stillenden.

Ich weiß nicht, wer bei Facebook für die Moderation verantwortlich ist, aber ich weiß, ich finde sie scheiße. Und ich finde es zunehmend moralisch nicht mehr tragbar, dort mit einem Profil vertreten zu sein. Ich weiß noch nicht, wie ich weiter vorgehe, aber: ich habe die Schnauze voll (RW).

Links 36

Schlagwörter: Aktivismus – Selfies – Muttertag – White supremacy – self care – Selbstpflege – Kopftuch – Muslimas – Femen – Rassismus – Queerulant_in – Pille danach – Advice Kolumne – Cis-Sexismus – Ableismus – Hilfe

Femen und die „Befreiung“ der muslimischen Frau*
[Deutsch]

Selbstpflege-Tips für Aktivist*innen
via @hanhaiwen [Englisch]

Die_der neue Queerulant_in ist draußen, als PDF-Download verfügbar oder kostenlos in eurer Nähe ausliegend – hier geht’s zur Karte – und auf S. 32 ein Text von mir! Er verrät euch, wie ihr mit scheiß Menschen umgehen könnt, die ihr regelmäßig sehen müsst. *Freude*
[Deutsch]

Warum Selfies? (Bilder von sich selbst schießen)
[Englisch]

How to write about Africa
via cosas que no se rompen [Englisch]

Eine Karte über Erfahrungen mit der Pille danach in und um Deutschland Ihr könnt eigene Erfahrungen beitragen.
[Deutsch]

„How to Muttertag innerhalb deutscher rassistischer Gesamtscheiße.“
[Deutsch]

Bisher weltweit mindestens 78 Morde von trans* Personen im Jahre 2013
via @dressedasahuman @hrstl [Englisch]

Petitionen

Aufforderung an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Transsexualität nicht mehr als Krankheit zu listen
[Deutsch]
Für eine Aufhebung des Verbots der Vermögensbildung für Menschen mit Behinderung
[Deutsch]

Hilfe

Es gibt nun auch die Möglichkeit für syrische Flüchtlinge zu spenden (via @antonierosa)
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
Spenden-Telefon: 0137-36 36 36 (14 ct/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk mglw. abweichend)

Weiterführende Informationen und Spendenkonten Danke @KhaosKobold.

News

Ich habe einige neue Blogs in der rechten Spalte verlinkt. Schaut euch an, was ihr noch nicht kennt, es lohnt sich :3