Aktueller Stand

Zunächst einmal: Ja, ich habe dem Blog ein neues Layout gegeben. Es war an der Zeit ein simpleres Theme zu wählen. Ich finde es übersichtlicher auf diesem Wege Texte zu lesen (und zu schreiben – aber diese Ansicht wird von neuen Themes leider nicht beeinflusst).

Das heißt nicht zwingend, dass hier in Zukunft viel mehr passieren wird. Ich habe inzwischen weniger Zeit für Sachen, die ich gerne mache und auch weniger Energie, aus gesundheitlichen Gründen. Ich hoffe, die Motivation zum Schreiben wird mich wieder öfter ereilen. Eine Garantie habe ich dafür nicht.

Es haben sich inzwischen Linktips angesammelt, die mehr als ein Jahr zurückliegen. Etwa zwei Drittel davon bestehen aus Meldungen zu attackierten Geflüchteten-Unterkünften, rassistisch motivierten Übergriffen und der allgemein schlechten Versorgungslage von Geflüchteten. Wenn es eine Tendenz bei Übergriffen auf Geflüchteten-Unterkünfte gibt, dann lautet diese, dass die Angriffe häufiger und gewalttätiger geworden sind. Mit anderen Worten, dies ist ein wichtiges Thema, um das es auch nach einem Jahr nicht besser steht.

Vielleicht komme ich dazu weitere Links zu veröffentlichen, vielleicht nicht…

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Vorbereitungen für die nächste Ausgabe des_r Queerulant_in laufen. Wenn euch eine Frage auf dem Herzen liegt, die ihr gerne in meiner Advice-Kolumne beantwortet sehen würdet, sendet mir eure Frage an hoc [at] riseup [Punkt] net. Noch wärt ihr ganz vorne mit dabei.

Habt ein schönes Jahr 2016, trotz widriger Umstände.

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Der Haushalt: Zum Weiterlesen

Vor nunmehr einem halben Jahr, sprach ich über

1) Den Bosskampf mit dem Haushalt und
2) Die Rolle von Routine dabei.

Ich bin jedoch noch nicht dazu gekommen, die Webseiten zu notieren, von denen diese wertvollen Tips stammen.

Quellen

Den bei Weitem größten Anklang erhält Unfuck Your Habitat, wovon es auch einen Tumblr gibt. Dort finden sich kleine Tips und große Strategien und vor allem eine sehr nette Community.

Auch empfohlen wurde FlyLady, die einigen sehr gut gefällt, deren Art andere allerdings nicht mögen. Am besten selber mal reinschauen.

Adulting ist ein Tumblr, bei dem es nicht nur ums Saubermachen geht, sondern allgemeine Tips für neue Erwachsene und die, die sich so fühlen, gegeben werden.

Als letztes wurde noch die kostenlose App HabitRPG vielerorts besungen, mit der man sich ganz individuelle Todo-Listen- und Routine-Ziele setzen kann. Die Motivation speist sich hier aus Belohnungen und, wie der Name schon sagt, dem spielartigen Aufbau des Ganzen.

Wenn ihr auf eine dieser Seiten schwört oder andere Quellen kennt, die ihr toll findet – die Kommentare stehen euch wie immer offen.

Links 46

Schlagwörter: antisemitismus – rassismus – monosexismus – depression – transsexualität – generationenkonflikt – klasse – sexualisierte gewalt – lena dunham – samariter – samaritans radar – nbforum – nonbinary trans – geflüchtete – essen – suizid

Die folgenden Links sind teils mehr als 2 Monate alt, deswegen kann ich nicht versprechen immer passende Inhaltswarnungen zu posten. Lesen nach eigenem Ermessen usw.
Außerdem haben sich so viele Artikel angesammelt, dass ich in wenigen Tagen eine weitere Sammlung veröffentlichen werde.

Zum Thema Essen und Depression
von @nightlibrarian [Englisch]

3 Jahre Class Matters – Mit welchen Argumenten Clara Rosa in der Zeit zu kämpfen hatte
via @kopfrechner_in [Deutsch]

Wort des Tages: Sappophobia
von @stavvers via @baum_glueck [Englisch]

Das Geschäft mit den Geflüchteten – Wie gewinnorientierte Unternehmen sich in den Bereich einschalten
via @luna_le [Deutsch]

„Wir dürfen die Gewaltbereitschaft junger Männer aus der Mittelschicht nicht unterschätzen.“ Über Männlichkeit, Abstiegsangst und Klasse
via @AnnaHegerComics [Deutsch]

Ein Interview mit cis Partner*innen von trans Menschen
von @cnlester via @goldfish [Englisch]

Neu eröffnet: ein deutsprachiges Forum für Leute mit nicht-binärem Geschlecht
von @NBForum_net [Deutsch]

„Ich wünschte, du hättest nur einen Hauptschulabschluss!“ – Über den Generationenkonflikt von Kindern türkischer Eltern, die in Deutschland geboren sind
von @hakantee via @eine_charlotte [Deutsch]

Der Samaritans Radar ist Geschichte, dennoch hier die Gründe, warum es nicht in Ordnung ist, suizidale Menschen zu überwachen
von @adrianshort [Englisch]

[TW sexualisierte Gewalt ggü. Kindern/Kleinkindern] Lena Dunham hält sich für ein „komisches Kind“, erzählt, wie sie ihrer Schwester Gewalt angetan hat
via @baum_glueck [Englisch]

Die Rechte in Dortmund möchte für mehr Bekanntheit die Zahl von Jüd*innen in der Stadt aufgelistet bekommen
[Deutsch]

Die 8 Sünden der Kommentarmoderation

Überkommen von dem Wunsch zu bloggen und dem absoluten inneren Widerstand ein komplexes Thema zu wählen, werde ich euch heute eine Liste von 8 Kommentar-Moderations-Sünden vorstellen. Ich beziehe mich hauptsächlich auf die Kommentarspalten in Blogs, die Punkte lassen sich aber auch auf Online-Zeitungen, Videoportale und Facebook-Diskussionen übertragen.
Wie immer gibt es einige „Abers“ und Verallgemeinerungen zum und im Text, die auch gerne in meinen Kommentaren angesprochen werden können.

1. Keine Kommentarmoderation
Ich nenne nur ein Wort: Youtube.
Unmoderierte Kommentarthreads¹ versammeln all das Böse, auf das ich noch zu sprechen kommen werde, in Einem. Sie zu lesen, macht keine Freude und die einzigen regelmäßigen Besucher*innen sind Menschen, die sich gerne an Schlammschlachten beteiligen.

2. Keine Entfernung von Spam-Kommentaren
Ein sonst moderierter Thread kann unattraktiv werden, indem sich gen Ende immer mehr zusammenhanglose Kommentare ansammeln, die manchmal erst mit einigem Nachdenken als Spam-Kommentare erkennbar sind. Wenn diese nicht entfernt werden, übersieht man gute Kommentare und Kommentarthreads zu alten Artikeln werden zunehmend unlesbar.

3. Zulassen von Derailing
„Derailing“ bedeutet vom Thema abzukommen oder abzulenken. Dies kann für ein, zwei Kommentare in Ordnung gehen. Bei Artikeln mit vielen Kommentaren entsteht jedoch schnell eine unpassende Menge von zusammenhanglosen Kommentaren, die nichts zur Diskussion beiträgt. Auch dies kann Leser*innen davon abhalten nach den relevanten Kommentaren zu suchen und sich selbst an der (eigentlichen) Diskussion zu beteiligen.

4. „Ich mische mich da nicht ein“
Wenn einige wenige Nutzer*innen in eine hitzige Diskussion geraten, die zum Thema nichts beiträgt oder gar beleidigend wird, ist es oft notwendig einzuschreiten. Andernfalls kommt es zu Derailing (siehe Punkt 3) und möglicherweise auch dem Weggang von wertvollen Nutzer*innen.

5. Niemals den Bannhammer aufheben
Zusammenhängend mit Punkt 4 kann es notwendig werden, eine Person für einige Zeit oder dauerhaft vom Blog zu verbannen. Wer nicht positiv zu den Diskussionen beiträgt, beleidigend oder gar drohend wird, hat auf einem Blog nichts verloren. Wenn man störenden Nutzer*innen niemals Einhalt gebietet, kann man schnell gute Leute verlieren und mit den aufdringlichsten Nutzer*innen zurückbleiben.
(Dies ist sehr allgemein formuliert. Z.B. würde ich niemanden automatisch bannen, di:er beleidigend wird, nachdem si:er oder eine marginalisierte Gruppe zuerst beleidigt wurde.)

6. Unter „Jede*r hat ein Recht auf sire Meinung“ leiden
Leute können meinen, was sie wollen, aber sie sollten nicht alles sagen dürfen. Ein Kommentarthread, in den keinerlei ethische Überlegungen oder Prinzipien seitens der Moderation einfließen, ist für mich nicht lesenswert. Es ist Sache der Betreiber*innen, dass eben nicht gilt „anything goes“ (alles ist erlaubt).

7. Kommentarspalten um den Willen der Kommentare betreiben
Dieses Phänomen lässt sich besonders gut auf den Seiten von Online-Tageszeitungen beobachten. Die Kommentare werden oft weder zur Meinungsbildung, noch als Erweiterung des Artikels genutzt, sondern als reine Klickgenerierung. In dem Sinne verstoßen sie oft gegen u.a. Punkt 6, denn was generiert mehr Kommentare und damit Klicks als „Kontroverse“? Je furchtbarere Meinungen sich finden, desto besser – Hauptsache, es sind noch Nutzer*innen von der Gegenseite da, die sich dann (in vielen weiteren Kommentaren) an die Aufgabe machen zu widersprechen.²

8. Keine Kommentare ohne Authentifizierung zulassen
Das Schlimmste, was Webseiten diesbezüglich ersonnen haben, ist die Klarnamenpflicht. Mit solch einer Pflicht wird garantiert, dass hauptsächlich Nutzer*innen kommentieren, die problemlos mit ihrem Klarnamen im Internet auftreten können. Solch eine Gruppe lässt keine ausgewogenen Diskussionen zu.
Außerdem stellt die Klarnamenpflicht/Registrierung eine zeitliche bzw. Aufwandshürde da, die neue Nutzer*innen selten überwinden möchten. Auch dadurch kommentieren neue Leser*innen weniger.

1 Der Ausdruck „Thread“ stammt ursprünglich von Onlineforen, auf denen einzelne Themen als „Threads“ gegliedert werden. Beim „Kommentarthread“ handelt es sich üblicherweise um die Kommentarspalte eines einzelnen Artikels.

2 Deswegen hasse ich auch Onlineabstimmungen zu menschenrechtlichen Themen. Darüber abzustimmen, ob bestimmte Gruppen Rechte haben sollten, ist an sich menschenrechtsverletzend. Nur muss ich bei solchen Umfragen eine Abwägung treffen, ob ich scheiß Zeitungen noch mehr Popularität gebe oder rechte Abstimmungsergebnisse so stehen lasse.

Warnzeichen für schlechte Behandlung in Beziehungen

Schlagworte: abuse – red flags – Gewalt in Beziehungen – emotionale Gewalt – körperliche Gewalt – sexualisierte Gewalt

Wenn ich diesen Artikel nicht besonders für eine deutsche Leser*innenschaft geschrieben hätte, würde er „Red Flags in abusive Beziehungen“ heißen, aber ich habe versucht, das Gleiche auf Deutsch auszudrücken.
Ich wurde wiederholt gefragt, ob ich eine solche Sammlung auch in deutscher Sprache kenne – und das tue ich nicht, obwohl ich Ähnliches schon auf Englisch las. Mit diesem Beitrag versuche ich also eine mögliche Lücke zu schließen. Vielleicht aber auch nur eine Wissenslücke, denn ich bin in der englischsprachigen Blogosphäre besser belesen als in der deutschen, vielleicht kennt ihr ja weitere deutsche Links zum Thema (in den Kommentaren erwünscht).

Ich selbst bin weiß, die Blogs und Bücher, die ich zum Thema kenne, sind fast ausnahmslos US-amerikanisch oder britisch, mehrheitlich von Weißen geschrieben/betrieben, teils von Menschen mit Behinderungen. So viel zur Perspektive, die eingeflossen ist.

Genug der Vorrede, jetzt möchte ich euch an meinem Wissen teilhaben lassen.

Warnzeichen, ein Grund zur Vorsicht

Ich werde einige Warnzeichen zusammentragen, die dafür sprechen, dass in einer Beziehung etwas schief gehen könnte (vor allem in Freund*innenschaften und romantischen und/oder sexuellen Beziehungen).
Genau so wie ein Stopschild nicht bedeutet, dass du auf jeden Fall mit einem Fahrzeug zusammenstoßen wirst, wenn du nicht anhältst und dich gründlich umsiehst, sagt ein einziges der Warnzeichen nicht zwingend, dass es notwendig ist, die Beziehung zu beenden (manche sind jedoch so schwerwiegend, dass ich es dringend empfehlen würde). Aber genau wie ein Stopschild sollte ein Warnzeichen beachtet werden, weil es eine mögliche Gefahr anzeigt. Du kannst deine aktuelle Situation analysieren und, wenn du keine Bedenken hast, weitermachen wie bisher, aber ohne diesen Moment des In-sich-Gehens weiterzumachen, könnte sich als gefährlich herausstellen.
Je mehr Punkte du auf dieser Liste abhakst, desto aufmerksamer solltest du werden. Ich würde mir schon bei 1 bis 3 Punkten Sorgen machen, aber je mehr es werden, desto dringender wird es, dir sehr genau anzusehen, wie es dir geht und ob du diese Beziehung(en) noch möchtest. Im besten Falle helfen die genannten Warnzeichen schon beim Kennenlernen einer neuen Person festzustellen, dass man nicht fair behandelt wird/ein schlechtes Gefühl hat und kann sich besseren Menschen zuwenden. Mit wem ich zu tun haben möchte, ist keine demokratische Entscheidung, sondern nur meine eigene. Die Warnzeichen können aber auch in bestehenden Beziehungen hilfreich sein.

Ich werde das Gegenüber als „P“ für „Partner*in“ bezeichnen, aber die meisten Punkte gelten auch für Freund*innen, Bekannte oder Familie.
Jeder der Links in den Listen bietet ein Beispiel für das beschriebene Verhalten, die meisten Links sprechen aber auch über weitere. Deswegen gilt für jeden der Links eine Trigger-Warnung für mehrere Formen von Gewalt in Beziehungen. In Block 1 und 2 beschreibe ich v.a. emotionale Gewalt und Manipulation. In Block 3 körperlich drohende Gewalt und in Block 4 körperliche und sexualisierte Gewalt. Entsprechende Vorsicht ist geboten. Die Einteilung in die Blöcke folgt keinem festgeschriebenen Gesetz, sondern meinem Bauchgefühl. Wenn euer Bauchgefühl etwas anderes sagt, scheut euch nicht drauf zu hören.
Die verlinkten Beispiele habe ich leider nur in Englisch.

Block 1: Grundlegende Warnzeichen

1. P redet dir wiederholt Dinge aus, seien es Entscheidungen, Vorlieben oder Freund*innenschaften.
2. Wenn ihr zusammen seid, hast du Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen.
3. Wenn ihr zusammen seid, bist du emotional aufgewühlt und weißt nicht, „wo dir der Kopf steht“.
4. Nach einer Interaktion fühlst du dich meist verwirrter, ausgelaugt oder desorientiert.
5. Du achtest aufmerksam auf die Gefühle von P, beschwichtigst sofort oder munterst auf, wenn etwas nicht zu stimmen scheint.
6. P sagt Dinge, die dich beleidigen und/oder verletzen.
7. P erklärt dir, dass beleidigende oder verletzende Aussagen „nur ein Witz“ waren.
8. P erklärt dir, warum beleidigende oder verletzende Aussagen es eigentlich gar nicht waren und dass du dich anders fühlen sollst.
9. P macht wiederholt Witze, die dich tief treffen oder eine Drohung zu beinhalten scheinen.
10. Wenn du Bedürfnisse oder Wünsche (an euren Umgang miteinander, an P, bzgl. eurer Freizeitgestaltung usw.) hast, scheint P dir am Ende immer logisch zu erklären, warum die falsch, unnötig oder sonstwie nicht zu beachten sind.
11. P zeigt kein Interesse an deinen Erfolgen oder macht sie gar schlecht.
12. P benutzt anhaltendes Schweigen (auch tage- bis wochenlang), um dich in einem Konflikt zur Kapitulation zu bringen.
13. P redet von vorherigen Partner*innen ausschließlich schlecht.
14. P vergleicht dein Verhalten mit dem von früheren Partner*innen und sagt dir, dass du viel besser bist oder macht negative Vergleiche wie „Du bist genau wie mein/e Mutter/Vater.“
15. P erklärt euer Treffen muss Schicksal gewesen sein.
16. Eure Beziehung hat einen unglaublichen raschen Start hingelegt (sehr frühe Gespräche über zusammenziehen, Kinder, heiraten o.ä.).
17. P hat dir Geschenke gemacht oder ungefragt Gefallen getan, die nicht angemessen scheinen für die aktuelle Nähe eures Verhältnisses und dir das Gefühl vermitteln in sirer Schuld zu stehen.
18. P sagt negative Sachen über sich/sir Leben („Ich bin so ein*e schlechte*r Partner*n/Freund*in.“, „Alle verlassen mich.“) und weckt in dir das Bedürfnis es besser zu machen als die anderen.
19. Das, was P tut, stimmt sehr oft nicht dem überein, was si:er sagt. (Versprechen, aber auch positive Aussagen über den eigenen Charakter sind nichts wert, wenn sie nicht von Taten begleitet werden.)
20. P hat eine raumgreifende Persönlichkeit, einen Charme, der nie nachzulassen scheint. Wenn ihr zusammen seid, bist du nicht einfach froh, sondern es ist nahezu berauschend.
21. P meldet sich schon zu beginn der Beziehung öfter, als dir lieb ist.
22. Falls ein Ende eurer Beziehung im Raum steht: „Du triffst nie wieder jemanden so Gutes wie mich.“
23. P entschuldigt sich jemals mit „Ich bin halt ein Arschloch/nicht gut mit Emotionen/…“, benutzt die Aussage später als Ausflucht („Du wusstest, worauf du dich einlässt.“)
24. P versucht dir mit Komplimenten über deine Fähigkeiten, Reife oder andere Eigenschaften klar zu machen, warum du etwas doch tun kannst/solltest, das du nicht tun möchtest.
25. P scheint Ratschlägen und Empfehlungen von dir nicht zu vertrauen, aber denen von anderen Menschen.
Zusatz 2: Du bist der Meinung, du solltest dich toll mit der Beziehung fühlen und verstehst nicht, warum du dich stattdessen komisch fühlst.
Zusatz 4: (Eine Weiterentwicklung von Punkt 19) Das Aschenputtel-Prinzip: P verspricht etwas zu tun/stimmt überein, dass du etwas tun kannst, legt dir aber letztendlich so viele Steine in den Weg, dass du die Aufgabe selbst übernimmst/es doch nicht tun kannst. (Z.B. P verspricht im Haushalt zu helfen, tut es aber nie. Bzw. P sagt si:er wird auf die Kinder aufpassen, während du ausgehst, aber gibt dir Anlass zur Sorge, si:er würde sich nicht ausreichend kümmern, so dass du bleibst.)

Block 2: Komplexere Manipulation

26. P hält dich mit Beziehungsgesprächen bis in die Nacht wach oder weckt dich dafür gar auf.
27. P scheint immer dann eine emotionale Krise zu haben oder besonders viel Aufmerksamkeit zu benötigen, wenn du am nächsten Tag ein wichtiges Ereignis hast (Prüfungen, wichtiges Meeting, ein Treffen, worauf du dich lange gefreut hast etc.).
28. P entschuldigt schlechtes Verhalten mit einer schweren Kindheit, einer psychischen Störung, Drogen- oder Alkoholkonsum.
29. P beleidigt dich vor anderen Menschen.
30. Das Verhalten von P (v.a. dir, deinen Kindern oder Haustieren gegenüber) unterscheidet sich stark in der Öffentlichkeit im Vergleich mit sirem Verhalten, wenn ihr alleine seid.
31. „Lobdissen“ – P beleidigt dich, versteckt in Komplimenten. Kann auch vor anderen Menschen geschehen. („Sonst kriegst du das ja selten hin aber diesmal hast du dich übertroffen.“ „Frauen sind normalerweise schlecht in so etwas, aber du …“).
32. P redet so lange schlecht über dein Hobby, deine Hobbygruppe, deine Familie oder Freund*innen bis du sie seltener siehst/hingehst.
33. P erklärt dir, dass ihr „gemeinsam gegen die Welt“ steht/dich niemand so versteht wie si:er.
34. P hat Notfälle, Termine oder andere wichtige Gründe immer so, dass du deine Freund*innen/Familie weniger oder gar nicht siehst.
35. P möchte wissen, wo du zu jedem Zeitpunkt deines Tages warst – auch „aus Sorge“ nicht in Ordnung.
36. P liest unerlaubt private Nachrichten auf deinen elektronischen Geräten/dein Tagebuch.
37. P bringt dich dazu, sir deine privaten Nachrichten/Tagebuch zu zeigen oder das Passwort für deine Geräte zu geben, z.B. mit Sätzen wie „Wenn du nichts zu verstecken hast, sollte das kein Problem sein.“ oder „Also betrügst du mich doch?“
38. P fragt dich darüber aus, was du mit Menschen getan/besprochen hast, besonders wenn si:er der Meinung ist, du könntest sie attraktiv finden oder sie dich.
39. P ist eifersüchtig.
40. Zwischen euch besteht ein Machtgefälle durch Privilegien, Altersunterschied, sozialen Status, Angestelltenverhältnis o.ä.
41. Du hast P bei einer großen Lüge erwischt, die dich etwas angeht, aber P hat sich nicht wirklich dafür entschuldigt oder sich selbständig um Wiedergutmachung bemüht.
42. P kontrolliert, was du isst, wie du dich kleidest, wann du schläfst, wen du triffst oder wann du auf Toilette gehst.
43. Du hast Angst davor, dass P wütend werden könnte.
44. P erklärt eine Ablehnung damit, dass du wahrscheinlich *istisch bist.¹
45. Auch wenn P etwas falsch gemacht hat, kommt ihr am Ende einer Diskussion unerklärlich zum Ergebnis, dass die Schuld eigentlich bei dir lag.
46. P erklärt dir, dass si:er nicht auf diese Weise mit dir umgehen müsste, wenn du dich nicht so verhalten würdest wie du es tust.
47. P setzt dich durch sir Sexualverhalten gesundheitlichen Risiken aus, triggert dich wiederholt oder löst deine bekannten Allergien aus und unternimmt keine anhaltenden Bemühungen das Verhalten zu ändern.
48. P macht „aus Versehen“ Sachen kaputt oder vergisst Dinge zu tun, die wichtig für deine Gesundheit oder Wohlbefinden sind, nachdem du etwas getan hast, was sim nicht gefällt.
49. Du erinnerst dich grundlegend anders an Ereignisse/Streits als P.
50. Du zweifelst an deinem Erinnerungsvermögen.
51. Du erwischst P dabei, wie si:er in kurzer Zeitspanne grundlegend sire Meinung ändert.
52. P macht Scherze darüber, Frauen oder Minderheiten Gewalt anzutun.
53. „Du hast Glück, dass ich trotz deiner Behinderung/deiner psychischen Störung/deines Gewichts/… bei dir bleibe.“
Zusatz 1: Du verschweigst Freund*innen/Familie Teile der Beziehung, weil du ein unangenehmes Gefühl dabei hast.
Zusatz 3: Du kannst die Person, die P in der Öffentlichkeit/in Gegenwart von Kolleg*innen/Freund*innen ist nicht mit der Person zusammenbringen, die si:er ist, wenn ihr zu zweit seid.

Block 3: Vorstufe zu Eskalation

Die folgenden Punkte zeigen einen schwerwiegenden Mangel an Respekt. Auf Grundlage des Buches „Why Does He Do That“ von Lundy Bancroft sehe ich sie als mögliche Vorboten von körperlicher Gewalt. Ich würde fortan, wenn irgend möglich, Abstand zu der Person halten. Die Gefahr steigt, solltest du zusätzlich schwanger werden.

54. P hat jemals deine Verhütungsmethode manipuliert.
55. P hat sich in einem Streit jemals in drohender Weise vor dir aufgebaut.
56. P hat dich im Streit jemals drohend angefasst (dazu zählt auch mit dem Finger pieksen, anschnipsen oder deine Bewegungsfreiheit einschränken, z.B. den Arm festhalten oder sich so positionieren, dass du schwer zu Tür oder Telefon kannst).
57. P hat dich im Streit jemals *istisch beschimpft (sexistisch, rassistisch, ableistisch, …).
58. P hat im Streit jemals etwas kaputt gemacht. (Was zu Bruch geht, sind bei Vielen nie Ps Sachen, immer nur deine.)
59. P hat jemals deine Sicherheit, die deiner Kinder, Freund*innen, Familie oder deiner Haustiere bedroht.

Block 4: Trigger Warnung sexualisierte und körperliche Gewalt

Wenn einer der folgenden Punkte zutrifft, falls du irgend gehen kannst und es sicher ist, bitte geh. (Folgende Formulierung ist Absicht)

60. P hat gegen deinen Willen Sex mit dir gehabt.
61. P hat sexuelle Handlungen nicht abgebrochen, nachdem du Nein gesagt hast.
62. P hat unter Vortäuschung falscher Tatsachen Sex mit dir gehabt – ohne Verhütung z.B., obwohl anders abgesprochen. Darunter fällt auch das Verschweigen von wichtigen Fakten, mit deren Wissen du nie eingewilligt hättest, Sex zu haben.
63. P hat einen Sexualakt begonnen, dem du nicht zugestimmt hast, obwohl vielleicht anderen davor.
64. P hat dich jemals geschlagen.
65. P hat deinen Kindern oder Haustieren wehgetan (oder andere Menschen gewalttätig angegriffen).

Abschließende Betrachtung

Es ist zu beachten, dass es für viele dieser Warnzeichen, vor allem die im ersten und teils auch im zweiten Block bedeutsame „Aber“s gibt. Gespräche über eure Seelenverwandtschaft können auch einfach Intimität darstellen. Manche Menschen können nicht darauf verzichten sich auf große Gefallen zu verlassen, weil sie Hilfe wegen einer Behinderung benötigen (Gedanke von @rsocialskills). Menschen mit psychischen Störungen können natürlich Beziehungen führen und Freund*innenschaften pflegen, auch wenn sie mal nicht di:er perfekte Freund*in/Partner*in sind. Ob eine solche Ausnahmesituation vorliegt, kann und muss jede*r für sich selbst entscheiden (um die Außensicht einer Vertrauensperson zu bitten, kann auch helfen).
Diese Liste soll eine Sammlung darstellen, die zeigt: Diese Punkte haben Viele im Nachhinein als Warnzeichen erlebt oder identifiziert. Vielleicht ist etwas dran, wenn sie dir gehäuft auch in deinem Leben begegnen.

Was ich mit der Reihenfolge übrigens nicht ausdrücken will ist: Emotionale Gewalt (oft vertreten in Block 1 und 2) sei weniger schlimm als körperliche. Ein großer Teil des verletzenden Potenzials in gewalttätigen Beziehungen ist die emotionale Gewalt, die Manipulation, die Einschüchterung. Nur ist sie leider schwerer zu identifizieren und während man Leuten selten aus Versehen körperlich weh tut, kann es emotional häufiger passieren. Der Umgang mit und die Häufigkeit solcher Fehltritte, kann einen Hinweis darauf liefern, ob sie aus Versehen geschahen oder sie Teil eines bedenklichen Musters sind. Deswegen soll die Richtlinie „mehrere aus Block 1 und 2 zutreffende Punkte sind ein Problem“ dabei helfen festzustellen, ob emotionale Gewalt oder einfach Missverständnisse vorliegen.

Was die gesamte Liste auch nicht sein soll, ist ein Urteil, nämlich ein Urteil über dich. Es ist das Eine zu identifizieren, dass etwas nicht stimmt. Es ist etwas ganz Anderes aus einer einmal gewachsenen Beziehung wieder herauszukommen. Trotz der Tatsache, dass die Punkte aus Block 3 und 4 sehr beunruhigend sind, möchte ich nicht verschweigen, dass die Gefahr oft noch einmal steigt, wenn man versucht eine solche Beziehung zu verlassen. Deswegen schuldest du keiner*m eine bestimmte Reaktion. Du hast keine Verpflichtung auf eine bestimmte Art, in einer bestimmten Zeitspanne oder sonstwie zu reagieren. Dies ist ein persönlicher Prozess, der in deinem eigenen Tempo ablaufen muss und das Wichtigste ist, dass du so sicher wie möglich bist.

Weiterführende Texte:

  • Gute Zeichen in einer Beziehung von Captain Awkward (Englisch)
  • Gute Zeichen für eine Beziehung von Pervocracy (Englisch)
  • Wie Menschen in schlechten Beziehungen helfen: Teil 1, Teil 2 (Englisch); Nachtrag: Teil 1 (Deutsch), Nachtrag: Teil 2 (Deutsch)
  • Der Tumblr realsocialskills beschreibt oft auch in klarer Sprache, welches Verhalten in Ordnung ist und welches nicht. Besonders Angesprochene: Menschen mit Behinderungen, Autismus, psychischen Störungen u.ä. (Englisch)
  • Nachtrag 1: Eine Sammlung von Warnzeichen auf Captain Awkward (Englisch)
  • Nachtrag 2: Ausführliche Beschreibung von Gewaltformen in Partnerschaften (Deutsch)
  • Nachtrag 3: Über emotionale Gewalt (Deutsch)
  • Nachtrag 4: Wo beginnt eine Gewaltbeziehung? (Deutsch)
  • Nachtrag 5: Häusliche Gewalt erkennen (Deutsch)
  • Nachtrag 6: Checkliste, ob eins in einer Missbehandlungsbeziehung lebt (Deutsch)
  • Nachtrag 7: Verschiedene Formen von Gewalt in Beziehungen erkennen (Englisch)
  • Diese Liste wird ggf. aktualisiert. Wenn ihr irgendwelche dieser Artikel oder andere gute Artikel zum Thema in Deutsch (bzw. ins Deutsche übersetzt) kennt, bitte schreibt mir in den Kommentaren. Auch von eurem eigenen Blog herzlich willkommen.

    Bemerkung zur Moderation: Ich bemühe mich Victim Blaming und Ableismus aus der Diskussion herauszuhalten.

    1 Das kann mitunter sogar wahr sein. Aber eine Freund*innenschaft oder Beziehung mit einer Person anzufangen, mit der man keine haben möchte, ist nie ratsam. Menschen als „Trainingsräder für Akzeptanz“ zu verwenden, macht nämlich keinen Sinn und ist auch nicht respektvoll.

    Letzte Änderung: 02.11.14 Neuer Link (Nachtrag 7) und Zusatz 4

    Der Haushalt und die Rolle von Routinen (Teil 2)

    Schlagwörter: Haushalt – Lebenstips – Organisation – Routine

    In meinem ersten Artikel zum Thema sprach ich davon, wie man einiges erreichen kann, wenn man für nur kurze Zeit ab und zu etwas saubermacht. Ziel ist es u.a. trotz des Gedankens „Aber es ist so viel zu tun.“ anzufangen, indem man sich nicht dazu verpflichtet Alles(tm) aufzuräumen, sondern nur eine abgesteckte, begrenzte Zeit zu arbeiten.

    Natürlich reichen diese Strategien noch nicht aus für eine verlässlich saubere Wohnung. Manchmal türmen sich die Rechnungsberge, bis in die kleinste Ecke geschrubbt wurde seit Einzug nicht mehr (rede ich hier über mich? Wer weiß) und vor allem gibt es diese verflixten Bereiche, die einfach nicht sauber bleiben möchte, die da wären: Kleidung, Abwasch, Boden, Oberflächen, Abfall. Die Fenster und anderes kann man sicher auch noch hinzufügen, aber ich verrate euch jetzt, wie oft ich in 2 1/2 Jahren meine Fenster geputzt hab: 1 mal, so…

    Manche Aufgaben erhalten also schon dadurch Priorität, dass es zu einem heillosen Durcheinander führt, wenn sie nicht regelmäßig ausgeführt werden.

    Meine Strategie

    1. Mache einen Plan
    1.1 Was ist das Ziel
    1.2 Wie komme ich da mit möglichst wenig (!) Handschlägen hin
    1.3 Wann möchte ich das machen
    2. Führe den Plan aus, so lange bis er automatisch ist und fließend in den Alltag übergeht
    2.1 Prüfe auf Verbesserungsmöglichkeiten/Gründe, warum der Plan immer fehlschlägt
    3. Führe den verbesserten Plan bis in alle Ewigkeit aus und sei glücklich wie gut er funktioniert
    4. Wende dich einem anderen Problemgebiet zu und beginne mit 1.

    Die Ausführung

    Es folgt ein Beispiel, damit die Schritte nachvollziehbarer werden. Ich wähle das Beispiel Abwasch, weil ich keine Wahl habe als ihn von Hand zu erledigen und er für viele Leute ein regelmäßiges Problem darstellt.

    1. The ~Abwaaaaasch~
    1.1 Ziel: Ich möchte in regelmäßigen Abständen mein Geschirr säubern, so dass ich keine stressigen all the Abwasch-Situationen alle 3 bis 5 Tage habe, die ich aufschiebe, weil sie unglaublich anstrengend sind. (Sekundärziele: Ich will tatsächlich Platz in der Küche zum Arbeiten haben und keine Lebewesen an, in oder auf meinem unsauberen Geschirr.)
    1.2 Ablauf: Ausgehend davon, dass das Geschirr bereit steht. Wasser einlassen, alles abwaschen, zum Trocknen in Abtropfdingsie stellen. Wenn das Geschirr trocken ist (also später, vllt. erst am nächsten Tag) im Vorbeigehen immer ein bisschen ausräumen, wenn ich gerade in der Küche zu tun habe.
    1.3 Wann: Suche einen Rhythmus, der funktioniert (einmal pro Tag). Suche eine Zeit, die funktioniert (abends, weil ich da fast immer zur gleichen Zeit da bin). Bei einem Rhythmus von 2 Tagen hätte ich schon zu viel zu tun, als dass ich’s machen würde. Für andere könnte „nach jedem Essen“ besser funktionieren, weil das das wenigste Geschirr bedeutet = Überwindung am geringsten.
    2. The ~Doiiiing~
    2.1
    Auftretende Probleme:

    • Ich bin abends in der Küche, aber das Geschirr nicht?!
    • Mehrmals schiebe ich das Abwaschen auf, weil ich keine Lust habe die ganzen Krümel von den Tellern zu entfernen, damit sie nicht in meinem Abwaschwasser rumschwimmen.
    • Immer wenn ich abgewaschen habe, ist die Küche schön leer, aber die Oberflächen dreckig. This is giving me the sads.

    Lösungen:

    • Ich erinnere mich an Teil 1 der Artikelserie und mache mir „1 Ding mitnehmen, wenn ich den Raum verlasse“ zu Nutze: Wenn ich in die Küche gehe und leeres Geschirr auf dem Schreibtisch stehen habe, nehme ich es mit.
    • Ich entwickele die Angewohnheit nur „abwaschsauberes“ Geschirr in die Küche zu stellen. Kurz die Krümel von einem Teller zu entfernen bevor ich ihn abstelle, stört mich nicht.
    • Ich hänge ans Abwaschen eine kleine Routine an: Ich wische einmal kurz über die Oberflächen, weil’s eh grad so schön leer ist (kein Sternchen für Gründlichkeit. Was man regelmäßig macht, führt mit der Zeit von selbst zu recht guter Sauberkeit).

    3. Ich führe den neuen Plan aus und bin überglücklich. Ab und zu fällt mir eine Kleinigkeit ein, die den Ablauf erleichtern würde und ich baue sie ein. Oder ich passe den Plan eines Tages an, weil sich meine Lebensumstände verändert haben.
    4. Erst wenn diese Strategie mir 2-4 Wochen locker von der Hand geht und sich gut in meinen Tagesablauf einfügt (d.h. vllt. auch viel später), wende ich mich der Entwicklung einer neuen Routine zu.

    Das ist erstmal sehr viel aufzunehmen. Wie schon in Teil 1 angeklungen ist: Nimm dir Zeit für die Entwicklung von Routinen. Nichts lässt uns leichter scheitern als sich zu viel auf einmal vorzunehmen. Auch empfehle ich gelegentliches Fehlschlagen einzuplanen. Der Plan ist entwickelt und 2 von 10 Malen geht’s doch irgendwie schief? (Erst verspätet abgewaschen, zur geplanten Zeit nicht zu Hause gewesen und beim Heimkommen zu kaputt, um sich noch drum zu kümmern, doch mal eine ganze Woche in alte Muster zurückgefallen) DAS PASSIERT. Shhhh, it’s okay. Routine heißt nur, dass du es wieder versuchst.
    Wenn es regelmäßig fehlschlägt, heißt das nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt, sondern dass der Plan nicht einfach genug ist. Es kann auch Sinn machen, selbst die Teile des Plans als einzelne zu erlernende Routinen zu verstehen. D.h. 3 Wochen erst einmal lernen das Geschirr regelmäßig in die Küche zu bringen, sonst nichts an der gewohnten Art abzuwaschen verändern. Dann der nächste Schritt usw.

    Den Chaosaffen besiegen

    (Den Begriff habe ich aus einem engl. Artikel geklaut, der ihn völlig anders meint, als ich ihn jetzt benutzen werde – und aus dem ich das Prinzip habe Fehlschläge einzuplanen. Update: Oh shucks, das war noch ein dritter Artikel. Ich verlinke ihn, falls ich ihn finde.)

    Routinen sind auch eine sehr wertvolle Hilfe für diese Sachen, die immer fehlen, verschwinden, woanders rumliegen als geplant oder sich in Sekunden auftürmen (d.h. Rechnungen oder Müll), die mit anderen Worten, vom Chaosaffen regiert zu sein scheinen.
    Das Schöne ist, dass man sich hier mit einer unmerklich geringen Menge an Handgriffen stundenlanges aufräumen/sortieren und Anträge unter Tränen ausfüllen sparen kann – anders als beim Abwasch, den muss man halt irgendwann machen.

    Tipps:

    • Finde einen Platz für deinen Schlüssel (dein Handy, deine Lieblingsschuhe) und gib dir Zeit zu lernen sie immer an diese Stelle zu legen, wenn du heimkommst/rausgehst. IMMMMMMER! Ich habe seit 3 Jahren meinen Schlüssel kein einziges Mal panisch gesucht, wenn ich das Haus verlassen wollte. Nur einmal ist er runtergefallen, aber da war der 1. Ort, an dem ich suchte, der richtige.
    • Entwickele die Angewohnheit, alles, was auf den Boden fällt sofort aufzuheben/was nichts auf dem Boden verloren hat hochzulegen. Am besten in dein Blickfeld, damit du es bald wegräumst.
    • Müll kommt weg, sobald er nicht mehr benutzt wird, an den richtigen Ort. Wenn du Müll trennst, achte darauf immer befüllbare Behälter in mind. einem Zimmer bereitstehen zu haben. Wenn sehr viel von einer Art Müll in einem Zimmer anfällt, wo es keinen Behälter dafür gibt, überlege dir einen zu besorgen.
    • Schaffe einen Platz, an dem wichtige (unbearbeitete) Briefe gelagert werden. Lege nichts anderes an diesen Platz und verstelle den Blick auf den Platz nicht (damit du ihre Existenz nicht vergisst).
    • Arbeite mit einem Ordner für wichtige Dokumente. Am besten ist, ihn thematisch zu ordnen, aber wenn das zu viel Aufwand ist, beginne erst einmal damit sie wenigstens alle an einem Platz zu sammeln. Wichtige/offizielle bearbeitete Briefe landen in diesem Ordner(n).
    • Hefte Kontoauszüge immer gleich ab.
    • Falls möglich, scanne/fotographiere und speichere wichtige Anträge, wenn du sie vollständig ausgefüllt hast, an einem zentralen Ort. Wenn du den Antrag in einem Jahr wieder ausfüllen musst, wirst du dir sehr dankbar sein (und sollte es jemals zu Auseinandersetzungen über den Antrag kommen, kannst du sehen, was du eingetragen hast).
    • Wenn es dir schwerfällt, fürs Einkaufen nichts zu vergessen, schaffe einen Ort, an dem immer ein Stift und Papier liegen (genau da! nur eine Liste!). Suche am besten einen Ort, wo dir die meisten Sachen einfallen, z.B. die Küche. Genauso gut geht natürlich eine Tafel oder dein Handy. Hauptsache du hast die Angewohnheit, es sofort aufzuschreiben und schaust auch drauf, bevor du losgehst. Auch wenn du keinen Einkauf am gleichen Tag planst, kannst du es sofort notieren, wenn dir auffällt, dass bald keine Mülltüten mehr da sind.
    • Dinge brauchen einen Platz. Wenn etwas ähnliches immer im Weg herumliegt, schaffe einen Platz dafür. Es ist in Ordnung die dreckige Wäsche in einem Haufen auf dem Boden zu sammeln, aber dann lass es nur diesen einen Haufen sein und bring ihn regelmäßig zur nächsten Waschmaschine.

    Das wäre es erst einmal an konkreten Tips und Strategien von mir. Jetzt noch einige Disclaimer und generelle Anmerkungen:
    Meine Tips sind nicht die ultimative Lösung für alle Probleme. Für manches habt ihr vielleicht schon sehr gute Lösungen gefunden, die meiner vorgeschlagenen Strategie in keiner Weise ähneln. Wenn sie für euch reibungslos funktionieren: weitermachen!
    In diesem Artikel steht viel, dass man neu machen könnte, aber ich wiederhole: Macht es nicht alles auf einmal. Das ist ein Rezept für Überforderung und daraus folgendes Fehlschlagen des Plans.

    Ich bin ein großer Fan davon sich ein einziges Mal mehr Arbeit zu machen (einen Plan zu entwickeln, einen Ordner anzulegen) und danach mit wenigen Routine-Handgriffen ein angenehmes Maß an Ordnung aufrechtzuerhalten. Das bedeutet u.a., dass ich mir viel Mühe machen kann, wenn ich gerade die Energie habe und an jedem anderen Tag mein Arbeitsaufwand relativ gering bleibt und meine Wohnung trotzdem sauber/organisiert.

    Es folgt noch ein dritter Teil, indem ich mindestens all die Webseiten sammele, wo diese klugen Tips herkommen (für einen Vorgeschmack könnt ihr auch schon einmal in die Kommentare von Teil 1 schauen).

    Bosskampf Haushalt

    Schlagwörter: Haushalt – sauber machen – Lebenstips – schlechte Laune

    Die meisten haben einen und machen sogar ab und an den Finger krumm (Redewendung = RW), um ihn sauber zu halten: der Haushalt. Leider scheint der Haushalt noch viel mehr zu machen, um wieder dreckig zu werden. Ich möchte dabei nicht auf die Arbeitsverteilung eingehen – ein Thema, bei dem ich mich schnell in Rage schreibe – sondern stattdessen ein bisschen Hoffnung versprühen.

    Letztens wurde bei CaptainAwkward.com ein Artikel veröffentlicht, der einen Ansatz beschrieb, um Phasen der schlechten Laune zu unterbrechen. Der Artikel wird sicher nicht allen helfen, hat mir aber sehr gut gefallen. Einige Kommentator*innen meldeten sich zu Wort, dass sie die Lektüre des Artikels gleich mal unterbrochen haben, um ein paar Sachen wegzuräumen. Denn es gibt eine Verschränkung von schlechter Laune, Nichtstun(-Können) und Haushalt, die dort auch angesprochen wurde. Jedenfalls war dieser Artikel Inspiration und Ausgangspunkt für meinen Post hier.

    The Haushalt

    Eines der Themen, mit denen ich mich in den letzten Wochen beschäftigt habe, lautete, wie man mit möglichst wenig Aufwand die eigene Wohnung sauber hält. Denn so richtig habe ich dafür nie einen Plan beigebracht bekommen. Staubwischen war in meinem Elternhaus eine außergewöhnliche Tätigkeit und jetzt sammelt er sich eben gnadenlos in meiner eigenen Wohnung. Nicht dass es furchtbar dreckig bei mir wäre; Ich bin inzwischen recht gut darin Dinge an ihren vorgesehenen Platz zurückzuräumen und dafür zu sorgen, dass es meistens saubere Teller gibt. Mein Boden ist sogar frei. Aber ich bin eben noch nicht an dem Punkt angekommen, wo ich den Großteil der Woche zufrieden mit meinem Level an Sauberkeit bin.

    Einige Strategien habe ich aber bereits aufgeschnappt und die würde ich gerne an diejenigen von euch weitergeben, die damit etwas anfangen können. Dabei versuche ich mich auf Tips zu beschränken, die ich selber umgesetzt habe. Denn so clever ein Putzplan klingt: Ich werde nie die Zeit oder Energie finden mich hinzusetzen und einen aufzustellen, from scratch¹.
    Das bedeutet, dass dieser Artikel auch für die Leute am meisten Sinn machen wird, die ein ähnliches (nicht vorhandenes) Energielevel/meist abwesende Putzlust haben wie ich. Ich werde von Verhaltensweisen abraten, die für mich eine schlechte Idee sind. Einige von euch werden völlig gegenteilige Erfahrungen gemacht haben. Ich sage nicht, ihr macht es falsch. Ich sage: so funktioniert es für mich. Und welcher*m es ähnlich geht, hier habe ich ein paar Tips für euch!

    Genug der Vorrede, angefangen.

    Weniger ist mehr

    Als allererstes möchte ich für meine energielosen Freund*innen die Vorstellung auslöschen, dass 3-stündiges Hauruckputzen irgendeinen Sinn machen würde. Also doch ja, es macht den Sinn, um kritisch hochgezogenen Elternaugenbrauen zu entgehen (aber sind die je zufrieden?). Es bedeutet aber auch, dass man sehr viel Energie in ein Unterfangen steckt, das nach wenigen Tagen nie stattgefunden zu haben scheint, denn von neuem kriecht der Staub und fleuchen die partnerlosen Socken. Und wenn die nächste Putzaktion ansteht, muss man wieder sehr viel Überwindung aufbringen, um sich das Ganze noch einmal anzutun.
    Stattdessen möchte ich vorschlagen, sich mit der Idee anzufreunden, regelmäßig wenig zu machen.

    Strategien:

    • 10-Minuten-Sprints

    Das Zimmer sieht wie Müllkippe aus, da müsste unbedingt was getan werden, aber du wirst auf keinen Fall die Klamotten wegräumen und das Geschirr in die Küche und den Müll vom Boden sammeln? Die Antwort ist ein „Sprint“. Dabei geht es nicht darum schnell zu sein, sondern viel mehr darum, sich nur ein bisschen Zeit zu nehmen (die schnell verfliegt). Natürlich kann der Sprint auch 5 oder 25 Minuten dauern, Hauptsache die Zeitspanne erscheint machbar. Falls sich das als praktisch herausstellt, kann man auch einen Sprint pro Tag einplanen. Denn wie wir in diesem Artikel noch sehen werden, kommt man weit, wenn man oft wenig macht.
    Am Ende eines solchen Sprints steht dann die Belohnung, dass man sich aufgerafft hat, vllt. auch mal wieder eine Ecke des Tisches freigelegt und manchmal wird Energie freigesetzt, mit der man dann gleich noch ein bisschen weiterarbeitet. Macht euch letzteres aber bloß nicht zum Ziel, denn das Gehirn reagiert widerspenstig darauf, heimlich in mehr Arbeit hineinmanövriert zu werden, als am Anfang zur Debatte stand. Zu Recht.

    • Wer den Raum verlässt, nimmt eine Sache mit

    Zugegeben, für so einen Sprint muss man wenigstens ein bisschen Schwung aufbringen, machen wir es noch einfacher: Jedes Mal, wenn du auf dem Weg zu einem anderen Zimmer bist, denk kurz nach, ob du was mitnehmen könntest. Willst du ins Bad: Alte Wäsche, neue Mülltüte, Haarbürste verschleppt? Willst du in die Küche: Eine Tasse, etwas Müll?
    Bitte nur nicht anfangen zu optimieren. Es geht nicht darum bei jedem einzelnen Weg etwas mitzunehmen. Auch ist es nicht schlimm, wenn man einen Plastikschnipsel mal übersehen hat, den man auch noch hätte einstecken können. Diese Strategie sollte fix von der Hand gehen – sie kann unterstützt werden, indem man Sachen schon in die Nähe der Tür/ins Sichtfeld stellt, wenn sie einer*m ins Auge fallen. Ziel ist es, nicht nach 3 Tagen vier halb verschimmelte Teller, sechs Tassen und drei prekär balancierte Gläser in die Küche tragen zu müssen, sondern dass ein ständiges „Kommen und Gehen“ herrscht.

    • Tu es halt

    Manchmal habe ich diese eine Stelle, diese eine kleine Sache, die ich noch saubermachen/wegräumen/auswaschen wollte. Aber irgendwie vergesse ich immer wieder ihre Existenz und dann, wenn ich mit was anderem beschäftigt bin, fällt sie mir wieder ins Auge – und stört mich. Das kann teils wochenlang so gehen. In diesem Falle kann es das Beste sein, es jetzt einfach mal zu erledigen. Selbst wenn du gerade nicht in der Stimmung bist, selbst wenn du dafür etwas anders unterbrichst: Wenn es weniger als ~1 Minute dauert (Zeitmaß kann nach Bedarf angepasst werden) mach es halt. Das ist keine Verpflichtung mit irgendwas anderem weiter zu machen, kein bindender Vertrag. Aber diese eine kleine Sache ist dann erledigt und wenn du das nächste Mal vorbeiläufst, kannst du dich ein bisschen freuen.

    • Leerlauf

    Dies ist eigentlich nichts anderes als ein kurzer Sprint, funktioniert aber möglicherweise für Leute besser, die einen Anstoß/eine Routine brauchen.
    Im Tagesablauf können ein paar Lücken entstehen, in denen man nichts Bestimmtes zu tun hat, die aber immer wieder auftreten. Das kann z.B. Wasser kochen sein oder die Werbeunterbrechung der Lieblingsserie. Das nächste Mal kannst du versuchen herauszufinden, wie viele kleine Dinge du in dieser Pause erledigen kannst. Ein paar Sachen in den Müll tun, etwas auf dem Tisch ordnen, mal kurz über eine Oberfläche wischen? Und wenn der Moment vorbei ist, ist wieder gut und zurück zum Kaffee machen/Serie schauen.
    Auch hier möchte ich vor Optimierung warnen: Wenn man gut aufpasst, wird man sicher einige Lücken im Tagesablauf finden. Aber es geht nicht darum um biegen und brechen (RW) jede Lücke zu nutzen. Es geht auch nicht darum, wirklich jedes Mal beim Wasserkochen Dinge zu erledigen. Wenn es sich als Routine entwickelt, schön. Aber wenn du morgens erstmal mit der schweren Aufgabe klarkommen möchtest senkrecht zu stehen, dann konzentrier dich besser darauf. Sinn und Zweck der kleinen Schritte ist, dass man sich nicht übernimmt.

    Das war’s erst mal dazu. Im Sinne der kleinen Schritte mache ich hier eine Pause. In einem kommenden Artikel zum Thema möchte ich über Routine sprechen.

    1 Vollständig, von Grund auf

    Links 42

    Schlagworte: sex positivity – Adultismus – Rassismus – Antisemitismus – Ableismus – Geflüchtete – antimuslimischer Rassismus – creepers – trans – Solidarität

    Der jüngste Link ist 27 Tage alt, deswegen poste ich mir die jetzt von der Brust. Inhaltswarnungen kann ich heute keine einfügen, weil ich durch das Alter der Texte nicht mehr viel vom Inhalt weiß. Ihr seid gewarnt.

    „On feeling, acting or being a creep“
    [Englisch] von @goldfish

    „Are you being too sex positive?“
    [Englisch]

    10 einfache Dinge, die cis Leute tun können
    [Englisch] via @cnlester

    „Warum ich die Frage nicht beantworte“ – Wenn Menschen ihre Behinderung erklären sollen
    [Englisch] von @goldfish

    „Das diskriminierte Kind“ – Zum Thema Adultismus
    [Deutsch] von @co_g via @ponypost

    Studierende sind auch islamfeindlich und antisemitisch – Schockierende Neuigkeiten (ja, ich bin sarkastisch)
    [Deutsch] via @grautoene

    Die Anzahl der Angriffe auf Asylsuchenden-Unterkünfte nimmt drastisch zu
    [Deutsch] via @diana_of_t

    Was geht

    …bei mir.

    Da ich schon seit Monaten eine Art Schreibverstopfung hab (sorry für das Bild), fasse ich heute einfach mal zusammen, womit ich mich in letzter Zeit beschäftigt habe und gerade beschäftige.

    Zunächst einmal habe ich eine neue Kolumne für di:en Queerulant_in fertiggestellt. Wie letztens schon gesagt, gab es diesmal keine Frage. Ich habe hingegen meine Weisheit ganz unaufgefordert über den Leser*innen ausgeschüttet (bzw. werde das tun, sobald die neue Ausgabe erscheint).
    Damit verbunden sage ich gerne nochmal: Wenn ihr trans und oder queer seid und eine Frage an mich habt, die ihr gerne in dem_der Queerulant_in beantwortet sehen möchtet, mein Mailfach steht euch offen: hoc [at] riseup [dot] net.
    Für weitere Details auf den vorhergehenden Link klicken.

    Was deprimierendere News angeht, lese ich schon seit einer gaaanzen Weile an diesen Kommentaren zu 50 Shades of Grey (uuuh, iiiiih, ja ich weiß and you have no idea). Jenny Trout geht dabei mit sehr viel Witz – das Einzige, was mir durch diese schwere Zeit hilft – auf die einzelnen Kapitel ein. Deprimierend ist das Ganze v.a., weil die beschriebene Beziehung zwischen Christian Grey und Anastasia Rose Steel (dafuq) schlicht und ergreifend voller emotionaler, physischer und sexualisierter Gewalt ist. Nein, es ist leider nicht einfach schlechte Twilight-Fanfic. Es ist wirklich besorgniserregend, was für eine Art Buch da schneller zum Bestseller geworden ist als Harry Potter.
    Wenn ich durch die letzten Kapitel bin, werde ich möglicherweise einen Post über diesen Müll veröffentlichen. Keine Versprechungen.

    Schöne Lektüre hingegen ist der neueste Kommentar-Thread auf Captain Awkward. The Captain hatte die Leser*innen dazu aufgefordert davon zu erzählen, welche bildlichen Drachen sie in letzter Zeit besiegt haben. Es werden auch ziemlich schwierige Probleme beschrieben, aber all die Erfolge zu lesen, gibt mir einen Teil des Glaubens an die Menschheit zurück, den ich durch 50 Shades verloren habe.

    Meine Serien habe ich natürlich auch fleißig weiter geschaut, aber sehe mich gerade nicht in der Lage fröhliche Zusammenfassungen zu schreiben. Ich werde euch die restlichen 7 Serienempfehlungen jedoch nicht ewig vorenthalten, versprochen.

    Zu guter Letzt wollte ich auf ein Thema eingehen, das mich immer wieder beschäftigt und bezüglich dessen ich an eurem Input interessiert bin: Freizeitgestaltung. Ich versuche daran zu arbeiten mit mehr Leuten in Kontakt zu kommen und meine Freizeit nicht nur aus *diesen Dingen, die ich alle alleine in meinem Zimmer machen kann/mit meinen Freundinnen* bestehen zu lassen.
    Meine Frage an euch: Wie und welche Hobby(-gruppen) sucht ihr oder habt ihr euch gesucht? Was waren eure Erfahrungen? Seid ihr vllt. irgendwo wieder ausgestiegen, weil es nicht gepasst hat? Gibt es Hobbys, die ihr noch verfolgen möchtet, aber bis jetzt habt ihr keinen rechten Anfang gefunden?

    Es würde mich freuen von euren Erfahrungen zu lesen. Ansonsten bis zum nächsten Mal, wenn dieser Blog aus seinem mehrmonatigen Schlaf erwacht.

    PS: Wenn ihr schon Artikel zu eurem Hobby online gestellt habt, die ihr relevant für die Fragen findet, gerne verlinken.

    Bioshock Infinite für PS3 oder Rassismus ist nicht artsy

    Dieser Artikel enthält Spoiler. Dieser Artikel ist ragey und negativ und wer Bioshock Infinite liebt, soll sich am Ende nicht bei mir beschweren.
    Ich habe leider nur einen anderen Artikel zum Thema finden können, aber ich weiß mit Sicherheit, dass das Spiel vielfältig von Blogger*innen of Color kritisiert wurde. Wenn mich eins in die Richtung weiterverlinken könnte, wäre ich sehr dankbar. (Edit: Es gibt jetzt unten weiterführende Links.) Fangen wir an.

    Ich fand den ersten und zweiten Bioshock Teil sehr hübsch (womit ich die Stimmung des Spieles, aber auch den Rest meine) und freute mich auf den dritten Teil. Dass wir uns nicht mehr unterm Meer befinden sondern über den Wolken schreckte mich nicht ab, obwohl es eine neue Stimmung hervorruft.

    Rassismus, my old friend

    Wir sind also mal wieder ein weißer Typ (ich dachte in den 40ern, scheint aber er sollte wesentlich jünger sein), der in die Himmelsstadt Columbia geschickt wird, um eine Schuld zu begleichen. Er bringt seinen Auftraggeber*innen ein Mädchen, sie tilgen seine Schuld, so der Deal.
    Schon unmittelbar nach der Ankunft in Columbia wird klar, dass hier alles recht religiös zugeht – und weiß. Alle Leute in der betenden Menschengruppe, der wir begegnen, sind weiß. Das hätte eine erste unauffällige Kritik von Bioshock Infinite an der Gesellschaft in Columbia bzw. Videospielen allgemein sein können … wenn die vorherigen Teile nicht absolut unkritisch schneeweiß gewesen wären. Also kein Sternchen für dich, Infinite.

    Während wir versuchen uns in der Stadt zurechtzufinden und die Mission voranzutreiben, wird ein erster Blick darauf gewährt, wie es hier läuft: Du gewinnst in einer Lotterie und dein Preis ist der erste Wurf. Auf was oder wen? Auf der Bühne vor dir werden eine Schwarze Frau und einer weißer Typ gefesselt zum Bühnenrand gefahren. Um sie herum gibt es kolonialrassistische Requisiten, die das Thema „jungle fever“ tragen. Die beiden scheinen demnach gegen die gesellschaftlichen Regeln verstoßen zu haben, indem sie sich miteinander einließen. Nun musst du dich entscheiden, ob du tatsächlich den Ball auf die beiden wirfst oder auf den Ansager.
    Ich kann nicht für die Schwarzen Spieler*innen sprechen, aber ich würde mich an der Stelle schon mal nicht eingeladen fühlen. Mit rassistischen Bildern konfrontiert werden, nur um einen Aussage über die rassistische weiße Gesellschaft der Stadt zu machen – das hätte man auch anders bewerkstelligen können. Warum es an sich daneben ist, zur Wahl zu stellen, ob man das Pärchen oder den Ansager bewirft, erklärt Daniel Golding hier (allgemein ein lesenswerter Artikel zum Spiel und seinen Ansprüchen).

    Aber diese Szene ist nur der Beginn rassistischer Sprüche und Darstellungen. Im weiteren Verlauf des Spieles fällt ca. 4 Mal das N-Wort, ebenso „Schl***augen“ und die rassistische Beleidigung amerikanischer Ureinwohner (in Worten, zu den Bildern komme ich gleich noch). Dies geschieht entweder, wenn über die nicht-weißen Aufständischen Vox Populi (latein. für „Stimme des Volkes“) gesprochen wird oder im Rahmen von geschichtsverzerrenden Darstellungen des Massakers bei Wounded Knee und des Boxeraufstandes (beides um die Wende zum 20. Jh. geschehen). Denn in diesem Spiel hagelt es nur so weiße religiöse rassistische Propaganda – die Propaganda an sich nichts Neues in den Bioshock-Spielen – und u.a. wird das deutlich gemacht in einer Ausstellung, die mit raumfassenden Installationen verzerrt, was damals wirklich geschehen ist. (Es handelt sich um reale Ereignisse der US-amerikanischen Geschichte.) Da gibt es rassistische Karikaturen von sowohl Chines*innen als auch amerik. Ureinwohner*innen – und die waren einfach nicht nötig. Ja, Propaganda funktioniert über, auch, rassistische Verzerrung der Gegner*innen, aber wenn du den Anspruch hast so etwas zu kritisieren, solltest du das auch tun. Die rassistischen Bilder noch einmal, aber schon ins Komisch-Groteske verzerrt, darzustellen, ist keine kritische Auseinandersetzung!
    Das Spiel gibt dir nicht einmal eine Möglichkeit zu erfahren, was bei den Ereignissen wirklich geschehen ist, bietet also kein korrigierendes Gegengewicht zur Propaganda. Es wird lediglich enthüllt, dass andere weiße Typen da gekämpft haben, als die weißen Typen, die angeblich da gekämpft haben. Spannend. Aber das ist halt das Einzige, was dem Spiel wirklich wichtig ist, auch ’ne Aussage.

    Revolutionäre, die auf Comstock starren¹

    Nun könnte man noch hoffen: Vielleicht hält die Vox Populi ja was sie verspricht. Vielleicht räumt sie mit dem weißen Establishment auf und klagt es seiner Sünden an. *lacht erschöpft* Ja, nein.
    Als ich die Anführerin der Vox Populi kennenlernte, war ich freudig überrascht. Eine Schwarze junge Frau, die eine anti-kapitalistische, anti-rassistische Arbeiterrevolution anführt, das ist doch erstmal geil, oder? Tja. Je näher die Revolution rückt, desto mehr zweifeln die beiden weißen (!) Hauptfiguren, dass es die richtige Entscheidung war zeitweise mit der Vox Populi zu kooperieren (oder zumindest ähnlich vorzugehen – Polizisten abknallen). Die weibliche Hauptfigur ist zwar schockiert, wie schlecht es den armen Schwarzen im Armenviertel geht (*Augenrollen*), das man auch besucht, aber das mit der gewaltvollen Revolution, das ist doch dann auch irgendwie … übertrieben? Und schließlich kommen die beiden zu dem Ergebnis, dass die Vox Populi nicht besser ist als der vorherige weiße, kapitalistische Herrscher, der Rassentrennung aufrecht erhielt. Japp, absolut vergleichbar. Keine Frage.
    Das Ganze gipfelt mehr oder weniger darin, dass die Anführerin (ist euch schon aufgefallen, dass ich mir schlecht Namen merke?) ein Kind umbringen will. Wow. Ich mein, WOW. Jetzt ist sie nicht nur „genauso schlimm“ wie Comstock, sie ist auch noch eine gewissenlose Kindermörderin. Gefolgt wird das später von einer tränenreichen Nebenstory, wo ein weißer Typ aus der Armee, der ein Kind of Color für Informationen gefoltert hat, es dann bei sich aufnimmt. Can you spell w t f.
    Als es dann übrigens dazu kommt, dass man nicht mehr nur weiße Polizisten, sondern auch Vox Populi abknallt, sind die auch mind. zur Hälfte weiß. Diesen Leuten sind Weiße so wichtig, dass sie überall sein müssen, AUCH IN DER NICHT-WEIẞEN REVOLUTIONSTRUPPE.
    Und als Sahnehäubchen: Durch einen geschichtlichen Twist wird die weiße männliche Hauptfigur dann zu einem Held der Vox Populi. I just can’t.

    Einschätzung

    Was, noch mehr? Ja noch mehr Einschätzung.

    Nun ist das eine Spielreview, ich möchte aber nicht davon ablenken, dass es sich um einen rassistischen Scheißhaufen handelt, darum nur kurz die restlichen Fakten: Plasmide heißen jetzt anders, machen aber immer noch Spaß. Man kann nur noch 2 andere Waffen tragen (plus eine extra Waffe für den Nahkampf), Waffen liegen aber überall herum, also keine Knappheit (auf Schwierigkeit normal). Ich mag die besonders starken Gegner, leider keine Hintergrundstory zu ihnen. Die Szenerie ist einfach nur amazing animiert. Ich liebe den Songbird. Zum Finale hin gab es 3 sehr nervige Bugs. Die Hintergrundstory war nicht mehr so gut erzählt wie in den vorherigen Teilen, die Auflösung war mir zu new-age-mäßig, obwohl sie andern gefallen hat.

    Ein großes Verständnis-Problem im Spiel an sich war für mich noch, dass ich nicht mit US-amerikanischer Geschichte (und der US-amerikanischen Kultur) erzogen wurde, sondern der deutschen. Wir werden zwar in US-amerikanischen Sendungen und Themen nur so mariniert (RW = Redewendung), aber dieses Spiel ist einfach zu sehr auf ein US-amerikanisches Publikum zugeschnitten, um für mich in der ganzen Storyline zu funktionieren. Der wiederholte Bezug auf die Gründerväter z.B. hat für mich keine emotionale Bedeutung.

    Fazit: Nicht die gleiche coole Stimmung wie in den vorherigen Teilen. Eine Story, die ich weniger packend fand. 1000% mehr PoC als in den Vorgängern und es trotzdem verkackt. Ultra-rassistische „anti-rassistische“ Storyline. 3/10.

    Weiterführende Links:
    Bioshock Infinite Privilege
    Booker DeWitt and the Case of the Young White Lady Feels: a Bioshock Infinite review
    Errant Signal – Bioshock Infinite (Spoilers) [Video] via @AranJaeger, TW rassistische Bilder

    1 Schlechter Witz. Tut mir Leid. Comstock ist der oberböse Anführer der Stadt.