Cis-Privilegien

<< Klassenprivilegien

Wenn du nicht transsexuell bist, bist du cis-sexuell. *Mööööp* Falsch (vgl. Intersexualität). Danke @puzzlestuecke für den Hinweis. Lassen wir’s einfach die Leute erklären, die Ahnung haben. Auf Taking Up Too Much Space wird definiert

Cissexual denotes a person whose self-determination of hir sex is consistently validated and reinforced by institutions of power, particularly medical, legal, religious, and scientific institutions.

[Cis-Sexuelle*r bezeichnet eine Person, deren eigens festgelegtes Geschlecht konsistent von Machtinstanzen, besonders medizinischen, legalen, religiösen und wissenschaftlichen Institutionen, anerkannt wird.]

Wäre das geklärt.

Diese Liste basiert auf und ist teils eine Übersetzung der Cis Privilege Checklist auf Taking Up Too Much Space. Wer der englischen Sprache mächtig ist, kann sich für eine erschöpfendere und genauer formulierte Liste gleich dorthin wenden.
Für die anderen eine wie immer unvollständige Aufzählung von 20 Punkten. Unter bestimmten Umständen können die genannten Punkte auch bei Cis-Sexuellen nicht zutreffen, aber das macht die Liste nicht weniger relevant.

(1) Das mir auf meiner Geburtsurkunde Abstammungsurkunde* zugeordnete Geschlecht repräsentiert akkurat wer ich bin.
(2) Ich kann erwarten, dass meine privaten medizinischen Informationen privat bleiben, wenn ich mit Ämtern und anderen öffentlichen Einrichtungen zu tun habe, die ich nicht wegen medizinischer Probleme aufsuche.
(3) Ich werde mit dem richtigen Pronomen angesprochen. Ich werde nicht absichtlich mit dem falschen Pronomen angesprochen.
(4) Ich kann ohne Angst vor verbaler oder physischer Gewalt öffentliche Toiletten und Umkleiden sowie Duschen und Bäder benutzen.
(5) Institutionen und Autoritätsfiguren zwingen mich nicht dazu, mich einem Geschlecht, das sie mir zuordnen, entsprechend zu kleiden oder verwehren mir medizinische Behandlung.
(6) Informationen, die privat zu halten wichtig für mich sind, werden nicht durch alte Bilder von mir, eine Schwangerschaft, Periodenblut, meine Stimme, dem Anblick meines nackten Körpers, meines Gesichts, … verraten.
(7) Es wird als richtig erachtet, dass ich mich meinem zur Zeit gewählten Geschlecht (gender) entsprechend identifiziere, kleide und verhalte. Medizinische Behandlungen, die notwendig sind, um mein Aussehen diesem Geschlecht entsprechend zu erhalten, werden umgehend genehmigt.
(8) Ich muss keinem medizinischen/psychologischem Personal oder Gutachter*innen beweisen, dass das Geschlecht, mit dem ich mich identifiziere, das richtige für mich ist.
(9) Ich erwarte entscheiden zu können, ob und wie ich mich fortpflanze und die dafür angemessene medizinische Fürsorge zu erhalten.
(10) Körper wie meiner werden in Kunst und Medien dargestellt.
(11) Potenzielle Sexualpartner*innen erwarten, dass meine Genitalien etwa aussehen, wie sie es tun und haben das akzeptiert, bevor sie mit mir ins Bett gehen.
(12) Ich erlebe keine negativen Konsequenzen wegen des Zusammenspiels dessen wie ich mich identifiziere und wie andere meinen Körper wahrnehmen in der Familie oder Schule, auf Arbeit, Ämtern, auf der Straße oder wenn ich mich in medizinische Behandlung begebe.
(13) Ich erwarte in einer angemessenen Zeitspanne Kleidung für meinen Körpertyp zu finden, die meinen Wünschen entspricht.
(14) Die Identifikation mit meinem Geschlecht wird nicht als Krankheit bezeichnet.
(15) Menschen fragen mich nicht, welche Geschlechtsteile ich habe, ob ich plane sie zu verändern oder in welcher Form ich sie verändern lassen möchte.
(16) Es gibt keine Schimpfworte, die für cis-sexuelle Leute wie mich vorbehalten sind.
(17) Meine Geschlechtsidentifikation ist weltweit anerkannt.
(18) Die Kontrolle über meinem Körper ist nicht vom guten Willen unterdrückender Institutionen abhängig.
(19) Ich erwarte, dass Antidiskriminierungs-Richtlinien, die mich betreffen, existieren und sie die Probleme, denen ich begegne akkurat ansprechen.
(20) Ich erwarte, dass Menschen mit meiner Identität als alltäglich wahrgenommen werden und in den Medien, der Politik und der Medizin mitgedacht werden.

Danke für den Anstoß an Tina.

*Siehe Kommentar von Gwen Dragon. Geändert am 09.11.12

Links 24

Schlagwörter: weiße Privilegien – Privilegien – männliche Privilegien – body shaming – Rassismus – NPD – Sexismus – Islam – Diskriminierung – Körperbehaarung

Fantasy-Autor basht einfach so straight white dudes [Englisch]

Warum nur gegen die NPD zu sein Augenwischerei ist

„An den weißen christlichen Mann“ [Englisch]

Probleme der neuen muslimischen Frau*

Gay pride war doch irgendwie für die Schwulen oder so?

White lies oder auch white people bullshit bingo [Englisch]

Wer konnte das ahnen? Anonymisierte Bewerbungen decken Diskriminierung auf

Deutsche Synchronisationen zerstören die Tonfilmkultur

Körperhaare [Englisch]

Bildungsprivilegien und Body Shaming

Afrikaner*innen schockiert von den Wilden in Europa [Englisch]

Klassenprivilegien

<< Privilegien Physiotypischer

Schlagwörter: Privilegien – Klasse – unsere Gesellschaft

Zu den Klassenprivilegien muss ich mir keine große Mühe geben, weil auf anarchie und lihbe bereits eine großartige Liste existiert.

– Was ich sage und wie ich spreche wird nicht auf meine Herkunft bezogen oder als prollig/asozial abgetan.

– Ich kann mir ironisch die Kleidung anderer classes aneignen.

– Mein Stil und Geschmack sowie der meiner Familie wird nicht als billig, trashig, kitschig verurteilt.

[…]

Weiterzulesen hier.

Cis-Privilegien >>

Privilegien Physiotypischer

<< Privilegien Weißer

Bevor die Frage aufkommt: ja, „physiotypisch“ habe ich mir in Anlehnung an „neurotypisch“ gerade ausgedacht (lat. physio- für „körper-„).
Es geht mir um Menschen, die keine körperliche Behinderung haben. Ich wollte jedoch weder „normal“ noch „körperlich gesund“ schreiben, da „normal“ schon mal ganz schrecklich ist, ich aber auch nicht davon überzeugt bin, dass eine körperliche Behinderung als Krankheit angesehen werden muss.
Mir geht gerade auf, dass ich teils körperliche und geistige Behinderungen meine, jedoch nicht Autismus oder geistige Krankheit, weswegen es gerade schwierig wird, alles in einem Wort zusammenzufassen. Ich hoffe, an den jeweiligen Punkten ist zu erkennen, wovon ich gerade spreche.

Wenn „physiotypisch“ als Begriff problematische Seiten birgt, die ich nicht beachtet habe, sagt mir das bitte. Ich möchte ja einen guten, keinen diskriminierenden Begriff verwenden.

Nun denn, wieder einmal 20 Privilegien, eine unvollständige Aufzählung.

(1) Medien konsumieren können, ohne dass vorher an ihrer Darstellung etwas geändert werden muss.
(2) Nicht darüber nachdenken müssen, welche Aktivitäten man unternehmen kann, weil es möglicherweise an barrierefreien Zugängen mangelt.
(3) Sich nicht dafür bedanken müssen, dass Menschen eigentlich selbstverständliche Dinge tun, wie zum Beispiel einen behindertengerechten Arbeitsplatz, Ausbildungs- oder Studienbedingungen schaffen.
(4) Keinem höheren Risiko ausgesetzt sein, Opfer von Missbrauch zu werden.
(5) Nicht verfolgen müssen, wie andere Menschen laut darüber nachdenken, Menschen wie dich umzubringen oder dass Menschen wie du ermordet werden, ohne dass Leute empört sind, sondern vielmehr die „Güte“ und „Gnade“ in diesen Taten und Gedanken preisen.
(6) Nicht dauernd für die eigene Sachen kämpfen müssen, weil nie jemand auf die Idee gekommen ist, man sollte auch Menschen mit deinen körperlichen Eigenschaften vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewähren.
(7) Ein Teil deiner Identität wird nicht als schlechte Metapher oder gar Schimpfwort benutzt (vgl. bestimmte Verwendungen von [Trigger Warnung für behinderungs-bezogene Beleidigungen] —– „blind“, „lahm“, „behindert“, „Spast“, „Spacko“, „M****“, …).
(8) Nicht dafür bemitleidet werden wie furchtbar furchtbar schlecht es eine_r gehen muss und dafür sanktioniert werden, wenn man es wagt, „trotzdem“ recht zufrieden zu sein.
(9) Keine Diskussionen verfolgen müssen, ob man Schwangerschaften, aus denen Menschen wie du hervorgehen könnten, nicht automatisch abbrechen sollen dürfte.
(10) Nicht verfolgen müssen, wie man Eltern mit Kindern wie dir bedauert und ihren Mut und ihre Ausdauer bewundert.
(11) Menschen mit deinen körperlichen Eigenschaften in den Medien repräsentiert sehen, ohne dass sie immer für ein ganz bestimmte Rolle stehen.
(12) Nicht immer wieder mitbekommen, wie körperliche Eigenschaften von dir für vollkommen beschissene Witze genutzt werden.
(13) Üblicherweise eine angemessene Menge an „Spoons“ ( =“Löffel“ – Menge an Energie) zur Verfügung haben, um über den Tag zu kommen.
(14) Nicht aufgrund von körperlichen Eigenschaften bei der Jobsuche (oder Ausbildung) benachteiligt werden.
(15) Keine höheren Kosten für einen höheren Pflegebedarf/bestimmte Umbauten an der Wohnung/bestimmte notwendige Gegenstände oder Medikamente tragen müssen und gleichzeitig weniger Chancen Geld zu verdienen haben.
(16) Nicht generell als „anders“ wahrgenommen und dadurch in Teilen völlig vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.
(17) Nicht bevormundet werden/bestimmte Dinge nicht zugetraut bekommen.
(18) Stadt-/Verkehrs- und die Planung von Gebäuden ist auf deine physischen Eigenschaften ausgerichtet, woraus diverse Annehmlichkeiten resultieren.
[Edit vom 12.01.2012 15:45]
(19) Du wirst nicht automatisch als asexuelles Wesen wahrgenommen.
(20) Es wird nicht in Frage gestellt, dass du ein Recht und die Möglichkeit haben solltest, deine Sexualität auszuleben.
[/Edit]

Mir ist bewusst, dass einige Punkte auch für Menschen mit anderen Ebenen der Diskriminierung zutreffen können (siehe auch Konzept der Intersektionalität). Dadurch sind die hier genannten Punkte für Menschen mit körperlicher (und/oder geistiger) Behinderung aber nicht weniger wahr oder relevant.

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