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Schlagwörter: Rassismus – antimuslimischer Rassismus – Klassismus – Reclaiming – sexualisierte Gewalt – Transsexualität – Kino – Musik – Beschneidung – Hipster-Racism – Oktoberfest

Warum Armut und die Aneignung des Wortes „Sl**“ nicht zusammengehen
via @kiturak [Deutsch]

Leben mit täglichem antimuslimischem Rassismus
[Deutsch]

Warum Leuten folgen, über die man sich dann aufregt?
[Englisch]

Wer verschwiegen wird – Muslim*a in Deutschland
[Deutsch]

Ein Leben vor und nach der Beschneidung
via @khaos.kind [Deutsch]

Trigger Warnung (Thema: sexuelle Übergriffe)
Alternative pro-Konsens-Poster fürs Oktoberfest
via @fasel [Deutsch]

Rezension zu Tomboy. Ganz meine Meinung.
@lantzschi via @transleben [Deutsch]

Weil ich das Gefühl habe, dass das viele nochmal lesen müssten, habe ich einen älteren Artikel ausgegraben.
Rassismus in Florence and the Machine-Videos
[Englisch]

Und edit:
Paula über Kommentare, die eine*n so ‚runterziehen können, dass man gar nicht mehr bloggen mag
[Deutsch]

Die Sache mit dem Reclaiming

Schlagwörter: Reclaiming – Diskriminierung – ichBinZuFaulJetztNochFremdwörterZuÜbersetzen

[Trigger Warnung] für gegenderte, cis-sexistische, ableistische und heterosexistische Schimpfwörter

Was ist Reclaiming? Man könnte es übersetzen mit „zurückfordern“. Zurückfordern von Begriffen, die die Mehrheitsgesellschaft verwendet, um Minderheiten zu bezeichnen. Dabei geht es natürlich um diskriminierende Begriffe. Und nein, wenn du zur respektiven Mehrheit gehörst, hast du nicht das Recht zu entscheiden, welche Gruppenbezeichnungen diskriminierend sind.

In den meisten Fällen liegt man nicht falsch, erst einmal alle Begriffe als diskriminierend anzunehmen. Sehen wir uns ein leicht zugängliches Beispiel an: übliche Synonyme für Frauen*. Da wären „Tussi“, „Zicke“, „Mädchen“, „Kuh“, „Gans“, „Trulla“, „Tante“, „Schlampe“, „Nutte“, „Hure“, „Kirsche“, „Schnecke“, „(Sahne-)Schnitte“, „Baby“, „Diva“, „Weib“, „Fräulein“, „Maus“, „Schnepfe“, „Ziege“, „Huhn“, „Hase“, „Luder“, „Lesbe“ und viele bekannte Wortgruppen, die ich mir hier ersparen will.

Zu dieser Liste kann ich verraten: ich finde nahezu keinen der Begriffe als Alternative zum Wort „Frau“ akzeptabel. Dies liegt nicht daran, dass beispielsweise Tiere oder Frauen* in verschiedenen Lebensaltern/-entwürfen („Baby“, „Mädchen“, „Tante“) schlecht wären, sondern dass mit all diesen Bezeichnungen negative Konnotationen verbunden sind. Auch Prostitution, Promiskuität oder einfach Spaß an Sex ist kein Problem per se – so lange die entsprechenden Begriffe wertfrei verwendet werden (oder als Selbstbezeichnung, aber dazu komme ich später).

Mit Hilfe solcher Ausdrücke wird eine Gruppe – nur durch das gewählte Wort – auf eine einzige Eigenschaft reduziert. „Tanten“ muss man nicht ernst nehmen, „Babys“ sind nett anzuschauen, haben aber keinen eigenen Willen, eine „Schnecke“ ist „scharf“ und eine „Zicke“ nervt. Zur Verbrüderung mögen sie gut geeignet sein, denn „du weiß schon, was ich meine“ gilt leider allzu oft. Um einer Gruppe von Individuen gerecht zu werden, sind sie völlig ungeeignet. Leider ist das auch selten das Ziel dins Sprecher*in. Denn wer solche Worte benutzt, nimmt in Kauf, dass die Realität verzerrt und Menschen auf wandelnde Stereotype reduziert werden.

Wie ist das aber nun mit dem Reclaiming? Und warum darf ich nicht „Transe“ benutzen, obwohl ich doch eine voll hippe Feministin bin?

Gruppenbezeichnungen, die nicht von mehr oder weniger der gesamten Gruppe positiv bewertet werden (z.B. „People of Color“), sind dazu gedacht zu verletzen – auf Objekte zu reduzieren, zu beleidigen, klein zu machen, zu schaden und zu traumatisieren. Intent doesn’t count! Es ist unwichtig, ob du „Spast“ als Synonym für „cool“ verstehst oder meinst „schwul“ würde bedeuten, dass man Klamottengeschmack besitzt (was übrigens nichts Gutes über dein Verständnis von Schwulen aussagen würde).
Fremddefinierte Gruppenbezeichnungen wurden nie dazu gedacht, wertneutral oder gar positiv zu sein. Und sie verlieren nicht einfach ihre Geschichte, nur weil du sie nicht kennst.
Und darum sollten Weiße auch nie, das N-Wort benutzen! Nein, auch nicht, wenn du’s „als Kompliment“ meinst. Auch nicht, wenn dir „deine schwarze Freundin aber erlaubt hat, es zu benutzen“. Nein nein nein.

Aufgrund des genannten Ballasts können nur von diesen Wörtern Betroffene entscheiden, ob sie diesen Begriffen eine positive Bedeutung geben wollen und sie bewusst als Selbstbezeichnung nutzen, also reclaimen.

Zwei Dinge sind allerdings beim Reclaiming zu beachten, wenn es nach mir geht:

  • Auch wenn die Gruppe sich entschieden hat, sich den Begriff anzueignen, darfst du als außenstehende Person ihn nicht benutzen.
  • Du kannst nicht von anderen Mitgliedern deiner marginalisierten Gruppe verlangen, den Begriff auch zu reclaimen und darfst sie dementsprechend nicht ohne zu fragen damit bezeichnen. (Allerdings sage ich das hier im Kontext des Slut-Walks. Ich kann nicht behaupten, in alle Communities genug Einblick zu haben, um mir eine Aussage zu erlauben.)

Letztendlich ist „Selbstbezeichnung“ das zentrale Wort, daher schließe ich mit 1) jese darf sich nennen, wie hän es will (ohne sich bei anderen Minderheiten zu bedienen), 2) benutze immer die Selbstbezeichnung, die andere sich geben, 3) Fremdbezeichnung ist uncool.