Was geht

…bei mir.

Da ich schon seit Monaten eine Art Schreibverstopfung hab (sorry für das Bild), fasse ich heute einfach mal zusammen, womit ich mich in letzter Zeit beschäftigt habe und gerade beschäftige.

Zunächst einmal habe ich eine neue Kolumne für di:en Queerulant_in fertiggestellt. Wie letztens schon gesagt, gab es diesmal keine Frage. Ich habe hingegen meine Weisheit ganz unaufgefordert über den Leser*innen ausgeschüttet (bzw. werde das tun, sobald die neue Ausgabe erscheint).
Damit verbunden sage ich gerne nochmal: Wenn ihr trans und oder queer seid und eine Frage an mich habt, die ihr gerne in dem_der Queerulant_in beantwortet sehen möchtet, mein Mailfach steht euch offen: hoc [at] riseup [dot] net.
Für weitere Details auf den vorhergehenden Link klicken.

Was deprimierendere News angeht, lese ich schon seit einer gaaanzen Weile an diesen Kommentaren zu 50 Shades of Grey (uuuh, iiiiih, ja ich weiß and you have no idea). Jenny Trout geht dabei mit sehr viel Witz – das Einzige, was mir durch diese schwere Zeit hilft – auf die einzelnen Kapitel ein. Deprimierend ist das Ganze v.a., weil die beschriebene Beziehung zwischen Christian Grey und Anastasia Rose Steel (dafuq) schlicht und ergreifend voller emotionaler, physischer und sexualisierter Gewalt ist. Nein, es ist leider nicht einfach schlechte Twilight-Fanfic. Es ist wirklich besorgniserregend, was für eine Art Buch da schneller zum Bestseller geworden ist als Harry Potter.
Wenn ich durch die letzten Kapitel bin, werde ich möglicherweise einen Post über diesen Müll veröffentlichen. Keine Versprechungen.

Schöne Lektüre hingegen ist der neueste Kommentar-Thread auf Captain Awkward. The Captain hatte die Leser*innen dazu aufgefordert davon zu erzählen, welche bildlichen Drachen sie in letzter Zeit besiegt haben. Es werden auch ziemlich schwierige Probleme beschrieben, aber all die Erfolge zu lesen, gibt mir einen Teil des Glaubens an die Menschheit zurück, den ich durch 50 Shades verloren habe.

Meine Serien habe ich natürlich auch fleißig weiter geschaut, aber sehe mich gerade nicht in der Lage fröhliche Zusammenfassungen zu schreiben. Ich werde euch die restlichen 7 Serienempfehlungen jedoch nicht ewig vorenthalten, versprochen.

Zu guter Letzt wollte ich auf ein Thema eingehen, das mich immer wieder beschäftigt und bezüglich dessen ich an eurem Input interessiert bin: Freizeitgestaltung. Ich versuche daran zu arbeiten mit mehr Leuten in Kontakt zu kommen und meine Freizeit nicht nur aus *diesen Dingen, die ich alle alleine in meinem Zimmer machen kann/mit meinen Freundinnen* bestehen zu lassen.
Meine Frage an euch: Wie und welche Hobby(-gruppen) sucht ihr oder habt ihr euch gesucht? Was waren eure Erfahrungen? Seid ihr vllt. irgendwo wieder ausgestiegen, weil es nicht gepasst hat? Gibt es Hobbys, die ihr noch verfolgen möchtet, aber bis jetzt habt ihr keinen rechten Anfang gefunden?

Es würde mich freuen von euren Erfahrungen zu lesen. Ansonsten bis zum nächsten Mal, wenn dieser Blog aus seinem mehrmonatigen Schlaf erwacht.

PS: Wenn ihr schon Artikel zu eurem Hobby online gestellt habt, die ihr relevant für die Fragen findet, gerne verlinken.

Adultismus bei Captain Awkward

Schlagwörter: Adultismus – Vernachlässigung – Privileg – Captain Awkward

Adultismus ist ein Thema, dass ich erst vor Kurzem durch die takeover.beta-Belegschaft, namentlich kiturak, näher kennengelernt habe. Insofern bin ich selbst noch am Erforschen und gehe relativ intuitiv vor: wenn es sich wie Adultismus anfühlt, wird es Adultismus sein.

Was ist das denn nun?

Adultismus ist, grob gesagt, Diskriminierung aufgrund von nicht vorhandener Volljährigkeit. Wobei „Volljährigkeit“ oder „Erwachsen sein“ von Land zu Land und Kultur zu Kultur anders definiert werden kann.

In diesem Artikel möchte ich allerdings nicht weiter auf Adultismus im Allgemeinen eingehen (das in einem der zukünftigen Artikel), sondern auf Adultismus bei CaptainAwkward.com. Denn so sehr ich von der Seite schwärme, geht mir der Umgang mit Adultismus gewaltig auf die Nerven.

Da wäre zunächst die Häufigkeit, mit der Kommentator*innen von „unreifem“ Verhalten sprechen. Vergleiche anführen wie „wie ein Kleinkind zu quängeln“ oder „ein Tobsuchtsanfall zu bekommen“, wenn sie unangemessene Reaktionen auf Kritik beschreiben möchten. Dies wird logischerweise als völlig legitim angesehen, während z.B. sexistische und rassistische Vergleiche gelöscht würden.
Derlei Formulierungen gibt es unzählige, die auch bei uns (das heißt in deutschsprachigen Ländern) weit verbreitet sind.

Was mir aber noch stärker auffiel und mich störte, war der Umgang von JenniferP/Captain Awkward mit Kritik an Eltern und ihren Methoden.
Es ist keine Frage, dass z.B. schwangere Frauen* unglaublich bevormundet werden. Ich bin mir auch dessen bewusst, dass frische Eltern die unterschiedlichsten und vor allem widersprüchlichsten Ratschläge bekommen.
Die Fälle, in denen auf CaptainAwkward.com gemahnt wurde, man solle Eltern nicht reinreden, waren jedoch keine moralisch-drohend vorgebrachten Forderungen, sondern vorsichtige Einwände, dass nicht gut klinge, was man da gerade gelesen hat. Wenig überraschend habe ich diesen Einwänden zugestimmt.

Inhaltswarnung: (emotionale) Vernachlässigung von Kindern (Übersetzung der Zitate auf Anfrage)

Im ersten Falle erwähnte JenniferP beiläufig Bekannte

5) My good friends are training their 5-month old to sleep and to comfort himself if he wakes. So they ignore his cries at night (unless they go on for a certain duration and intensity = more than 10 minutes, a sharp upset cry vs. a “Hey, come hang out with me” cry) so that he’ll learn to soothe himself.

Ich fand die Stelle beunruhigend. In den Kommentaren wurde das auch von anderen erwähnt. JenniferPs Reaktion

The parents, kid, etc. are fine and happy, they are using a method suggested by their pediatrician, and their parenting choices aren’t really up for general judgment and discussion.

Also die Argumente sind: mehrere Erwachsene schätzen dieses Vorgehen als in Ordnung ein und das Kind zeigt keine unmittelbaren Anzeichen emotionaler Schädigung (außer schreien/nicht schreien, schätze ich…), deswegen ist das Vorgehen in Ordnung. Darüberhinaus: eine Person, die gelernt hat, was das Beste™ für Kinder ist, sagt, dass es richtig ist.
Was nun aber, wenn die Kritik von Menschen kommt, die wissen, wie es ist am anderen Ende dieser coolen Methode zu sein? Dann ist das irrelevant, weil Erwachsene einfach Bescheid wissen und die Methode von einer Autorität abgesegnet wurde.
Mehr Gedanken dazu auf Zmrzlinu.

Der zweite Fall trug sich letztens zu. Es ging um eine Person, deren Partner sie(?) und ihre(?) Kinder absolut vernachlässigte durch exzessives Videospielen. In den Kommentaren wurde von MHM dann vorsichtig folgendes angemerkt. („LW“ steht für „Letter Writer“)

I find myself feeling protective of the LW’s children […] Should they continue to be exposed to this lifestyle? I think it’s worth a discussion with a professional. A consultation with a psychologist could help the LW figure out if and how the addiction is impacting her children.

Das ist eine völlig relevante Frage, die auch stark auf der Hand liegt, wenn man sich den Brief durchliest. Es wird beschrieben, wie der Vater die Kinder mit „Später.“ abspeist und warten lässt während er Stunde um Stunde weiter Computer spielt, wenn sie etwas von ihm wollen. Der Beschreibung nach ist er nicht einmal emotional verfügbar, wenn er sie wäscht, weil er nebenbei Spiele auf dem Handy spielt.
Aber auch diese harmlose Frage wird damit abgebügelt, dass man „parenting styles“ nicht kritisieren soll. Entschuldigung, welcher „Stil“? Emotionale Verwahrlosung?

Was hier geschieht, und da wären wir wieder bei Adultismus, ist, dass es als wichtiger erachtet wird, die Eltern vor Kritik zu schützen als den Kindern ein sicheres, respektvolles und geborgenes Heim zu bieten. Und diese Art von Parteilichkeit sehe ich einfach nicht ein. Denn wenn es in jemandes Hand und Verantwortung liegt, dass es den Kindern gut geht, dann sind es die Eltern.

Ich bin mir sicher, dass dieses Thema, vor allem für Eltern, starke Emotionen auslöst. Die Kommentare sind aber nicht offen für eine Diskussion, wie es Eltern in dieser Gesellschaft schwer gemacht wird (was zweifelsohne der Fall ist). In diesem Artikel geht es darum, wie Kinder und Jugendliche ignoriert und bevormundet werden, also möchte ich nur Parteilichkeit auf deren Seite lesen. Erwachsen sein ist einfach mal ein Privileg. Bitte nicht vergessen.
Wer eigene Erlebnisse aus der Kindheit/dem täglichen Leben erzählen möchte, die zu passen scheinen, ist dazu eingeladen.