A feminist’s guide to insults

Schlagwörter: white supremacy – Kyriarchie – Rassismus – Sexismus – Schimpfwörter – R*** Culture – Cis-Sexismus

Ich habe in den letzten Tagen drei verschiedene Diskussionen zur Benutzung von Schimpfwörtern und zur Bedrohlichkeit von Aussagen (besonders in Blogkommentaren) geführt. Dazu möchte ich noch einmal zwei Sachen zusammenfassen. Einige Punkte finden sich auch in meinen Artikel zum Thema Reclaiming. Aber das soll uns nicht aufhalten.

Es gibt verschiedene Gruppen von Schimpfwörtern. Die deutlichste Unterscheidung muss man entlang von Diskriminierung treffen. Ich kann jede*n „Arsch“ nennen, aber „Schl****“ hat eine ganz bestimmte Zielgruppe. Und das ist wichtig. Daraus ergibt sich nämlich, wer entscheiden kann, wie diese Worte zu verstehen sind und wie nicht. Ich kann mich als Mann* einfach mal nicht hinstellen und festlegen, wie sexistische Beleidigungen zu verstehen sind. Ich kann nicht behaupten „Sch****“ sei okay oder ein Kompliment oder anderen sexistischen Mist.
Ich kann als Cis-Sexuelle*r nicht bestimmen, ob „Tr****“ positiv besetzt ist oder werden kann. Ich kann nicht festlegen, dass „Transfrau/-mann“ ein diskriminierungsfreier Begriff ist.
Ich kann als Weiße*r nicht hingehen und mir eine Bullshit-Definition vom N-Wort aus dem Hintern ziehen (oh Gott, was ich schon alles gelesen hab m/ ) und darauf basierend behaupten, wir können gerne mal Eis und Süßigkeiten und sonstwas danach benennen.

Als Privilegierte*r erzählt man Marginalisierten¹ einfach mal nicht, wie sie Schimpfwörter zu verstehen haben, die genau deswegen an sie gerichtet wurden, weil man sie damit verletzen kann … und will. Und es gibt keinen „Kontext“, in dem Schimpfwörter „nett“ werden. Wörter, die zum verletzen gedacht sind, sind kein Kompliment. Sie reduzieren eine Person notwendigerweise auf einen Aspekt ihrer Identität und auf alle damit verbundenen Stereotype gleich mit.
Also sagt mir nicht, dass „du sexy Sch*****“ mir schmeicheln soll. Es reduziert mich immer noch auf meine (wahrgenommene) Weiblichkeit, überschreitet Grenzen und sagt mir, dass ich dem männlichen Blick zur Verfügung zu stehen habe. Fuck that.

Aus all dem leitet sich ab: wenn eine marginalisierte Person mir erklärt, dass ein Wort beleidigend ist, wird sie Recht haben. „Es würde keinen Sinn machen, mich damit zu beleidigen, aber ich habe das noch nie in einem negativen Kontext gehört.“ kommt einfach mal nicht gut.

Aus all dem leitet sich weiterhin ab: wenn dir eine gerechtere Gesellschaft am Herzen liegt, benutzt du keines der diskriminierenden Schimpfwörter. Kein. Einziges. Nicht einmal, wenn du in der gleichen marginalisierten Gruppe bist wie die Person, die du beleidigst. (Daher habe ich auch ein kleines Problem damit, per Slutwalk gleich mit als „Sch*****“ bezeichnet zu werden. Ich möchte das Wort nicht reclaimen.)
Sei dir bewusst, sollte dir doch ein diskriminierendes Wort rausrutschen: du unterstützt das System.

Und nun ein kleiner Richtungswechsel. Den Großteil der folgenden Erkenntnisse habe ich übrigens kiturak zu verdanken.

Zum Beschimpfen und Bedrohen, um ein Klima der Angst zu erzeugen, das verschiedene Gruppen unserer Gesellschaft klein halten soll, benötigt man keine Schimpfwörter. Es ist wichtig, das im Kopf zu behalten, weil man sonst in die gleiche Falle wie ich tappen kann: ‚Das war doch gar nicht so schlimm. Wenigstens wurde ich nicht *-istisch beleidigt.‘ Nein. Die Kyriarchie sticht mit tausend kleinen Nadeln und führt zu einer Wunde, die signifikant schwächt. Es ist ein Baustein, auf der Straße beschimpft zu werden. Ein weiterer ist es, wenn Bekannte dir unüberlegte Fragen stellen. Der nächste, wenn du auf Arbeit weniger bezahlt bekommst (oder gar keinen Job oder überhaupt eine Wohnung). Probleme mit Ämtern, Autoritätspersonen, die dich ungerecht behandeln, das Lustigmachen über deine Identität im Fernsehen, Menschen, die dir nicht glauben, … Deswegen sprechen wir nicht mehr nur von Rassismus, sondern white supremacy. Deswegen spricht man von struktureller Unterdrückung.
Und genau so, wie viele Männer* nicht sehen, was es mit dem Begriff „creepy“ auf sich hat, mit dem Frauen* „um sich werfen, obwohl es doch gar kein Problem gibt„, verwehren wir uns mitunter selbst und gegenseitig, die Gewalt hinter einem verbalen Angriff zu sehen.
Was zählt ist nicht, ob Die Fünf Magischen Schlagwörter in einer bedrohlichen Nachricht stehen, sondern wie die angesprochene Person sich fühlt. Denn genau dieses Gefühl und Level der Bedrohung war das Ziel. Und das Gefühl der Bedrohung entsteht, weil all die versteckten Wege, die unsere Gesellschaft nutzt Marginalisierte zu treffen, durch solche Beleidigungen aktiviert werden. Du bist anders, mach dich klein.
Aber weil diese Art von Drohungen unsichtbar ist und so unglaublich leicht unter den Teppich gekehrt werden kann, tun wir nichts. Stattdessen spielen wir insult olympics², denn „ich habe schon viel schlimmere Drohungen bekommen“.
Leute, das ist r*** culture … White supremacy … Kyriarchie. Das ist Betroffene alleine lassen.

1 Wörtlich: „an den Rand gedrängt“, von Diskriminierung betroffen
2 Angelehnt an „opression olympics“, wo man fruchtlos versucht zu ermitteln, wer „unterdrückter“ ist. Sollte allgemein vermieden werden.

Crossposted auf takeover.beta

Advertisements

Trollen, Mobbing, Stalking – feministisches Bloggen im Jahre 2012

Schlagwörter: Feminismus – Beschimpfung – Mobbing – Drohen – Stalking – unsere Gesellschaft – was tun

Inhalt: Es werden keine Drohungen zitiert oder bedrohende Szenarien nacherzählt. Ich erwähne jedoch Morddrohungen. Diesmal können alle Links triggernd sein. In krasseren Fällen füge ich eine Inhaltswarnung hinzu.

Fast alle werden die Schmutzkampagne gegen Anita Sarkeesian mitbekommen haben, in deren Folge sie viel mehr Geld für ihr Projekt sammelte, als sie geplant hatte. Das Projekt befasst sich mit der Analyse von Frauen*rollen in Videospielen. Wenn ihr danach googelt, seid gewarnt, es wurden wirklich alle Register gezogen, um sie zum Schweigen zu bringen. Meine Einstellung dazu lässt sich wie folgt gut ausdrücken: Anita Sarkeesian leaning on a pile of hundreds of video games, caption: thanks for the free shit
[Bildbeschreibung: Anita Sarkeesian lehnt lächelnd auf einem Stapel hunderter Videospiele. Die Bildunterschrift lautet „Thanks for the free shit“. Quelle]

Bereits zuvor hatten US-amerikanische feministische Bloggerinnen* wie Sady Doyle wiederholt darüber berichtet, wie sie angefeindet und bedroht werden.
In letzter Zeit beschäftigten sich zunehmend auch deutsche Bloggerinnen* damit.
Bereits 2010 berichtete Stephanie Mayfield von ihrer ersten Morddrohung und Nele Tabler von ihrer Anzeige aus gleichem Grund und der völligen Ignoranz von Polizei und Justiz.
Charlott antwortete auf Afrikawissenschaften einem, „der nicht locker lässt“ und dieTilde warf in einer interessanten Analyse die Frage auf, auf die ich später zurückkommen werde: wie reagieren. Das alles habe ich von Weitem verfolgt, fand es furchtbar, hatte keine Ahnung, was man da machen soll. Verschiedene Ratschläge geisterten mir durch den Kopf, die ich – teils zum Glück – unterdrückte, andere waren hoffentlich sinnvoll. Durch zwei Erlebnisse, eins offline, eins online, rückte die Frage für mich näher, auf welche Form von Bedrohung man wie reagieren kann, was hilft, was befriedigend ist. (Zum Offline-Teil finden sich bereits einige gute Ratschläge im Street Harassment-Open Thread).
Wie möglicherweise an dieser Stelle schon klar, möchte ich nicht die Gründe ins Zentrum rücken, warum Leute scheiße sind, sondern wie man damit am besten umgehen kann. Die meisten Gedanken werden keine ausgereiften sein, sondern eine Mischung aus Erfahrung, Lektüre, Überlegung und … ‚rumfabulieren.

Eine wichtige Frage, die unter anderem von derTilde in dem Zusammenhang aufgeworfen wurde, war, ob es nicht geradezu schädlich ist, an dem Begriff „Troll“ festzuhalten. Inzwischen hat er viele verschiedene Bedeutungen angenommen.
Trollen ist nach meinem Verständnis eine Aktivität, bei der die „getrollte“ Person so lange gereizt wird, vor allem mit unsinnigen oder beleidigenden Aussagen, bis sie die Geduld verliert.
Jedoch schon bei der Benutzung von Beleidigungen sollte man einen Schritt zurücktreten; Die „trollende“ Person beschimpft eine andere, mitunter mit diskriminierenden Inhalten. Dies als „Trollen“ zu bezeichnen, verharmlost den Vorgang und vor allem die Tat und öffnet einen Weg zur folgenden Argumentation: „Verstehst du keinen Spaß? / Das ist doch nicht ernst gemeint.“ Die ist für mich ohnehin ein No-Go, aber eben sehr beliebt. Gepaart mit der gut bekannten Forderung

Don’t feed the trolls.

also „fütter‘ die Trolle nicht.“ ist Victim Blaming Tür und Tor geöffnet.
Ich treffe deswegen folgende Unterscheidung: wenn eine Person mit unsinnigen, aber nicht die Autorin* beleidigenden Aussagen stört, nenne ich das trollen. Wenn hingegen Beleidigungen oder gar Drohungen ins Spiel kommen, nennen ich das beim Namen: beschimpfen, drohen oder – je nach Art und Häufigkeit, Mobbing oder auch Stalking.
Unter „Mobbing“ verstehe ich dabei grob Rufschädigung und Beschimpfung zum Zweck der Einschüchterung einer Person, „Stalking“ als kontinuierliches Verfolgen einer Person – sei es mit wiederholter unerwünschter Kontaktaufnahme durch Mails, Anrufe, auf verschiedenen Netzwerken oder über Freund*innen – ohne Aufforderungen den Kontakt zu unterlassen Folge zu leisten.

Was tun?

Die Frage, was zu tun ist, stellt man sich in vielen Fällen. Oft aus einem Gefühl der Wehrlosigkeit, aber auch Wut heraus. Um die Kontrolle zurückzuerobern.
Meinem Verständnis nach hilft es emotional am meisten, wenn man die Möglichkeit hat auf Grenzüberschreitungen unmittelbar zu reagieren und sieht, wie es Wirkung zeigt. Man setzt eine Grenze, man drückt Wut aus, die Grenze wird beachtet. Allerdings ist das nicht nur ein idealisiertes Szenario, das Überwindung kostet, im Internet wird es teils schwieriger bis unmöglich, die Grenzen überhaupt zu kommunizieren, zum Beispiel ohne Kontaktinformationen.
Auch hat man weder online noch offline Einfluss auf das Verhalten der anderen Person. Die oben genannten Formen der Belästigung haben es zu eigen, dass es nicht zwangsläufig ausreicht, den Täter*innen mitzuteilen, dass sie aufhören sollen.

Ich werde einen Teil der Szenarios einzeln abarbeiten, da die Belästigungen in ihrer Art verschieden sind. Grenzen zwischen ihnen können dabei verschwimmen und ein guter Teil der Reaktionen kann nicht verallgemeinert werden. Also gibt es keine „richtige“ Reaktion. Das beste Vorgehen hängt von der Form der Belästigung, dem Verhältnis der Personen zueinander, Inhalt und „Stärke“ – also Häufigkeit von Vorfällen – und nicht zuletzt von der betroffenen Person ab. Aber beginnen wir.

Trollen

Wie gesagt verstehe ich hierunter keine Drohungen, Beschimpfungen oder ähnliches. Es geht lediglich um Kommentare, die aus der Reserve locken sollen. Auf meinem Blog fasse ich, wie man dem Trolltisch entnehmen kann, auch Aussagen darunter zusammen, die ich nicht zum x-ten Mal widerlegen will oder die so unlogisch sind, dass sie schon lächerlich sind.
Um die Verwirrung gering zu halten, definiere ich es an dieser Stelle als absichtliches Provozieren oder langanhaltendes Diskutieren, ohne dass die Argumente der Gegenseite in irgendeiner Form beachtet werden.
Kommen wir zur action. Trollen? Blocken. In diesem Falle schlage ich wirklich ignorieren vor, gepaart mit einer eisernen Hand der Moderation (vor allem weil es der Diskussion zuträglich ist, konsequent zu löschen).
Nun schon die erste Ausnahme: Wenn ignorieren und löschen einen schalen Beigeschmack hinterlässt, ist es natürlich nicht die richtige Lösung. Accalmie nimmt zum Beispiel auf Stop! Talking. gerne mal einen Kommentar auseinander, der sonst das Licht der Welt nicht erblickt hätte. Die Kommentare arten nicht aus, Mitlesende können etwas lernen, accalmie kann Dampf ablassen. Also win win.

Beleidigende Inhalte

Anders sieht das schon aus, wenn in Kommentaren oder E-Mails Beleidigungen ausgesprochen werden. Es gibt keinen Grund, dies geheim zu halten, besonders weil das keinen vorteilhaften psychischen Effekt hat. Unsere Gesellschaft ist nicht gut darin Betroffenen zu vermitteln, dass sie nie „Schuld“ sind. Also wird Schuld automatisch angenommen, Menschen ist es peinlich, angegriffen worden zu sein und sie schweigen darüber. Das Schweigen selbst verstärkt dann wieder den Eindruck, man hätte etwas falsch gemacht.
Aber selbst wenn man ein kontroverses Thema bearbeitet, selbst wenn man Menschen verletzt hat, ist das keine Entschuldigung für Beschimpfungen. Menschen, die sich angegriffen und verletzt fühlen, können natürlich darauf aufmerksam machen, sie können sogar wütend sein und das auch zeigen. Aber wütend ist ungleich beschimpfen. Beschimpfen hat nur zum Ziel, die andere Person einzuschüchtern, zum schweigen zu bringen. Wenn mich jemand beschimpft, kann ich daraus keine verständliche Kritik an meinem Text ablesen, noch was ich besser machen sollte und wenn man mich beschimpft, habe ich definitiv auch nicht die Pflicht. Dies ist keine Form der Kritik, dies ist ein Versuch, Menschen zum Schweigen zu bringen. HarrietJ schrieb dazu einleuchtend (Übersetzung auf Anfrage)

There is something about my refusal to feel bad and back away that is frightening. Not to everybody – there’s a whole world that could care less – but the people who make an investment in silencing me have done so because they have made a cost-benefit analysis. Whatever it takes out of them to silence me is going to be less than what I will take from them if I don’t shut up.

Das ist sicherlich eine ermutigende Aussage: ich kann ihnen sehr wohl nahetreten, wenn ich weitermache. Und irgendwie möchte ich ihnen nahetreten, denn ich brauche das Gefühl mich wehren zu können.
Das ist es aber nicht, was mir unmittelbar geholfen hat, nachdem ich letztens einen wirklich hasserfüllten Kommentar erhielt. Wenn man angebrüllt wird, fällt es schwer das loszulassen und es „nicht auf sich zu beziehen“. Also habe ich einen anderen Blickwinkel ausprobiert: eine Freundin* hat diesen Kommentar erhalten, was bedeutet das? Dies ist eine gute Möglichkeit, sich all die gemeinen Fragen zu stellen. Z.B. „Meine ‚Freundin*‘ wurde in einem Kommentar beschimpft. Was hat sie getan, um das auszulösen?“ Die Antwort: nichts, was sie „schuldig“ macht. Sie hat über ein Thema geschrieben, das einem der Kommentatoren nahe ging. Statt sich damit oder mit ihr auseinanderzusetzen, hat er sich entschieden, die „Quelle“ seines Unwohlseins anzugreifen, in der Hoffnung, dass sie verstummt. Frage: „Hat seine Wut überhaupt etwas mit meiner Freundin* zu tun?“ Antwort: Nein. Sie war zufälligerweise die Person, die sein Wut-Management-Problem ans Tageslicht gebracht hat. Das sagt nichts über sie aus. Usw.

Eine praktische Sache allerdings noch: ein Screenshot schadet nie. Selbst wenn ihr die Scheiße nie wiedersehen wollt und euch nichts ferner Liegendes vorstellen könnt, als euch an die Polizei zu wenden (was bei einigen nahezu unmöglich sein wird), macht einen Screenshot, speichert es irgendwo ab. Im Falle von Mails in einem Ordner, wo der ganze Mist hinkommt, um nicht mehr angeschaut zu werden. Falls es doch eskalieren sollte, ist eine Sammlung von Dokumenten immer hilfreich. [Warnung für folgenden Link: Morddrohung, Verharmlosung von (sexualisierter) Gewalt, Victim Blaming] Zumindest in einer Welt, wo Morddrohungen keine „geschmacklose Prosa“ sind.

Stalking

Stalking ist eine Sache, wo ignorieren doch wieder geraten wird (von wem habe ich unten verlinkt). Unter Stalken versteht man meist die Fixierung auf eine Person, die durch Kontakt immer wieder befeuert wird. Wenn man nach wochenlangen nervigen Telefonanrufen plötzlich doch antwortet, wenn auch nur um zu schreien: „Lass mich in Ruhe“, ist das für den*die Stalker*in nur ein Signal, wie lange sie nerven müssen, um eine Reaktion zu erzielen.
Aber es ist eine sehr sehr stressige Situation für die Betroffenen. Wenn man nicht einfach tatenlos zusehen kann, verstehe ich das. Was gibt es Einschränkenderes als „Ich soll nicht auf konstante Belästigung reagieren.“ – daraus kann man schwerlich ein Gefühl der Kontrolle über die Situation ableiten.
Daher ist zu empfehlen: alle technischen Möglichkeiten ausnutzen – Mails filtern, Anrufe dieser Nummer sperren oder umleiten, auf allen sozialen Netzwerken und in Chats blocken; gemeinsamen Bekannten, falls vorhanden, einbläuen, dass sie keine Informationen weitergeben sollen – weder in die eine noch die andere Richtung („XY hat nach dir gefragt.“ oder XY „hilfreich“ erzählen, dass sie dich in Ruhe lassen sollen, weil du eine neue monogame Beziehung hast z.B.)
Wenn man der Person auch auf der Straße begegnen kann, wird es noch schwieriger. Da es hier um Online-Probleme geht, verweise ich zur weiteren Lektüre auf die folgenden Artikel. Bei allen ist Vorsicht walten zu lassen, weil sie Beschreibung von emotionalem oder körperlichen Missbrauch enthalten können. Drei Stories von Betroffenen, gefolgt von Unmengen an Tips, Was tun gegen Online-Stalker*innen und Eine Ex-Partnerin*, die die neue Freundin* belästigt.

Das Filtern von E-Mails (das heißt am besten als gelesen markieren lassen und z.B. in einem Ordner abspeichern, den man sich nicht ansieht) kann nebenbei sehr unbefriedigend sein oder sogar stressig – etwa wenn man die Person kennt und sie suizidal ist oder man sich nicht sicher ist, ob „wichtige“ Drohungen kommen. In dem Falle empfiehlt es sich, die Mails an eine Vertrauensperson weiterleiten zu lassen, die regelmäßig überprüft, ob es relevante Inhalte gibt, aber nichts von den Inhalten weitererzählt.

Schlusswort

Das sind höchst persönliche Vorschläge, die keinen bindenden Charakter haben oder die nicht auszuführen bedeutet, dass man falsch vorgeht. Unabhängig von dem Geschriebenen gilt für mich: Betroffene entscheiden, was gemacht wird und das wird nicht kritisiert, sondern unterstützt. Wenn ignorieren euch hilft, ignoriert, wenn ihr selbst mal zurückschreien (=CAPSLOCKEN) wollt, macht das.
Was für mich klar ist, ist dies: Mobbing und Beleidigungen einfach hinnehmen zu sollen ist Bullshit.

  • Es wälzt die Verantwortung von den Täter*innen und der Gesellschaft, die ihnen den Rücken deckt, auf die Betroffenen ab.
  • Es entbindet Zuschauer*innen und Autoritätspersonen von der Pflicht zu helfen.
  • Es motiviert Täter*innen am wahrscheinlichsten noch dazu so lange mit dem metaphorischen Stock zu pieksen, bis di:er Betroffene eben doch ausrastet.
  • Es zieht furchtbare psychische Auswirkungen für Betroffene nach sich, weil es ein Gefühl der Machtlosigkeit vermittelt.

So viel von mir. Könnt ihr euch im oben genannten Vorgehen wiederfinden? Habe ich einige Sachen völlig falsch wiedergegeben oder nicht richtig verstanden? Wollt ihr von Erfahrungen berichten? Alles willkommen in den Kommentaren.