Nabelschau

Schlagwörter: check your privilege – Blogstuff

Einige Menschen haben mir beim Denken geholfen und in einiges wollte ich selbst etwas Ordnung bringen, also ein paar Worte zu meinen Artikeln, was ich erkläre, wie mein Blog aufgebaut ist und wie ich verlinke.

Stephanie wies mich daraufhin, dass in meinen Artikeln immer ziemlich wenig Links zu anderen Quellen stehen. Im konkreten Artikel, um den es ging, hatte das seine Gründe, aber dennoch habe ich nicht so viel verlinkt, wie ich könnte. Dies ergibt sich teils durch meine Art an Artikel heranzugehen: meist ging ihnen eine jahrelange Lektüre von vielen verschiedenen Artikeln – vor allem aus der US-amerikanischen feministischen Bloggosphäre – voraus, an deren Ende ich mir irgendwann auch eine eigene Meinung gebildet hatte (und meist nicht mehr weiß, mit Hilfe welcher Artikel). Dann braucht es für mich aber immer noch einen Anstoß, den Artikel zu schreiben. Das ist selten ein Ereignis aus dem politischen Tagesgeschehen, häufiger aus meinem persönlichen Umfeld, das mich dazu motiviert, den Artikel genau jetzt zu schreiben. Nichtsdestotrotz bekomme ich auch Anstöße von Menschen „vor Ort“, wie zum Beispiel sanczny die Idee für „Deine Beobachtungsgabe beleidigt mich“ lieferte.
Noch ein Argument für eine stärkere Verlinkung, auch wenn es „nur“ um Inspiration für Artikel geht, lieferte kiturak: kleinere Blogs verdienen die Unterstützung in Form von Links, weil sie meist Themen behandeln, die in der Öffentlichkeit keine weite Beachtung finden, aber selbst große Blogs der US-amerikanischen feministischen Bloggosphäre zu verlinken ist sinnvoll, weil sie zwar verhältnismäßig viele Leser*innen haben, aber eben kein Mainstream sind, also bei Weitem nicht so viel Beachtung finden wie die gängigen Tages- oder Wochenzeitungen oder auch einige politische Blogs (die Feminismus, Rassismus etc. keine besondere Beachtung schenken).
Die Magistraarbeit einer gewissen Person, die ich gerade lese, liefert ein weiteres Argument: der Algorithmus von Google, nach dem die Wichtigkeit von Seiten bestimmt wird und demnach, an welchem Platz der Suchergebnisliste sie sich befinden – dieser Algorithmus richtet sich unter anderem danach, wie oft ein Blog verlinkt wurde und von wem. (Verlinkung von „wichtigen“ Seiten -> höhere Bewertung durch Google) So können sich also auch kleinere Blogs gegenseitig auf die Sprünge helfen, indem sie sich gegenseitig verlinken.
Aus diesen Gründen werde ich mich bemühen, in Zukunft besser aufzudröseln, welche Auslöser es für meine Artikel gab, mit Hilfe welcher Artikel ich mir eigentlich meine Meinung gebildet habe und ob ich zum Thema noch interessante weiterführende Lektüre kenne.

Zu den Links gehören aber auch die internen auf meinen Glossar. Der Glossar selbst ist ’ne schwierige Sache, weil ich entweder Definitionen stehen lasse, die ich selbst produziert habe, wahrscheinlich aber nicht so genau sind, wie sie sein könnten (und vor allem meist nicht aus der Betroffenenperspektive!) oder auf externe Inhalte verlinke, die zu googlen ich auffordern könnte.
Ich werde vorerst nicht mehr auf Erklärungen aus dem Glossar linken, außer wenn es um meine selbst erfundenen Wörter geht und vielleicht noch den „Stern“ -> * (weil ich ihn teils nicht in „üblicher“ Form verwende). Dies sollte es auch erleichtern, inhaltliche von erklärenden Links zu unterscheiden.
Für das Glossar selber stelle ich mir hiermit die Aufgabe, mit der Zeit gute Definitionen zu sammeln, die von Betroffenen verfasst wurden, einen Teil zu zitieren und sie zu verlinken. Vielleicht werde ich mich auch entscheiden, aus Prinzip einige Worte nicht zu erklären, weil sie gut zu ergooglen sind oder ich ein alternatives Wort nutzen kann.

Dies bringt mich zu meinem dritten Punkt: Fremdwörter. Paula brachte mich auf die Idee noch einmal meine Nutzung von Fremdwörtern zu überdenken. Generell kann ich erklärend sagen: Fußnoten, die als hochgestellte Zahlen gekennzeichnet sind, dienen meist der Erklärung eines Wortes, das ich verwendet habe, wobei es sich aber nicht um speziell anti-diskriminatorische Begriffe handelt, sondern „normale“ deutsche Fremdwörter.
Bis jetzt habe ich es so gehalten, dass ich die Wörter benutzt habe, wie sie mir in den Sinn kommen, sie aber als Fußnote erklärt habe, wenn es sich um Fremdwörter handelte. Grund ist, dass ich Fremdwörter mag, sie mir zuerst einfallen und ich, ehrlich gesagt, sehr oft nachschlagen muss, wie man sie „auf Deutsch“ sagt, weil ich das Konkrete, was ich damit ausdrücken will, schwer anders formulieren kann. Nun sollen meine Texte aber zugänglich sein und da stellt sich die Frage, inwiefern das Unterbrechen des Leseflusses durch die Nutzung von Fremdwörtern zielführend ist. (Nicht zu reden davon, dass mir gerade auffällt, dass ich Bäumchens Weisheit kurze Sätze zu bilden, auch etwas in den Mittelpunkt rücken könnte.)
Iiich habe keine gute Lösung, größtenteils, weil ich an meinen Fremdwörtern hänge. Ich werde jedoch versuchen, ihre statistische Häufigkeit etwas zu senken, indem ich mich bei jedem Wort mal selbst frage, ob mir gerade nichts einfällt, wie ich das anders ausdrücken könnte.

Wo wir gerade dabei sind: ist euch noch etwas aufgefallen, dass ihr bei meinen Artikeln/Blogaufbau nur schwer nachvollziehen könnt?

Glossar

Eine Sammlung kurzer Erklärungen von Begriffen, die ich häufiger auf diesem Blog verwende. Ich gebe mir bei der Definition Mühe, was leider nicht heißt, dass sie nicht mal schiefgehen werden.

* – Eine Kennzeichnung an Wörtern, mit denen Personen exakt zwei Geschlechtern zugeordnet werden („weiblich“ und „männlich“, „Frau“ und „Mann“), die in meinem Falle bedeutet: ich bin mir dessen bewusst, dass es sich hier um eine gesellschaftliche Konstruktion handelt, möchte den Menschen zugestehen, dass sie sich anders identifizieren (können) und werde die entsprechenden Bezeichnungen für konkrete Personen sofort anpassen, wenn mir zugetragen wird, dass ich sie falsch bezeichnet habe.
Oft heißt dieses Zeichen bei mir auch: „allgemein als xyz wahrgenommene Person“ – also wie Unbekannte das Geschlecht dieser Person „lesen“ würden, wenn sie an die ausschließliche Zweigeschlechtlichkeit glauben.

Ableismus – Diskriminierung aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung oder psychischer und/oder körperlicher (chronischer) Krankheit.

Cis-Sexismus (Transphobie¹) – Diskriminierung aufgrund von Transsexualität

Cis-Sexualität – Die Zuordnung von Gender und sexuellem Geschlecht (Sex), die die Außenwelt für eine Person trifft, wird von dieser als selbstverständlich wahrgenommen und nicht in Frage gestellt.

Gender – Das von einer Person empfundene eigene Geschlecht, das nicht mit den (äußeren und/oder inneren) Sexualorganen oder restlichen Sexualmerkmalen übereinstimmen muss.

Heterosexismus (Homophobie¹) – Diskriminierung aufgrund von Homosexualität

Intersektionalität – Das Konzept der Mehrfachdiskriminierung; Eine Person ist selten nur von einer Ebene der Diskriminierung betroffen, sondern kann von mehreren betroffen sein (schwarz und lesbisch z.B.). Mehr noch: man kann in verschiedener Hinsicht diskriminiert sein und gleichzeitig auf anderen ebenen privilegisiert (etwa weiß und behindert). Letztere Situation trifft übrigens auf die meisten Menschen zu.

Klassismus – Diskriminierung aufgrund der Klassenzugehörigkeit. (Ich möchte erwähnen, dass ich dem Konzept von Klassen an sich gegenüber negativ eingestellt bin, kann aber nicht verneinen, dass unsere Gesellschaft immer noch gerne auf der „Unterschicht“ herumhackt und der „Oberschicht“ die Schuhe leckt.)

Monosexismus (Biphobie¹) – Diskriminierung aufgrund von Bi- oder Pansexualität

Pansexualität – Sexuelle Orientierung, die kein bestimmtes Geschlecht präferiert. (Je nach Defintion das gleiche wie Bisexualität, falls nicht nur Cis-Sexuelle und nicht-genderqueere Geschlechtspartner*innen in Frage kommen.)

Passing-Privileg bzw. das Privileg „durchzugehen als …“ – Hierbei handelt es sich um ein Privileg, dass sich zwischen Privilegisierung schlechthin und Diskriminierung ansiedeln lässt. Menschen haben es inne, wenn die Eigenschaften, die sie Diskriminisierung aussetzen, zeitweise nicht sichtbar sind.
Nicht-Heterosexuelle können etwa von diesem Privileg profitieren, so lange sie nicht mit dem Anschein nach gleichgeschlechtlichen Partnern unterwegs sind. Wichtig ist hier jedoch zu verstehen, dass Menschen, die vom Passing-Privileg betroffen sind, automatisch auch von Diskriminierung betroffen sind. Das Privileg besteht nur in Relation zu anderen Ebenen der Diskriminierung, da sie von „ihrer“ Diskriminierung unter bestimmten Umständen eine Pause bekommen – wie es für Menschen of Color z.B. meist nicht möglich ist.

People of Color, oft abgekürzt POC, bei mir auch „Menschen of Color“ – Selbstbezeichnung von Nicht-Weißen. (Wir können uns hoffentlich darauf einigen, dass schon der Begriff „Nicht-Weiße“ schrecklich eurozentrisch und generell problematisch ist.)

Privileg – Strukturelle Bevorteilung einer Person aufgrund von Merkmalen, die (meist!) nicht erworben werden können, wie etwa Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Cis-Sexualität, Klassenzugehörigkeit, Einwandererstatus, körperliche und geistige Verfassung etc.
Siehe auch hier.

Sexismus – Auf diesem Blog: Diskriminierung aufgrund des wahrgenommenen weiblichen(!) Geschlechts.
Kurzer Ausflug: Jeder kann geschlechterbasierte Stereotype und Vorurteile hegen und aufgrund dessen Diskriminierung ausüben. Mit anderen Worten: man kann Männer* aufgrund ihres Geschlechts diskriminieren. Jedoch kommt bei der Diskriminierung von Frauen* eine Jahrhunderte währende Geschichte der Unterdrückung hinzu, die nicht nur in Hexenverbrennungen und [Triggerwarnung] Vergewaltigung in der Ehe mündete (da Frauen* als Besitztum angesehen wurden) sondern sich z.B. auch bei verwehrtem Wahlrecht und Einweisung in die Psychiatrie wegen „Hysterie aufgrund einer wandernden Gebärmutter“ zeigten (mit anderen Worten: eine Meinung haben, denn dieses Krankheitsbild gab es nicht für Männer*).
Sexismus ist also Diskriminierung aufgrund des Geschlechts mit einer zusätzlichen gesellschaftlichen Machtposition der Person, die diskriminiert gegenüber der Person, die diskriminiert wird. Eine ausführlichere Erklärung hier.
Diskriminierung aufgrund des Geschlechts von Frauen* gegenüber Frauen* nennt sich internalisierter² Sexismus.

Slut Shamingklick

Victim Blaming – Das Verhalten, Opfern von Diskriminierung und/oder Verbrechen direkt oder indirekt (Mit-) Schuld an selbigem Ereignis zuzuweisen. Siehe auch.

Pronomen

sie_er hän
ihr_ihm sim
sie_ihn sin
   
sein_ihr sir
seinem_ihrem sirem
seinen_ihren siren
   
dessen_deren desren
der_die ki (Relativpronomen)
   
jede_r jese
jedem_jeder jesem
jeden_jeder jesen

1 „Phobie“-Begriffe verwende ich in diesem Zusammenhang nicht, da sie ableistisch sind.
2 verinnerlichter

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Letzte Änderung am 17.03.2012, 01:45