Die 8 Sünden der Kommentarmoderation

Überkommen von dem Wunsch zu bloggen und dem absoluten inneren Widerstand ein komplexes Thema zu wählen, werde ich euch heute eine Liste von 8 Kommentar-Moderations-Sünden vorstellen. Ich beziehe mich hauptsächlich auf die Kommentarspalten in Blogs, die Punkte lassen sich aber auch auf Online-Zeitungen, Videoportale und Facebook-Diskussionen übertragen.
Wie immer gibt es einige „Abers“ und Verallgemeinerungen zum und im Text, die auch gerne in meinen Kommentaren angesprochen werden können.

1. Keine Kommentarmoderation
Ich nenne nur ein Wort: Youtube.
Unmoderierte Kommentarthreads¹ versammeln all das Böse, auf das ich noch zu sprechen kommen werde, in Einem. Sie zu lesen, macht keine Freude und die einzigen regelmäßigen Besucher*innen sind Menschen, die sich gerne an Schlammschlachten beteiligen.

2. Keine Entfernung von Spam-Kommentaren
Ein sonst moderierter Thread kann unattraktiv werden, indem sich gen Ende immer mehr zusammenhanglose Kommentare ansammeln, die manchmal erst mit einigem Nachdenken als Spam-Kommentare erkennbar sind. Wenn diese nicht entfernt werden, übersieht man gute Kommentare und Kommentarthreads zu alten Artikeln werden zunehmend unlesbar.

3. Zulassen von Derailing
„Derailing“ bedeutet vom Thema abzukommen oder abzulenken. Dies kann für ein, zwei Kommentare in Ordnung gehen. Bei Artikeln mit vielen Kommentaren entsteht jedoch schnell eine unpassende Menge von zusammenhanglosen Kommentaren, die nichts zur Diskussion beiträgt. Auch dies kann Leser*innen davon abhalten nach den relevanten Kommentaren zu suchen und sich selbst an der (eigentlichen) Diskussion zu beteiligen.

4. „Ich mische mich da nicht ein“
Wenn einige wenige Nutzer*innen in eine hitzige Diskussion geraten, die zum Thema nichts beiträgt oder gar beleidigend wird, ist es oft notwendig einzuschreiten. Andernfalls kommt es zu Derailing (siehe Punkt 3) und möglicherweise auch dem Weggang von wertvollen Nutzer*innen.

5. Niemals den Bannhammer aufheben
Zusammenhängend mit Punkt 4 kann es notwendig werden, eine Person für einige Zeit oder dauerhaft vom Blog zu verbannen. Wer nicht positiv zu den Diskussionen beiträgt, beleidigend oder gar drohend wird, hat auf einem Blog nichts verloren. Wenn man störenden Nutzer*innen niemals Einhalt gebietet, kann man schnell gute Leute verlieren und mit den aufdringlichsten Nutzer*innen zurückbleiben.
(Dies ist sehr allgemein formuliert. Z.B. würde ich niemanden automatisch bannen, di:er beleidigend wird, nachdem si:er oder eine marginalisierte Gruppe zuerst beleidigt wurde.)

6. Unter „Jede*r hat ein Recht auf sire Meinung“ leiden
Leute können meinen, was sie wollen, aber sie sollten nicht alles sagen dürfen. Ein Kommentarthread, in den keinerlei ethische Überlegungen oder Prinzipien seitens der Moderation einfließen, ist für mich nicht lesenswert. Es ist Sache der Betreiber*innen, dass eben nicht gilt „anything goes“ (alles ist erlaubt).

7. Kommentarspalten um den Willen der Kommentare betreiben
Dieses Phänomen lässt sich besonders gut auf den Seiten von Online-Tageszeitungen beobachten. Die Kommentare werden oft weder zur Meinungsbildung, noch als Erweiterung des Artikels genutzt, sondern als reine Klickgenerierung. In dem Sinne verstoßen sie oft gegen u.a. Punkt 6, denn was generiert mehr Kommentare und damit Klicks als „Kontroverse“? Je furchtbarere Meinungen sich finden, desto besser – Hauptsache, es sind noch Nutzer*innen von der Gegenseite da, die sich dann (in vielen weiteren Kommentaren) an die Aufgabe machen zu widersprechen.²

8. Keine Kommentare ohne Authentifizierung zulassen
Das Schlimmste, was Webseiten diesbezüglich ersonnen haben, ist die Klarnamenpflicht. Mit solch einer Pflicht wird garantiert, dass hauptsächlich Nutzer*innen kommentieren, die problemlos mit ihrem Klarnamen im Internet auftreten können. Solch eine Gruppe lässt keine ausgewogenen Diskussionen zu.
Außerdem stellt die Klarnamenpflicht/Registrierung eine zeitliche bzw. Aufwandshürde da, die neue Nutzer*innen selten überwinden möchten. Auch dadurch kommentieren neue Leser*innen weniger.

1 Der Ausdruck „Thread“ stammt ursprünglich von Onlineforen, auf denen einzelne Themen als „Threads“ gegliedert werden. Beim „Kommentarthread“ handelt es sich üblicherweise um die Kommentarspalte eines einzelnen Artikels.

2 Deswegen hasse ich auch Onlineabstimmungen zu menschenrechtlichen Themen. Darüber abzustimmen, ob bestimmte Gruppen Rechte haben sollten, ist an sich menschenrechtsverletzend. Nur muss ich bei solchen Umfragen eine Abwägung treffen, ob ich scheiß Zeitungen noch mehr Popularität gebe oder rechte Abstimmungsergebnisse so stehen lasse.

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