Der Haushalt und die Rolle von Routinen (Teil 2)

Schlagwörter: Haushalt – Lebenstips – Organisation – Routine

In meinem ersten Artikel zum Thema sprach ich davon, wie man einiges erreichen kann, wenn man für nur kurze Zeit ab und zu etwas saubermacht. Ziel ist es u.a. trotz des Gedankens „Aber es ist so viel zu tun.“ anzufangen, indem man sich nicht dazu verpflichtet Alles(tm) aufzuräumen, sondern nur eine abgesteckte, begrenzte Zeit zu arbeiten.

Natürlich reichen diese Strategien noch nicht aus für eine verlässlich saubere Wohnung. Manchmal türmen sich die Rechnungsberge, bis in die kleinste Ecke geschrubbt wurde seit Einzug nicht mehr (rede ich hier über mich? Wer weiß) und vor allem gibt es diese verflixten Bereiche, die einfach nicht sauber bleiben möchte, die da wären: Kleidung, Abwasch, Boden, Oberflächen, Abfall. Die Fenster und anderes kann man sicher auch noch hinzufügen, aber ich verrate euch jetzt, wie oft ich in 2 1/2 Jahren meine Fenster geputzt hab: 1 mal, so…

Manche Aufgaben erhalten also schon dadurch Priorität, dass es zu einem heillosen Durcheinander führt, wenn sie nicht regelmäßig ausgeführt werden.

Meine Strategie

1. Mache einen Plan
1.1 Was ist das Ziel
1.2 Wie komme ich da mit möglichst wenig (!) Handschlägen hin
1.3 Wann möchte ich das machen
2. Führe den Plan aus, so lange bis er automatisch ist und fließend in den Alltag übergeht
2.1 Prüfe auf Verbesserungsmöglichkeiten/Gründe, warum der Plan immer fehlschlägt
3. Führe den verbesserten Plan bis in alle Ewigkeit aus und sei glücklich wie gut er funktioniert
4. Wende dich einem anderen Problemgebiet zu und beginne mit 1.

Die Ausführung

Es folgt ein Beispiel, damit die Schritte nachvollziehbarer werden. Ich wähle das Beispiel Abwasch, weil ich keine Wahl habe als ihn von Hand zu erledigen und er für viele Leute ein regelmäßiges Problem darstellt.

1. The ~Abwaaaaasch~
1.1 Ziel: Ich möchte in regelmäßigen Abständen mein Geschirr säubern, so dass ich keine stressigen all the Abwasch-Situationen alle 3 bis 5 Tage habe, die ich aufschiebe, weil sie unglaublich anstrengend sind. (Sekundärziele: Ich will tatsächlich Platz in der Küche zum Arbeiten haben und keine Lebewesen an, in oder auf meinem unsauberen Geschirr.)
1.2 Ablauf: Ausgehend davon, dass das Geschirr bereit steht. Wasser einlassen, alles abwaschen, zum Trocknen in Abtropfdingsie stellen. Wenn das Geschirr trocken ist (also später, vllt. erst am nächsten Tag) im Vorbeigehen immer ein bisschen ausräumen, wenn ich gerade in der Küche zu tun habe.
1.3 Wann: Suche einen Rhythmus, der funktioniert (einmal pro Tag). Suche eine Zeit, die funktioniert (abends, weil ich da fast immer zur gleichen Zeit da bin). Bei einem Rhythmus von 2 Tagen hätte ich schon zu viel zu tun, als dass ich’s machen würde. Für andere könnte „nach jedem Essen“ besser funktionieren, weil das das wenigste Geschirr bedeutet = Überwindung am geringsten.
2. The ~Doiiiing~
2.1
Auftretende Probleme:

  • Ich bin abends in der Küche, aber das Geschirr nicht?!
  • Mehrmals schiebe ich das Abwaschen auf, weil ich keine Lust habe die ganzen Krümel von den Tellern zu entfernen, damit sie nicht in meinem Abwaschwasser rumschwimmen.
  • Immer wenn ich abgewaschen habe, ist die Küche schön leer, aber die Oberflächen dreckig. This is giving me the sads.

Lösungen:

  • Ich erinnere mich an Teil 1 der Artikelserie und mache mir „1 Ding mitnehmen, wenn ich den Raum verlasse“ zu Nutze: Wenn ich in die Küche gehe und leeres Geschirr auf dem Schreibtisch stehen habe, nehme ich es mit.
  • Ich entwickele die Angewohnheit nur „abwaschsauberes“ Geschirr in die Küche zu stellen. Kurz die Krümel von einem Teller zu entfernen bevor ich ihn abstelle, stört mich nicht.
  • Ich hänge ans Abwaschen eine kleine Routine an: Ich wische einmal kurz über die Oberflächen, weil’s eh grad so schön leer ist (kein Sternchen für Gründlichkeit. Was man regelmäßig macht, führt mit der Zeit von selbst zu recht guter Sauberkeit).

3. Ich führe den neuen Plan aus und bin überglücklich. Ab und zu fällt mir eine Kleinigkeit ein, die den Ablauf erleichtern würde und ich baue sie ein. Oder ich passe den Plan eines Tages an, weil sich meine Lebensumstände verändert haben.
4. Erst wenn diese Strategie mir 2-4 Wochen locker von der Hand geht und sich gut in meinen Tagesablauf einfügt (d.h. vllt. auch viel später), wende ich mich der Entwicklung einer neuen Routine zu.

Das ist erstmal sehr viel aufzunehmen. Wie schon in Teil 1 angeklungen ist: Nimm dir Zeit für die Entwicklung von Routinen. Nichts lässt uns leichter scheitern als sich zu viel auf einmal vorzunehmen. Auch empfehle ich gelegentliches Fehlschlagen einzuplanen. Der Plan ist entwickelt und 2 von 10 Malen geht’s doch irgendwie schief? (Erst verspätet abgewaschen, zur geplanten Zeit nicht zu Hause gewesen und beim Heimkommen zu kaputt, um sich noch drum zu kümmern, doch mal eine ganze Woche in alte Muster zurückgefallen) DAS PASSIERT. Shhhh, it’s okay. Routine heißt nur, dass du es wieder versuchst.
Wenn es regelmäßig fehlschlägt, heißt das nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt, sondern dass der Plan nicht einfach genug ist. Es kann auch Sinn machen, selbst die Teile des Plans als einzelne zu erlernende Routinen zu verstehen. D.h. 3 Wochen erst einmal lernen das Geschirr regelmäßig in die Küche zu bringen, sonst nichts an der gewohnten Art abzuwaschen verändern. Dann der nächste Schritt usw.

Den Chaosaffen besiegen

(Den Begriff habe ich aus einem engl. Artikel geklaut, der ihn völlig anders meint, als ich ihn jetzt benutzen werde – und aus dem ich das Prinzip habe Fehlschläge einzuplanen. Update: Oh shucks, das war noch ein dritter Artikel. Ich verlinke ihn, falls ich ihn finde.)

Routinen sind auch eine sehr wertvolle Hilfe für diese Sachen, die immer fehlen, verschwinden, woanders rumliegen als geplant oder sich in Sekunden auftürmen (d.h. Rechnungen oder Müll), die mit anderen Worten, vom Chaosaffen regiert zu sein scheinen.
Das Schöne ist, dass man sich hier mit einer unmerklich geringen Menge an Handgriffen stundenlanges aufräumen/sortieren und Anträge unter Tränen ausfüllen sparen kann – anders als beim Abwasch, den muss man halt irgendwann machen.

Tipps:

  • Finde einen Platz für deinen Schlüssel (dein Handy, deine Lieblingsschuhe) und gib dir Zeit zu lernen sie immer an diese Stelle zu legen, wenn du heimkommst/rausgehst. IMMMMMMER! Ich habe seit 3 Jahren meinen Schlüssel kein einziges Mal panisch gesucht, wenn ich das Haus verlassen wollte. Nur einmal ist er runtergefallen, aber da war der 1. Ort, an dem ich suchte, der richtige.
  • Entwickele die Angewohnheit, alles, was auf den Boden fällt sofort aufzuheben/was nichts auf dem Boden verloren hat hochzulegen. Am besten in dein Blickfeld, damit du es bald wegräumst.
  • Müll kommt weg, sobald er nicht mehr benutzt wird, an den richtigen Ort. Wenn du Müll trennst, achte darauf immer befüllbare Behälter in mind. einem Zimmer bereitstehen zu haben. Wenn sehr viel von einer Art Müll in einem Zimmer anfällt, wo es keinen Behälter dafür gibt, überlege dir einen zu besorgen.
  • Schaffe einen Platz, an dem wichtige (unbearbeitete) Briefe gelagert werden. Lege nichts anderes an diesen Platz und verstelle den Blick auf den Platz nicht (damit du ihre Existenz nicht vergisst).
  • Arbeite mit einem Ordner für wichtige Dokumente. Am besten ist, ihn thematisch zu ordnen, aber wenn das zu viel Aufwand ist, beginne erst einmal damit sie wenigstens alle an einem Platz zu sammeln. Wichtige/offizielle bearbeitete Briefe landen in diesem Ordner(n).
  • Hefte Kontoauszüge immer gleich ab.
  • Falls möglich, scanne/fotographiere und speichere wichtige Anträge, wenn du sie vollständig ausgefüllt hast, an einem zentralen Ort. Wenn du den Antrag in einem Jahr wieder ausfüllen musst, wirst du dir sehr dankbar sein (und sollte es jemals zu Auseinandersetzungen über den Antrag kommen, kannst du sehen, was du eingetragen hast).
  • Wenn es dir schwerfällt, fürs Einkaufen nichts zu vergessen, schaffe einen Ort, an dem immer ein Stift und Papier liegen (genau da! nur eine Liste!). Suche am besten einen Ort, wo dir die meisten Sachen einfallen, z.B. die Küche. Genauso gut geht natürlich eine Tafel oder dein Handy. Hauptsache du hast die Angewohnheit, es sofort aufzuschreiben und schaust auch drauf, bevor du losgehst. Auch wenn du keinen Einkauf am gleichen Tag planst, kannst du es sofort notieren, wenn dir auffällt, dass bald keine Mülltüten mehr da sind.
  • Dinge brauchen einen Platz. Wenn etwas ähnliches immer im Weg herumliegt, schaffe einen Platz dafür. Es ist in Ordnung die dreckige Wäsche in einem Haufen auf dem Boden zu sammeln, aber dann lass es nur diesen einen Haufen sein und bring ihn regelmäßig zur nächsten Waschmaschine.

Das wäre es erst einmal an konkreten Tips und Strategien von mir. Jetzt noch einige Disclaimer und generelle Anmerkungen:
Meine Tips sind nicht die ultimative Lösung für alle Probleme. Für manches habt ihr vielleicht schon sehr gute Lösungen gefunden, die meiner vorgeschlagenen Strategie in keiner Weise ähneln. Wenn sie für euch reibungslos funktionieren: weitermachen!
In diesem Artikel steht viel, dass man neu machen könnte, aber ich wiederhole: Macht es nicht alles auf einmal. Das ist ein Rezept für Überforderung und daraus folgendes Fehlschlagen des Plans.

Ich bin ein großer Fan davon sich ein einziges Mal mehr Arbeit zu machen (einen Plan zu entwickeln, einen Ordner anzulegen) und danach mit wenigen Routine-Handgriffen ein angenehmes Maß an Ordnung aufrechtzuerhalten. Das bedeutet u.a., dass ich mir viel Mühe machen kann, wenn ich gerade die Energie habe und an jedem anderen Tag mein Arbeitsaufwand relativ gering bleibt und meine Wohnung trotzdem sauber/organisiert.

Es folgt noch ein dritter Teil, indem ich mindestens all die Webseiten sammele, wo diese klugen Tips herkommen (für einen Vorgeschmack könnt ihr auch schon einmal in die Kommentare von Teil 1 schauen).

3 Gedanken zu “Der Haushalt und die Rolle von Routinen (Teil 2)

  1. Ich hab meine Fenster in sieben Jahren zweimal geputzt. Das dazu! Finds toll, wie du hier in aller Ausführlichkeit auf das Thema eingehst, auch die Tipps sind sehr wertvoll. 10-Minuten-Sprints kannte ich schon und mache ich oft und fühle mich jetzt ermutigt, noch andere Strategien auszuprobieren. Was mich immer fertigmacht, ist dieses Vergeblichkeits-Gefühl beim Putzen (es wird ja doch wieder alles dreckig), gemischt mit Selbstvorwürfen (wie konnte es überhaupt erst so dreckig werden!?). Tja. „Tu es halt (und iss dann den „Pudding of Getting Shit Done)“ wäre da wahrlich der sinnvollere Gedanke… Liebe Grüße!

    1. (Für die, die es nicht wissen: Der Pudding kommt aus meinem ersten Link des ersten Artikels.)

      Gut, dass du mich erinnerst! Zum Vergeblichkeitsgefühl wollte ich auch noch etwas schreiben :)

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