Bosskampf Haushalt

Schlagwörter: Haushalt – sauber machen – Lebenstips – schlechte Laune

Die meisten haben einen und machen sogar ab und an den Finger krumm (Redewendung = RW), um ihn sauber zu halten: der Haushalt. Leider scheint der Haushalt noch viel mehr zu machen, um wieder dreckig zu werden. Ich möchte dabei nicht auf die Arbeitsverteilung eingehen – ein Thema, bei dem ich mich schnell in Rage schreibe – sondern stattdessen ein bisschen Hoffnung versprühen.

Letztens wurde bei CaptainAwkward.com ein Artikel veröffentlicht, der einen Ansatz beschrieb, um Phasen der schlechten Laune zu unterbrechen. Der Artikel wird sicher nicht allen helfen, hat mir aber sehr gut gefallen. Einige Kommentator*innen meldeten sich zu Wort, dass sie die Lektüre des Artikels gleich mal unterbrochen haben, um ein paar Sachen wegzuräumen. Denn es gibt eine Verschränkung von schlechter Laune, Nichtstun(-Können) und Haushalt, die dort auch angesprochen wurde. Jedenfalls war dieser Artikel Inspiration und Ausgangspunkt für meinen Post hier.

The Haushalt

Eines der Themen, mit denen ich mich in den letzten Wochen beschäftigt habe, lautete, wie man mit möglichst wenig Aufwand die eigene Wohnung sauber hält. Denn so richtig habe ich dafür nie einen Plan beigebracht bekommen. Staubwischen war in meinem Elternhaus eine außergewöhnliche Tätigkeit und jetzt sammelt er sich eben gnadenlos in meiner eigenen Wohnung. Nicht dass es furchtbar dreckig bei mir wäre; Ich bin inzwischen recht gut darin Dinge an ihren vorgesehenen Platz zurückzuräumen und dafür zu sorgen, dass es meistens saubere Teller gibt. Mein Boden ist sogar frei. Aber ich bin eben noch nicht an dem Punkt angekommen, wo ich den Großteil der Woche zufrieden mit meinem Level an Sauberkeit bin.

Einige Strategien habe ich aber bereits aufgeschnappt und die würde ich gerne an diejenigen von euch weitergeben, die damit etwas anfangen können. Dabei versuche ich mich auf Tips zu beschränken, die ich selber umgesetzt habe. Denn so clever ein Putzplan klingt: Ich werde nie die Zeit oder Energie finden mich hinzusetzen und einen aufzustellen, from scratch¹.
Das bedeutet, dass dieser Artikel auch für die Leute am meisten Sinn machen wird, die ein ähnliches (nicht vorhandenes) Energielevel/meist abwesende Putzlust haben wie ich. Ich werde von Verhaltensweisen abraten, die für mich eine schlechte Idee sind. Einige von euch werden völlig gegenteilige Erfahrungen gemacht haben. Ich sage nicht, ihr macht es falsch. Ich sage: so funktioniert es für mich. Und welcher*m es ähnlich geht, hier habe ich ein paar Tips für euch!

Genug der Vorrede, angefangen.

Weniger ist mehr

Als allererstes möchte ich für meine energielosen Freund*innen die Vorstellung auslöschen, dass 3-stündiges Hauruckputzen irgendeinen Sinn machen würde. Also doch ja, es macht den Sinn, um kritisch hochgezogenen Elternaugenbrauen zu entgehen (aber sind die je zufrieden?). Es bedeutet aber auch, dass man sehr viel Energie in ein Unterfangen steckt, das nach wenigen Tagen nie stattgefunden zu haben scheint, denn von neuem kriecht der Staub und fleuchen die partnerlosen Socken. Und wenn die nächste Putzaktion ansteht, muss man wieder sehr viel Überwindung aufbringen, um sich das Ganze noch einmal anzutun.
Stattdessen möchte ich vorschlagen, sich mit der Idee anzufreunden, regelmäßig wenig zu machen.

Strategien:

  • 10-Minuten-Sprints

Das Zimmer sieht wie Müllkippe aus, da müsste unbedingt was getan werden, aber du wirst auf keinen Fall die Klamotten wegräumen und das Geschirr in die Küche und den Müll vom Boden sammeln? Die Antwort ist ein „Sprint“. Dabei geht es nicht darum schnell zu sein, sondern viel mehr darum, sich nur ein bisschen Zeit zu nehmen (die schnell verfliegt). Natürlich kann der Sprint auch 5 oder 25 Minuten dauern, Hauptsache die Zeitspanne erscheint machbar. Falls sich das als praktisch herausstellt, kann man auch einen Sprint pro Tag einplanen. Denn wie wir in diesem Artikel noch sehen werden, kommt man weit, wenn man oft wenig macht.
Am Ende eines solchen Sprints steht dann die Belohnung, dass man sich aufgerafft hat, vllt. auch mal wieder eine Ecke des Tisches freigelegt und manchmal wird Energie freigesetzt, mit der man dann gleich noch ein bisschen weiterarbeitet. Macht euch letzteres aber bloß nicht zum Ziel, denn das Gehirn reagiert widerspenstig darauf, heimlich in mehr Arbeit hineinmanövriert zu werden, als am Anfang zur Debatte stand. Zu Recht.

  • Wer den Raum verlässt, nimmt eine Sache mit

Zugegeben, für so einen Sprint muss man wenigstens ein bisschen Schwung aufbringen, machen wir es noch einfacher: Jedes Mal, wenn du auf dem Weg zu einem anderen Zimmer bist, denk kurz nach, ob du was mitnehmen könntest. Willst du ins Bad: Alte Wäsche, neue Mülltüte, Haarbürste verschleppt? Willst du in die Küche: Eine Tasse, etwas Müll?
Bitte nur nicht anfangen zu optimieren. Es geht nicht darum bei jedem einzelnen Weg etwas mitzunehmen. Auch ist es nicht schlimm, wenn man einen Plastikschnipsel mal übersehen hat, den man auch noch hätte einstecken können. Diese Strategie sollte fix von der Hand gehen – sie kann unterstützt werden, indem man Sachen schon in die Nähe der Tür/ins Sichtfeld stellt, wenn sie einer*m ins Auge fallen. Ziel ist es, nicht nach 3 Tagen vier halb verschimmelte Teller, sechs Tassen und drei prekär balancierte Gläser in die Küche tragen zu müssen, sondern dass ein ständiges „Kommen und Gehen“ herrscht.

  • Tu es halt

Manchmal habe ich diese eine Stelle, diese eine kleine Sache, die ich noch saubermachen/wegräumen/auswaschen wollte. Aber irgendwie vergesse ich immer wieder ihre Existenz und dann, wenn ich mit was anderem beschäftigt bin, fällt sie mir wieder ins Auge – und stört mich. Das kann teils wochenlang so gehen. In diesem Falle kann es das Beste sein, es jetzt einfach mal zu erledigen. Selbst wenn du gerade nicht in der Stimmung bist, selbst wenn du dafür etwas anders unterbrichst: Wenn es weniger als ~1 Minute dauert (Zeitmaß kann nach Bedarf angepasst werden) mach es halt. Das ist keine Verpflichtung mit irgendwas anderem weiter zu machen, kein bindender Vertrag. Aber diese eine kleine Sache ist dann erledigt und wenn du das nächste Mal vorbeiläufst, kannst du dich ein bisschen freuen.

  • Leerlauf

Dies ist eigentlich nichts anderes als ein kurzer Sprint, funktioniert aber möglicherweise für Leute besser, die einen Anstoß/eine Routine brauchen.
Im Tagesablauf können ein paar Lücken entstehen, in denen man nichts Bestimmtes zu tun hat, die aber immer wieder auftreten. Das kann z.B. Wasser kochen sein oder die Werbeunterbrechung der Lieblingsserie. Das nächste Mal kannst du versuchen herauszufinden, wie viele kleine Dinge du in dieser Pause erledigen kannst. Ein paar Sachen in den Müll tun, etwas auf dem Tisch ordnen, mal kurz über eine Oberfläche wischen? Und wenn der Moment vorbei ist, ist wieder gut und zurück zum Kaffee machen/Serie schauen.
Auch hier möchte ich vor Optimierung warnen: Wenn man gut aufpasst, wird man sicher einige Lücken im Tagesablauf finden. Aber es geht nicht darum um biegen und brechen (RW) jede Lücke zu nutzen. Es geht auch nicht darum, wirklich jedes Mal beim Wasserkochen Dinge zu erledigen. Wenn es sich als Routine entwickelt, schön. Aber wenn du morgens erstmal mit der schweren Aufgabe klarkommen möchtest senkrecht zu stehen, dann konzentrier dich besser darauf. Sinn und Zweck der kleinen Schritte ist, dass man sich nicht übernimmt.

Das war’s erst mal dazu. Im Sinne der kleinen Schritte mache ich hier eine Pause. In einem kommenden Artikel zum Thema möchte ich über Routine sprechen.

1 Vollständig, von Grund auf

6 Gedanken zu “Bosskampf Haushalt

  1. Danke für die Zusammenstellung. Einiges davon lässt sich auch bei manchen anderen Tätigkeiten (die nichts mit dem Haushalt zu tun haben) anwenden.

    Was ich noch hilfreich finde (und was vielleicht auch zu deinem geplanten Artikel über Routine passt):
    Erst einmal versuchen, eine kleine Sache regelmäßig zu erledigen. Je nach vorhandener Energie kann das z.B. sein, morgens immer das Bett zu machen oder abends alles schmutzige Geschirr zu spülen. Wenn mensch das regelmäßig schafft, gibt es immerhin schon einen kleinen, ordentlichen Teil der Wohnung, über den mensch sich (fast) immer freuen kann.
    [Anmerkung: Der Gedanke, dass schon ein regelmäßig gemachtes Bett positive Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden haben kann, stammt nicht von mir. Diesen habe ich von jemensch auf Twitter. Ich weiß nicht mehr, welche Person das war, eventuell warst du das (?).]

    1. Darüber werde ich tatsächlich im nächsten Artikel zum Thema schreiben :)

      Wenn ich’s schon mal auf Twitter erwähnt hatte, dann habe ich es auch nur weitergegeben. Ich werde das nächste Mal noch ein paar Links von englischsprachigen Webseiten einfügen, die bei dem Thema helfen. Ich wette, dass es eine dieser Seiten zuerst gesagt hat. Könnte „Flylady“ gewesen sein.

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