Nichts Neues und trotzdem kein Ende in Sicht: Rassistischer deutscher Gesamtzustand

Schlagwörter: Rassismus – Gewalt – Non-Citizens – Refugees – rechte Gewalt

Ich weiß nicht, was man noch groß dazu sagen soll. Deutschland ist gefährlich, wenn man nicht weiß ist. Auf Twitter rauschen immer wieder alarmierende Meldungen an mir vorbei, die alle schockieren und ungläubig stimmen – in meinem Falle begleitet von dem Luxus, dass ich nicht darüber nachdenken muss, was passiert, wenn ich mal an diesen Schauplätzen vorbei muss.

Berlin Marzahn-Hellersdorf steht nicht als einzige Meldung da.

Am 30.06.13 wurde das Protestcamp der Non-Citizens am Rindermarkt in München brutal geräumt. Vorgeschobener Grund war die angeblich medizinisch unzureichende Versorgung der Non-Citizens, die im Hunger- und Durststreik waren. Die Medical Group, die sich in Absprache mit den Non-Citizens um die gesundheitliche Versorgung gekümmert hatte, erklärt in einer Stellungnahme, dass die Versorgung – stadtbekannt– rund um die Uhr sichergestellt war.
Die Räumung des Camps war politisch motiviert, um die Gesundheit der Non-Citizens geht es hier kein Stück. Ich habe hingegen gehört, dass es der Gesundheit hilft, nicht abgeschieden im Nirgendwo drauf zu warten, ob man in diesem ungastlichen Scheißland bleiben darf.

In der Holstenstraße in Hamburg gab es Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und 15 Jugendlichen. Zumindest sagt die Polizei das. So richtig ist nicht klar, welche Verbrechen hier begangen worden sein sollen und was genau die verstärkte Polizei-Präsenz rechtfertigt. Ist es am Ende unser alter Freund, das Racial Profiling?

Auf einem Volksfest im bayerischen Kaufbeuren wurde ein in Bayern lebender Kasache¹ von einem Neonazi getötet. Er kam zu einer Schlägerei hinzu, in der 7 Rechte 3 Spätaussiedler (?) rassistisch beleidigten. Die Polizei hatte wie immer enorme Schwierigkeiten einen rechten Hintergrund festzustellen, geschweigedenn in den Vordergrund zu rücken.

In Berlin-Reinickendorf will eine Wohneigentümergemeinschaft verhindern, dass Flüchtlingskinder ihren meist unbenutzten Spielplatz nutzen. Kein rassistisches Bullshit-Argument („Seuchengefahr“) ist Anwohnenden zu absurd, um es zur Hetze gegen Refugees zu nutzen.

Zwei rechte Zeitsoldaten der Bundeswehr haben heute, am 22.07.13, kurz vor 3 Uhr im südthüringischen Arnstadt ein Asylbewerbendenheim mit Feuerwerkskörpern attackiert und die Bewohner*innen mit rassistischen Parolen beschimpft.

All diese rechte Hetze, die bei weitem nicht nur vom „rechten Rand“, sondern aus der Mitte der Bevölkerung kommt, gefährdet deutsche oder in Deutschland lebende People of Color, Non-Citizens und Refugees. Weiße Deutsche müssen sich zu mehr als „Toleranz“ und „buntem“ Zusammenleben bekennen, sondern sich aktiv solidarisch zeigen, zuhören, lernen, mit an Safe Spaces arbeiten und Rechte Gewalttaten nach Möglichkeit verhindern².

1 Ich vertrau der Presse nicht wirklich festzustellen, ob er tatsächlich ein in Deutschland lebender Kasache ist oder einen deutschen Pass oder doppelte Staatsbürgerschaft hat because you know, Presse. Ich kann hier nur übernehmen, was dort steht.
2 Editiert, siehe Comments.

3 Gedanken zu “Nichts Neues und trotzdem kein Ende in Sicht: Rassistischer deutscher Gesamtzustand

  1. Glaub, ich hab 1 Problem mit dem »schützen« in »Menschen vor den Rechten schützen«; von wegen White Savior Komplex und so. Vielleicht eher Gewalttaten (aktiv) verhindern?

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