Mord ist kein „Familiendrama“

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Schlagworte: Frauenhass – Mord – Gewalt in Beziehungen – Mysogynie – Sexismus

Das Jahr 2012.

Januar:
·Nordrhein-Westfalen: 52-jähriger Mann ersticht 50-jährige Ehefrau.
Quelle

Juni:
·Bayern: 45-jähriger Rechtsanwalt ersticht seine 37-jährige Ehefrau.
Quelle

August:
·Berlin: 69-Jähriger bringt 28-jährige Ehefrau und die zwei kleinen Söhne um.
Quelle

November:
·Rheinland-Pfalz: 47-jähriger Mann bringt 43-jährige Ehefrau und ihre zwei Söhne um.
Quelle

Weihnachten:
·Brandenburg: 78-Jähriger tötet 77-jährige Lebensgefährtin und anschließend sich selbst.

·Niederbayern: 66-Jährige tot aufgefunden. Mutmaßlich von ihrem 68 Jahre alten Ehemann getötet.

·Thüringen: 50-Jähriger prügelt 52-jährige Lebensgefährtin zu Tode.

·Duisburg: Mann ersticht Schwager. Auslöser: Die Frau des Angreifers wollte mit den vier Kindern ausziehen und ihr Bruder half beim Umzug, als ihr Mann gewalttätig wurde.
Quelle via @maedchenblog

Alle Artikel, bis auf den letzten, habe ich durch das Schlagwort „Familiendrama“ auf der ersten Google-Seite gefunden. Nicht durch „Mord“ oder „bedenkliche Häufung von Gewalt-Verbrechen gegen Frauen“.
Bei den Artikeln fällt auf, dass das Wort „Mord“ nur da fällt, wo eine Mutter ein Kind umgebracht hat. (Quelle). Die Taten wurden jedoch zum überwiegenden Teil von Männern verübt.
In jedem Falle wird die Berichterstattung der Situation nicht gerecht. Es ist die Rede von „Familiendramen“, „Beziehungsdramen“ oder „Familienstreitigkeiten“. Ein „Familiendrama“ ist es jedoch, wenn eine Familie durch unglückliche Umstände bei einem Brand umkommt. Wenn ein Mensch umgebracht wird, ist das Mord (oder, je nach Rechtslage, Totschlag oder Notwehr). Die örtliche Presse sieht sich aber nicht dafür verantwortlich, dem Ernst der Lage durch eine angemessene Wortwahl gerecht zu werden. Oder gar zu analysieren, wie es zu so vielen Morden an Frauen kommen kann. Jeder Artikel wird als Einzel“drama“ dargestellt und ausgeschlachtet.

Es gibt sie jedoch, die Erklärung für diese Taten. Einer der Artikel erwähnt, dass Gewalt häufiger im familiären Umfeld erfahren wird als auf der Straße. Und weiter geht’s mit dem Tathergang.
Diese Gewalttaten sind aber, genau so wie die Massenmorde an Schulen, kein Zufall. Sie sind nur ein Symptom für den allgegenwärtigen Frauenhass. Dafür, dass es nicht genug Strukturen für Menschen gibt, die eine gewalttätige Beziehung verlassen müssen. Und dafür, dass strikte Geschlechter-Rollenbilder schlicht eine Gefahr darstellen.
Wut darf nicht als einzige und normale männliche Reaktion auf Schmerzen oder Kränkungen akzeptiert werden. Gewalttätigkeit gegen andere ist keine hinnehmbare Reaktion auf Konflikte. Und wenn es so viele Morde an Frauen durch (Ex-) Lebensgefährten gibt, ist das ein Zeichen dafür, dass gegen die Ursachen vorgegangen werden muss. Es ist keine „unglückliche Häufung von Familiendramen“.