Sprache

Schlagwörter: Sprache – Fremdwörter – Fachsprache – Wortschatz – Verständlichkeit – leichte Sprache

Ja, auf das Thema dieses Artikels bin ich durchaus durch eine Diskussion der letzten Tage gekommen. Dazu haben u.a. @thinkpunk, shehadistan und kiturak Artikel verfasst. Nicht zu vergessen unzählige passiv-aggressive Tweets und Facebook-Pinwand-Kommentare, die ich nicht alle verlinken kann.
Ich möchte nach wie vor auch über Ausschluss von Leser*innen durch „Fachsprache“ schreiben, die sich auf aktivistischen Blogs breit macht (dieser nicht ausgenommen). Aber dazu nicht heute. Oder nur im Vorbeigehen (RW = Redewendung).

Ich hatte schon einmal über meinen Gebrauch von Fremdwörtern nachgedacht. Lange Zeit habe ich ausgewählte Fremdwörter, die in meinen Texten auftauchten, in Fußnoten erklärt. Damit man gegebenenfalls nicht die Seite verlassen muss, um sie nachzuschlagen. Dies hat natürlich verschiedene Nachteile: man muss in der Zeile springen, um die Erklärung anzusehen und der Lesefluss wird unterbrochen. Dann muss man sich wieder zurückfinden.
Damit geht auch einher, dass Leser*innen, die mit den entsprechenden Wörtern nicht vertraut sind, die einzig Leidtragenden sind. Trotz der Erklärungen wird ihr Leseerlebnis geschmälert, das der anderen aber nicht.
Da liegt es nahe, ganz auf gewisse Fremdwörter zu verzichten und das versuche ich hiermit. Denn endlich bin ich einigermaßen über mein Ego hinweg, das gerne zeigen wollte, wie unglaublich belesen ich bin.
Diese Lösung wird nicht perfekt sein, weil mir natürlich nur meine Sichtweise zur Verfügung steht. Vielleicht werde ich einige Wörter vermeiden, die keiner*m Probleme bereiten würden. Sehr wahrscheinlich werden sich weiterhin Wörter in meinen Texten finden, die Leser*innen stocken lassen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr mir in einem solchen Falle eine Rückmeldung geben.

Dann gibt es da den aktivistischen Wortschatz. „Ableismus“, „Klassismus“, „People of Color“, Unterstriche, Sternchen, Doppelpunkte, die sich garantiert nicht im Duden finden lassen.
Zunächst habe ich deswegen meinen Glossar angelegt, der ständiger Veränderung unterliegt. Was darin auftaucht, ist wieder von mir abhängig und unterliegt deswegen den gleichen möglichen Fehlern wie oben genannt. Für die eine* erkläre ich zu detailreich, für den anderen* fehlen sehr grundlegende Begriffe. Und dann kommt noch hinzu, dass die Erklärungen an sich fehlerhaft sein können.
Zwischenzeitlich waren Begriffe in meinen Texten zu ihrer Erklärung im Glossar verlinkt. Aber nach kurzer Zeit habe ich es wieder aufgegeben, weil sich nicht unterscheiden ließ, ob es sich um Begriffs-Erklärungen oder weiterführende Links zum Thema handelte.
Auf die Notwendigkeit dieses Wortschatzes gehe ich an dieser Stelle nicht ein.

Und dann gibt es noch den Satzbau und andere Feinheiten. Kiturak hat mich zu diesem tollen Artikel über leichte Sprache verlinkt. Momentan plane ich nicht alles umzusetzen, aber ich schaue davon ab. So werde ich z.B. lange Substantive öfter mit Bindestrich trennen und versuche meine Sätze lesbarer zu gestalten; unter anderem durch kürzere Sätze oder weniger kompliziert verschachtelte Relativsätze.

Allgemein versuche ich meinen Schreibstil auch dahingehend genießbarer zu gestalten, dass ich Gedanken länger ausführe. In meinem Kopf ist immer alles klar, deswegen vergesse ich oft, dass ihr nicht wisst, was drin ist und ich vielleicht ein paar Schritte vorher beginnen muss.

So viel zu meinen aktuellen Gedanken zur Sprache. Zur Eingangs erwähnten Debatte habe ich nun langsam auch Lust, etwas zu schreiben, aber das an einem anderen Tag.

8 Gedanken zu “Sprache

  1. was das Problem der Unübersichtlichkeit bzgl Fußnoten, Glossaren, anderen Links etc angeht: ich frage mich, ob es auf Blogs nicht die Möglichkeit gibt, Infokästen einzubauen, die sich öffnen, wenn man mit der Maus über gekennzeichnete Bereiche (zB ein Fremdwort) fährt. technisch sollte das im Bereich des Möglichen sein und für alle eine gute Lösung: niemandes Lesefluss wird unterbrochen, und die Infos sind sofort an Ort und Stelle für die, die sie benötigen.

    1. Ich würde es schon als kleine Unterbrechung im Lesefluss sehen – vor allem, wenn ich die Möglichkeit habe, einfach ein anderes Wort gleicher Bedeutung zu wählen. Für die Erklärung von „Fachbegriffen“ klingt’s allerdings gut.
      Da kommt für mich leider ein „persönliches“ Problem ins Spiel (RW): kann fast nichts machen, weil ich für den WordPress-Account nichts zahle :/
      Hatte mir schon ähnliches gewünscht für triggernde Texte.

  2. Ich hätte kein Problem damit, wenn Worte, die du für erklären möchtest, nicht wie sonst in Fußnote, sondern in Klammern hinter dem Wort erläutert wären. Wer das Wort nicht kennt, dessen Lesefluss wird nicht gestört und wer es kennt, naja, hat halt Pech. Mich würde das nicht stören, bzw. ich würde es gern in kauf nehmen, wenn andere dadurch in ihrem Lesefluss weniger gestört werden.
    Es ist immer noch besser, wenn unnötig hochgestochene Worte nicht verwendet werden, aber manchmal gibt es vielleicht keine bessere Möglichkeit.

  3. „Für die eine* erkläre ich zu detailreich, für den anderen* fehlen sehr grundlegende Begriffe.“ – ja. Mensch weiß beim Sprechen, ob online oder im wirklich wahren Leben, eben nie so ganz genau und sicher, welche Verständnisvoraussetzungen das Gegenüber mitbringt. Und während es im persönlichen Gespräch schneller/leichter möglich ist, nachzufragen, ist das Publikum im Internet potentiell… die gesamte Menschheit. Da liegt es mE an der blogschreibenden Person zu entscheiden: Welche Sprache möchte ich wählen, wie kann ich mich am besten ausdrücken. Möchte ich versuchen, möglichst alle mitzunehmen, oder möchte ich evt. auch mittels Sprache jemanden ausschließen. In der barcamp-Diskussion wurde von einigen Personen die „Informier dich / Bilde dich selbst!“-Forderung kritisiert, die auf manchen Blogs als Antwort kommt, wenn zB gefragt wird: Was macht der Unterstrich in dem Wort Teilnehmer_innen. Und so harsch und abschreckend ich solche Anworten selber anfangs fand: Inzwischen kann ich sie verstehen. Allen alles zu erklären ist nicht meine Aufgabe. Aber wem was erklären und wie? Die Frage bleibt.

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