Verbale Entstressung 02: Ich will hier weg

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Schlagwörter: Diskussion – Kommunikation – Diskriminierung – Die Kurve kratzen, mit Stil

Diskussionen gehen schief, manche Menschen oder Themen sind einem generell unsympathisch. Oder man hatte einfach einen anstrengenden Tag und keine Spoons mehr übrig für einen weiteren Konflikt. Also was tun, wenn man am liebsten einfach nur weg will?

Beispielhaft werde ich Diskussionen behandeln, die sich um eine Form der Diskriminierung drehen. Gewöhnlich zeigt sich schnell, wenn die andere Person dafür überhaupt nicht zugänglich ist oder so lange nachbohren wird, bis man nicht mehr kann.

Drei Methoden, um die Diskussion einem sicheren Ende zuzusteuern:

  • Naives Nachfragen: gelernt habe ich die Methode von einem Kommentar auf Shapely Prose, den ich leider gerade nicht finde. Stattdessen lesen wir uns einen Kommentar zu einem grandiosen Post von Snarky’s Machine durch. Rebecca V. schreibt
    What works for me when someone starts talking in one of those colorful yet offensive metaphors, such as “why buy the cow” or when my bigoted uncle was making remarks about a “third sex” when talking about his brother, my gay uncle, is to Not Get It. Look blank and ask them to explain. They won’t, of course. Sometimes they’ll repeat themselves as if you didn’t hear them. Just keep looking blank and say “I heard you, I just don’t understand what you mean.” They may backpedal, or they may insist that you do know very well what they mean, but they will quickly change the topic.

    Wir lernen: Wenn eine Person eine furchtbare Meinung vertritt, aber diskutieren ist gerade einfach nicht mehr drin, stelle naive Fragen. „Ich verstehe nicht.“ mit einem Gesichtausdruck, der die Aussage unterstreicht. *verwirrt schauen* „Was meinste du damit?“ oder „Warum ist das witzig?“ Auch ein schlichtes „Wie bitte?“, wie du es verwenden würdest, wenn du aufgrund von Umgebungslärm nicht verstehen konntest, was die andere Person gesagt hat, hilft. Die Fragen sind wiederholbar bis jemand im Boden versinkt.
    Wenn man sich dieser Fragen bedient, muss man selbst nicht zu viele Emotionen in die Situation einfließen lassen und sich auch in „professionellem“ Kontext keine Blöße geben. Schließlich ist es nicht verwerflich, wenn man etwas nicht versteht, nicht wahr?
    Sehr wichtig ist allerdings das Wie. Man darf nicht den Eindruck erwecken, man spiele der anderen Person gerade einen Streich. Also kein Augenzwinkern und nach Möglichkeit auch nicht lächeln! (Nicht zu lächeln, wenn ich Unmut äußere, ist für mich eine Aufgabe, an der ich noch lange knabbern werde.) Alle Anwesenden werden nach dem zweiten Mal nachfragen wissen, dass es so schwer nicht sein kann, eine diskriminierende Aussage zu verstehen, aber wenn man die Fragen mit dem richtigen Ton und Gesichtausdruck transportiert, gebietet es der höfliche Umgang, dennoch auf sie einzugehen.

  • Ich sag’s nicht, aber du redest scheiße: Wenn man nichts entgegenhält, können Leute auch nicht in eine neue Tirade ausbrechen. Daher lautet eine weitere Methode der Wahl: „Aha.“ oder „Mhm.“, „Verstehe.“ oder „Ist das so?“, alles vorgetragen in einem Ton, der anzeigt, dass deinerseits kein größeres Desinteresse bestehen könnte.

    Eine höhere Kunst, die in eine ähnliche Richtung geht, die anzuwenden mir aber sehr schwer fällt: lass Stille sprechen. Wenn Leute etwas Furchtbares gesagt haben, warte mindestens 3 Sekunden vor einer Antwort. Als i-Tüpfelchen kannst du sie ansehen als hätten sie gerade einen Haufen auf den Küchentisch gemacht.
    Stille ist allgemein ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen und Gesagtes zu unterstreichen. Der Drang sie durch Worte zu füllen, ist allerdings sehr groß.

  • Gehen: ich meine es ernst, umdrehen und gehen. Oder auflegen. Oder off gehen.
    Uns wird beigebracht, wie man sich in sozialen Situationen zu verhalten hat. Wenn unser Gegenüber nicht nach diesen Regeln spielt (uns z.B. beleidigt oder zu manipulieren versucht), hat diese Person bereits die Regeln gebrochen. Daher hier die ausdrückliche Erlaubnis von mir, die Regeln ebenfalls zu brechen.
    Es fällt unglaublich schwer, tatsächlich zu gehen und es ist sehr wahrscheinlich, dass es Schuldgefühle hervorruft. Den Raum (oder Chat) zu verlassen, ist jedoch eines der deutlichsten Zeichen, das man setzen kann und hilft, logischerweise, unmittelbar.

5 Gedanken zu “Verbale Entstressung 02: Ich will hier weg

  1. Gute Tipps, danke. Was das Offline-Gehen angeht: wenn mir Leute (in Instant-Messengern) zu sehr auf die Nerven gehen, und das sich auch nicht bessert, wenn ich sie darauf aufmerksam mache, werden die auch einfach mal einen Tag lang geblockt, das hilft unheimlich, und man kann selbst online sein, wie man möchte.

      1. Den Post bei CaptainAwkward hatte ich schon aus eigener Neugier gelesen, war aber (insbesondere nach den Kommentaren auf Twitter) wenig motiviert, mich durch die Comments zu lesen – danke für den Deep-Link. Heftiges Beispiel, sowas ist einfach Mist, und Leute, die sowas bringen, würde ich im Zweifelsfall endgültig Blocken. Das kurzzeit-blocken ist eher so gedacht für Leute, die es scheinbar nicht mitbekommen, wenn man ihnen sagt, das sie grade nerven, die ansonsten aber okay sind. Da du (darf man hier generell duzen? bin das aus (Nerd-)Foren gewöhnt, aber im Internet ansonsten gerne verwirrt) schon was dazu anmerkst: ich hab nur Erfahrungen aus der männlichen Perspektive – die Notwendigkeit jemanden zu blocken hatte ich bis jetzt aber auch nur gegenüber Männern* (kenne etwa so viele Frauen* wie Männer*, daran liegt’s nicht)….ich weiß nicht, wie hilfreich das jetzt ist ;)

      2. Nee, ja, passt schon.^^ Ich will die weibliche Perspektive nur nicht untergehen lassen, ganz im Sinne meines Blogs.

        Das waren wirklich eine Menge Kommentare, die teils echt hilfreich waren, aber die Auseinandersetzung mit dem Briefschreiber war dann nur frustrierend…

        Und ja klar, duzen.

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