31 Zitat der Woche 31

Schlagwörter: trollen – Emotionen

Not to mention, a common troll tactic: “I’m going to say as many hurtful, insulting, and offensive things as I can think of, and if you’re then actually hurt or insulted or offended, I win!” Riiiiiiiight. If the only way to “win” is to stop having normal human emotional reactions to things/events/people, I’d really rather keep “losing”, ta ever so

[Nicht zu vergessen, eine übliche Troll-Taktik: “Ich werde so viele verletzende, beleidigende und anstößige Dinge sagen, wie mir einfallen und falls du dann tatsächlich verletzt, beleidigt oder vor den Kopf gestoßen bist, gewinne ich!” Genaaaau. Wenn die einzige Art zu “gewinnen” darin besteht, aufzuhören normale menschliche emotionale Reaktionen auf Dinge/Ereignisse/Menschen zu haben, “verliere” ich lieber weiterhin, vielen Dank.].

Melle auf Captain Awkward

Trollen, Mobbing, Stalking – feministisches Bloggen im Jahre 2012

Schlagwörter: Feminismus – Beschimpfung – Mobbing – Drohen – Stalking – unsere Gesellschaft – was tun

Inhalt: Es werden keine Drohungen zitiert oder bedrohende Szenarien nacherzählt. Ich erwähne jedoch Morddrohungen. Diesmal können alle Links triggernd sein. In krasseren Fällen füge ich eine Inhaltswarnung hinzu.

Fast alle werden die Schmutzkampagne gegen Anita Sarkeesian mitbekommen haben, in deren Folge sie viel mehr Geld für ihr Projekt sammelte, als sie geplant hatte. Das Projekt befasst sich mit der Analyse von Frauen*rollen in Videospielen. Wenn ihr danach googelt, seid gewarnt, es wurden wirklich alle Register gezogen, um sie zum Schweigen zu bringen. Meine Einstellung dazu lässt sich wie folgt gut ausdrücken: Anita Sarkeesian leaning on a pile of hundreds of video games, caption: thanks for the free shit
[Bildbeschreibung: Anita Sarkeesian lehnt lächelnd auf einem Stapel hunderter Videospiele. Die Bildunterschrift lautet “Thanks for the free shit”. Quelle]

Bereits zuvor hatten US-amerikanische feministische Bloggerinnen* wie Sady Doyle wiederholt darüber berichtet, wie sie angefeindet und bedroht werden.
In letzter Zeit beschäftigten sich zunehmend auch deutsche Bloggerinnen* damit.
Bereits 2010 berichtete Stephanie Mayfield von ihrer ersten Morddrohung und Nele Tabler von ihrer Anzeige aus gleichem Grund und der völligen Ignoranz von Polizei und Justiz.
Charlott antwortete auf Afrikawissenschaften einem, “der nicht locker lässt” und dieTilde warf in einer interessanten Analyse die Frage auf, auf die ich später zurückkommen werde: wie reagieren. Das alles habe ich von Weitem verfolgt, fand es furchtbar, hatte keine Ahnung, was man da machen soll. Verschiedene Ratschläge geisterten mir durch den Kopf, die ich – teils zum Glück – unterdrückte, andere waren hoffentlich sinnvoll. Durch zwei Erlebnisse, eins offline, eins online, rückte die Frage für mich näher, auf welche Form von Bedrohung man wie reagieren kann, was hilft, was befriedigend ist. (Zum Offline-Teil finden sich bereits einige gute Ratschläge im Street Harassment-Open Thread).
Wie möglicherweise an dieser Stelle schon klar, möchte ich nicht die Gründe ins Zentrum rücken, warum Leute scheiße sind, sondern wie man damit am besten umgehen kann. Die meisten Gedanken werden keine ausgereiften sein, sondern eine Mischung aus Erfahrung, Lektüre, Überlegung und … ‘rumfabulieren.

Eine wichtige Frage, die unter anderem von derTilde in dem Zusammenhang aufgeworfen wurde, war, ob es nicht geradezu schädlich ist, an dem Begriff “Troll” festzuhalten. Inzwischen hat er viele verschiedene Bedeutungen angenommen.
Trollen ist nach meinem Verständnis eine Aktivität, bei der die “getrollte” Person so lange gereizt wird, vor allem mit unsinnigen oder beleidigenden Aussagen, bis sie die Geduld verliert.
Jedoch schon bei der Benutzung von Beleidigungen sollte man einen Schritt zurücktreten; Die “trollende” Person beschimpft eine andere, mitunter mit diskriminierenden Inhalten. Dies als “Trollen” zu bezeichnen, verharmlost den Vorgang und vor allem die Tat und öffnet einen Weg zur folgenden Argumentation: “Verstehst du keinen Spaß? / Das ist doch nicht ernst gemeint.” Die ist für mich ohnehin ein No-Go, aber eben sehr beliebt. Gepaart mit der gut bekannten Forderung

Don’t feed the trolls.

also “fütter’ die Trolle nicht.” ist Victim Blaming Tür und Tor geöffnet.
Ich treffe deswegen folgende Unterscheidung: wenn eine Person mit unsinnigen, aber nicht die Autorin* beleidigenden Aussagen stört, nenne ich das trollen. Wenn hingegen Beleidigungen oder gar Drohungen ins Spiel kommen, nennen ich das beim Namen: beschimpfen, drohen oder – je nach Art und Häufigkeit, Mobbing oder auch Stalking.
Unter “Mobbing” verstehe ich dabei grob Rufschädigung und Beschimpfung zum Zweck der Einschüchterung einer Person, “Stalking” als kontinuierliches Verfolgen einer Person – sei es mit wiederholter unerwünschter Kontaktaufnahme durch Mails, Anrufe, auf verschiedenen Netzwerken oder über Freund*innen – ohne Aufforderungen den Kontakt zu unterlassen Folge zu leisten.

Was tun?

Die Frage, was zu tun ist, stellt man sich in vielen Fällen. Oft aus einem Gefühl der Wehrlosigkeit, aber auch Wut heraus. Um die Kontrolle zurückzuerobern.
Meinem Verständnis nach hilft es emotional am meisten, wenn man die Möglichkeit hat auf Grenzüberschreitungen unmittelbar zu reagieren und sieht, wie es Wirkung zeigt. Man setzt eine Grenze, man drückt Wut aus, die Grenze wird beachtet. Allerdings ist das nicht nur ein idealisiertes Szenario, das Überwindung kostet, im Internet wird es teils schwieriger bis unmöglich, die Grenzen überhaupt zu kommunizieren, zum Beispiel ohne Kontaktinformationen.
Auch hat man weder online noch offline Einfluss auf das Verhalten der anderen Person. Die oben genannten Formen der Belästigung haben es zu eigen, dass es nicht zwangsläufig ausreicht, den Täter*innen mitzuteilen, dass sie aufhören sollen.

Ich werde einen Teil der Szenarios einzeln abarbeiten, da die Belästigungen in ihrer Art verschieden sind. Grenzen zwischen ihnen können dabei verschwimmen und ein guter Teil der Reaktionen kann nicht verallgemeinert werden. Also gibt es keine “richtige” Reaktion. Das beste Vorgehen hängt von der Form der Belästigung, dem Verhältnis der Personen zueinander, Inhalt und “Stärke” – also Häufigkeit von Vorfällen – und nicht zuletzt von der betroffenen Person ab. Aber beginnen wir.

Trollen

Wie gesagt verstehe ich hierunter keine Drohungen, Beschimpfungen oder ähnliches. Es geht lediglich um Kommentare, die aus der Reserve locken sollen. Auf meinem Blog fasse ich, wie man dem Trolltisch entnehmen kann, auch Aussagen darunter zusammen, die ich nicht zum x-ten Mal widerlegen will oder die so unlogisch sind, dass sie schon lächerlich sind.
Um die Verwirrung gering zu halten, definiere ich es an dieser Stelle als absichtliches Provozieren oder langanhaltendes Diskutieren, ohne dass die Argumente der Gegenseite in irgendeiner Form beachtet werden.
Kommen wir zur action. Trollen? Blocken. In diesem Falle schlage ich wirklich ignorieren vor, gepaart mit einer eisernen Hand der Moderation (vor allem weil es der Diskussion zuträglich ist, konsequent zu löschen).
Nun schon die erste Ausnahme: Wenn ignorieren und löschen einen schalen Beigeschmack hinterlässt, ist es natürlich nicht die richtige Lösung. Accalmie nimmt zum Beispiel auf Stop! Talking. gerne mal einen Kommentar auseinander, der sonst das Licht der Welt nicht erblickt hätte. Die Kommentare arten nicht aus, Mitlesende können etwas lernen, accalmie kann Dampf ablassen. Also win win.

Beleidigende Inhalte

Anders sieht das schon aus, wenn in Kommentaren oder E-Mails Beleidigungen ausgesprochen werden. Es gibt keinen Grund, dies geheim zu halten, besonders weil das keinen vorteilhaften psychischen Effekt hat. Unsere Gesellschaft ist nicht gut darin Betroffenen zu vermitteln, dass sie nie “Schuld” sind. Also wird Schuld automatisch angenommen, Menschen ist es peinlich, angegriffen worden zu sein und sie schweigen darüber. Das Schweigen selbst verstärkt dann wieder den Eindruck, man hätte etwas falsch gemacht.
Aber selbst wenn man ein kontroverses Thema bearbeitet, selbst wenn man Menschen verletzt hat, ist das keine Entschuldigung für Beschimpfungen. Menschen, die sich angegriffen und verletzt fühlen, können natürlich darauf aufmerksam machen, sie können sogar wütend sein und das auch zeigen. Aber wütend ist ungleich beschimpfen. Beschimpfen hat nur zum Ziel, die andere Person einzuschüchtern, zum schweigen zu bringen. Wenn mich jemand beschimpft, kann ich daraus keine verständliche Kritik an meinem Text ablesen, noch was ich besser machen sollte und wenn man mich beschimpft, habe ich definitiv auch nicht die Pflicht. Dies ist keine Form der Kritik, dies ist ein Versuch, Menschen zum Schweigen zu bringen. HarrietJ schrieb dazu einleuchtend (Übersetzung auf Anfrage)

There is something about my refusal to feel bad and back away that is frightening. Not to everybody – there’s a whole world that could care less – but the people who make an investment in silencing me have done so because they have made a cost-benefit analysis. Whatever it takes out of them to silence me is going to be less than what I will take from them if I don’t shut up.

Das ist sicherlich eine ermutigende Aussage: ich kann ihnen sehr wohl nahetreten, wenn ich weitermache. Und irgendwie möchte ich ihnen nahetreten, denn ich brauche das Gefühl mich wehren zu können.
Das ist es aber nicht, was mir unmittelbar geholfen hat, nachdem ich letztens einen wirklich hasserfüllten Kommentar erhielt. Wenn man angebrüllt wird, fällt es schwer das loszulassen und es “nicht auf sich zu beziehen”. Also habe ich einen anderen Blickwinkel ausprobiert: eine Freundin* hat diesen Kommentar erhalten, was bedeutet das? Dies ist eine gute Möglichkeit, sich all die gemeinen Fragen zu stellen. Z.B. “Meine ‘Freundin*’ wurde in einem Kommentar beschimpft. Was hat sie getan, um das auszulösen?” Die Antwort: nichts, was sie “schuldig” macht. Sie hat über ein Thema geschrieben, das einem der Kommentatoren nahe ging. Statt sich damit oder mit ihr auseinanderzusetzen, hat er sich entschieden, die “Quelle” seines Unwohlseins anzugreifen, in der Hoffnung, dass sie verstummt. Frage: “Hat seine Wut überhaupt etwas mit meiner Freundin* zu tun?” Antwort: Nein. Sie war zufälligerweise die Person, die sein Wut-Management-Problem ans Tageslicht gebracht hat. Das sagt nichts über sie aus. Usw.

Eine praktische Sache allerdings noch: ein Screenshot schadet nie. Selbst wenn ihr die Scheiße nie wiedersehen wollt und euch nichts ferner Liegendes vorstellen könnt, als euch an die Polizei zu wenden (was bei einigen nahezu unmöglich sein wird), macht einen Screenshot, speichert es irgendwo ab. Im Falle von Mails in einem Ordner, wo der ganze Mist hinkommt, um nicht mehr angeschaut zu werden. Falls es doch eskalieren sollte, ist eine Sammlung von Dokumenten immer hilfreich. [Warnung für folgenden Link: Morddrohung, Verharmlosung von (sexualisierter) Gewalt, Victim Blaming] Zumindest in einer Welt, wo Morddrohungen keine “geschmacklose Prosa” sind.

Stalking

Stalking ist eine Sache, wo ignorieren doch wieder geraten wird (von wem habe ich unten verlinkt). Unter Stalken versteht man meist die Fixierung auf eine Person, die durch Kontakt immer wieder befeuert wird. Wenn man nach wochenlangen nervigen Telefonanrufen plötzlich doch antwortet, wenn auch nur um zu schreien: “Lass mich in Ruhe”, ist das für den*die Stalker*in nur ein Signal, wie lange sie nerven müssen, um eine Reaktion zu erzielen.
Aber es ist eine sehr sehr stressige Situation für die Betroffenen. Wenn man nicht einfach tatenlos zusehen kann, verstehe ich das. Was gibt es Einschränkenderes als “Ich soll nicht auf konstante Belästigung reagieren.” – daraus kann man schwerlich ein Gefühl der Kontrolle über die Situation ableiten.
Daher ist zu empfehlen: alle technischen Möglichkeiten ausnutzen – Mails filtern, Anrufe dieser Nummer sperren oder umleiten, auf allen sozialen Netzwerken und in Chats blocken; gemeinsamen Bekannten, falls vorhanden, einbläuen, dass sie keine Informationen weitergeben sollen – weder in die eine noch die andere Richtung (“XY hat nach dir gefragt.” oder XY “hilfreich” erzählen, dass sie dich in Ruhe lassen sollen, weil du eine neue monogame Beziehung hast z.B.)
Wenn man der Person auch auf der Straße begegnen kann, wird es noch schwieriger. Da es hier um Online-Probleme geht, verweise ich zur weiteren Lektüre auf die folgenden Artikel. Bei allen ist Vorsicht walten zu lassen, weil sie Beschreibung von emotionalem oder körperlichen Missbrauch enthalten können. Drei Stories von Betroffenen, gefolgt von Unmengen an Tips, Was tun gegen Online-Stalker*innen und Eine Ex-Partnerin*, die die neue Freundin* belästigt.

Das Filtern von E-Mails (das heißt am besten als gelesen markieren lassen und z.B. in einem Ordner abspeichern, den man sich nicht ansieht) kann nebenbei sehr unbefriedigend sein oder sogar stressig – etwa wenn man die Person kennt und sie suizidal ist oder man sich nicht sicher ist, ob “wichtige” Drohungen kommen. In dem Falle empfiehlt es sich, die Mails an eine Vertrauensperson weiterleiten zu lassen, die regelmäßig überprüft, ob es relevante Inhalte gibt, aber nichts von den Inhalten weitererzählt.

Schlusswort

Das sind höchst persönliche Vorschläge, die keinen bindenden Charakter haben oder die nicht auszuführen bedeutet, dass man falsch vorgeht. Unabhängig von dem Geschriebenen gilt für mich: Betroffene entscheiden, was gemacht wird und das wird nicht kritisiert, sondern unterstützt. Wenn ignorieren euch hilft, ignoriert, wenn ihr selbst mal zurückschreien (=CAPSLOCKEN) wollt, macht das.
Was für mich klar ist, ist dies: Mobbing und Beleidigungen einfach hinnehmen zu sollen ist Bullshit.

  • Es wälzt die Verantwortung von den Täter*innen und der Gesellschaft, die ihnen den Rücken deckt, auf die Betroffenen ab.
  • Es entbindet Zuschauer*innen und Autoritätspersonen von der Pflicht zu helfen.
  • Es motiviert Täter*innen am wahrscheinlichsten noch dazu so lange mit dem metaphorischen Stock zu pieksen, bis di:er Betroffene eben doch ausrastet.
  • Es zieht furchtbare psychische Auswirkungen für Betroffene nach sich, weil es ein Gefühl der Machtlosigkeit vermittelt.

So viel von mir. Könnt ihr euch im oben genannten Vorgehen wiederfinden? Habe ich einige Sachen völlig falsch wiedergegeben oder nicht richtig verstanden? Wollt ihr von Erfahrungen berichten? Alles willkommen in den Kommentaren.

Open Thread: Aromantisch? Ja, nein, vielleicht?

Also das ist so: ich führe keine romantischen Beziehungen. Das liegt daran, dass ich mich nicht verliebe. Das heißt, das habe ich bis jetzt nicht getan und ich verstehe das ganze Konzept der romantischen Liebe nicht wirklich. Ich schließe nicht aus, dass ich mich in Zukunft mal verliebe, aber momentan habe ich eher eine “Was soll dieser Scheiß”-Einstellung.
Irgendwer da draußen, dem_der das bekannt vorkommt? Andere Gründe, warum die romantische Liebe misstrauisch beäugt wird?

Edit zur Klarstellung: mich interessiert hier die persönliche Perspektive. Wenn sich z.B. wer eigentlich “normal” verliebt, aber aus politische Gründen entschieden hat, damit auf ungewöhnliche Art umzugehen, interessiert mich das auch. Ich möchte aber weder zum Thema Aromantik noch (Kritik an der) romantischen Zweierbeziehung einen “neutralen und objektiven Diskurs” führen, in dem es nicht um persönliche Einstellungen und Erfahrungen geht.

Tumblr in gute Hände abzugeben

Erinnert ihr euch noch an den Gute-Nachrichten-Tumblr? Ich würde ihn gerne abgeben, Näheres hier.

Edit: Wenn ihr euch denkt: ‘Das klingt schon einladend, aber alleine trau ich mich nicht/ist mir zu viel Arbeit.’ – kein Problem! Dann mache ich das bekannt und versuche dabei zu helfen, eine Gruppe zusammenzustellen. Am besten in dem Falle schreiben, wie man am liebsten mitarbeiten würde.

Links 27

Schlagwörter: Patriotismus – Nationalismus – Rassismus – Sexismus – Nationalstolz – Fernsehen – HartzIV – Europa – Flüchtlingspolitik – Polizeigewalt

Patriotismus, Nationalismus, Rassismus im Lichte der EM – Mal entspannt zeigen, wo die Fahne hängt via @thetokyodiaries @KhaosKobold [Deutsch]

RTL II kauft sich die Realität zurecht via @DoDieZweite [Deutsch]

Was Frauen* meinen, wenn sie jemanden “creepy” nennen via @CAwkward [Englisch]

Deine Zeit und meine Zeit oder warum das frühe Aufstehen viele zu Zombies macht via kiturak [Englisch]

Der Mythos von den vielen geschlagenen Ehemännern* via @sanczny [Englisch]

“40 Prozent aller Alleinerziehenden in Deutschland sind Hartz-IV-Empfänger – fast ausschließlich Frauen” von @enoerlee via @sanczny [Deutsch]

Du bist weiß, cis und männlich, genau wie alle anderen auch? Vielleicht ist es Zeit zu Hause zu bleiben via @_accalmie [Englisch]

Der europäische Mainstream-Feminismus bringt es nicht fertig, die Tode von undokumentierten Immigrant*innen und Flüchtlingen zu priorisieren via @spelunkenjenny [Englisch]

Ein Leben als Schwarze Deutsche via Noah Sow via @kiturak [Deutsch]

Schwerer Übergriff durch weimarer Polizei [Trigger Warnung wegen sexistischen und rassistischen Aussagen, körperlicher und psychischer Misshandlung] via @baum_glueck [Deutsch]

Allies ja, Selbstdarstellung nein

Schlagwörter: Allies – Diskriminierung – Selbstdarstellung – Solidarität

If you are going to actually be an ally this means that you have to take a true and legitimate interest in the causes and or people that you are claiming allegiance to. Wearing the right assortment of coloured bracelets or ribbons does not constitute activism. Sitting in a coffee house expounding on the lightness of being, while you quote esoteric quotes to prove how in touch you are with the downtrodden is the equivalent of a hot breeze on a hot day; annoying and needless.

Renee Martin auf Womanist Musings

Zuerst die Grundlagen; “Allies” (oder dt. korrekt “Allys”, sieht jedoch schlimm aus), zu deutsch “Verbündete”, sind Menschen, die von einer Diskriminierung nicht betroffen sind, sich aber explizit gegen diese aussprechen und von sich sagen, sie wöllten gegen diese Diskriminierung vorgehen. Ich könnte mich zum Beispiel, was Rassismus angeht, als Ally bezeichnen.

Wenn es um Allies geht, kommt es durch die Art unserer Gesellschaft mit Diskriminierung umzugehen unweigerlich zu einem Problem: es wird immer derjenigen Person zugehört, die weniger sich überschneidende Diskriminierung erfährt. In der Folge erfahren Allies mehr Aufmerksamkeit als Betroffene, obwohl sie Diskriminierung ansprechen, mit der sie keine persönliche Erfahrung haben (ich schwör: daneben zu stehen, wenn eine Person rassistisch beschimpft wird ist nicht “Erfahrung mit Rassismus”).
Was heißt hier “Allies” – Es wird lieber Nicht-Marginalisierten¹ zugehört. Mit etwas Glück sind das wenigstens Allies.

Das brisanteste Beispiel der letzten Tage für den Ausschluss betroffener Stimmen war eine Sendung von DRadio Wissen mit dem Titel “Sex, Gewalt und Hochkultur – ein Talk über Computerspiele”. Sexismus wurde thematisiert, keine Frau* war eingeladen. Vom Rassismus möchte ich hier gar nicht sprechen. Auf femgeeks.de wurde das ganze Debakel rückblickend beleuchtet und kritisiert. Unter ihrem inhaltlich gleichen Beitrag auf der Mädchenmannschaft wurde dann prompt die Erwartungshaltung und Lernresistenz der Angesprochenen durch einen Teilnehmer* verdeutlicht.

Nun wird das Ignorieren von betroffenen Stimmen durch die Presse, Radio und Fernsehen gerne als Motivator benannt “erst recht für die Rechte von … einzutreten”. Hugo Schwyzer etwa war im An-sich-Reißen des feministischen Dialogs in den USA ganz groß. Warum das nichts Gutes für Frauen* und Feministinnen* bedeutete, besonders für die mit sich überschneidenden Diskriminierungen, lässt sich vielerorts nachlesen.
Denn “für” andere sprechen ist vielleicht nett gedacht, aber sehr sehr kurz. Allies haben per Definition weniger Ahnung vom betreffenden Thema, weil sie nie nicht und nimmer davon betroffen sein werden (außer in sehr wenigen Fällen, aber für den Ist-Zustand ist das unerheblich).
Kiturak hat hierzu auf Facebook mal hilfreich die Definition eines “Sprachrohrs” verlinkt, da sich einige Allies gerne als solches für “marginalisierte Stimmen” verstehen: ein Sprachrohr kann das Gesagte nicht verändern, es wiederholt den Inhalt nur lauter. (Durch kituraks unermüdliches Beharren ist mir übrigens auch die Wichtigkeit der folgenden Liste deutlicher geworden.)

Aus all diesen Punkten ergibt sich die folgende Aufgabenstellung für Allies:

  • Die Texte von marginalisierten Personen verlinken, selbsterklärend kommentiert. Ein Äquivalent zur Frauen*quote kann für solche Links als Maßstab genutzt werden: wenn es zum gleichen Thema den Text einer marginalisierten Person und den einer*s Allys gibt, ist ersterer immer vorzuziehen.
  • Edit zu Punkt 1: das bedeutet absichtlich nach Texten von Marginalisierten zu suchen! “Ich lese halt keine Texte von Betroffenen, nur über Betroffene – wer weiß ob die überhaupt bloggen” ist eine furchtbar schlechte Entschuldigung.
  • Zitate, Zitate, Zitate mit Quelle und Erwähnung der Person, von der sie stammen.
  • Ablehnen an öffentlichen Diskussionen teilzunehmen, die nur aus nicht-Marginalisierten besteht. (via accalmie)
  • Bei Anfragen für Vorträge, Artikel usf. schamlos Blogger*innen o.a. promoten, die von der Diskriminierung betroffen sind.
  • In Artikeln und Diskussionen mitdenken, wo man gelernt hat, was man gerade wiedergibt. Die entsprechenden Namen konsequent nennen.
  • In Gremien und Diskussionen allgemein die eigene Redezeit selbstständig (d.h. unaufgefordert!) beschränken, wenn man z.B. cis-männlich ist oder Betroffene der Diskriminierung, die gerade diskutiert wird, anwesend sind – um ihnen den Diskussionsball zuzuspielen, versteht sich.

Versteht mich nicht falsch, mindestens die Hälfte dieser Liste muss ich selber noch besser angehen. Aber eine Erinnerung kann nicht schaden.

Drei weiterführende grandiose Links zum Ally-Sein und arbeiten mit Allies
When Allies Fail, Part I
When allies fail – Pt. 2
I’m An Ally But

Weitere Links zum Thema in den Kommentaren gerne willkommen.

1 “marginalisiert” – wörtlich: an den Rand gedrängt

Crossposted auf takeover.beta

Edit: “öffentlich” in den vierten Anstrich eingefügt

30 Zitat der Woche 29

Schlagwörter: Privileg

Here’s the thing about privilege: it’s unearned. That’s right, privilege isn’t something that people ask for, nor is it something to feel guilty about. What’s important is that you understand that your position, your unearned advantages, create limitations and boundaries, whether it’s epistimological (knowledge-based) or material. This means you aren’t going to know a whole lot of shit about other positions because you haven’t experienced them, and never will.

[Hier ist die Sache mit den Privilegien: sie sind unverdient. Das ist richtig, Privileg ist weder etwas, worum Menschen bitten, noch ist es etwas, wofür man sich schuldig fühlen muss. Wichtig ist zu verstehen, dass deine Lage, deine unverdienten Vorteile, Einschränkungen und Grenzen, seien sie epistemologisch (erkenntnistheoretisch[= wissens-basiert]) oder materiell, schaffen. Das heißt, dass du nicht das kleinste Bisschen über die Lage anderer weißt, weil du sie nicht erlebt hast und niemals wirst.]

Von und auf Queer Insurrection (via lasagne.soup.io)

Open Thread: auf Street Harassment reagieren, aber wie?

Schlagwörter: street harassment – Diskriminierung – zurück schlagen

Im Zuge meines Artikels Schlag halt zurück, Mädchen! antwortete Samia u.a.

Ich muss sagen, dass für mich der Austausch mit Frauen* über street harassment unglaublich wichtig ist. Was fühlen wir in welcher Situation? Wie können wir das beeinflussen? Welche Art der Reaktion ermöglicht uns, uns hinterher gut zu fühlen? Wovon hängt es ab, ob die Reaktionen umsetzbar sind?

Mir geht es ebenso, weswegen ich mich entschieden habe, zu dem Thema einen zweiten Open Thread zu machen. Zur Inspiration ein paar Tweets, die ich, auf die Ankündigung dieses Threads hin, auf Twitter bekam.

Genau so geht es nach eigener Aussage @spelunkenjenny. Die hat allerdings noch eine Geschichte auf Lager.

Natürlich nur für Cis-Frauen möglich, die tatsächlich ihre Tage haben … und gut vorbereitet sind!
Und noch zwei weitere Inspirationen:

Danke schon einmal für eure Wortmeldungen, gerne könnt ihr das im Thread noch einmal näher darlegen. Vorher allerdings noch einige grundlegende Anmerkungen:

– Viele sind nicht nur von einer Form der Diskriminierung betroffen und werden daher nicht nur angemacht, weil ihr Geschlecht als weiblich wahrgenommen wird. Wenn ihr Erlebnisse habt, wie ihr wegen Rassismus, Hetero-Sexismus o.a. beschimpft wurdet, immer her damit! Auch in dem Falle würde ich gerne hören, wie ihr die Situation erlebt, wie ihr euch wehrt oder euch nicht dazu in der Lage fühlt usw.

– Dieser Thread richtet sich an weiblich Sozialisierte, weil diesen seltener nahegelegt wird, dass es in Ordnung ist, wütend zu sein und diese Wut auch zum Ausdruck zu bringen. Transsexuelle gleich welchen Geschlechts können aber gerne von ihren Erlebnissen berichten.
Sollten sich Männer* (dies gilt auch für transsexuelle Männer* und Genderqueere, wenn ihnen eine Äußerung dort lieber wäre) finden, die gerne von ihren Erlebnissen mit Diskriminierung aufgrund von Cis- oder Heterosexismus, Ableismus usf. auf der Straße berichten möchten, kein Problem. Dann bitte ich euch, den zweiten Thread zu nutzen, damit die jeweiligen Diskussionen einen größeren gemeinsamen Nenner haben.
(Wenn ein Teil dieses Vorgehens völliger Scheiß ist, lasst es mich wissen.)

– Ich möchte die Diskussion des Themas so sicher wie möglich gestalten, daher werde ich möglicherweise keine Antworten zulassen, die von Außenstehenden kommen (“Ich als Mann hab mal die Frage, wie das so ist, abends allein unterwegs zu sein.” “Ja aber Lesben blabla…” Da kann man auch einfach mal still sein und zuhören.). Ich werde auf keinen Fall “hätteste…/du solltest…/aber warum machst du nicht…” Victim-Blaming durchlassen.

– Und zuguterletzt: Bitte setzt eine Trigger-Warnung über eure Kommentare, wenn nötig. Wenn das Erlebnis irgendwie scheiße war, aber auch nicht voooll schlimm, dann nehmt eine Inhaltswarnung. (Also “Inhalt: feindselige Äußerung, allein auf der Straße” o.ä.) Sollte eine solche fehlen, aber meiner Meinung nach nötig sein, setze ich sie auch nachträglich in eure Kommentare.

NUN würde ich gerne wissen, wie ihr auf street harassment reagiert. Nutzt ihr Äußerungen oder Gesten, die für euch befreiend sind? Stellt ihr euch eine Erwiderung cool vor, habt sie aber noch nicht umgesetzt? GO!

Verbale Entstressung 02: Ich will hier weg

<< Teil 1: Passiv-Aggressivität

Schlagwörter: Diskussion – Kommunikation – Diskriminierung – Die Kurve kratzen, mit Stil

Diskussionen gehen schief, manche Menschen oder Themen sind einem generell unsympathisch. Oder man hatte einfach einen anstrengenden Tag und keine Spoons mehr übrig für einen weiteren Konflikt. Also was tun, wenn man am liebsten einfach nur weg will?

Beispielhaft werde ich Diskussionen behandeln, die sich um eine Form der Diskriminierung drehen. Gewöhnlich zeigt sich schnell, wenn die andere Person dafür überhaupt nicht zugänglich ist oder so lange nachbohren wird, bis man nicht mehr kann.

Drei Methoden, um die Diskussion einem sicheren Ende zuzusteuern:

  • Naives Nachfragen: gelernt habe ich die Methode von einem Kommentar auf Shapely Prose, den ich leider gerade nicht finde. Stattdessen lesen wir uns einen Kommentar zu einem grandiosen Post von Snarky’s Machine durch. Rebecca V. schreibt
    What works for me when someone starts talking in one of those colorful yet offensive metaphors, such as “why buy the cow” or when my bigoted uncle was making remarks about a “third sex” when talking about his brother, my gay uncle, is to Not Get It. Look blank and ask them to explain. They won’t, of course. Sometimes they’ll repeat themselves as if you didn’t hear them. Just keep looking blank and say “I heard you, I just don’t understand what you mean.” They may backpedal, or they may insist that you do know very well what they mean, but they will quickly change the topic.

    Wir lernen: Wenn eine Person eine furchtbare Meinung vertritt, aber diskutieren ist gerade einfach nicht mehr drin, stelle naive Fragen. “Ich verstehe nicht.” mit einem Gesichtausdruck, der die Aussage unterstreicht. *verwirrt schauen* “Was meinste du damit?” oder “Warum ist das witzig?” Auch ein schlichtes “Wie bitte?”, wie du es verwenden würdest, wenn du aufgrund von Umgebungslärm nicht verstehen konntest, was die andere Person gesagt hat, hilft. Die Fragen sind wiederholbar bis jemand im Boden versinkt.
    Wenn man sich dieser Fragen bedient, muss man selbst nicht zu viele Emotionen in die Situation einfließen lassen und sich auch in “professionellem” Kontext keine Blöße geben. Schließlich ist es nicht verwerflich, wenn man etwas nicht versteht, nicht wahr?
    Sehr wichtig ist allerdings das Wie. Man darf nicht den Eindruck erwecken, man spiele der anderen Person gerade einen Streich. Also kein Augenzwinkern und nach Möglichkeit auch nicht lächeln! (Nicht zu lächeln, wenn ich Unmut äußere, ist für mich eine Aufgabe, an der ich noch lange knabbern werde.) Alle Anwesenden werden nach dem zweiten Mal nachfragen wissen, dass es so schwer nicht sein kann, eine diskriminierende Aussage zu verstehen, aber wenn man die Fragen mit dem richtigen Ton und Gesichtausdruck transportiert, gebietet es der höfliche Umgang, dennoch auf sie einzugehen.

  • Ich sag’s nicht, aber du redest scheiße: Wenn man nichts entgegenhält, können Leute auch nicht in eine neue Tirade ausbrechen. Daher lautet eine weitere Methode der Wahl: “Aha.” oder “Mhm.”, “Verstehe.” oder “Ist das so?”, alles vorgetragen in einem Ton, der anzeigt, dass deinerseits kein größeres Desinteresse bestehen könnte.

    Eine höhere Kunst, die in eine ähnliche Richtung geht, die anzuwenden mir aber sehr schwer fällt: lass Stille sprechen. Wenn Leute etwas Furchtbares gesagt haben, warte mindestens 3 Sekunden vor einer Antwort. Als i-Tüpfelchen kannst du sie ansehen als hätten sie gerade einen Haufen auf den Küchentisch gemacht.
    Stille ist allgemein ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen und Gesagtes zu unterstreichen. Der Drang sie durch Worte zu füllen, ist allerdings sehr groß.

  • Gehen: ich meine es ernst, umdrehen und gehen. Oder auflegen. Oder off gehen.
    Uns wird beigebracht, wie man sich in sozialen Situationen zu verhalten hat. Wenn unser Gegenüber nicht nach diesen Regeln spielt (uns z.B. beleidigt oder zu manipulieren versucht), hat diese Person bereits die Regeln gebrochen. Daher hier die ausdrückliche Erlaubnis von mir, die Regeln ebenfalls zu brechen.
    Es fällt unglaublich schwer, tatsächlich zu gehen und es ist sehr wahrscheinlich, dass es Schuldgefühle hervorruft. Den Raum (oder Chat) zu verlassen, ist jedoch eines der deutlichsten Zeichen, das man setzen kann und hilft, logischerweise, unmittelbar.