Starcraft II

Schlagwörter: Starcraft 2 – Videospiele – Sexismus – Rassismus – Review

Es ist Zeit für eine kurze Review von Starcraft II. Ich bin spät dran, aber das bin ich immer, also … gut. Keine Spoiler, los geht’s.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich Starcraft II mochte.
Ich war zu ungeduldig, der Geschichte zu folgen, die mit Detailliebe durch Zwischensequenzen und Rückblenden usw. aufgebaut wurde und habe dennoch race fail und sexism fail am Rande mitbekommen. Das lässt nichts Gutes vermuten – ist aber, nehme ich an, der Grund, warum mein Spielerlebnis mehr oder weniger ungetrübt verlief.
Ich habe mich auf die Kampagne und dort wiederum auf die Missionen konzentriert, die man in einem Rutsch spielen kann und durch mein mangelndes Interesse am navigierbaren Interface im ersten Durchlauf weitere Missionen verpasst. Beim zweiten Durchlauf habe ich die Zusatzmissionen mitgenommen, bin dafür aber wieder nicht bis zur letzten Mission gekommen (Zeitgründe).

Lasst uns mit dem Positiven beginnen;
An mehreren Stellen wurden gute Lösungen für nervige Probleme geboten. So kann man zum Beispiel die Versorgungsdepots nun herunterfahren, was sehr hilfreich für mich ist, weil ich in jedem einzelnen Spiel die unmögliche Stelle finden werde, bei der Figuren stecken bleiben und nicht wieder loskommen. In God of War ups, Darksiders hing ich aus diesem Grund mal in einer irrealen dreidimensionalen Raum fest und konnte die Plattform von unten sehen, auf der ich eigentlich hätte stehen sollen. Allerdings war der Bug mit der auf Knielevel fliegenden Leiche in Splinter Cell 3 witzig (leider kein Screenshot gemacht). In Starcraft ist es sogar noch einfacher, in eine festgefahrene Situation zu geraten, weil man dauernd auf begrenztem Raum Gebäude hochzieht – darum bietet die neue Option Erleichterung.
Weiterhin kann man den WBFs nicht wie üblich nur den Versammlungsort bei den Erzen vorgeben. Nun kann man die Erze selbst als Versammlungsort festlegen, wodurch die WBFs unmittelbar nach der Ausbildung mit dem Sammeln beginnen. Ein paar Klicks gespart.

Die Grafik macht wirklich was her. Die meisten Einheiten und Gebäude wurden passend ins detailliertere Design übertragen und auch die Zwischendialoge und die navigierbaren Szenen im Schiff sind ansehnlich gestaltet. Mit letzteren meine ich das Menü, an das man sich erst mal gewöhnen muss. Wenn man gerade keine Mission spielt, kann man sich in mehreren Settings aufhalten. Entweder forscht man, wenn man bestimmte Missionsziele erreicht hat, um bessere/Zusatzausrüstung zu bekommen, sieht sich in der Schiffsmesse die Nachrichten an, betrachtet im Waffenarsenal Einheiten aus der Nähe oder upgradet sie. Auf der Brücke schließlich findet sich die Sternenkarte, mit deren Hilfe man die nächste Mission anwählt. Alle Szenen sind dabei detailliert gestaltet und diverse witzige Kleinigkeiten eingestreut. Aufgrund oben genannter Ungeduldigkeit habe ich die meisten Elemente der Szenen nicht einmal angeklickt.

Die vorhandenen Schwierigkeitsgrade fand ich angemessen. Es gibt vier Stück von leicht bis brutal. Ich habe im ersten Durchlauf „normal“ gewählt. Damit kommt man, wenn man die Hinweise nicht missachtet (*räusper*), überall relativ leicht durch. Darum wählte ich im zweiten Durchgang „schwer“ – eine angenehmere, weil herausfordernde Wahl, sofern man bereits mit der Spielmechanik vertraut ist.

Was mir sonst noch positiv auffiel, weil es „heutzutage“ keine Selbstverständlichkeit mehr ist: man muss zum Spielen keine DVD einlegen.

Jedoch ist eine Internetverbindung notwendig, was mir nie behagt. Natürlich benötigt man die, wenn man online Multiplayer nutzen möchte (was ich noch nicht selbst getan habe, aber von meinen Feldbetrachtungen her sehr unterhaltsam fand), aber eben leider auch, wenn man nur stur die Missionen durchzockt.

Die Menüführung wenn man ein*e zweite*n Benutzer*in anlegen will, fand ich jedoch extrem anstrengend und umständlich. Ich glaube, dass es am Ende gelang, aber bei Starcraft I war es intuitiver. Auch die Installation hinterließ hinsichtlich der Notwendigkeit einiger Schritte Fragezeichen.

Die Ladezeiten gingen mir zunehmend auf die Nerven. Die wundervollen Bilder von Weiten des Weltalls (na ja, meist sieht man den Planeten, auf dem die nächste Mission stattfinden wird), lenken zwar ab, aber vor jeder Mission mehrere Sekunden warten zu müssen macht mich hibbelig. Da kann man mit der Computerleistung sicherlich ‚was drehen … wenn man denn finanziell kann.

Und nun kommen wir zum Fail, der auf einem Blog wie diesem natürlich nicht fehlen darf.
Frauen* sind (wenn es sich nicht gerade um die böse Königin der Zerg handelt) mal wieder nicht dort dabei, wo man sich aktiv prügelt. Sie treten als Verbündete/Gegner*innen auf, haben dann aber lediglich eine Dialog-Rolle. Und na ja, Kerrigan kann man nicht steuern, also ist sie auch kein richtiges Gegenbeispiel. Es gibt Sanitäterinnen und Pilotinnen. Die Sanitäterinnen sprechen dabei so lächerlich flirtend, dass es mir echt auf die Nerven ging. „Wo tut’s denn weh?“, das nach einem großen Augenzwinkern klingt, ist schon recht absurd, wenn es nicht darum geht, Pflaster mit Dinosaueriern auf ’ne kleine Schürfwunde zu kleben, sondern eher Körperteile von halbtoten Marines einzusammeln und wieder zu befestigen.
Die projizierte tanzende Stripperin (das rote links oben), die in der Schiffsmesse zu sehen ist, war auch überhaupt nicht nötig.
Wenn man schon ein Spiel kreiert, in dem Frauen unterrepräsentiert sind, macht man es definitiv nicht besser, indem man signalisiert, dass sie ja wenigstens nacktes Fleisch zeigen können. „Wir glauben nicht, dass ihr fähig seid, am Kampf teilzunehmen, aber ausziehen könnt ihr euch.“ Super.

Das Figurendesign von Kerrigan spielt gleich zwei unrühmliche Rollen in dieser Hinsicht. Einerseits hat sie völlig sinnlose „Klamotten“ an (logic, we don’t has it), unter anderem ihr Hintern wird unglaublich überbetont und sie hat eine Art … organische Absatzschuhe? [Video mit Spoilern, die nicht schlimm sind, wenn man nicht zuhört. Kerrigan ab 01:55, lächerliche Schuhe 02:00, unsägliches Posing ab 03:30] Nichts gegen Absatzschuhe, aber man wird mir noch erklären müssen, was sie für den Kampf besser geeignet macht als flache Schuhe und warum zur Hölle ihre neue Zerg-Natur Kleidung und Absatzschuhe hervorbringt.
Sie wirkt einfach nur grotesk übersexualisiert.
Hinzu kommt etwas zweites Bemerkenswertes: ich glaube, die infizierte Kerrigan soll als schwarz gelesen werden. Sie hat auf jeden Fall einen dunkleren Teint als damals, als sie noch ein Mensch war und ihre Haare (haben Mensch-Zerg-Mutanten Haare? Wahrscheinlich) sehen aus wie Dreads.
Das wäre cool, wenn Kerrigan als Mensch of color gewesen wäre, aber so wird eine sehr durchsichtige, sehr rassistische Gegenüberstellung von weiß = gut und schwarz = böse erzeugt, von der man tunlichst die Finger lassen sollte.
Auch ein zwischenzeitlicher Verbündeter, Tosh, ist schwarz, aber ich kann nicht behaupten, dass er als Sympath dargestellt wird. Er ist nicht der einzige, der in krasser Rüstung auftritt, aber die Weißen werden dabei cool, vertrauenerweckend (im weitesten Sinne), kumpelhaft dargestellt, während er geheimnisvoll und verschlagen wirkt. Auch sein Akzent (ich habe nur die deutsche Synchronisation als Beispiel) markiert ihn als anders. Not cool.

Es wird wohl niemanden überraschen, wenn ich sage, dass die übliche weiße, hetero, männliche, able-bodied, cis Zielgruppe von solchen Spielen sich schmerzhaft in den Figuren niederschlägt.

Weiterführendes, nicht spoilerfreies Lesen: The Awful, Sexist Plot of Starcraft 2

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7 Gedanken zu “Starcraft II

  1. Ich bin sonst sehr ‚kommentarscheu‘ und stille Mitleserin, wollte dir aber mitteilen, dass ich den Text großartig finde! Ich spiele SC2 gerade zum zweiten mal und mir sind genau die selben Dinge aufgefallen. Sehr schade, da mir das Spiel ansonsten (Inszenierung, Atmosphäre, anfängerfreundlich ;) sehr gefallen hat.
    Im Zusammenhang mit weiß = gut und schwarz = böse ist mir besonders die Entscheidung, ob man Tosh oder Nova unterstützt, aufgefallen. Tosh ‚passend‘ mit rot-schwarzem Hintergrund und Nova mit weiß-blauem Hintergrund unterlegt im Entscheidungsfenster. Was soll man da noch sagen…

    1. Freu mich über deinen Kommentar :)
      Das hatte ich gar nicht mehr mitbekommen mit den Hintergrundfarben. Ich glaube, ich hatte aus Protest Tosh gewählt, wegen „sexy Nova“, ging mir auf die Nerven.

      1. Ha, hab grad sogar einen Screenshot gefunden: http://3.bp.blogspot.com/_ZXsDbsvmgco/TIbenjIVRkI/AAAAAAAAAwQ/F9PIoEA8Oow/s1600/hardchoices2.jpg
        Jetzt so beim anschauen ist es noch schlimmer als ich es in Erinnerung habe: „ending the threat of psychotic rampages by rogue spectres“… Sehr vertrauenserweckend.

        Ich hab beim ersten mal Nova gewählt weil ich endlich mal ’nen weiblichen Charakter steuern wollte und beim zweiten mal dann Tosh, weil er mir eigentlich sympathischer war, da er sich Raynors Sache anschließen will.

      2. Endlich mal ’ne Frau* spielen zu wollen verstehe ich gut.

        Wenn ich mir das so ansehe, finde ich Tosh’s Hintergrund besser wegen der warmen Farben, aber ich glaube, so war es echt nicht gedacht. Allein die Augen…

  2. Ich kann mir schon vorstellen, dass sie Nova als hart-unterkühlt-streng im Gegensatz zu Tosh darstellen wollten, aber das macht’s irgendwie nicht besser…

    Ich bin ja gespannt wie Kerrigan in Heart of the Swarm dargestellt wird – hoffentlich machen sie was draus, da gibt’s sooo viel Potential. Vielleicht schreibe ich dann das Pendant-Review und starte damit meinen eigenen Blog wenn ich mich traue ;)

    1. Oh Gott ja, wenn die auch noch „feurig“, „leidenschaftlich“ oder „ursprünglich“ da reinbringen wollten, wird’s ja ganz furchtbar … alles kann anscheinend immer noch furchtbarer werden -.-

      @Rezension Das wäre super spannend, kann ich nur unterstützen!

      1. Vielen Dank für den Zuspruch und die angenehme Konversation (habe ich viel zu selten, gerade beim Thema Videospiele! Dabei liebe ich Spiele wirklich), ich lass es dich wissen :)

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