Open Thread: Erklärt ihr, warum ihr weg seid?

Schlagwörter: Freundschaft – Beziehung – Open Thread

Zunächst einmal eine kurze Erklärung zum Begriff „Open Thread“ für die, die damit nicht vertraut sind: im Großen und Ganzen geht es darum, dass ich keinen Artikel mit ausgeformten Gedanken poste, der dann kommentiert werden kann. Stattdessen stelle ich ein Thema zur Diskussion, zu dem ihr eure Gedanken, Erfahrungen und spontanen Einfälle loswerden könnt.
Der Thread ist also „open“ (offen) für alle, hat aber auch ein „offenes“ Ende, denn die ULTIMATIVE Antwort oder den Tenor der Kommentare kann ich nicht voraussagen.

Nun zu meiner Frage: Irgendwann im Leben trennt sich wohl jede*r von alten Freund*innen oder auch Partner*innen. Wie Captain Awkward meiner Meinung nach richtig anmerkt, macht es bei entsprechenden Gesprächen aber wenig Sinn zu sagen: „Ich gehe, weil du an dem Tag diese Sache gemacht hast und dich generell nicht um das gekümmert hast“. Sie empfiehlt hingegen, sich nur auf die eigenen Motive zu berufen („Diese Freundschaft/Beziehung funktioniert nicht mehr für mich.“ z.B.).

Meine Frage lautet: Gebt ihr Fragen nach den Gründen nach?

Ich persönlich habe den Eindruck, dass es größeres Verletzungspotenzial bietet, als dass es nutzt (wenn die Person manipulativ war – was leider auch vorkommt – bietet eine Liste der Gründe ihr auch noch Diskussionsstoff, wo es nichts mehr zu diskutieren gibt.)

Was sind eure Gedanken dazu oder auch Erfahrungen damit?

Edit: Dieser Artikel war die Inspiration für meine Frage. (Trigger Warnung wegen Schilderung von abusive relationships in ein paar Kommentaren)

7 Gedanken zu “Open Thread: Erklärt ihr, warum ihr weg seid?

  1. ich würde ein „ich bin dann mal weg“ eher nicht aussprechen, wenn ich noch bereit wäre mich zu erklären oder generell über ursachen zu diskutieren.

    wenn bestimmte grenzen überschritten sind, habe ich dazu gar keine lust mehr und dann habe ich auch kaum schwierigkeiten keine gründe zu benennen – zumal ich da auch rage.
    vor kurzem war ich in einer solchen situation – mein grund mich aus dieser freundschaft komplett auszuklinken, war sexistisches und bedrängendes verhalten. versuche, das mal anzusprechen, wurden allerdings (als ich das noch klären wollte) abgewürgt, belächelt oder auch ins lächerliche gezogen.
    allerdings muss ich sagen, dass mein umfeld darauf sehr negativ reagiert hat. vor allem mit unverständnis.
    „der war ja so nett.“
    „der ist doch jetzt ganz traurig“
    „der hat sich ja nur sorgen um dich gemacht“ (und deshalb ständig geklingelt/angerufen und gemailt)
    „du hast ja auch gar nichts erklärt“

    ich finde es trotzdem ganz richtig und wichtig solchem verhalten keinen raum zu geben. denn für mich war bspw. die reaktion meines umfeldes echt nicht so leicht, weil ich erstmal mit einem unguten gefühl/schlechten gewissen rumgelaufen bin.
    das ist eine der [komischsten]¹ sachen ich bin zu 100% sicher, dort komplett richtig reagiert zu haben, hab mich trotzdem eine woche schlecht gefühlt. schon alleine deswegen, würde ich solche gespräche immer wieder so kurz wie möglich halten.
    und verdammt nochmal: die problematik liegt doch viel früher – nicht ich nenne keine gründe und mache alles kaputt – sondern du hast mir vorher nicht zugehört, als ich noch darüber reden wollte.

    1 Bitte keine potenziell ableistische Sprache. Editiert von Zweisatz am 06.02.2012 11:00

    1. Ouh, was für ’ne schwierige und unangenehme Situation. Auch schade, dass deine Freund*innen in Victim Blaming verfallen sind, statt davon auszugehen, dass du deine Gründe haben wirst.

      Stimme deinem letzten Absatz völlig zu. Gesellschaftlich gibt es leider die Tendenz die zu bestrafen, die „den Ärger“, weil sie auf Missstände hinweisen, statt einfach mal zu schauen, was denn nicht in Ordnung ist und dagegen auch etwas zu tun. Das führt dazu, dass man sich nicht nur wegen der allgemeinen Situation schlecht fühlt (Freundschaft beendet, schwierige Gespräche geführt), sondern zusätzlich verunsichert wird, ob man das Richtige getan hat.

      Ich gratuliere dir auf jeden Fall dazu und wünsche dir alles Gute!

  2. Hm!

    Also, aus ner langjährigen abusive Freundschaft bin ich vor vielen Jahren einfach weggerannt, sozusagen. Das war auch richtig.
    Ich glaub auch, dass Gründe nennen bei abusive/übergriffigen/manipulativen Beziehungen eher ausgenutzt wird als irgendwas, genau wie Du sagst. Ich glaub sogar, dass das bei tendenziell/sonst okayen Beziehungen immer ne Versuchung ist für die Person, die nicht „verlassen“ werden will.

    Aber ansonsten kenn ich eigentlich eher das „Auseinanderentwickeln“-Ding, wo mensch sich einfach weniger und weniger sieht/ ne Beziehung unmerklich weniger wichtig/“irgendwie falsch“ wird – da find‘ ich immer, gibt’s nicht wirklich was zu „begründen“.

    (Generell find ich es sonst schade, dass es bei Freund_innen viel weniger sone institutionalisierte Sache ist, „Schluss zu machen“, oder auch nur zu reden, wenn was nicht ok ist. Ich gebe zu, dass in den meisten monogamen hetero-Beziehungen auch echt wenig geredet wird, aber trotzdem.)

    Sprich, das einzige „Schlussmachen“, das ich aus Gründen ™ kenne, ist das, wo ich die Gründe nie sagen würde.

  3. Ich denke, es hängt sehr stark von der Persönlichkeit ab, von der ich mich lossage.

    Ich habe vor 7 Jahren eine Freundschaft kommentarlos beendet und bis heute keine Zeile dazu geschrieben oder gesagt. Das lag daran, dass ich mir eine Diskussion dazu nicht vorstellen konnte (Einsicht, Introspektion) und ich so dermaßen verletzt war, dass ich zuviel Angst vor noch mehr Wehtuen hatte.

    Die Person war und ist massiv manipulativ, sie empfand es als Freundschaftsverrat, nicht unverzüglich in alle Gedankenprozesse und Entscheidungen meinerseits eingeweiht zu werden.

    Was auf mein Nicht-mehr-melden folgte, waren ganz schnell schlimme diffamierende und sehr verletzende E-Mails an mich und meine Patentante (die mich in dieser Zeit aufgrund wirklich arger Probleme unterstützt hatte), die mir bestätigten, dass meine Entscheidung so richtig war.

    Im Übrigen stalkt mich die Person bis heute. Das zwar nur via Internet, aber viel besser ist das auch nicht. Und da heißt es nochmal mehr, nicht reagieren, nicht begründen, sondern ignorieren.

    Ich halte es aber prinzipiell schon für sinnvoll abschließend zu sagen, „hey, das geht so nicht mehr mit uns.“ Ob generell eine Diskussion oder Begründung notwendig ist: ich glaube nicht. Die Trennung ist ja innerlich schon vollzogen.

    Aber vielleicht hängt es auch vom Grad der Verletzung, von dem, was passiert ist und der Intensität und Länge der Beziehung ab.

  4. Danke für eure Antworten.

    Wenn ich so drüber nachdenke, ist die einzige Situation, in der eine Begründung funktionieren könnte, wenn beide Beteiligten sich auf Augenhöhe wahrnehmen und über eine grundlegende Verschiedenheit einig sind. Man kann sich ja mögen und trotzdem zusammen nicht „funktionieren“. Allerdings ist das nicht wirklich ein Fall, in dem Person A Person B etwas erklären muss, sondern eher eine beidseitige Erkenntnis.

    1. Mir fiel eben noch die Freundschaft zwischen meiner Schwester und ihrer ehemals besten Freundin ein. Bei denen war es nämlich so, dass sie sukzessive feststellten, sich zu weit auseinander entwickelt zu haben (andere Interessen, berufl. Entwicklung) und die haben sich – eben, weil sie sich so mögen – tatsächlich abschließend an einen Tisch gesetzt und die Freundschaft „offiziell“ beendet. Das war „Schlussmachen“ und da war auch ganz viel Trennungsschmerz und viele viele Tränen. Aber die haben sich letztlich so vor – weiteren – Enttäuschungen und Verletzungen geschützt, fand ich bemerkenswert.

  5. o.O wow @die Tilde, das klingt echt wie bei mir – bis auf das post-„freundschafts“-Stalking, das war/ist bei mir *viel* weniger :( – aber JA zu Deiner Begründung für die Nicht-Begründung.
    Ich meine, bei mir wars durchaus so, dass wir in der letzten Zeit richtig krasse Streits hatten, und ich ihr den Kram auch vorgeworfen habe. Was *Null* gebracht hat. Warum soll’s dann plötzlich anders sein, wenn ich „Schluss mache“? Und, wenn ja, ist das ein *gutes* Zeichen?

    Ansonsten fiel mir noch auf, dass das „ne Versuchung ist für die Person, die nicht “verlassen” werden will“-Ding, was ich geschrieben habe, im Grunde victim blaming ist. Kam mir gleich seltsam vor. :-/

    @Reden, wenns gut tut: Klar. Vor allem, wenn’s *irgendwie* möglich ist, halte ich die Ankündigung, *dass* es aus ist, für tatsächlich wichtig, für beide Seiten.

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