IBB – Da bin ich aber erleichtert

Schlagwörter: Diskriminierung – Intersektionelles Bullshit-Bingo

[Trigger Warnung] für diskriminierende Stereotype in Form von Adjektiven

Wann bin ich erleichtert? Wenn jemand eine beleidigende Allaussage über Frauen* macht, erst anschließend meiner Anwesenheit gewahr wird und mir dann versichert, dass ich „aber nicht so“ sei. Wer Bonuspunkte möchte, kann ein rassistisches „Du siehst aber gar nicht aus wie eine*r von denen“ oder „Sorry, ich habe nicht gewusst, dass du homosexuell bist“ einstreuen. DENN DAS MACHT DIE AUSSAGE VOLL OKAY! Denn wenn die Person gewusst hätte, dass man zu „denen“ gehört, dann hätte sie es woanders gesagt. So nett, oder?

Alsooo, nein. Oder wie Leute auch sagen: in keinster Weise.
Der zweite Teil ist leicht zu erklären: diskriminierende Aussagen werden nicht besser, nur weil du sie nicht in Gegenwarte der Personen machst, die du diskriminiert. Du setzt immer noch schädliche Behauptungen in die Welt, andere hören sie einmal mehr und empfinden sie dadurch als normaler, ergo nimmst du an der Diskriminierung teil und verstärkst sie.

Kommen wir aber zu vermeintlich beruhigenden Wirkung von „Du bist aber nicht wie die anderen!“
Zur Übersetzung: „Du bist aber nicht dumm/arm/zickig/gewalttätig/pervers/faul/abstoßend/abnormal/lügst/begehst Verbrechen/klaust mir den Arbeitsplatz“ und was sonst so assoziiert wird.
Oh wow, danke. Beruhigend zu wissen, dass du nur glaubst, dass alle anderen Menschen, die mir ähneln, so sind!
Auf welcher Ebene ist das ein Kompliment, wenn man eine Menschengruppe als Ganzes verteufelt oder kriminalisiert und eine Person aus dieser Gruppe „lobt“, indem man ihr sagt, sie hätte diese Eigenschaften nicht?
Das macht genau dann Sinn, wenn man Angehörige dieser Gruppe nicht als Individuen wahrnimmt, sondern nur als eine diffuse Bedrohung, die man in Schach halten kann, so lange man die Macht hat sie zu definieren. Die Definitionshoheit möchte man natürlich auch im Gespräch mit ihnen nicht aufgeben – wir erinnern uns: großes Grauen droht. Gleichzeitig würde es aber zu unangenehmen Spannungen führen, wenn man diese*n eine*n Angehörige*n der Gruppe, mit din man gerade spricht, nicht als Ausnahme behandelt. Also wählt man den wunderbaren Kompromiss, den diskriminierenden Satz keineswegs zurückzuziehen, sondern der entsprechenden Person höchstrichterlich zu versichern, dass man ihr ein Existenzrecht gewährt, das zwar nicht frei von der Gruppenzuordnung ist, aber von den negativen Zuschreibungen.
Aha.

Wie wär’s denn damit, dass wir uns solche gehirnakrobatischen Glanzleistungen in Zukunft sparen? Dies ist ganz einfach zu bewerkstelligen – wenn du nie diskriminierende Aussagen triffst, ist es auch nicht schwer, Anwesende nicht zu beleidigen.
Und weil „nie“ kompliziert ist noch ein goldener Tip: eine ernst gemeinte Entschuldigung, der konkrete Taten folgen, kann einiges wieder gut machen. Bitte spart euch gleich: „Entschuldige, ich meinte nicht dich.“