25 Zitat der Woche 13

Ohhh-kay.

Suddenly, “kill[ing] the messenger” is on the table here? As though male commenters are generally threatened with physical violence for stating their Totally Courageous Non-PC Trooths On Internet in front of feminists?

[Oooookay.

Plötzlich ist “den Boten töten” auf dem Tisch? Als ob männlichen Kommentatoren generell mit körperlicher Gewalt gedroht wird, dafür dass sie ihre Total Mutigen Nicht-Politisch-Korrekten Wahrheiten Im Internet vor Feminist*innen äußern?]

Fannie in Fannie’s Room

Klassenprivilegien

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Schlagwörter: Privilegien – Klasse – unsere Gesellschaft

Zu den Klassenprivilegien muss ich mir keine große Mühe geben, weil auf anarchie und lihbe bereits eine großartige Liste existiert.

– Was ich sage und wie ich spreche wird nicht auf meine Herkunft bezogen oder als prollig/asozial abgetan.

– Ich kann mir ironisch die Kleidung anderer classes aneignen.

– Mein Stil und Geschmack sowie der meiner Familie wird nicht als billig, trashig, kitschig verurteilt.

[…]

Weiterzulesen hier.

Cis-Privilegien >>

Auswertung Umfrage zu “^^”

Vor inzwischen drei Monaten stellte ich folgende Fragen:

(1) Benutzt du diesen Smiley? “^^
(1 a) Wenn nein, warum nicht?
(2) In welchen Situationen benutzt(en) du/Menschen, die du kennst, ihn?
(3) Falls du dir eine bestimmte Mimik oder Geste bei diesem Smiley vorstellst, welche ist das?

10 Personen haben geantwortet. Die Ergebnisse stellten sich wie folgt dar.

(1) Benutzt du diesen Smiley? “^^

Ja Nein Jein
Anzahl 6 2 2

“Jein” setzt sich dabei aus einem Jein und einmal “weniger häufig” zusammen. Unter “Nein” fällt ein “nicht mehr”.

(1 a) Wenn nein, warum nicht?

Die Nein- und Jein-Stimmen aus Punkt 1 antworteten dazu

  • Lieber “;)”
  • zu kindisch/unreif
  • wird manchmal nicht verstanden
  • zu zeitaufwändig

(2) In welchen Situationen benutzt(en) du/Menschen, die du kennst, ihn?

Alle Antwortenden verbinden mit dem Smiley einen Ausdruck von angenehmen Gefühlen (bis auf Nervosität). Zwei Personen nennen u.a. Amüsement und auch je zwei Ironie und Lächeln. Als weitere Bedeutungen wurden Freude, gute Laune oder Freundlichkeit, Nettigkeit/ein höflicher Unterton, Belustigung und Grinsen genannt.
Darüberhinaus verbinden einige Kommentator*innen aber auch etwas “kindlich-fröhliches”, früher einmal “ich plus Katze” und „etwas zwischen :) und ;), aber schneller zu tippen“ damit.

(3) Falls du dir eine bestimmte Mimik oder Geste bei diesem Smiley vorstellst, welche ist das?

Fünf Antwortende denken bei diesem Smiley u.a. an die Augenregion (“ein Lächeln, das den oberen Teil des Gesichts mit einbezieht”, “das Zusammenziehen der Augen/Augenbrauen(?) beim Lachen”, “ein gutmütiges Augenklimpern”, “die augen des :D smileys”, “hochgezogene augenbrauen”).
Weiterhin wird ein “ganz “normales” Lächeln” damit verbunden, aber auch

Ein freundliches Default-Gesicht bei einer inhaltlich beschissener Aussage oder Desinteresse.

In Japanolog_innen-Kontexten als Äquivalent zu :), also wirklich als normales, fröhliches, positives Lächeln. Öfter aber ^_____^ als breites Grinsen. […]
Tatsächlich nutze ich den Smiley außerhalb dieser Kontexte fast gar nicht mehr, weil er mir eher als erzwungenes Lächeln oder kindisch erscheint.

und

Welche Mimik er darstellt… mhm… (^_^), gern auch mit “Schweißtropfen” für Verlegenheit (^_^)’
oder in Abwandlungen *g* ^^°-°^^

Abschließend erwähne ich noch drei Bilder, die in diesem Kontext verlinkt wurden (sorry, ich binde sie nicht ein, weil ich keine Lust habe, die entsprechenden Lizenzen zu ermitteln).

Bild 1
Bild 2
Bild 3

Und was soll das Ganze?

In einem Gespräch kam die Frage auf, ob der Smiley in unserem Kulturkreis nicht rassistisch gelesen wird, da besonders weiße Europäer*innen gerne die “völlig anderen Augen” von Ostasiat*innen thematisieren.
Die Frage kann ich leider nicht abschließend beantworten, weil ich dazu eine viel größere Personengruppe befragen müsste. Allerdings stellte sich schon bei dieser geringen Anzahl von “Proband*innen” ein großes Potential für Missverständnisse heraus – besonders da viele dem Smiley eine positive Bedeutung beimessen, einige ihn aber als Ausdruck von Kindischkeit, Unehrlichkeit oder Desinteresse werten.

Falls jemand “^^” doch schon einmal in einem rassistischen Kontext begegnet ist, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

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Schlagwörter: Ableismus – NPD – Nazis – Politik – Cis-Sexismus – Autismus – Psychologie

Erneuter Aufruf mangelhafte Barrierefreiheit in Deutschland zu bekämpfen

Schweizer Heilbad schmeißt Gruppe von behinderten Kindern raus, damit Stammgäste sich nicht belästigt fühlen

Niemand spricht von NPD-Bundespräsidentschaftskandidat Olaf Rose

Queere Communities sind keine Safe Spaces für Trans-Leute [Englisch]

Autistische Kinder sollten nicht betrauert werden

Wie Anti-Autorität zur psychischen Diagnose wird [Englisch]

This society sucks

Schlagwörter: unsere Gesellschaft – arrrg

Warum? Okay, die Frage stellt sich niemand mehr ernstlich, aber ich habe einen Grund, der vielleicht nicht so oft geäußert wird: Weil ich Diversität mag.
Nun wird Diversität aber leider unterdrückt, was dazu führt, dass ich weniger gleichgeschlechtliche Pärchen sehe, weniger People of Color in den Medien repräsentiert werden, weniger Menschen mit Behinderungen/die behindert werden in der Politik tätig sind, weniger Familien mit mehreren Eltern (oder einer*m Elter) ihre Kinder in Frieden großziehen können, weniger Menschen auf der Straße sich trauen, ihre ganz persönliche Vorstellung von Schönheit, cooler Kleidung und beliebiger Geschlechtsperformance auszuleben.
Ich mag es auch, glückliche Menschen zu sehen.
Und dies wird nun einmal nur bedingt der Fall sein, so lange Menschen wichtige Teile ihrer Persönlichkeit aus Selbstschutz unter Verschluss halten müssen oder gezwungen sind, Tätigkeiten nachzugehen, die sie zerstören, weil sie keine andere Möglichkeit haben genug Essen auf den Tisch zu bringen.
Die Erklärung für die Misere ist einfach: es gibt einen Konsens, was “normal”, “moralisch” und “in Ordnung” ist und der Rest wird unterdrückt. Wenn man diese Einschätzungen nicht teilt, kann man halt versuchen den Konsens zu verschieben. Aber so viel Zeit habe ich nicht! Ich will nicht noch 40 Jahre warten, um zu erleben, wie Menschen selber über ihre Geschlechtsidentität entscheiden dürfen oder wie nicht Kritiker*innen sondern Hassprediger*innen gesellschaftsweit sanktioniert werden. Macht doch den einen Versuch, den alle Menschen auf der Erde haben, nicht so verdammt nervig!

One strike and when in doubt…

Neue Regeln! Auf externe Anregung hin (thanks @RiotMango, @nlantzsch und @KhaosKobold) habe ich meinen Umgang mit antifeministischen Meinungen oder “kritische Stimmen”, wie sie sich gerne nennen, noch einmal überdacht und plane, in Zukunft folgendermaßen vorzugehen: wenn ich Einwände gerade noch ertragen kann oder einen anderen Grund habe, den Kommentar durchkommen zu lassen, lasse ich ihn (kommentiert) durch. Wenn ein weiterer Kommentar der gleichen Person folgt, der keine Einsicht erkennen lässt, war’s das.
Teils bin ich mir allerdings nicht sicher, worauf Menschen eigentlich hinaus wollen – ich möchte ja sicher gehen, keine berechtigte Kritik zu verpassen. In so einem Fall kann es sein, dass auch mehr als ein Kommentar durchkommt, damit ich ermitteln kann, worum es sich handelt.

Tatsache ist, dass es mir wichtig ist, dass die Leser*innen sich wohlfühlen, die ich ansprechen möchte: und das sind definitiv keine Antifeminist*innen, Maskulist*innen oder Evolutionspsychologie-Anhänger*innen. Daher bitte ich auch alle Leser*innen sich bei mir zu melden, falls sie sich aufgrund der Kommentare oder Diskussionskultur hier nicht (mehr) wohlfühlen.
Berechtigte Kritik ist nach wie vor von vorne bis hinten sehr herzlich willkommen. Wer ein Beispiel dafür braucht? Eben die Hinweise von den drei oben genannten, dass das hier langsam eine Antifemi-Spaßparty wird (das hat niemand gesagt, ich verallgemeinere.)

Ansonsten wünsche ich weiterhin viel Spaß und einen angenehmen Aufenthalt.

Vampire, Elfen und die Gebrüder Grimm

Schlagwörter: Bücher – Fantasy – Vampire

Bis jetzt ist das wahrscheinlich nicht groß aufgefallen, aber ich lese gerne. Wenn ich die Gelegenheit habe, lese ich auch viel. Zum Glück werde ich zuverlässig mit guten Büchern versorgt und möchte hiermit die letzten vier vorstellen und ganz subjektiv¹ bewerten.

John Ajvide Lindqvist: So finster die Nacht

In einer schwedischen Vorstadt geschehen grausame Morde, Oskar wird an der Schule gehänselt. Er freundet sich jedoch mit dem blassen Mädchen* Eli an, die etwas verwahrlost und teils auch krank wirkt – aber erstaunlich stark ist.

Der Roman ist düster, aber mit Können geschrieben. Ich habe es nicht so mit depressiven Erzählweisen, weswegen ich ab und an eine Pause eingelegt habe. Der Glaube, dass es nie wieder ein Tag ohne Finsternis und Verderbnis geben wird, schleicht sich bei der Lektüre schnell ein.
Auf jeden Fall bietet der Roman eine mitreißende Geschichte, die vor allem auch mehr Tiefe und Kreativität zu dem zur Zeit sehr beliebten Thema Vampire bietet, als man befürchten könnte. “Vampirroman” trifft, um genau zu sein, überhaupt nicht den Kern der Sache, weil der Autor* eigentlich das kalte Bild einer Vorstadt zeichnet, in der Kinder gehänselt werden, aus Langeweile und Vernachlässigung anfangen Drogen zu nehmen und in die Kriminalität abrutschen. Nebenbei bekommt man einen deutlichen Blick geboten, was aus diesen Kindern wahrscheinlich später wird: nämlich perspektivlose Säufer*innen.
Trotz all der Aussichtslosigkeit gibt es zwei Protagonist*innen, die vorsichtig aufzeigen, wie man Freundschaft auch in Dunkelheit knüpfen kann (dies ist so etwas wie ein Wortspiel).

Das Buch benötigt eine [Trigger Warnung], nachzulesen nach der Pause am Ende des Artikels.

Bewertung: 8/10, wobei die zwei Punkte Abzug nur von meiner Ablehnung absolut deprimierender Bücher herrühren und keinem schriftstellerischen Mangel geschuldet sind (wenngleich ich einige Kapitel weniger über die Säufer*innen-Gruppe tatsächlich gutgeheißen hätte).

Patricia McKillip: The Book of Atrix Wolfe

Der große Zauberer Atrix Wolfe ist seit dem Krieg verschwunden. Für Chaumenard endete der Kampf in einem Unglück, von dessen Schrecken sich die Menschen bis jetzt nicht recht erholt haben. Niemand weiß, wer es heraufbeschwor. Nun möchte Prinz Pelucir, der seine Ausbildung als Magier beendet hat, nach Chaumenard zurückkehren, um mit seiner Kunst seiner Familie zu dienen. Allerdings beschwört er selbst eine Bedrohung herauf, als er einen Spruch aus dem unscheinbaren Buch ausprobiert, das er mit sich gebracht hat.

Patricia McKillip schreibt sehr bildhaft, wodurch ihr Englisch für mich teils schwer zu verstehen ist, obwohl ich sonst flüssig lese. Ihre Art zu schreiben trägt allerdings unglaublich zur Atmosphäre ihrer Bücher bei, die niemals wie flacher Fantasy-Kitsch mit ein paar lustigen Namen wirken, sondern als würde man einen kleinen Ausschnitt einer komplexen Welt präsentiert bekommen. Bei ihr gibt es nie einfach gut und böse und eindeutig zu bewertende Geschehnisse, was die Bücher reizvoll macht. Sie zeichnet meist Geschichten, in denen die Handelnden gute Gründe für ihr Vorgehen hatten und Unglück aus gegenteiligen Interessen entsteht, nicht aus Bosheit. Die Ambivalenz, die McKillip entstehen lässt und aufrecht erhält, bietet den Raum für Auflösungen, die keinem bekannten Schema folgen.

Bewertung: 9/10. Ich mag die Atmosphäre ihrer Bücher, aber die Protagonist*innen und die Geschichte von “Solstice Wood” haben mich mehr angesprochen. “The Book of Atrix Wolfe” ist zwar recht ausgewogen, mir aber dennoch zu männerlastig.

N.K.Jemisin: The Kingdom of gods

Im nunmehr dritten Buch der Reihe beginnt die Macht der Herrscherfamilie Arameri langsam zu bröckeln. Die niederen Familienmitglieder wurden, ohne dass dem jemand Beachtung geschenkt hätte, gemeuchelt, weswegen nun der Fortbestand der Familie gefährdet ist.
Der Gött*innen-Sohn Sieh freundet sich derweil mit zwei Arameri-Kindern an, obwohl er von deren Familie für 2000 Jahre in Sklaverei gehalten wurde.
Während die anderen Länder, besonders die des Nordens, beginnen, sich gegen die Arameri aufzulehnen, kämpft Sieh darum, seine Unsterblichkeit wiederzuerlangen, die er* unerklärlich verlor, wobei nicht einmal seine göttlichen Eltern Rat wissen.

Ich. liebe. diese. Bücher. Homosexualität ist kein Ding oder Gimmick, sondern einfach absolute Selbstverständlichkeit.
Die Hauptfigur eines der vorhergehenden Bücher war leider “die magische Behinderte”, die es öfter in Fantasy-Büchern gibt; dabei handelt es sich um ein*e Protagonist*in (oft weiblich) mit einer Behinderung, die meist dadurch relativiert wird, dass die Person besondere Fähigkeiten hat, die ihr helfen, ihre Umwelt zu navigieren. Ich finde das immer etwas problematisch, weil dies nun einmal ein anderes Vorgehen darstellt, als Menschen mit Behinderung selbstverständlich mitspielen zu lassen.
Im aktuellen Buch gibt es auch ein Mädchen mit einer Gehbehinderung, aber auch da war ich mir nicht ganz sicher, ob die Autorin nicht etwas unaufdringlicher hätte schreiben können als “Sie lief so und so – wegen ihres Fußes.”, “Sie war langsam – wegen ihres Fußes” etc. Ich weiß allerdings auch nicht, ob ich für das Thema bereits die nötige Sensibilität aufbringe. “Immerhin” hat die blinde Protagonistin eines Tages ihre magischen Fähigkeiten verloren und ich habe das Gefühl, dass sie ab diesem Moment auch recht gut dargestellt wurde.
Manati meint hierzu jedoch, dass die Fähigkeiten der “magischen Behinderten” die Behinderung nie aufwiegen, was korrekt ist. Oree (die Blinde) kann nur Magie sehen, also keine normalen Menschen und auch nicht ihre Umgebung, so lange keine Magie durch sie fließt und Toph von Avatar kommt weder gut mit Angriffen aus der Luft, noch mit Wasser oder Sand klar.
Zurück zum Buch: Darüber hinaus sind in dieser Welt nicht alle weiß, was sicher der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass die Autorin of Color ist. Es ist auf jeden Fall sehr erfrischend.
Was soll ich sagen? Diese Bücher haben nicht die ambivalente Komplexität von McKillip, sondern sind im Vergleich eher geradlinig geschrieben, mit den eher bekannten Twists in der Geschichte. Dennoch ist Gut und Böse hier auch ein zentrales Thema und dass sie nicht immer klar unterschieden werden können. Dies zeigt sich vor allem darin, dass einer* der drei Gött*innen zwar den Krieg zwischen ihnen ausgelöst hat, in dessen Verlauf auch die Erde verwüstet wurde, aber seine* beiden Geschwister hatten sich vorher auch nicht tadellos verhalten. Im Verlauf der gesamten Geschichte sind die Leser*innen also dazu angehalten, ihre Meinung über die Intergrität² der Figuren zu überdenken.
Ach, was rede ich drumerhum: ich liebe die Bücher, trotz ihrer Fehler. Daher

Bewertung: 10/10.

Auch hier muss eine leichte [Trigger Warnung] ausgesprochen werden. Erklärung unten.

Polly Shulman: Die geheime Sammlung

Elizabeth gerät durch Empfehlung ihres Gemeinschaftskundelehrers an einen Job im Archiv. Das Archiv enthält, wie sich herausstellt, die sonderbarsten Sachen – Gebrauchsgegenstände aus den verschiedensten Epochen, manche aus den Zeiten, wo unsere Märchen herkommen, manche sehr zeitgemäß, wie ein Schrumpfstrahler.
Ihre Aufgabe ist es, die Gegenstände für Kund*innen aus den Archiven zu holen, sie wieder einzuordnen, zu säubern oder reparieren.
Als sie das Grimm-Archiv mit magischen Gegenständen aus der Zeit der Gebrüder Grimm das erste Mal betreten darf, beginnen die Probleme.

Dieses Buch hat mich überrascht. Es war dünn und unscheinbar und klang wie die übliche Fantasy-Geschichte, aber es war … gut. Die üblichen -istischen Fallstricke wurden souverän vermieden. Obwohl “fremde Kulturen” und “alte Magie” eine Rolle spielen, wird man nicht von peinlichen Fantasienamen und schlecht recherchierten Märchen enttäuscht, sondern findet eine logische und angenehm zu verfolgende Geschichte vor.
Auch die romantischen Anwandlungen unter den Jugendlichen, die zusammen im Archiv arbeiten, werden gut beschrieben – nicht unrealistisch kitschig oder aufdringlich.
Frauen*rollen waren meiner Meinung nach noch ein klein wenig unterrepräsentiert und ich habe auch ein leicht ungutes Gefühl dabei, wenn eine Inderin mit Magie zu tun hat und ein Schwarzer Basketball spielt, aber es kam mir im Rahmen des Buches nicht offensichtlich furchtbar vor.
Daher eine unerwartete

Bewertung: 10/10

1 nur (m)einen Gesichtspunkt berücksichtigend
2 Unbescholtenheit

Zum Abschluss die Trigger Warnungen (TW):
….

..
.
“So finster die Nacht”: TW hier unbedingt zu beachten, wegen grafischer Beschreibungen von Zwangsprostitution eines Jungen, eines Vergewaltigungsversuchs und durch das Buch hindurch Annäherungsversuche eines Pädophilen.

“The Kingdom of Gods”: TW hier eher “im Vorbeigehen” nötig. Es wird erwähnt, dass die Gött*innen während ihrer Gefangeschaft zu Sex gezwungen wurden, auch der kindliche aussehende Gott/Godling Sieh. Wenn ich mich recht entsinne, gibt es keine grafischen Beschreibungen oder lange Ausführungen dazu, aber es wird erwähnt.

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Schlagwörter: Homosexualität – Intersexualität – Kirche – Kinder – Cultural Appropriation – Sexismus

Das kirgisische Parlament bringt es fertig, eine härtere Strafe für das Stehlen von Vieh zu verhängen als fürs Stehlen von Bräuten. Da sind die Prioritäten eindeutig. [Englisch]

“Wenn Jungs dich schlagen, heißt das, sie mögen dich!” Eine Abrechnung [Englisch]

Schlechte Fragen, gute Antworten zu Intersexualität

Panik wegen eingetragener Partnerschaft für Pfarrer*innen in Sachsen (leider ableistisch und mit “Homophobie”-Begriff)

Die frauen*feindliche Familienpolitik der Kristina S.

Viel Weisheit zum Thema “Lächel’ doch mal!” [Englisch]

Wie Sprache eben doch den Ausschluss von Frauen* begünstigt

Studie zur “Züchtigung” von Kindern und ihren Ängsten in Deutschland mit unschönen Ergebnissen

Warum Dreadlocks und “Irokesen” kulturelle Aneignung darstellen [Englisch]

It’s magic

Schlagwörter: Intersektionalität – Diskriminierung – wtf

Leute sind feministisch, aber rassistisch. Leute sind feministisch, anti-rassistisch, aber hassen Trans*leute. Leute sind feministisch, anti-rassistisch, anti-cissexistisch, aber machen Behindertenwitze. Witze über Homosexuelle, regen sich über Fett an einem Menschen auf. Warum? Warum sind Menschen so?
Man hat doch wahrscheinlich als erstes erkannt, dass es nicht rechtens ist, eine bestimmte Menschengruppe nachteilig zu behandeln. Häufig fing es mit einer an, zu der man selbst gehörte oder Menschen, die man liebt. Aber warum fällt es vielen anscheinend so schwer zu erkennen, dass es andere Menschen mit anderen Eigenschaften gibt, die deswegen nicht weniger ein Recht auf Leben mit den gleichen Chancen und einem gleichen Maß an Glück haben? Warum bezeichnet man sich als intersektionell, aber macht Witze über “Hartz IV-Fernsehen”. Warum lebt man vegan, aber findet sexistische Peta-Werbung in Ordnung? Wie funktioniert diese kognitive Dissonanz? Warum gibt es “gute” und “schlechte” Diskriminierung?
Das geht doch nur, wenn man Menschen unterschiedliche Werte beimisst. Die einen haben’s verdient, ein sicheres Leben zu haben und die anderen haben es “verdient”, im Dreck zu kriechen. Warum? Diese Menschen sind – nicht – anders. Was du in deinem Inneren spürst, spüren andere Menschen auch. Was dich leben lässt, lässt auch andere leben. Niemand kann ohne Gemeinschaft und ohne Liebe leben. Keine*r kann ohne Autonomie, Selbstverwirklichung, und Grenzen auskommen.

Und eine Gemeinsamkeit wird immer bestehen: wir werden alle sterben.

Also warum zum Teufel sind “Kleinigkeiten” in Ordnung? Warum müssen Menschen mit “’nem Späßchen doch mal klar kommen”? Warum lässt man Unmenschliches durchgehen?

Das ist es alles nicht wert.

Eine sexistische Gesellschaft

Schlagwörter: Sexismus – *weggepiept*

In einer sexistischen Gesellschaft hält ein Vorgesetzter* es im Jahre 2012 für angemessen, eine Angestellte* zu beruhigen, dass sie sich beim Ausräumen eines Kartons schon nicht “ihre Fingernägel abbrechen werde”.

In einer sexistischen Gesellschaft ist die Lösung eines Problems durch einen Mann* “Logik” und durch eine Frau* “weibliche Logik”.

In einer sexistischen Gesellschaft wird nach wie vor bekämpft, dass weibliche und männliche Formen für Personenbezeichnungen genutzt werden und deren Nutzen bestritten, obwohl Frauen* anscheinend doch nicht “mitgemeint” sind.
In einer sexistischen Gesellschaft haben Frauen* die Pflicht, sich mitgemeint zu fühlen, während Männer* durch grammatikalische Formen direkt angesprochen werden.

In einer sexistischen Gesellschaft ist jede 30 prozentige Frauen*quote hart umkämpft, während es niemanden zu bekümmern scheint, dass Frauen* im Durchschnitt noch 23% weniger Geld für gleichwertige Arbeit erhalten.

In einer sexistischen Gesellschaft geht die Mehrheit davon aus, dass heterosexuelle Frauen*, sobald Kinder ins Haus stehen, im Job zurückstecken oder ganz zu Hause bleiben, ungeachtet der Wünsche aller Beteiligten.

In einer sexistischen Gesellschaft wird Arbeit, die mehrheitlich von Frauen* ausgeübt wird, im Durchschnitt schlechter (oder gar nicht) bezahlt und sinkt der Lohn für Tätigkeiten, sobald der Frauen*anteil steigt.

In einer sexistischen Gesellschaft soll Belästigung als Kompliment aufgefasst werden. Der Wunsch eines Mannes* mit einer Frau* Kontakt aufzunehmen wiegt dabei schwerer als der Wunsch der Frau*, in Ruhe ihren Tätigkeiten nachgehen zu können.

In einer sexistischen Gesellschaft hat eine im Job erfolgreiche Frau* sich entweder “hochgeschlafen” oder ist eine gefühllose “Zicke”, ungeachtet dessen, dass Frauen* härter arbeiten müssen, um das gleiche Maß an Anerkennung zu erreichen.

In einer sexistischen Gesellschaft sind gesellschaftliche Probleme “Frauen*probleme”, sobald es um die Diskriminierung von Frauen* geht.

In einer sexistischen Gesellschaft ist es keine Selbstverständlichkeit sondern ein Ritterschlag für einen heterosexuellen Mann*, wenn eine Frau* beim Sex einen Orgasmus hat.

In einer sexistischen Gesellschaft ist eine Frau*, die sich in irgendeiner Weise zu Sex positioniert, schnell ein “Flittchen”, “prüde”, “lesbisch” (= will nicht mit einem bestimmten Mann* schlafen), geil –mit anderen Worten objektifiziert– (= ein Mann* weiß, sie ist lesbisch und hat noch nicht verstanden, dass sie nicht mit einem Mann* schlafen will) uvm. – nur nicht sie selbst, als autonome Person.

In einer sexistischen Gesellschaft sind Mikroaggressionen nichts, worüber frau* sich aufregen darf oder gar gesellschaftliche Veränderungen fordern, sondern nur die Einleitung zur Aufforderung, sich “ein dickeres Fell zuzulegen”.

In einer sexistischen Gesellschaft sind Feministinnen* so glücklich darüber, endlich einen Mann* zu kennen, der sich ihrer Positionen annimmt, dass sie Arschlöcher wie Hugo Schwyzer tolerieren.

In einer sexistischen Gesellschaft werden sexistische Äußerungen als Kleinigkeiten abgetan und nicht als die Gewalt, die sie sind.

In einer sexistischen Gesellschaft wird unweigerlich das Aussehen einer Frau* Thema sein – ob sie in der Politik, Schauspielerin* oder Wissenschaftlerin* ist.

In einer sexistischen Gesellschaft wird nicht anerkannt, dass Beleidigungen wie “Tussi”, “Zicke” oder “F****” nicht gleichwertig sind zu “Arschloch”, weil sie nur auf Frauen* angewandt werden (oder auf “weibische” Männer*, die sich des Verbrechens schuldig gemacht haben, vermeintliche Eigenschaften dieses verabscheuungswürdigen Geschlechts zu zeigen und daher sanktioniert werden müssen).

In einer sexistischen Gesellschaft halten es weder Schulen noch Arbeitsplätze noch Universitäten noch Parteien noch die Öffentlichkeit für nötig, ihre weiblichen Mitglieder ernsthaft vor sexistischer Diskriminierung zu schützen.

PS: Ich lade alle ein, ihren Beitrag/Beiträge in die Kommentare zu schreiben, was in einer sexistischen Gesellschaft geschieht – ob persönliche Erlebnisse oder allgemeinere Tendenzen.

[Trigger Warnung]

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In einer sexistischen Gesellschaft fühlen sich weibliche Opfer sexueller oder häuslicher Gewalt statt der Täter, als müssten sie sich schämen.