Frauen* – Eine Erklärung

Da ich mich heute entschieden habe, euch Frauen* zu erklären, werde ich mit den Grundlagen beginnen: Frauen* sind Menschen. Sie mögen angenehme Dinge und sie vermeiden unangenehme Dinge. Sie sind am glücklichsten, wenn sie ihr Leben nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestalten können. Sie werden unglücklich, wenn man sie in ihrer Entfaltung einschränkt, sie bedroht, bevormundet, ausgrenzt oder auf sie herabblickt. So viel dazu.
Kommen wir nun zu einigen konkreten Eigenschaften von Frauen*:

Sie furzen. Auch in Körpern, die als weiblich gelesen werden und/oder sich als weiblich identifizieren, suchen Verdauungsgase ihren Weg nach draußen. Erstaunlicherweise kommen dabei keine Schmetterlinge zum Vorschein. Es ist also völlig unrealistisch anzunehmen, dass Frauen* nie pupsen und daher irrational, in Schockstarre zu verfallen, wenn man es doch einmal erlebt. Get over it.

Viele Frauen menstruieren. Oder „haben ihre Tage“ oder „bluten wie sonstwas“. Dies ist natürlich. Wenn frau* möchte, kann sie Binden, Tampons, Diva Cups, … oder auch nichts verwenden. Viele haben dabei auch leichte bis unerträgliche Krämpfe, die von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen andauern. Hier gilt, wie bei allen Dingen, die mit Schmerzen zu tun haben: die Person, die gerade leidet, wird am besten wissen, wie stark die Schmerzen sind. Also kein „Das muss doch gehen.“ oder „Stell dich nicht so an.“ (bei letzterem würde man in meinem Falle ‚rausfliegen).
Zu beachten ist hier: die Methoden, Blut aufzufangen, sind nicht unfehlbar und der Beginn der Periode ist nicht immer vorhersagbar, also wird es Blut geben. Die richtige Etikette für diesen Fall heißt nie „Igitt, omg, wie kannst du mir das antun *faint*“ sondern die Person unauffällig beiseite zu nehmen, auf den Fleck aufmerksam machen, ohne herumzudrucksen oder zu transportieren, dass das jetzt total peinlich/eklig sei und Hilfe in Form von entsprechenden Produkten oder Kleidungsstücken zum Umbinden anbieten.
Wenn ihr damit klar kommt, dass andere Leute Spucke produzieren, dann sollte euch Periodenblut nicht umhauen. Niemand zwingt euch dazu, es als Körperschmuck zu verwenden.

Sie rülpsen. Luft, Verdauung, blabla. Manchen macht das sogar Spaß. Es ist natürlich, get over it.

Sie gehen aufs Klo. (Ich habe mich nur knapp gegen das k-Wort entschieden.) Ja, viele mögen sich dies nicht vorstellen, aber Körper müssen Abfallprodukte allgemein ausscheiden. Es sollte zu denken geben, wenn man nicht fähig ist, sich geistig mit dieser Tatsache zu konfrontieren.

Sie sind behaart. Mit dem Rasieren kann man es halten, wie man will, aber auch Frauen* sind mehr oder weniger stark von oben bis unten behaart. Im unrasierten Zustand haben die meisten Haare u.a. an den Beinen, an den Armen, um die Vulva und sogar im Gesicht (hier natürlich eher Flaum, aber manchmal auch mehr).

Sie haben Poren. Ich sage dies nur als kleine Erinnerung, weil viele Werbeplakate inzwischen Gegenteiliges suggerieren¹. Daher: Gesichter lassen üblicherweise Poren erkennen.

Schön, dass ihr meinem kleinen Exkurs² so weit gefolgt seid. Ich hoffe, er hat zu eurer Bildung und zum Verstehen der Frau* an sich beigetragen.
Was ich eigentlich sagen will: es ist kein Zeichen von Respekt oder Wertschätzung, eine Person(engruppe) aufs Podest zu stellen, sondern respektlos und einengend. Denn Menschen werden zwangsläufig anfangen zu kippeln und herunterzukippen, weil sie Menschen sind. Mit allem, was dazu gehört. Die Stilisierung³ von Frauen als „rein“(licher) oder „sanft“ oder „sinnlich“ wirkt wie ein Korsett, dass ihnen wenig Ausdrucksmöglichkeiten lässt. Und nebenbei bietet es einen offensichtlichen Grund, die zu bestrafen, die sich gar nicht erst einschnüren lassen. Lasst euch von den schönen Worten nicht täuschen.
Frauen* sind Menschen, behandelt sie auch so.

1 weismachen wollen
2 Ausflug
3 beschönigende Darstellung

8 Gedanken zu “Frauen* – Eine Erklärung

  1. Hab mich wunderbar amüsiert :)

    Wäre viel lustiger, würde es nicht so wahr sein.
    Wie kann es nur sein, dass es echt Menschen gibt (ich nehme mal an, eher Nicht-Frauen*) die denken, Frauen* haben keine Körperausscheidungen, keine Haare, keine Poren?

    1. Freut mich :).

      Also der prominenteste Fall, der mir begegnete, war wer, der wohl einfach hoffte, die Traumwelt aufrecht erhalten zu können, in der Frauen nie die Toilette benutzen, weil ihn die harsche Realität … überforderte?

      Und die Sache mit den Haaren und Poren ist durch Medien und Werbung (und teils Pornografie) einfach eine selbsterfüllende Prophezeiung geworden. Alle sehen es, viele glauben es und passen sich entsprechend an.

      Erinnert mich ein wenig an die eine Reportage über das Erstarken der plastischen Chirurgie an Schamlippen in Australien, weil die Bilder von weiblichen Genitalien, die die Frauen in Zeitschriftenläden zu sehen bekamen, immer gefotoshoppt sind (weil das angeblich weniger pornografisch sei).
      Wenn man Frauen* nicht realistisch porträtiert, kann einfach nichts Sinnvolles dabei herauskommen.

  2. *Giggle* Wie wahr!!! Wobei das Problem durchaus auch bei den Frauen liegt. Ich erinnere mich an diverse Damen aus meinem Geburtsvorbereitungskurs, die beim Anblick einer unrasierten Muschi beim Geburtsvorgang (Foto) schiergar in Ohnmacht gefallen sind. O-Ton „Wie kann sie nur“. Klar, eine Frau kurz vor dem Entbinden hat NATÜRLICH keine anderen Probleme als ein Intim-Waxing 2-3 Tage vor der Geburt. Und unrasierte Frauenachseln sind natürlich generell voll eklig. Befanden dieselben Damen (die außerdem bei Männern nichts dabei fanden). Warum es bei Männern okay sein soll und bei Frauen nicht, konnten sie dann allerdings nicht wirklich erklären – außer „ist halt so, oder?“, kam da nichts.

    1. Wir wachsen alle in der gleichen Gesellschaft auf und bekommen die gleichen Dinge erzählt. Kein Wunder also, dass auch Frauen* weitertragen, was sie in Film und Fernsehen sehen und beigebracht bekommen (obwohl ich nicht weiß, wie weit es üblich ist, dass Eltern an ihre Töchter* weitergeben, sich irgendwo zu rasieren?).

      Was mich vor allem stört, ist, wenn Menschen nicht nur für sich entscheiden wollen, was sie mit ihrem Körper tun (was ihr gutes Recht ist), sondern anderen Vorschriften machen oder sie ausgrenzen, wenn bestimmte Rituale nicht ausgeführt werden. Rasieren ist ja nicht böse, es darf aber keine negativen Konsequenzen haben, sich nicht zu rasieren.

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