FBB – „Can’t you take a joke?“ bzw. „Das war doch nur ein Witz“

Im heutigen Beitrag zum Feministischen Bullshit-Bingo soll es also darum gehen, warum Feminist_innen so unglaublich wenig Humor haben.

[Trigger-Warnung für fluchen meinerseits, beginnend hinter den Caps]

Eigentlich das einzige und daher zentrale Argument, was man zu diesem Thema verstehen muss, lautet: du machst keinen Witz über eine abstrakte Entität (wie zum Beispiel das Spaghetti-Monster) sondern über echte Menschen. Menschen mit Gefühlen. Menschen mit Problemen, die größtenteils durch Menschen wie dich fortbestehen. Die Probleme bestehen durch Menschen fort, die etwas gegen bestimmte Eigenschaften haben und das mehr oder weniger „lustig“ verpacken. Manchmal auch einfach in einer humorvollen Tracht Prügel.

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht Witze per se schlimm sind. Auch nicht Witze über bestimmte Menschen. Sondern ganz konkret Witze, die sich über einen Teil der Identität eines Menschen lustig machen, aufgrund deren dieser Mensch gesellschaftsweit diskriminiert wird, weil die Gesellschaft keine Abweichler_innen mag.

Verwirrend aber wahr: oft habe ich den Eindruck, dass den Witze-Reißenden gar nicht bewusst ist, dass es echte Menschen gibt, denen die Eigenschaft zu eigen ist, aufgrund der sie sich gerade schlapp lachen. Oder sie sehen diese Menschen als Abziehbilder, wandelnde Klischees, aber nicht Wesen wie sie, mit komplexen Bedürfnissen, Gefühlen und Wertegefügen.
Wie z.B. die Person, die es witzig fand, als jemand auf einer Internetseite zu bedenken gab, Blinde könnten das lesen, was diese Person schrieb. „Blinde im Internet – haha.“

WIE KANN MAN SO IGNORANT SEIN!

Wenn man sie mit Fakten konfrontiert, stehen solche Menschen logischerweise auch immer schlecht da. Weil sie keine Ahnung haben von Screenreadern. Weil sie sich nie informiert haben, wie „lesbischer Sex“* funktioniert. Weil sie nicht wissen, dass nahezu dreiviertel der Vergewaltigungsopfer ihre_n Täter_in vorher kannten. Weil sie nicht begreifen, was der Unterschied zwischen Transsexuellen und Drag Queens ist. Weil sie nicht verstehen, dass man hart arbeiten und gleichzeitig bettelarm sein kann. – Weil es sie einen Scheißdreck interessiert.
Es geht ihnen nicht darum, ernsthaft herauszufinden, warum sie solche Witze nicht mehr machen sollen. Es geht ihnen darum, dass man sie endlich mit dem anstrengenden Generve in Ruhe lässt, damit sie weiter Hass verbreiten können.

Oh stimmt, das war nicht „böse“ gemeint. Dann erklärt mir mal, wie ein_e Rassist_in wissen soll, aus welchem Grund du eine beschissene Afro-Perücke trägst? Gar nicht. Diese Person wird einfach nur glauben, dass deine Ansichten genau so abgefuckt sind wie ihre eigenen, sich bestätigt fühlen und exakt so weiter machen wie vorher. Und das heißt, dass du Diskriminierung mit jedem miesen Flachwitz verschlimmerst, weil du dafür sorgst, dass sie gesellschaftsfähig bleibt.

Man tut nichts gegen Diskriminierung, indem man „weniger schlimme“ Witze macht oder die Leute wenigstens nicht anpöbelt[\Sarkasmus]. Man tut nur etwas gegen Diskriminierung, indem man sich endlich zusammenreißt und Leuten aktiv sagt, dass man ihre Aussagen und Witze nicht okay findet, weil xyz. Und Konsequenzen folgen lässt, wenn sie ihr Verhalten um dich her nicht ändern.
Wenigstens solltest du diese abartig penetrante Nerv-Person werden, in deren Gegenwart sich niemand mehr was „nicht politisch Korrektes“ zu sagen traut, weil du voll hän Stimmungskiller_in bist.

Nein … um genau zu sein spreche ich dir meinen ernst gemeinten herzlichen Glückwunsch aus, wenn du es so weit geschafft hast.

*Anführungszeichen, weil „Sex“ schon allumfassend ist, aber ich die Erweiterung für mein Argument benötige.

6 Gedanken zu “FBB – „Can’t you take a joke?“ bzw. „Das war doch nur ein Witz“

    1. In der Tat (@akut)

      (obwohl dieses “Witze über sich selber als Teil einer diskriminierten Gruppe” auch wieder die Gefahr bergen könnte, dass es ja dann okay ist, weiter zu machen, denn: “die lachen ja selbst über sich!”…)

      Davon würde ich mir definitiv den Schwung nicht nehmen lassen! Wenn man anfängt, sich selbst zu zensieren, weil -isten das als Futter für ihre miese Rethorik nutzen (könnten), schränkt man sich dennoch selber ein. (Also natürlich möchte ich das niemandem verbieten, aber ich würde genau so wenig verbieten, dass man ihnen „in die Hände spielt“, weil man schlicht und ergreifend das tut, was Privilegierte ungestört tun können, wann immer sie wollen.)

  1. Kann man Humor und Witze dann nicht komplett seinlassen? Der Großteil der Witze basiert auf Klischees, Verallgemeinerungen, etc. und es könnte sich immer irgendwer auf die Füße getreten fühlen. Ich persönlich fühle mich weit unwohler wenn Rücksicht auf mich genommen wird. So, als sei ich ein armes, schwaches Ding, dem schon von vornherein unterstellt wird, dass es an einem Scherz zerbrechen wird.
    Die meisten haben doch eine Art Sensibilität dafür, wann ein Witz die Schmerzgrenze übersteigt und eindeutig verletzend/bösartig ist. Aber was ist mit der Grauzone, in der ein Witz sowohl als freundschaftliches Miteinbeziehen als auch als wirkliches Ärgern verstanden werden kann – je nach Person?
    Ich finde übertriebene(!) Rücksicht meist ebenso schlimm wie einen grenzwertig unsensiblen Scherz weil es den Betroffenen unterschwellig suggeriert, sie seien schwach, ihr Schicksal sei schrecklich und sie müssten gefälligst leiden, schließlich bedürfen sie der Rücksichtnahme.

    1. Du redest von der persönlichen Ebene, ich von der gesellschaftlichen.
      Ob ein Witz unter die Gürtellinie geht, weil er die betreffende Person einfach zu sehr verletzt, das müssen die Beteiligten selbst wissen.
      Ich verwahre mich dagegen, dass Stereotype und Vorurteile hervorgekramt werden, die Menschen in echt schaden. Leute werden wirklich wegen ihrer Hautfarbe zusammengeschlagen, Menschen mit Behinderung wird wirklich die Teilnahme am täglichen Leben erschwert. Wenn eine Behinderung, angebliche Herkunft, Geschlecht usf. als Grund für einen Witz herangezogen werden, unterstützt man ein System, dass betroffene Menschen aktiv benachteiligt. Es ist mir völlig egal, ob einige Menschen, die von diesem System benachteiligt werden den Witz okay finden (z.B. „Ich find’s voll lustig, wenn mir als Frau* unterstellt wird, dass ich nicht mit Werkzeugen umgehen kann.“). Ich behalte mir trotzdem vor den Witz anzukreiden, weil er das bestehende System unterstütz, für bzw. eher gegen alle Frauen*, nicht nur die eine, die’s eigentlich voll okay findet.

      Auch interessant ist, dass Leute nie drüber nachdenken, warum es Witze mit rassistischen, sexistischen usw. Klischees gibt, aber keine, die sich über Männer* per se lustig machen, einfach nur fürs Männlich-Sein („Männer* sind so, Frauen* sind so zählt nicht). Oder über Weiße. Oder über Menschen ohne Behinderung.

      1. Ich kenne viele Männerwitze und ein Großteil dreht sich ums nicht-zuhören-können, unsensibilität, überkompensation, midlifecrisis, etc., etc.
        Über Weiße kenne ich ebenfalls Scherze (zur Zeit ist es u.a. total in sich über „First-World-Problems“ lustig zu machen, und ich habe auch mitgekriegt dass einige sich dadurch verletzt fühlen weil sie es so verstanden haben, dass ihnen von vornherein unterstellt wird, keine „echten“ Probleme zu haben).
        Leute ohne Behinderung… nun ja, darüber Witze zu machen wäre unlogisch.
        Witze sind m.E. auch eine Art, mit bestehenden Problemen umzugehen, sie ins Gespräch zu bringen. Sie wirken oft paradox, da man anfängt, darüber nachzudenken.
        Sie könnern auch ein „softer“ Einstieg sein um ins Gespräch über Dinge zu kommen. Ich bin z.B. extrem blass. Vielen fällt das auf und ich bin dankbar wenn jemand einen Scherz darüber macht weil es mir ermöglicht den Grund zu erklären (Hautkrankheit). Das ist jetzt kein ideales Beispiel aber es geht mir mit vielen Dingen so, dass es regelrecht entlastend ist, wenn jemand das Thema auf humorvolle Art anspricht weil der Elefant, der im Raum steht, damit wenigstens angesprochen wird. Witz über Frauen kann ich einfach grundsätzlich nicht schlimm finden weil ich gerne eine Frau bin und damit persönlich keine Benachteiligung assoziiere. Wenn jetzt allerdings jeglicher Humor diesbezüglich untersagt wäre. würde ich mir eher die Frage stellen, ob am Frausein nicht doch etwas verkehrt ist. Der Punkt an der Sache ist, dass jeder es anders sieht und jeder Witz einen anderen Zweck erfüllt. Pauschales Abwerten von Witzen ist genauso dabneben wie unkritisches Nachplappern jedes noch so flachen Witzes.

  2. Diese „Männer*witze“ sind Teil dessen, was ich ansprach: „Frauen* sind so, Männer* sind so“ und im Kern sexistisch (wenn du wissen willst warum, google danach, warum Genderessentialismus sexistisch ist).
    First-World-Problem-Witze sind rassistisch. Oberflächlich scheinen sie sich über Weiße lustig zu machen, im Kern sind sie rassistisch, nachzulesen hier: http://www.theatlantic.com/technology/archive/2011/11/whats-wrong-with-firstworldproblems/248829/ (hoffe, Englisch ist keine Sprachbarriere)

    Es freut mich, dass Witze über deine Blässe für dich als Eisbrecher funktionieren, aber weder müssen Schwarze Witze über ihre Hautfarbe lustig finden, noch Lesben irgendwelche bescheuerten Stereotype.

    Warum es mir egal ist, ob du als Frau* sexistische Witze in Ordnung findest, sagte ich auch bereits.

    Ich schrieb in meinem Artikel

    Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht Witze per se schlimm sind. Auch nicht Witze über bestimmte Menschen. Sondern ganz konkret Witze, die sich über einen Teil der Identität eines Menschen lustig machen, aufgrund deren dieser Mensch gesellschaftsweit diskriminiert wird[…]

    Es wäre toll, wenn du das mal zur Kenntnis nehmen würdest.

    (Wenn ich nicht das Gefühl habe, das weitere Kommentare irgendwas Neues ans Licht bringen, werde ich sie nicht veröffentlichen.)

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