21 Zitat der Woche 4

In dem Zitat geht es um die Rolle des Artie Abrams aus Glee, der im Rollstuhl sitzt (gespielt vom physiotypischen* Kevin McHale).

Aaron Fotheringham is the disabled stunt artist and he pulls that awesome one rear-wheel wheely. I mean, the irony of hiring a disabled stunt artist to actually execute the role of a non-disabled actor. It bites. It just… bites.

[Aaron Fotheringham ist der behinderte Stunt-Künstler und er macht diesen tollen [Stunt]. Ich meine, die Ironie, einen behinderten Stunt-Künstler zu engagieren, um die Rolle eines physiotypischen Schauspielers zu übernehmen. Das tut weh. Das … tut einfach weh.]

Alice Sheppard (AS) transkribiert auf FWD/Forward

*See, what I did there? Erklärung hier.

FBB – „Can’t you take a joke?“ bzw. „Das war doch nur ein Witz“

Im heutigen Beitrag zum Feministischen Bullshit-Bingo soll es also darum gehen, warum Feminist_innen so unglaublich wenig Humor haben.

[Trigger-Warnung für fluchen meinerseits, beginnend hinter den Caps]

Eigentlich das einzige und daher zentrale Argument, was man zu diesem Thema verstehen muss, lautet: du machst keinen Witz über eine abstrakte Entität (wie zum Beispiel das Spaghetti-Monster) sondern über echte Menschen. Menschen mit Gefühlen. Menschen mit Problemen, die größtenteils durch Menschen wie dich fortbestehen. Die Probleme bestehen durch Menschen fort, die etwas gegen bestimmte Eigenschaften haben und das mehr oder weniger „lustig“ verpacken. Manchmal auch einfach in einer humorvollen Tracht Prügel.

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht Witze per se schlimm sind. Auch nicht Witze über bestimmte Menschen. Sondern ganz konkret Witze, die sich über einen Teil der Identität eines Menschen lustig machen, aufgrund deren dieser Mensch gesellschaftsweit diskriminiert wird, weil die Gesellschaft keine Abweichler_innen mag.

Verwirrend aber wahr: oft habe ich den Eindruck, dass den Witze-Reißenden gar nicht bewusst ist, dass es echte Menschen gibt, denen die Eigenschaft zu eigen ist, aufgrund der sie sich gerade schlapp lachen. Oder sie sehen diese Menschen als Abziehbilder, wandelnde Klischees, aber nicht Wesen wie sie, mit komplexen Bedürfnissen, Gefühlen und Wertegefügen.
Wie z.B. die Person, die es witzig fand, als jemand auf einer Internetseite zu bedenken gab, Blinde könnten das lesen, was diese Person schrieb. „Blinde im Internet – haha.“

WIE KANN MAN SO IGNORANT SEIN!

Wenn man sie mit Fakten konfrontiert, stehen solche Menschen logischerweise auch immer schlecht da. Weil sie keine Ahnung haben von Screenreadern. Weil sie sich nie informiert haben, wie „lesbischer Sex“* funktioniert. Weil sie nicht wissen, dass nahezu dreiviertel der Vergewaltigungsopfer ihre_n Täter_in vorher kannten. Weil sie nicht begreifen, was der Unterschied zwischen Transsexuellen und Drag Queens ist. Weil sie nicht verstehen, dass man hart arbeiten und gleichzeitig bettelarm sein kann. – Weil es sie einen Scheißdreck interessiert.
Es geht ihnen nicht darum, ernsthaft herauszufinden, warum sie solche Witze nicht mehr machen sollen. Es geht ihnen darum, dass man sie endlich mit dem anstrengenden Generve in Ruhe lässt, damit sie weiter Hass verbreiten können.

Oh stimmt, das war nicht „böse“ gemeint. Dann erklärt mir mal, wie ein_e Rassist_in wissen soll, aus welchem Grund du eine beschissene Afro-Perücke trägst? Gar nicht. Diese Person wird einfach nur glauben, dass deine Ansichten genau so abgefuckt sind wie ihre eigenen, sich bestätigt fühlen und exakt so weiter machen wie vorher. Und das heißt, dass du Diskriminierung mit jedem miesen Flachwitz verschlimmerst, weil du dafür sorgst, dass sie gesellschaftsfähig bleibt.

Man tut nichts gegen Diskriminierung, indem man „weniger schlimme“ Witze macht oder die Leute wenigstens nicht anpöbelt[\Sarkasmus]. Man tut nur etwas gegen Diskriminierung, indem man sich endlich zusammenreißt und Leuten aktiv sagt, dass man ihre Aussagen und Witze nicht okay findet, weil xyz. Und Konsequenzen folgen lässt, wenn sie ihr Verhalten um dich her nicht ändern.
Wenigstens solltest du diese abartig penetrante Nerv-Person werden, in deren Gegenwart sich niemand mehr was „nicht politisch Korrektes“ zu sagen traut, weil du voll hän Stimmungskiller_in bist.

Nein … um genau zu sein spreche ich dir meinen ernst gemeinten herzlichen Glückwunsch aus, wenn du es so weit geschafft hast.

*Anführungszeichen, weil „Sex“ schon allumfassend ist, aber ich die Erweiterung für mein Argument benötige.

Links 15

Männlicher Fauxminismus [Englisch]

Wer muss wem Diskriminierung erklären?

Red flags, kennengelernt durch Online-Dating [Englisch]

„Wie man nicht mit Menschen redet, die dir etwas Trauriges erzählen“ [Englisch]

Abtreibung aus Spaß – ein Risiko in Ländern mit „kostenlosem“ Gesundheitssystem? [Englisch]

Warum kleine Mädchen die Pille danach brauchen [Trigger Warnung bzgl. Missbrauchs] [Englisch]

„Wer oder was ist hier eigentlich Müll?“

Das Verbot für Frauen in Saudi-Arabien Auto zu fahren könnte endlich vor seinem Ende stehen [Englisch]

Drogenkonsum in Portugal sinkt nach Legalisierung

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Suchbegriffe, mit denen Menschen an meine intersektionell-feministische Seite geraten

tumblr blog sex an ungewöhnlichen orten


Da hat Google aber ganz schön daneben gelangt. Habe ich hier überhaupt schon einmal „Sex“ geschrieben? Außer jetzt: Sex Sex Sex … Vulva! Auch Tumblr habe ich meines Wissens nach nie erwähnt. Aber so kann’s gehen, wenn man keine Operatoren bei der Google-Suche verwendet.

Privilegien Physiotypischer

<< Privilegien Weißer

Bevor die Frage aufkommt: ja, „physiotypisch“ habe ich mir in Anlehnung an „neurotypisch“ gerade ausgedacht (lat. physio- für „körper-„).
Es geht mir um Menschen, die keine körperliche Behinderung haben. Ich wollte jedoch weder „normal“ noch „körperlich gesund“ schreiben, da „normal“ schon mal ganz schrecklich ist, ich aber auch nicht davon überzeugt bin, dass eine körperliche Behinderung als Krankheit angesehen werden muss.
Mir geht gerade auf, dass ich teils körperliche und geistige Behinderungen meine, jedoch nicht Autismus oder geistige Krankheit, weswegen es gerade schwierig wird, alles in einem Wort zusammenzufassen. Ich hoffe, an den jeweiligen Punkten ist zu erkennen, wovon ich gerade spreche.

Wenn „physiotypisch“ als Begriff problematische Seiten birgt, die ich nicht beachtet habe, sagt mir das bitte. Ich möchte ja einen guten, keinen diskriminierenden Begriff verwenden.

Nun denn, wieder einmal 20 Privilegien, eine unvollständige Aufzählung.

(1) Medien konsumieren können, ohne dass vorher an ihrer Darstellung etwas geändert werden muss.
(2) Nicht darüber nachdenken müssen, welche Aktivitäten man unternehmen kann, weil es möglicherweise an barrierefreien Zugängen mangelt.
(3) Sich nicht dafür bedanken müssen, dass Menschen eigentlich selbstverständliche Dinge tun, wie zum Beispiel einen behindertengerechten Arbeitsplatz, Ausbildungs- oder Studienbedingungen schaffen.
(4) Keinem höheren Risiko ausgesetzt sein, Opfer von Missbrauch zu werden.
(5) Nicht verfolgen müssen, wie andere Menschen laut darüber nachdenken, Menschen wie dich umzubringen oder dass Menschen wie du ermordet werden, ohne dass Leute empört sind, sondern vielmehr die „Güte“ und „Gnade“ in diesen Taten und Gedanken preisen.
(6) Nicht dauernd für die eigene Sachen kämpfen müssen, weil nie jemand auf die Idee gekommen ist, man sollte auch Menschen mit deinen körperlichen Eigenschaften vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewähren.
(7) Ein Teil deiner Identität wird nicht als schlechte Metapher oder gar Schimpfwort benutzt (vgl. bestimmte Verwendungen von [Trigger Warnung für behinderungs-bezogene Beleidigungen] —– „blind“, „lahm“, „behindert“, „Spast“, „Spacko“, „M****“, …).
(8) Nicht dafür bemitleidet werden wie furchtbar furchtbar schlecht es eine_r gehen muss und dafür sanktioniert werden, wenn man es wagt, „trotzdem“ recht zufrieden zu sein.
(9) Keine Diskussionen verfolgen müssen, ob man Schwangerschaften, aus denen Menschen wie du hervorgehen könnten, nicht automatisch abbrechen sollen dürfte.
(10) Nicht verfolgen müssen, wie man Eltern mit Kindern wie dir bedauert und ihren Mut und ihre Ausdauer bewundert.
(11) Menschen mit deinen körperlichen Eigenschaften in den Medien repräsentiert sehen, ohne dass sie immer für ein ganz bestimmte Rolle stehen.
(12) Nicht immer wieder mitbekommen, wie körperliche Eigenschaften von dir für vollkommen beschissene Witze genutzt werden.
(13) Üblicherweise eine angemessene Menge an „Spoons“ ( =“Löffel“ – Menge an Energie) zur Verfügung haben, um über den Tag zu kommen.
(14) Nicht aufgrund von körperlichen Eigenschaften bei der Jobsuche (oder Ausbildung) benachteiligt werden.
(15) Keine höheren Kosten für einen höheren Pflegebedarf/bestimmte Umbauten an der Wohnung/bestimmte notwendige Gegenstände oder Medikamente tragen müssen und gleichzeitig weniger Chancen Geld zu verdienen haben.
(16) Nicht generell als „anders“ wahrgenommen und dadurch in Teilen völlig vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.
(17) Nicht bevormundet werden/bestimmte Dinge nicht zugetraut bekommen.
(18) Stadt-/Verkehrs- und die Planung von Gebäuden ist auf deine physischen Eigenschaften ausgerichtet, woraus diverse Annehmlichkeiten resultieren.
[Edit vom 12.01.2012 15:45]
(19) Du wirst nicht automatisch als asexuelles Wesen wahrgenommen.
(20) Es wird nicht in Frage gestellt, dass du ein Recht und die Möglichkeit haben solltest, deine Sexualität auszuleben.
[/Edit]

Mir ist bewusst, dass einige Punkte auch für Menschen mit anderen Ebenen der Diskriminierung zutreffen können (siehe auch Konzept der Intersektionalität). Dadurch sind die hier genannten Punkte für Menschen mit körperlicher (und/oder geistiger) Behinderung aber nicht weniger wahr oder relevant.

Klassenprivilegien >>

Links 14

„Warum Wikipedia ein Männerclub ist“

Distanzierung der Deutschen von Rassismus, der zu Toten führte

Eine glasklare Illustration der Act Like A Man-Box [Englisch]

Erklärung zur Schließung eines Blogs im Angesicht unzähliger Barrieren

[Ganz große Triggerwarnung bezgl. Vergewaltigung] Das massive Problem von Vergewaltigungen im Kongo [Englisch]

Grenzüberschreitungen an der Universität und die mehrheitlich nicht existierenden Konsequenzen für Täter_innen

Norwegische Schule trennt Kinder anhand ihrer Hautfarbe voneinander [Englisch]

Eine erhellende Rezension zu Sucker Punch [Englisch]

Mysogynistische Autor_innen werden preisgekrönt

Der kalkulierte Kampf einer Fluggesellschaft in Australien gegen die Gewerkschaften [Englisch]

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Feministisches Bullshit-Bingo

Es ist wieder Zeit, eine Kategorie zu eröffnen, in der ich einen Post schreibe und dann wochenlang nichts mehr veröffentliche.

In dieser Kategorie werde ich mich mit reflexhaften Antworten beschäftigen, die Feminist_innen immer wieder hören.
Da ich meine Zeit gerne sinnvoll verwende, gehe ich auf viele solcher Kommentare im Internet gar nicht erst ein (und lösche sie auf meinem Blog). Denn ich begreife mich nicht als Ausbilderin, sondern möchte mit Menschen diskutieren, die sich ernsthaft mit den Themen beschäftigen wollen, die mir wichtig sind.

Manchmal freut man sich allerdings, wenn man klar auf den Punkt bringen kann, warum das, was eine Person gerade gesagt hat, völliger Mist ist. Also werde ich in diesem geschlossenen Rahmen auf einige der wirklich häufigen wirklich nervigen Reflexantworten eingehen.


Wir beginnen mit: It’s the internet, dummy. bzw. Es ist doch nur das Internet. Leider nur unter anderem hier geäußert (auf die kleinen Pfeile klicken, um den vorhergehenden Dialog auszuklappen).

Leute, „das Internet“ ist kein von der „realen Welt“ getrennter Teil unseres Universums oder „nur in unseren Köpfen“. Es ist auch keine Spielwiese, in der man all seine niedersten Triebe ausleben kann.
Es ist gleichzeitig grandios, weil teils Menschen am allgemeinen Diskurs teilnehmen können, die sonst durch Barrieren im täglichen Leben behindert werden (das gilt leider nur bedingt; auch im Internet gibt es viele Barrieren, nicht zuletzt die, erst mal einen Internetanschluss bezahlen können zu müssen). Andererseits ist es auch sehr anstrengend, weil es einige Menschen gibt, die die Möglichkeiten zur Anonymisierung nicht dazu nutzen, frei von Diskriminierung ihre Meinung zu äußern, sondern mit Hilfe eben dieser Anonymität ihre sehr realen sehr diskriminierenden Meinungen, die sie sonst mitunter für sich behalten, frei in die Gegend zu kotzen.

Nun gut, ihr kennt das Internet, also muss ich das nicht weiter erklären. Was ihr vom letzten Absatz mitnehmen sollt, ist, dass reale Menschen mit realen Meinungen, die sehr reale Konsequenzen für andere reale Menschen haben, in diesem Internet verkehren.
Nur weil man die anderen nicht anfassen kann, heißt das nicht, dass „die Gesellschaft“ plötzlich nicht mehr existiert und Diskriminierung ein hier nicht existierendes Konzept ist, das Menschen sich für diese „andere“ Welt ausgedacht haben.
Man stolpert nicht alleine durchs Netz, sondern interagiert¹ auf vielfältigsten Wegen mit anderen, also beeinflusst man andere Menschen mit dem, was man sagt. Genau wie offline.

Aber oft geht es bei „Es ist doch nur das Internet.“ ja nicht um die Weigerung zuzugeben, dass das, was man sagt, einen Einfluss auf andere hat (obwohl das ein Teil der Argumentation ist), sondern dass es „im Netz halt so ist“. Das es halt scheiße sei und wie kann ich nur so blauäugig sein zu erwarten, dass es sich besser verhalten könnte und wenn ich es so schlimm finde, kann ich mich ja auch verpissen. Ähm.

Es ist halt so in Deutschland, dass Menschen vom Fernsehen für Profit zu Grund gerichtet und in Knebelverträge gezwungen werden. Kann man nichts dran ändern, dass man als behinderte Studentin aktiv am Studieren gehindert wird, soll man’s halt nicht versuchen. Der Rassismus in Deutschland führt regelmäßig zu Toten, damit muss man sich schon abfinden. Und wenn man als Person of Color fälschlich des Klauens bezichtigt und von Supermarktmitarbeitern zusammengeschlagen wird, muss man damit rechnen, dass man selber angeklagt wird. Weiß doch jede_r.

WIE BITTE? In meiner kleinen Welt drehen wir nicht Däumchen und akzeptieren Scheiße, solange sie uns nicht persönlich betrifft! Hier lehnen wir uns nicht zurück und treten nochmal nach, wenn andere Menschen diskriminiert werden. Hier verneinen wir nicht, dass es uns besser geht als vielen anderen und halten das für ein völlig ausreichendes Argument, um nicht zu helfen.

Hier, in meiner kleinen Welt, kümmern wir uns um Scheiße, die wir sehen, so lange wir die Energie noch haben. Wenn wir damit eine ungeschriebene Regel verletzen, dass man nicht auf Diskriminierung aufmerksam machen soll, weil sich ja die Person, die diskriminierendes Verhalten an den Tag legte, schlecht fühlen könnte, dann sei es drum. Mit Freuden!
Aber um Hels Willen: zwingt mir nicht eure abstoßende Apathie² auf.

1 Mit anderen umgehen
2 Teilnahmslosigkeit

20 Zitat der Woche 01

When my boyfriend brought up kids and I started talking about how long it would be before I could support him at home to care for them he was quite taken aback. It turned out he wanted kids as long as someone else was going to take care of them; I told him I felt exactly the same way.

[Als mein Freund Kinder zur Sprache brachte und ich begann davon zu sprechen, wie lange es dauern würde, bevor ich ihn zu Hause unterstützen könnte, um für sie zu sorgen, war er ziemlich verblüfft. Es stellte sich heraus, dass er Kinder wollte, so lange sich jemand anderes um sie kümmern würde; Ich sagte ihm, dass ich das ganz genau so sah.]

Meg auf Geek Feminism

19 Zitat der Woche 52

There are still plenty of people who think that HIV and other SITs are a punishment for sex. (It makes me wonder if they think that the flu is a punishment for riding public transit.)

[Es gibt immer noch sehr viele Menschen, die glauben HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten seien eine Bestrafung für Sex. (Das gibt mir zu denken, ob sie glauben, dass die Grippe eine Strafe für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist.)]

Charlie Glickman auf Charlie Glickman