Bis zum männlichen* Horizont und nicht weiter

28Jan13

Auch erschienen auf takeover.beta

Schlagwörter: Privileg – Sexismus – Silencing – Aktivismus

Vielleicht hat Magda recht und die #Aufschrei-Debatte ist für mich deswegen so schwer zu beobachten, weil ihr Ziel es ist

Frauen und Männer näher zueinander zu bringen

(Was, um die Verwirrung zu erhöhen, eigentlich ein Zitat von @fraeulein_tessa ist.)

Wenn die Kampagne dahin strebt, Männern* klar zu machen, welcher Gewalt sie jeden Tag qua Privileg entgehen, macht es Sinn.
Sie hat auf jeden Fall dazu geführt, dass ich von Typen gelesen habe, die “Scham” empfinden, weil sie damals nicht eingegriffen haben, die bis jetzt nicht wussten, wie schlimm das alles ist und so fort.

Schon beim ersten Lesen eines solchen Statements fragte ich mich: Was hat deine Manpain in diesem Hashtag verloren? Frauen* geht es scheiße und du legst gleich mal deine Betroffenheit dar, dafuq?
Warum das falsch ist? Weil es die Aufmerksamkeit verschiebt. Es geht nicht mehr um grausames sexistisches Ereignis X, es geht darum, wie grausames Ereignis X einen Mann* emotional mitnimmt. Dadurch wird es legitimer. Ja, auch das ist Sexismus. Nein, das ist KEINE HILFE.
Eine Hilfe ist es, die Stimmen von Frauen* (PoC, Homosexuellen, Menschen mit Behinderung usf.) zu verstärken. (Denk-Anstoß von kiturak. Gerade zu sauer, um den richtigen Artikel zu finden.) Was nicht darunter fällt, ist die Stimme von Dudes, die sich endlich (oder meinetwegen auch wiederholt) mal zum Thema äußern, in den Himmel zu loben.
Versteht ihr nicht, was passiert? Die Debatte wird legitimisiert dadurch, dass auch Männer* Sexismus schlimm finden. Das. Ist. Sexismus. Ja, ich freue mich ehrlich drüber, wenn ich sehe, dass ein paar Typen es geschnallt haben. Ja, ich freue mich auch drüber, dass sie ihre Position nutzen, um die Ideen einer breiteren Leser*innenschaft zuzutragen. Nein, ich werde sie deswegen nicht retweeten. Denn das, was sie da sagen, wird gerade von mindestens 5 Frauen* woanders auch gesagt und steht, viel besser (von Frauen*) beschrieben, schon seit 10 Jahren im Netz. Geschrieben von Leuten, die tatsächlich wissen wie es ist so zu leben. For realz.

Es gibt einen Tumblr-Post darüber, dass die Friend-Zone scheiße ist. Trotz einiger problematischer Aussage und dessen, dass er nicht sehr tief geht, wird er hoch und runter verlinkt. Ratet das Geschlecht und die Perspektive des Autors.
Es gibt einen Tumblr-Post von einem Typen, der ein soziales Experiment gemacht hat. (Ob bezüglich Sexismus oder Cis-Sexismus weiß ich nicht mehr). Er trug “weibliche” Klamotten (Bluse, Rock, …) und beobachtete die Reaktionen. Als er einen Tag lang den Rock trug, machten ihn die Reaktionen richtig fertig. Text über das Experiment? Rauf und runter verlinkt.
Wisst ihr wie viele (englischsprachige) Artikel es zu Cis-Sexismus und Sexismus im Netz gibt, die aus einer Betroffenen-Perspektive geschrieben sind? Ihr könnt sie in eurer Lebzeit nicht einmal lesen. Und dieser weiße Cis-Dude kommt daher und bringt alle zum Weinen. SO fühlt sich das also an. Das ist ja echt schmerzhaft. Da sollten wir Mitleid mit den anderen haben.

Ich weiß, wie gut es sich anfühlt, wenn eine Person, von der man es nicht erwartet hat Es Versteht(tm). Dennoch ist das kein Grund für Belohnung, wenn ein Mann* endlich akzeptiert, dass es Sexismus und sexuelle Belästigung gibt. Die Belohnung für ein privilegierten Person die diskriminierende Struktur anzuerkennen, von der sie profitiert, ist Kein-Arschloch-sein. Hier ist deine “Herzlichen Glückwunsch, Du bist kein Arschloch”-Marke. Ich hoffe, das reicht.

(Tut mir Leid, dass die Lesbarkeit heute darunter gelitten haben könnte, dass ich das mehr oder weniger runtergerantet habe.)

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10 Responses to “Bis zum männlichen* Horizont und nicht weiter”

  1. 1 dephzon

    Hi! Cooler Post. Ich frage mich nur ob die komponente “Aufmerksamkeitsökonomie” nicht zu kurz kommt. Klar spielen dabei “Old-Boys Netzwerke” etc. eine große Rolle, aber ist nicht gerade das Thema “Wem wird Aufmerksamkeit geschenkt” nicht noch von vielen, evtl. gravierenderen Faktoren überlagert? Zum Thema Alltagssexismus gibt es auch mehr Literatur als ich im Leben lesen kann, dennoch schafft es der Stern-Artikel einer Frau daraus eine Debatte zu entfachen.

    • Ja klar. Deswegen finde ich es ja auch wichtig, wie Leute damit umgehen, dass man ihnen zuhört.
      Wie ich schon schrieb freut es mich, wenn Leute, auch Männer*, in der Öffentlichkeit eine Anti-Sexistische Position vertreten. Vor allem, weil ihnen nun einmal zugehört wird. Was wiederum auf sexistischen Strukturen beruht.
      Das bedeutet aber nicht, dass Männer* sich einfach drauf ausruhen sollten, dass sie Anti-Sexistische Gedanken verbreiten können, sondern sie sollten schauen, dass sie sauber ihre Quellen nennen, vermehrt Texte zu Sexismus von Frauen* verlinken, Frauen* interviewen und Frauen* einstellen. (Nicht zu reden davon, dass lesbische/bisexuelle/pansexuelle Perspektiven, die von Women* of Color usw. usf. auch gepusht werden müssen.)

  2. Richtig gut!

  3. 4 peter

    ähm. soll man sich jetzt als mann schämen, freuen, oder den mund halten? sexismus is falsch und solidarisch sein ist auch falsch. hmm.

    • do i look like i care

      Bu-fucking-hu. Ich lass einen solchen scheinheiligen Kommentar durch, um drauf antworten zu können:
      was du tun darfst/kannst, ist die Stimme von Frauen* zu verstärken. Retweeten, verlinken, sagen woher deine Anti-Sexistischen Ideen kommen und wo Leute mehr dazu lesen können.

      Mund halten ist manchmal auch ganz nett, gerade zum Beispiel.

      Und vielleicht mal lernen, dass es nicht immer um dich geht.

  4. Sorry Erz, die Antwort is so lang wie mein Text selbst. Talking about taking up too much space. Ich kann ihn dir zuschicken, wenn du ihn woanders veröffentlichen magst. (Mail unter “Ich).

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  1. 1 Glitzerbuntschön. « gnurpsnewoel.
  2. 2 Open Thread: Ist der #aufschrei nur der Anfang? « High on Clichés
  3. 3 Mädchenmannschaft » Blog Archive » #aufschrei-Talkshows und Femen-Fails – die Blogschau
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