Eine sexistische Gesellschaft

12Mär12

Schlagwörter: Sexismus – *weggepiept*

In einer sexistischen Gesellschaft hält ein Vorgesetzter* es im Jahre 2012 für angemessen, eine Angestellte* zu beruhigen, dass sie sich beim Ausräumen eines Kartons schon nicht “ihre Fingernägel abbrechen werde”.

In einer sexistischen Gesellschaft ist die Lösung eines Problems durch einen Mann* “Logik” und durch eine Frau* “weibliche Logik”.

In einer sexistischen Gesellschaft wird nach wie vor bekämpft, dass weibliche und männliche Formen für Personenbezeichnungen genutzt werden und deren Nutzen bestritten, obwohl Frauen* anscheinend doch nicht “mitgemeint” sind.
In einer sexistischen Gesellschaft haben Frauen* die Pflicht, sich mitgemeint zu fühlen, während Männer* durch grammatikalische Formen direkt angesprochen werden.

In einer sexistischen Gesellschaft ist jede 30 prozentige Frauen*quote hart umkämpft, während es niemanden zu bekümmern scheint, dass Frauen* im Durchschnitt noch 23% weniger Geld für gleichwertige Arbeit erhalten.

In einer sexistischen Gesellschaft geht die Mehrheit davon aus, dass heterosexuelle Frauen*, sobald Kinder ins Haus stehen, im Job zurückstecken oder ganz zu Hause bleiben, ungeachtet der Wünsche aller Beteiligten.

In einer sexistischen Gesellschaft wird Arbeit, die mehrheitlich von Frauen* ausgeübt wird, im Durchschnitt schlechter (oder gar nicht) bezahlt und sinkt der Lohn für Tätigkeiten, sobald der Frauen*anteil steigt.

In einer sexistischen Gesellschaft soll Belästigung als Kompliment aufgefasst werden. Der Wunsch eines Mannes* mit einer Frau* Kontakt aufzunehmen wiegt dabei schwerer als der Wunsch der Frau*, in Ruhe ihren Tätigkeiten nachgehen zu können.

In einer sexistischen Gesellschaft hat eine im Job erfolgreiche Frau* sich entweder “hochgeschlafen” oder ist eine gefühllose “Zicke”, ungeachtet dessen, dass Frauen* härter arbeiten müssen, um das gleiche Maß an Anerkennung zu erreichen.

In einer sexistischen Gesellschaft sind gesellschaftliche Probleme “Frauen*probleme”, sobald es um die Diskriminierung von Frauen* geht.

In einer sexistischen Gesellschaft ist es keine Selbstverständlichkeit sondern ein Ritterschlag für einen heterosexuellen Mann*, wenn eine Frau* beim Sex einen Orgasmus hat.

In einer sexistischen Gesellschaft ist eine Frau*, die sich in irgendeiner Weise zu Sex positioniert, schnell ein “Flittchen”, “prüde”, “lesbisch” (= will nicht mit einem bestimmten Mann* schlafen), geil –mit anderen Worten objektifiziert– (= ein Mann* weiß, sie ist lesbisch und hat noch nicht verstanden, dass sie nicht mit einem Mann* schlafen will) uvm. – nur nicht sie selbst, als autonome Person.

In einer sexistischen Gesellschaft sind Mikroaggressionen nichts, worüber frau* sich aufregen darf oder gar gesellschaftliche Veränderungen fordern, sondern nur die Einleitung zur Aufforderung, sich “ein dickeres Fell zuzulegen”.

In einer sexistischen Gesellschaft sind Feministinnen* so glücklich darüber, endlich einen Mann* zu kennen, der sich ihrer Positionen annimmt, dass sie Arschlöcher wie Hugo Schwyzer tolerieren.

In einer sexistischen Gesellschaft werden sexistische Äußerungen als Kleinigkeiten abgetan und nicht als die Gewalt, die sie sind.

In einer sexistischen Gesellschaft wird unweigerlich das Aussehen einer Frau* Thema sein – ob sie in der Politik, Schauspielerin* oder Wissenschaftlerin* ist.

In einer sexistischen Gesellschaft wird nicht anerkannt, dass Beleidigungen wie “Tussi”, “Zicke” oder “F****” nicht gleichwertig sind zu “Arschloch”, weil sie nur auf Frauen* angewandt werden (oder auf “weibische” Männer*, die sich des Verbrechens schuldig gemacht haben, vermeintliche Eigenschaften dieses verabscheuungswürdigen Geschlechts zu zeigen und daher sanktioniert werden müssen).

In einer sexistischen Gesellschaft halten es weder Schulen noch Arbeitsplätze noch Universitäten noch Parteien noch die Öffentlichkeit für nötig, ihre weiblichen Mitglieder ernsthaft vor sexistischer Diskriminierung zu schützen.

PS: Ich lade alle ein, ihren Beitrag/Beiträge in die Kommentare zu schreiben, was in einer sexistischen Gesellschaft geschieht – ob persönliche Erlebnisse oder allgemeinere Tendenzen.

[Trigger Warnung]

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In einer sexistischen Gesellschaft fühlen sich weibliche Opfer sexueller oder häuslicher Gewalt statt der Täter, als müssten sie sich schämen.

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10 Responses to “Eine sexistische Gesellschaft”

  1. 1 onyx

    Hübsche Auflistung.
    Aber hier:

    “In einer sexistischen Gesellschaft werden sexistische Äußerungen als Kleinigkeiten abgetan und nicht als die Gewalt, die sie sind.”

    hast du untertrieben. In einer sexistischen Gesellschaft sind sexistische Äußerungen nicht nur Kleinigkeiten, über die sich nur hysterische Feministinnen beklagen, sondern es sind “Komplimente, die nur attraktive Frauen betreffen”. Folglich falsche sexistische “Logik”: Durchschnittliche oder unattraktive Frauen werden nicht sexistisch belästigt.

    • Dein Punkt geht von dem weg, was ich mit dem Zitierten sagen wollte, ich kann dennoch zustimmen.

  2. In einer sexistischen Gesellschaft wird das Potential einer Gesellschaft, die auf die Person bzw. den Menschen und nicht auf Geschlecht, Herkunft etc. fokussiert ist, nicht erkannt.

    In einer sexistischen Gesellschaft sind Artikel wie der obige wichtig, aber bestärken meiner Meinung nach das Opferbild der Frauen (a la “das schwache Geschlecht”)

    In einer sexistischen Gesellschaft ist angebracht, Gegenentwürfe zu entwickeln und zu leben.

    In einer sexistischen Gesellschaft ist Solidarität aller emanziptiven Menschen unsere Kraft.

    In einer sexistischen Gesellschaft müssen wir die Dinge selbst in die hand nehmen!

    • Ich muss deinem zweiten Punkt deutlich widersprechen: es ist kein Zeichen von Schwäche, auf eine ungerechte Behandlung hinzuweisen. Wenn du dich im Krankenhaus behandeln lässt, sagt dir auch niemand, du seist ‘ne Memme, weil du nicht einfach mit dem geplatzten Blinddarm klarkommst.
      Dass es sich beim Anprangern von ungerechten Zuständen um eine “Opferhaltung” handele, ist nur die andere und nicht schönere Seite der Medaille, des “Ratschlags” man solle sich doch ein dickeres Fell zu legen.
      Das ist lediglich eine Taktik, um die Opfer zu Täter*innen zu stilisieren und von der Problematik abzulenken, dass Menschen falsch behandelt werden.

      • Wie gesagt, ich finde das Anprangern von sexistischen (und anderen “Normal”)-Zuständen wichtig und trotzdem empfinde ich das oftmals als eine zu passive Handlungsstrategie. Ich meine das nicht in dem Sinne von “sich ein dickeres Fell zulegen” und “aus der Opferhaltung herauskommen” und habe bei Dir auch keine Opferhaltung kritisieren wollen. Und ich habe auch nicht behauptet, dass es ein Zeichen von Schwäche ist, auf Missstände hinzuweisen. Ich habe nur immer öfter das Gefühl, dass es nicht viel bringt. Ich habe von einer sexistischen Gesellschaft nichts zu erwarten. Das Anprangern der Missstände interessiert eine … Gesellschaft nicht.
        Oder wie Ulrike Meinhof sagte:
        “Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht.”

      • Ah, danke für die Erklärung. Natürlich kann es beim Hinweisen nicht bleiben. Aber das Hinweisen ist, meiner Meinung nach, idealerweise genau das, was auch Außenstehende dazu bringt zu erkennen, dass es Probleme gibt, bei denen ihre Hilfe gefordert ist.
        Der Text entstand um genau zu sein aus einem solchen Grund: dass es mir schwer fiel zu erklären, inwiefern denn Sexismus in unserer Gesellschaft existiert, wenn ich mich mit Leuten unterhalten hatte, die am Thema interessiert waren, sich aber noch nicht stark damit beschäftigt hatten.

  3. 7 Punkel

    *seufz*
    In einer sexistischen Gesellschaft muss frau* sich dabei ertappen, auf bestimmte Reize selbst mit sexistischen Gedankenkommentaren zu reagieren. In einer sexistischen Gesellschaft kennt man die typischen Sprüche eben schon sehr, sehr, zu gut.

  4. In einer sexistischen Gesellschaft sorgen solche Aktionen http://www.youtube.com/watch?v=OVT4T7OR3iQ für massive Empörung.

  5. 9 Olga

    In einer sexistischen Gesellschaft erstatten Männer Anzeige, weil es Frauenräume gibt, zu denen Männer keinen Zutritt haben und die teilweise mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Die Anzeige begründen sie damit, dass sie aufgrund dieser Frauenfreiräume und aufgrund der finanziellen Unterstützung durch den Staat benachteiligt seien.



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