[TW] You can stop r*p*: Schritt 3 – V*r**wa***ge nicht

16Feb12

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Edit 13.06. 18:07: Da, wie Samia anmerkte, auch schon gewisse Worte triggernd sein können, habe ich versucht die Überschrift wenigstens durch Splats etwas zu entschärfen.

Dies gilt für alle Geschlechter und alle Identitäten: vergewaltige nicht.

Die Forderung ist leider nicht so lächerlich wie sie klingt; Vergewaltigungen sind mehrheitlich nicht die Fälle, in denen fremde Männer aus einem Busch springen und Gewalt anwenden. Dreiviertel aller Opfer kannten ihre*n Vergewaltiger*in(nen). Unter anderem geht es also um Vergewaltigungen in Beziehungen oder unter Bekannten.
So absurd es klingt: es gibt Vergewaltiger*innen, die nicht wissen, was sie einer anderen Person angetan haben. Sie glauben, alle würden es so machen wie sie und das sei normal.

Also einige Regeln, die unter allem Umständen zu beachten sind. Größtenteils wird es sich um eine Zusammenfassung des Artikels handeln, den ich beim letzten Beitrag unter “Consent Culture” verlinkt habe. Der ist großartig, lest ihn.

Viele der folgenden Dinge sollen sicherstellen, dass alle Beteiligten ihre Zustimmung gegeben und nicht zurückgezogen haben. Fehlkommunikation passiert, schlechter Sex passiert. Damit aus schlechtem Sex aber keine sich lange komisch anfühlende Begebenheit wird, bei der man sich fragt, ob wirklich noch alles mit rechten Dingen zuging oder gar Vergewaltigung, schadet es nie, die folgenden Punkte zu beachten, die auch noch sicherstellen, dass alle mehr Spaß haben. Win win, würde ich sagen.

Wenn Zweifel am enthusiastischen Einverständnis einer oder mehrerer Beteiligter besteht, gibt es keinen Sex.
Dies kann der Fall sein wegen der Einnahme von Medikamenten, wegen Drogen- oder Alkoholkonsums. Wenn nicht eindeutig ist, dass alle Beteiligten noch vollständig in der Lage sind zu verstehen, was gerade passiert und eindeutig zeigen, dass sie gerade sehr Lust darauf haben, ist erst mal Schluss.

Wenn einige Beteiligte aus Gründen auch immer Schwierigkeiten haben, ihre Zustimmung zu zeigen –entweder, weil sie nicht gelernt haben, ihre Bedürfnisse offen zu kommunizieren oder weil sie aus anderen Gründen erschwert kommunizieren oder verzögerte Reaktionen zeigen– muss als erstes klargestellt werden, dass alle enthusiastisch bei der Sache sind.

Die Pflicht, Zustimmung sicherzustellen, endet zu keinem Zeitpunkt. Jedes Zeichen, jemand könnte sich umentschieden haben, ob verbal¹ oder nonverbal, muss beachtet und umgehend entsprechend respektiert werden. Das heißt nicht, dass alle sich nach je drei Minuten brav nebeneinander setzen müssen und fragen, wie es denn so geht, aber Zweifeln an der anhaltenden Begeisterung von Beteiligten sollte immer nachgegangen werden.
Zeichen sind: “Nein”, “Moment”, “Stop”, “”, “halt”, “autsch” (es sei denn, ihr seid in einer BDSM-Session, ihr habt alles vollständig ausgehandelt, das ist nicht das Safeword und die Person grinst anzüglich), jeglicher anderer Schmerzenslaut, auffällige Ruhe, Unruhe oder nicht bei der Sache Sein, Unbeweglichkeit, Verkrampfen oder Steifheit der anderen Person, wenn sie sich körperlich entfernt und viele viele viele andere Zeichen, die im Zweifel als Warnung gelesen werden sollten.

Verinnerlicht, dass es nicht normal ist über Sex zu reden, als wäre es ein Streich, den man einer anderen Person spielt. Leute, die so reden, würde ich sehr kritisch beäugen.

Holly Pervocracy schlägt ebenfalls vor, wenn man darüber spricht, mit wem man geschlafen hat, Consent zu einem Teil der Geschichte zu machen: “Letztens habe ich Lisa getroffen und dann haben wir uns total drauf geeinigt, dass wir Lust auf Sex haben.” “Als ich Tim letztens auf der Party traf, habe ich ihn gefragt, ob er Lust hat und die hatte er!”
Das führt dazu, dass Leute es als natürlichen Schritt zum Vögeln (sorry für den Stilbruch, aber das klingt doch alles furchtbar) auffassen, sicherzustellen, dass alle enthusiastisch bei der Sache sind.

Überhaupt ist es essentiell, darüber reden zu können, was man selber mag, ob man etwas mag und zu sagen, wenn man etwas (gerade) nicht mag. “Nein” sagen kann sehr sehr befreiend sein und ein Nein sollte umgehend akzeptiert werden. (Dies ist keine Erlaubnis für Bullshit-Argumente wie “Ich habe aber nicht verstanden, dass mein*e Partner*in keine Lust hatte.” “Nein” kann man auf viele Weisen sagen, auch ohne Worte zu benutzen. Wer es nicht hört, ist dafür verantwortlich.)

Lernt Ablehnung als das zu verstehen, was sie ist: Nur eine Aussage darüber, was die Person möchte. “Ich will nicht mit dir schlafen.” heißt nicht “Du bist hässlich/unsympathisch/…” sondern “Ich habe aus welchem Grund auch immer gerade keine Lust. Ende der Durchsage.” Nein ist ein ganzer Satz, wie es so schön heißt. Darüber wird unter keinen Umständen diskutiert und es ist ganz schlechter Stil, die Person dafür weniger zu mögen.
Natürlich ist es erlaubt, enttäuscht zu sein über die verpasste Gelegenheit! Aber nicht, indem man der anderen Person Schuld einredet oder gar anfängt ‘rumzubetteln. Die feine Art lautet: “Verstehe, schade zu hören.” und dann woanders hingehen/die Konversation mit einem anderen Thema fortsetzen, wenn alle Beteiligten das möchten/sich selbst beschäftigen gehen.

Auch für den Alltag kann man sich merken: Überreden, manipulieren, Schuld einreden, “Aber waruuum nicht?” ist nie cool. Nicht wenn es darum geht, was gemeinsam zu machen, doch mal ein Häppchen zu probieren, bei etwas zu helfen, etwas zu erzählen. Nie cool.
Genau so ist körperliche Autonomie unglaublich wichtig. Achtet darauf, ob ihr dazu neigt, sehr nah an anderen zu stehen, sie beim Reden zu berühren, obwohl ihr sie nicht gut kennt, neue Bekannte zu umarmen, wenn ihr euch gerade das zweite Mal trefft. Wenn ihr das sehr gerne macht und beibehalten wollten, dann seid euch dessen bewusst, dass ihr immer sicherstellen müsst, dass es nicht unwillkommen ist. Achtet darauf, ob die andere Person immer freudig das gleiche macht oder aussieht, als würde sie sich unwohl fühlen, vielleicht sogar einen Schritt zurück macht. Fragt nach. Fragt nach. Fragt immer nach.
Absolutes No-Go ist kitzeln und Überraschungsumarmen von hinten, genau so wie Knuffereien oder gar Schlagen von Leuten, egal wie kumpelhaft, “witzig” oder spielerisch es ist. In allen Fällen ist es nahezu unmöglich, vorher bzw. rechtzeitig zu äußern, wenn man es nicht mag (man sollte es gar nicht äußern müssen, meiner Meinung nach). Es sollte allen klar sein, dass man nie wissen kann, was Menschen alles erlebt haben und ein solches Erlebnis der Machtlosigkeit ein Trigger sein kann für Erinnerungen an ältere, schlimmere Erlebnisse. Aber auch wenn es nicht als Trigger wirkt, ist es kein akzeptables Verhalten.

Okay, ich bin wieder etwas abgedriftet und es wurde doch ein Artikel zu Consent, weil nun einmal alles miteinander zusammenhängt.

Stellt sicher, dass ihr euch wohlfühlt, wenn ihr mit anderen interagiert. Stellt sicher, dass sie sich wohlfühlen. Kommuniziert. Habt Spaß.

1 ausgesprochen

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12 Responses to “[TW] You can stop r*p*: Schritt 3 – V*r**wa***ge nicht”

  1. 1 onyx

    “Natürlich ist es erlaubt, enttäuscht zu sein über die verpasste Gelegenheit!”

    Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass eine verpasste Gelegenheit eher zu verschmerzen ist, als die Ungewissheit “danach”, ob das wirklich so von beiden Seiten gewollt war. Wem diese Ungewissheit egal ist oder einfach davon ausgeht “wird schon ok gewesen sein”, und wer ein Drama über verpasste Gelegenheiten veranstaltet, sollte mal über sein Verständnis von einvernehmlicher Sexualität nachdenken.

  2. 3 Samia

    Mal wieder ein toller Artikel.
    Ich habe vor kurzem gelernt, dass die Worte “rape” und “Vergewaltigung” triggernd wirken können. Deshalb vielleicht ungeeignet für eine Überschrift..
    Bei der Reaktion auf Ablehnung würde ich sogar so weit gehen, ein “schade” auch schon als unnötig und guilt tripping einzustufen.

    • Danke *-*

      Der Gedanke ging mir auch durch den Kopf, deswegen das [TW] zu Beginn dieser Überschriften. Ich weiß natürlich nicht, wie weit dessen Bedeutung geläufig ist und hoffe mehr oder weniger darauf, dass diese Maßnahme ausreichend warnt.

      In meiner persönlichen Handhabe unterscheide ich bei “schade” zwischen den Menschen, die es sagen. Je mehr strukturelle Macht, desto wahrscheinlicher, dass ich es als ebenfalls als guild tripping einstufe. Ich akzeptiere es auf jeden Fall auch nur unter der Voraussetzung, dass dieses Wort tatsächlich das einzige Zeichen von Enttäuschung ist und keine weiteren “Andeutungen” folgen, dass die Ablehnung jetzt furchtbar schlimm gewesen sei.
      Eine Nulltoleranz-Politik könnte ich dabei aber auch verstehen.

  3. 5 Ra9amuffin

    Danke für den Text! Würde ich so unterschreiben :) Ich finde es auch gut, dass du nicht nur Sexualität ansprichst, sondern auch andere Situationen. Gerade beim Thema Alkohol merke ich das immer extrem. “Einen kannst du doch mittrinken!” (oder sogar “musst”). -.-

    Was ich an manchen Texten über consent/Zustimmungskonzept kritisch finde ist, dass non-verbale Kommunikation da als so missverständlich dargestellt wird, dass sie eigentlich gar nicht funktioniert. Wäre dem so, wäre das Konzept ja auch mehr oder weniger hinfällig, weil verbale Kommunikation non-verbale natürlich nicht ausschließt (ein “Ja” kann schließlich auch zögerlich oder ängstlich kommen).

    Ich sehe das Konzept mehr als zusätzliche Absicherung für Leute, die sowieso auf Grenzen und ihr(e) Gegenüber achten, um eine noch vertrauens- und respektvollere Umgebung zu schaffen, als im Widerspruch zu non-verbaler Kommunikation. Z.B. dadurch, dass mein Gegenüber bei erst- oder einmaligem Sex dann auch von vornherein sicher weiß, dass ich auf seine Körpersprache etc. achte, was es sonst erst “im Verlauf” merken würde. Dadurch ist dann von vornherein die Vertrauensbasis da, sodass alle Beteiligten sich entspannen können.
    Es ist für mich v.a. für Situationen wichtig, in denen eine Person eine bestimmte Handlung/Berührung grundsätzlich mag (auch von der Person, die gerade beteiligt ist), aber das JETZT GERADE nicht das ist, worauf sie richtig Lust hat. Situationen, in denen sich eine Person unwohl fühlt, Angst hat, nicht will u.s.w. lassen sich mMn klar erkennen und wenn das nicht passiert, liegt das denke ich nicht daran, dass keine ausführliche Absprache stattgefunden hat, sondern daran, dass Zeichen ignoriert wurden.

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu off topic, weil es nicht mehr konkret um deinen Text geht, es sind halt noch so ein paar grundsätzliche Gedanken zum Thema.

    Zu der Sache mit dem “schade”: ich kenne das von mir aus nicht-sexuellen Situation. Wenn ich mich z.B. mit einer Person verabreden will und diese mir abgesagt, habe ich immer einerseits den Drang, “schade” zu sagen, um zu zeigen, dass ich die Person gerne treffe und da wirklich Interesse dran habe (und nicht nur niemand “Besseres” Zeit hatte). Andererseits will ich ihr aber kein schlechtes Gewissen machen. Ich sage dann immer sowas wie “Schade, aber kann ich natürlich verstehen! :)” um halt ersteres auszudrücken, aber letzteres zu vermeiden.

    • WORDPRESS, arg.

      Was ich an manchen Texten über consent/Zustimmungskonzept kritisch finde ist, dass non-verbale Kommunikation da als so missverständlich dargestellt wird, dass sie eigentlich gar nicht funktioniert.

      Dazu fällt mir dies hier ein

      I used to react to unwanted attention from a guy at a social event by going all small and uncomfortable and nonresponsive and “please just go away”, and that this left me with the impression that only about 40% of all guys are any good at reading social cues — and then I changed my body language to “go away now or I will reject you loudly and embarrassingly in front of everyone” and, hey, wow, what do you know, there are practically NO boys out there who can’t read body language, after all. [Übersetzung auf Anfrage]

      Es gibt kein Problem. Dieses Argument ist Derailing und öfter auch Victim Blaming. Wenn man weiß, dass Partner*innen bei starken Emotionen nonverbal werden, hat man die Pflicht, vorher entsprechende Zeichen abzusprechen.
      Und wenn man Körpersprache so kompliziert findet (und nicht genanntes Problem besteht): wie wär’s mit fragen? Wenn man nicht drüber redet, kann man schwerlich behaupten, man hätte “nichts gewusst”.

      Dein Kommentar war thematisch völlig passend.

  4. 7 Ra9amuffin

    Also, wegen Derailing/Victim Blaming: die Texte, die ich meine, sind pro-Zustimmungskonzept und da kommt das quasi aus der anderen Richtung. Also nicht “ich konnt’s nicht wissen, weil Körpersprache so missverständlich ist”, sondern “weil Körpersprache so missverständlich ist, kannst du’s nicht wissen, also musst du immer fragen”.

    Konkret war das z.B. dieser: http://maedchenblog.blogsport.de/2008/01/08/have-sex-hate-sexism/ Da heißt es: “Der klassische Einwand an dieser Stelle: ‘[...] Man sieht doch an der Körpersprache, was eine Person will!’ Ach ja? Eine verängstigte Person kann: schwitzen, schneller und schwerer atmen, blinzeln, Herzklopfen haben…. Eine erregte Person kann : schwitzen, schneller und schwerer atmen, blinzeln, Herzklopfen haben….”.
    Irgendwo anders (finde den Text nicht mehr) stand, dass eine V*r**w*lt*gung “definitiv eine Möglichkeit wäre, wenn nicht verbal zugestimmt wurde“, weil non-verbale Kommunikation nicht klar genug wäre.
    Der Ansatz “Du bist verantwortlich dafür sicherzugehen, dass die beteiligte(n) Person(en) wirklich will/wollen” wird in den Texten ja schon vertreten. Ich finde es aber einfach abwegig, dass zwischen Angst und Erregung nicht (immer) unterschieden werden können oder dass es man aufgrund non-verbaler Kommunikation nicht merken können sollte, dass eine Person sich nicht wohl fühlt oder etwas nicht (mehr) will.
    Über Dinge reden und fragen ist natürlich wichtig und gut. Ich halte non-verbale Kommunikation aber schon für zuverlässig genug, als dass vieles auch darüber geklärt werden kann.

    • Ich habe die beste Antwort ever: kommt drauf an.^^ Zum Beispiel würde ich mehr Richtung reden gehen, je unbekannter die Person ist. Prinzipiell sollte man natürlich unterscheiden können, ob die Person verängstigt oder erregt ist, also ganz grob zwischen “gut” oder “schlecht”, aber Menschen sind tatsächlich sehr verschieden. Wenn manche bei gutem Sex laut und manche zurückgezogen werden, ist das tatsächlich eine große Spannbreite, auf die man achten muss.
      Was mir in der Gleichung, deinem verlinkten Artikel fehlt und überhaupt etwas helfen würde bei der Sache: es ist noch gar nicht wirklich ins Spiel gebracht worden, dass die Leute drüber reden, was ihnen gefällt. Denn selbst wenn man meint, man kann den nonverbalen Zeichen ansehen, ob’s der anderen Person gefällt, was macht man denn bis dahin? Man rät, wo sie gerne angefasst werden? Wann probiert mal aus, dies und jenes zu massieren, bis sie sich zu freuen scheinen? Besonders bei sich unbekannten Menschen , braucht man Kommunikation, um herauszufinden, was die andere Person mag.
      Dazu fällt mir ein Text von Pervocracy ein, an den ich bei deinem verlinkten Text erinnert war und der vielleicht auch ein bisschen auf deine Frage eingeht: http://pervocracy.blogspot.de/2012/01/rescripting-sex.html Ihre Version 3 ist etwas, das als gelebtert Conens funktionieren kann, wenn man nicht schon vorm Sex alles durchspricht.

      • 9 Ra9amuffin

        Oh, der Text, den du verlinkt hast, gefällt mir gut. Dadurch verstehe ich jetzt glaube ich jetzt glaube ich meine eigenen Gedanken dazu auch besser.
        Das, was Skript 3 so essentiell von den anderen unterscheidet ist ja, dass da zwei (oder auch mehr) Leute interagieren. Bei manchem, was ich bisher so über consent gelesen habe, hatte ich den Eindruck, dass da immer noch von einer aktiven und einer passiven Person ausgegangen wird, nur dass erstere verbal nachfragt (also quasi Skript 2).
        Ich würde, was Einvernehmlichkeit angeht, den Fokus eher auf Interaktion und enthusiastische Beteiligung von allen legen, als unbedingt auf verbale Kommunikation. Skript 3 würde auch mit wenig verbaler Kommunikation noch funktionieren (im Text steht ja auch “This is the kind of sexual script we need. Not necessarily one that’s based in talking a lot (although that’s what works for me, and you do have to talk some), but one that’s based in desire and shared humanity.”).
        Was nicht heißen soll, dass “reden doch total unerotisch ist” oder so ein Quatsch. Aber in manchen Texten wird Sex, bei dem nicht alles klar verbal abgesprochen wurde, schon ziemlich nah an Grenzverletzungen/V*rg**a*t*gung dargestellt. Das finde ich extrem verunsichernd (bei mir hat das eine ziemliche Angst ausgelöst, ob Situationen, in denen ich mich eigentlich volkommen wohl gefühlt habe, jetzt irgendwie “nicht okay” waren, nur weil vieles nicht verbal geklärt wurde). Mir ist schon klar, dass V*rg**a*t*ger idR nicht abgrundtief böse Menschen sind, die außerhalb der “normalen” Gesellschaft stehen. Aber das klingt so (oder löst bei mir zumindest dieses beängstigende Gefühl aus), als könnte es jedem_jeder passieren, wenn er_sie nicht genau genug nachfragt.

        Bei dem Pervocracy-Text irritiert mich auch ein bisschen das “by sheer luck, you’re not a r*p*st”. Später heißt es ja dann, dass auch Skript 1 schon einvernehmlich sein kann. Wenn es das war, ist es okay, wenn nicht, dann nicht. Die Einvernehmlichkeit ist doch der entscheidende Teil, nicht, ob die betroffene Person das als nicht so schlimm wahrnimmt.

        “Wenn manche bei gutem Sex laut und manche zurückgezogen werden, ist das tatsächlich eine große Spannbreite, auf die man achten muss.”
        Das stimmt natürlich. Allerdings würde ich halt auch da sagen, dass dadurch intensive verbale Kommunikation nicht UNBEDINGT notwendig ist. Also, viele non-verbale Zeichen sind ja schon klar. Wenn sie irgendwie unklar sind (also z.B.: “heißt die Ruhe der anderen Person, dass sie entspannt ist, oder hat sie Angst?”), muss natürlich immer nachgefragt werden.

        “Denn selbst wenn man meint, man kann den nonverbalen Zeichen ansehen, ob’s der anderen Person gefällt, was macht man denn bis dahin? Man rät, wo sie gerne angefasst werden?”
        Naja, man kann ja z.B. andeuten und die Reaktion beachten, oder sich von der anderen Person führen lassen. Und natürlich auch Zwischenfragen stellen (deswegen meinte ich ja, dass ich verbale Kommunikation schon sinnvoll finde, um rauszufinden, was anderen richtig gefällt).

        Grundsätzlich ist es natürlich ziemlich schwer, das so allgemein zu diskutieren (also, dein “kommt drauf an” ist da ja eigentlich tatsächlich eine sehr passende Antwort^^). Es ist ja klar, dass es keinen festen Regelsatz für einvernehmlichen, guten Sex gibt. Aber ich würde den Fokus da wie gesagt tendenziell eher auf dieses “back-and-forth” legen, als zwingend auf verbale Kommunikation. Natürlich kann reden vieles klarer, die Atmosphäre (noch) vertrauensvoller machen, und für manche Dinge ist es definitiv notwendig. Aber manche Texte legen mir den Fokus zu sehr auf verbale Kommunikation, auch, weil sie dabei teilweise auszublenden scheinen, dass verbale Kommunikation nie ohne non-verbale funktioniert.

      • Bei dem Pervocracy-Text irritiert mich auch ein bisschen das “by sheer luck, you’re not a r*p*st”. Später heißt es ja dann, dass auch Skript 1 schon einvernehmlich sein kann. Wenn es das war, ist es okay, wenn nicht, dann nicht. Die Einvernehmlichkeit ist doch der entscheidende Teil, nicht, ob die betroffene Person das als nicht so schlimm wahrnimmt.

        Ich weiß nicht, was du mit dem letzten Satz meinst.
        Also “by sheer luck…” usw. fasse ich so auf, dass hier Consent bestehen kann. Aber niemand weiß, ob er das tut. Consent-Roulette halt. Woraus sich dann die Notwendigkeit ergibt, irgendetwas Besseres als dieses Vorgehen auf die Beine zu stellen, damit man vor und während sexueller Aktivitäten schon Bescheid weiß.

  5. 11 Schwan

    Ich bin durch Zufall vor einigen Monaten auf diesen Blogeintrag gestoßen und muss sagen: er hat viel bei mir verändert! “Die Pflicht, Zustimmung sicherzustellen, endet zu keinem Zeitpunkt.” Ganz ehrlich, das war mir so nie bewusst. Mir war nie klar, dass ich ein ernsthaftes Recht dazu habe, meine Meinung noch zu ändern. Klingt total bescheuert, ich weiß. Aber danke für diesen Text. Sollten mehr Leute lesen…

    • Es wird halt nicht wirklich betont. Freut mich sehr zu hören, dass du den Artikel als hilfreich empfunden hast.



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